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Rumänien: Unbekanntes Europa - eine Reise in die gute alte Zeit
Birgit:
Hi Gabi,
im Laufe der Reise war ich in so einigen Kirchen, eher in Siebenbürgen und Bukarest, in orthodoxen Kirchen, die ich toll fand und in den Kirchen der Deutschstämmigen in Siebenbürgen. Dort im Donaudelta nicht, da war beispielsweise konkret die kleine Kirche vom Bild nicht zugänglich, da war schon das Außenpförtchen verschlossen.
Hotels waren günstig, also dieses eine nicht, aber ansonsten schon. Die beiden Nächte in diesem New Egreta Hotel mit 4 Sternen haben je 90 Euro gekostet. Das war vom Stil her eher nüchtern, hatte aber eben diese schöne Anlage und lag direkt am Wasser, am äußersten Punkt, den man mit dem Auto erreichen kann, dann geht es nur noch mit dem Boot weiter.
Ansonsten war die Preisspanne 38 bis 57 Euro inklusive Frühstück im zentral gelegenen Hotel mit Drei-Sterne-Niveau (habe ich gerade nochmal nachgesehen). An keinem der Hotels war etwas auszusetzen, weder von der Ausstattung, noch von der Sauberkeit, noch vom Service oder der Lage her. Hotels in Rumänien sollen streng kontrolliert sein, sodass die Entscheidung sich eher nach dem Stil richtet, den man haben will und Preisunterschiede sich durch "Schmeckerchen" bemerkbar machen. Das Hotel für 57 Euro beispielsweise war eher ein Boutiquehotel und herzallerliebst, ansonsten war nur Bukarest (Hauptstadt halt) teurer als 50 Euro.
Das war übrigens günstiger als in Indien...
Das Auto gab es für 250 Euro bei Sunny Cars
serendipity:
Das hört sich gut an, also die Preise und ich bin auf die weiteren Hotels gespannt!
Ich verfolge den Thread gespannt weiter und freue mich auf deine Eindrücke :)
Birgit:
SA, 23.05.: Donaudelta
Ich schlafe ewig lange. Bereits gestern hat man mir gesagt, dass eine Bootstour nur am Nachmittag möglich ist, denn vormittags ist von einer großen Gruppe alles reserviert.
Hier schon mal der "Hafen" am Hotel:
Das Frühstück hier im New Egreta Hotel ist sehr gut, und es ist warm genug um es auf der Terrasse einzunehmen, sogar fast zu warm dafür!
Da bis 14 Uhr noch jede Menge Zeit ist, fahre ich ein wenig spazieren, ein paar Impressionen auf die Speicherkarte bannen.
Ich fühle mich versetzt in die Kinderbücher, die selbst da schon alt waren, als ich sie in den Siebzigern gelesen habe. Alles ein wenig wie bei Astrid Lindgren ohne Schweden hier: Pferde, Schafe, Weide, kleine Häuschen, auf der Straße und an winzigen Bars stehende schwatzende Menschen, an den Bars übrigens fast immer nur Männer. Und wenn ich aussteige, höre ich nichts, nichts außer Vogelzwitschern und dem Summen von Insekten und in der Ferne vereinzelte Motorengeräusche.
In einem der Nachbardörfer bieten noch andere Skipper ihre Dienste an. Keine Ahnung, ob sie alle zu tun haben oder angesprochen werden wollen, jedenfalls bleibe ich völlig für mich und muss mich nicht gegen die erwarteten Angebote mich irgendwo hin zu fahren wappnen.
Und die Navi lotst mich zu einer Bank, deren ATM im Gegensatz zu dem gestern am Flughafen zum Glück nicht nur rumänisch mir mir spricht, sondern sogar deutsch!
Das im Gegensatz um Tankwart, der sehr nett ist, aber nur Rumänisch spricht. Auch ein anderer Kunde, den er fragt, ob er Englisch kann, kann nicht helfen, aber wir verstehen uns prima!
Es bleiben noch zwei Stunden um den Pool ein wenig abzuwohnen. Schade, dass der, so wie ich es mitbekomme, fast rund um die Uhr beschallt wird. Trotzdem ist es entspannend.
Sprachprobleme gibt es hier übrigens durchaus öfter, hier ein typischer Dialog anlässlich des Milchshakes am Pool:
Ich: “The bill, please.”
Kellner 1: Yes, a beer, Amstel?”
Ich: “No, the bill.” Ich mache schreibende Bewegungen in die Luft und forme mit Daumen und Zeigefinger das “Zahlen-Zeichen”, während Kellner 1 sich schon umdreht, um mit Kellner 2 zu besprechen, was ich wohl will.
Kellner 2 bringt mir einige Zettel und und einen Kuli. Ich starre darauf wie die Katze in den Fernseher, kann aber beim besten Willen keine Zahl finden, die mir erklärt, was ich zu zahlen habe.
Ich: “No, the bill, I want to pay” und halte einige Geldscheine in die Luft.
Kellner 3 kommt mit fragender Miene an.
Ich: “The bill please.”
Kellner 3 bringt die Rechnung und kassiert.
15 Minuten nach dem ersten “the bill, please” verlasse ich den Pool, doch Eile wäre gar nicht nötig gewesen, denn ohnehin beginnt die Bootstour mit ordentlicher Verspätung.
Doch endlich geht es los zur dreistündigen Fahrt durch das Donaudelta. Bestimmend auf dem Boot ist eine neunköpfige Großfamilie, die erst diskutiert, wobei ich immer wieder “Securitate” verstehe, bis Plastikplanen vor die Fensteröffnungen geknüpft werden, sodass man nichts mehr sieht. Das kann ja wohl nicht wahr sein! Beim Einsteigen ertrotze ich mir einen Platz ganz hinten, wo nichts verhängt wird.
Der Großfamilie ist es wichtig besonders schöne Selfies zu knipsen, aber es ist ohnehin nichts los. Wir heizen mit einem Affenzahn durch die schmalen Kanäle, sodass alle Vögel, die man theoretisch beobachten könnte, aufgeschreckt werden. Gerade saßen sie noch auf dem See, und weg sind sie!
To tell a long Story short: Wir halten wenige Male an verschiedenen Wasserpflanzen (die Großfamilie pflückt alles, was vom Bootsrand irgendwie greifbar ist), auch der eine oder andere Vogel kommt mir vor die Linse (Selfies sind wichtiger, und außerdem filmt ja einer zur Erinnerung mit dem Handy wirr durch die Gegend, zumindest dann, wenn er nicht gerade damit telefoniert), Erklärungen gibt es keine (warum auch?), und kurz bevor es durchgehend mit Höchstgeschwindigkeit wieder zum Hotel geht, gibt es eine kurze Pause am schwarzen Meer, das von Nahem betrachtet eher nordseeschlammfarbig ist.
Meine Empfehlung: So ein Kurzbesuch im Donaudelta lohnt, wenn man einfach testen will, ob ein Wiederkommen lohnt. Er würde sich sicher noch mehr lohnen, wenn man nicht, wie ich, aus Faulheit und mangels besserer Recherche, für die Bootstour das Hotelangebot nimmt, sondern einen der Ecotouranbieter im Vorfeld bucht. Da gibt es auch durchaus Tagestouren. Nicht gesehen haben wir die im Reiseführer gelobten Fischerdörfer, die man nur per Boot erreichen kann, wie schade! Das Heizen durchs Schilf scheint hier durchaus populär zu sein, aber es ist eher ein bisschen wie drei Stunden Achterbahn oder Geisterbahn als dass es in diese schöne, ruhige Landschaft passt.
Abends fülle ich meinen Schutz vor Vampirismus mittels innerer Anwendung von Knoblauch zur gemischten Fischplatte wieder ordentlich auf und lande früh im Bett. Im Fernsehen läuft eine Doku über die Everglades. Hm, hatte ich heute so ähnlich auch, nur ohne Alligatoren…
Lohnenswerte Sehenswürdigkeiten: Donaudelta per Bootstour, aber lieber weniger Fun als mehr “Öko” buchen!
Silvia:
Weißt du zufällig ob man das Delta auch selbständig mit Kajak oder Kanu erkunden kann, gab es da Verleiher oder so? Die Gegend gefällt mir nämlich außerordentlich gut!! :thumb: Sind dir Campingplätze aufgefallen?
Birgit:
Ja, Campingplätze habe ich gesehen.
In der Ecke, in der ich war, sind aber alle nur mit einem Affenzahn im Motorboot herumgefahren. Ich weiß nicht recht, ob ich mich in der Ecke trauen würde mit so einer leisen Nussschale unterwegs zu sein... Und interessant wird es eben auch nicht in erpaddelbarer Entfernung vom Hotel. Wir haben da durchaus Kilometer gerissen, das Donaudelta ist groß.
Aber ich weiß, dass es ruhigere Gegenden gibt, in denen man wohl auch ohne Gefahr paddeln kann. Nur weiß ich nicht, ob die noch mit dem AUto bzw. dem WoMo erreichbar sind.
Da wiederum soll aber nach einigen Berichten, die ich gesehen bzw. gelesen habe, das Problem sein, dass man sich im Schilfgewirr verirrt.
Nach allem, was ich so herausgefunden habe, buchen diejenigen, die tatsächlich abgelegene und ursprüngliche Gegenden erkunden wollen, Mehrtagestouren, bei denen man abgeholt wird und unterwegs in einfachen Unterkünften übernachtet.
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