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Rumänien: Unbekanntes Europa - eine Reise in die gute alte Zeit

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Birgit:
SO, 24.05. Mud Volcanos und nach Brasov

Vor mir liegt ein langer Fahrtag. Zwar bin ich auf dem Weg bisher schneller vorangekommen als befürchtet, allerdings stimmen auch die von Google Maps angegebenen Fahrzeiten nicht, sodass die veranschlagten 5 bis 6 Stunden nicht reichen werden.

Und so geht es früh los, so früh, dass der Pool noch nicht beschallt wird, sodass ich herrliche Ruhe zu meinem Kaffee genießen kann.

Die Landschaft bis zu den Mud Volcanos (Vulvcanii Noroiosi) ist lieblich bis langweilig, wieder fahre ich durch endlose Felder bis zum Horizont durch überwiegend nur leicht gewellte Landschaft. Ich habe mich bewusst für die etwas längere Strecke entschieden, weil ich bei Harsova die Brücke nutzen will, denn auf eine Fähre zu warten, habe ich bei der langen Fahrt keine Lust, auch wenn es sicherlich ganz interessant gewesen wäre.

Zwischendurch wird es fast archaisch altertümlich. In bunten Wagen hausen Bienenvölker. Es stehen Brunnen am Straßenrand alle paar Meter. Ob man hier in den Dörfern tatsächlich noch das Wasser für den Haushalt aus dem Brunnen holt? Oder sind es lediglich Brunnen um Trinkwasser für das Vieh und Sprengwasser für die Felder zu gewinnen?





Erst auf den letzten Kilometern, als sich eine schmale asphaltierte Straße von Berca aus über 13 km nach oben schlängelt, wird es interessanter, saftig grün und irgendwie ein bisschen, als ob gleich der Almöhi auf der Straße steht mit den vielen Ziegen, die hier gehütet werden.







Nach etwa 5 Stunden Fahrt bin ich da. Und wieder bin ich völlig überrascht, dass die Mud Volcanos schon vor mir jemand entdeckt hat. Es gibt außer der Straße einen ordentlichen Parkplatz, Toiletten, eine Ausflugsgaststätte und sogar WIFI.

Es gibt zwei Stellen, an denen der Schlamm aus der Erde blubbert. Ich lande (allerdings rein zufällig) zuerst bei der kleineren und langweiligeren Stelle. Der Schlamm riecht nicht unangenehm wie beispielsweise im Yellowstone NP, und er ist auch kalt, deshalb darf man ungehindert und ohne Zaun hier herumlaufen, sobald man 4 RON (knapp 1 Euro) pro Stelle gezahlt hat. Ich gönne mir den Luxus mit dem linken Schuh fast vollständig einzusinken und trage ab sofort modebewusst einen schwarzen und einen grauen Schuh.







Ich esse in der Ausflugsgaststätte. Zwar versteht die Kellnerin mich nicht, aber sie holt die Kollegin. Die spricht englisch und bringt mir wenig später ein Stück Huhn mit Pommes und Salat. Eine Art Berliner gibt es auf Kosten des Hauses zum Nachtisch dazu. Bisschen langweilig, aber ich hoffe noch tiefer in die Weihen rumänischer Küche einsteigen zu können.

Es geht weiter zum nächsten Matschplatz. Hier muss man einige Minuten über einen ganz netten Weg nach oben stapfen vom Parkplatz aus. Belohnt wird die Mühe mit einer sehenswerten Mondlandschaft, mehreren blubbernden Kratern und großen Feldern, auf denen der herunterrinnende Schlamm Muster hinterlassen hat.











Ohne weitere Pause trete ich die letzten knapp 3 Stunden Fahrt bis Brasov an. Ein wenig geht es mir nun doch schon gegen den Strich, auch wenn die Landschaft nun deutlich interessanter ist: Es ist hügelig, irgendwo fahre ich eine ganze Weile an einem Stausee entlang, und auf den letzten Kilometern ist es wieder flach und man sieht im Hintergrund erstes Glitzern verschneiter Berge.

Übrigens fahren die Rumänen beherzt und flott, aber nicht unhöflich, ungeduldig oder rücksichtslos. Ein Fahrstil, der mir liegt, sodass es mir in dem spritzigen und wendigen Auto Spaß macht, zumal außer in und um die Städte herum nicht viel los ist. Und ich stelle auch mit Erleichterung fest, dass die Straßen überwiegend gut bis sehr gut sind, nur 2 oder 3 Orte haben die Möglichkeit der Verkehrsberuhigung mittels Schlaglöchern gewählt, als ich mal eine Nebenstrecke fahren musste.

Hm, beim Annähern gefällt mir Brasov nicht wirklich. Unübersehbar ist das sozialistische Erbe. Auch das Hotel Armatti am Rande der Altstadt ist von außen äußerst schlicht. Haben diejenigen, die mich gewarnt haben, etwa doch Recht?

Aber alles ist prima. Der Mensch an der Rezeption ist auf Draht und checkt mich fix und nett ein, das Hotel ist nagelneu, ich finde nicht ein Staubkorn, das Internet geht fix und ich mache mich auf in die Altstadt zum sehr schnellen Sightseeing, denn es ist wohl nur noch etwa 1,5 Stunden hell.



Die Altstadt kann sich sehen lassen: klein, aber fein ist sie. Brasov ist hübsch und städtisch genug um zum Bummeln gut zu sein, hat sich jedoch einen eher kleinstädtischen Charme erhalten.

Die von außen nicht sehr schwarze schwarze Kirche hat schon geschlossen, die Synagoge auch. Aber ein Schuhgeschäft hat noch geöffnet und ich erstehe zwei Paar sehr schöne, günstige Schuhe.

Und außerdem gibt es hier einen großen von Kneipen umrahmten Platz und eine endlose Reihe von Lokalen in der Fußgängerzone, und man kann noch draußen sitzen. Ich suche mir lieber ein Lokal in einer Nebenstraße, wo es etwas beschaulicher ist. Die Kellnerin versteht mich nicht, aber sie holt den Kollegen, und der spricht gutes Deutsch. Hier schmecken mir Nudeln und Salat schon besser als heute Mittag, und der Wein (mir wurden vorher drei Weine zum Probieren gebracht, daher nehme ich gleich 2 Glas), ist prima, und das alles für weniger als 15 Euro inklusive Trinkgeld.















Lohnenswerte Sehenswürdigkeiten: Vulcanii Noroiosi, Altstadt von Brasov

Andrea:
Lustig, deine Bildspielereien... Da meint man doch gleich das Blubbern zu hören  ;D Dass aber auch diese Blubbereien so weit abseits liegen müssen - wie auch beim Yellowstone. Trotzdem eine schöne Abwechslung an einem langen Fahrtag. Bin gespannt, was du noch in Brasov entdeckst, denn die Stadt sieht wirklich recht nett aus.

Paula:
Birgit ich finde es sehr löblich dass die Frösche nicht vor eurem Rennboot geflüchtet sind  :thumb:

Der Mudvolcano ist ja super, sowas hätte ich in Rumänien überhaupt nicht erwarten, einfach klasse! Wie hast du eigentlich die bewegten Bilder gemacht? Sind das Serienaufnahmen oder Film?
Und wie praktisch dass du die verschlammten Schuhe gleich ersetzen konntest!

Bransov  hat Charme, das gefällt mir, es kann so weitergehen  :)

Birgit:
Ach, die Bilder, das geht alles nicht auf mein Konto: Um auch tatsächlich mal einen effektvollen Blubb auf die Karte zu bekommen, habe ich Serienaufnahmen gemacht, die Google dann wieder zu dem hier ersichtlichen Ergebnis zusammengefügt hat. Und da ich das hier ebenso einbinden kann wie ein normales Bild, habe ich es eben mal getan ;)

Und ja, Rumänien bietet mehr als man so denkt. Gerade in Brasov soll es beispielsweise - auch wenn es eher unwahrscheinlich ist - die Chance geben, dass man Bären zu Gesicht bekommt. Und auch Wölfe gibt es dort.

Paula:
Okay dann werde ich nicht in der Umgebung von Brasov wandern, vor Bären habe ich echt Schiss...

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