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Rumänien: Unbekanntes Europa - eine Reise in die gute alte Zeit
Birgit:
MI, 27.05.: Medias, ein Salzbergwerk und die Studentenstadt Cluj Napoca
Recht früh bin ich unterwegs nach Cluj Napoca. Der junge Rezeptionist ist begeistert, das sei eine tolle Studentenstadt. OK, also los, nichts wie hin zu Party und der Leichtigkeit des Lebens.
Unterwegs:
Eher aus Pflichtbewusstsein fahre ich noch kurz nach Medias (Mediasch) und erlebe die heutige Überraschung. Mich erwartet nach einer Anfahrt durch sozialistisches Grau eine allerliebste idyllische Kinderbuch-Altstadt, die sich irgendwie im Aufbruch zu befinden scheint. Die Phantasie schlägt Purzelbäume, welches Buch man hier wohl wieder verfilmen könnte, vielleicht die Feuerzangenbowle?
Vieles ist noch nicht renoviert oder nur wohl vor 20 Jahren notdürftig gestrichen, aber an mehreren Stellen wird geschuftet und gehämmert und gestrichen. Viel alte Substanz um einen kleinen Park, die übliche Kirchenburg und ein Lyceum herum lässt erahnen, wie alles hier mal aussehen könnte. Und angesichts des maroden Charmes der noch unsanierten Gebäude weiß ich nicht einmal, ob ich mir hier einen schnellen Fortschritt wünschen soll. Die Zeit scheint hier ganz langsam zu vergehen, und kaum ein Auto stört die morgendliche Ruhe.
Mir bleibt der Mund offen stehen, und ich erinnere mich daran, wie wir damals kurz nach der Wende damals noch halb legal auf der Rückfahrt von Berlin von der Transitstrecke abgefahren sind und irgendwann staunend mit halb offenen Mündern erst im maroden Rheinsberg und dann vor dem unasanierten Schweriner Schloss standen.
Die Burg wird als Schulhof des Lyceums genutzt, Kinder toben hier oder tragen Körbe mit Schulmilch über den Hof. Dazwischen laufen einige Menschen mit professionellem Filmequipment herum. Es sieht nach einer Reportage aus.
Dieses Städtchen rührt mich irgendwie. Nach längerer Zeit als gedacht, die ich aber für gut investiert halte, geht es weiter.
Es beginnt immer mal zu regnen, aber das Wetter ist tapfer und beschert mir zumindest keinen Wolkenbruch.
Mir soll es egal sein, denn mein Ziel ist das Salzbergwerk bei Turda. Zwar hatte ich mir, nachdem ich mich letztes Jahr um diese Zeit in der Saline in Wieliczka fast lebendig begraben gefühlt habe, geschworen, diese Saline nicht zu besuchen, aber der Verweis im Reiseführer, dass man wegen der Temperaturen nach 1,5 Stunden wieder gehen sollte, lässt hoffen.
Eintritt 5 Euro, Parken 1 Euro und los geht es, zunächst einige Stufen und durch einen unterirdischen Gang zum Aufzug. Man kann auch eine Treppe nehmen.
Unten erwartet mich auf zwei Etagen eine Art Freizeitpark. Man kann kegeln, Minigolf oder Tischtennis spielen, Riesenrad fahren und unten Boot fahren oder anderen von oben vom Balkon dabei zusehen. Eine lustige Idee, besonders bei Regen oder Hitze.
Die letzte dreiviertel Stunde Fahrt nach Cluj Napoca vergeht schnell, sodass ich ziemlich früh am Nachmittag ins Hotel einchecken und in die Stadt marschieren kann. Diese allerdings ist eher enttäuschend, vielleicht auch nur wegen des immer schlechter werdenden Wetters. Die wenigen interessanten Gebäude sind schnell abgegrast. Eine ganze Weile verbringe ich aber in der orthodoxen Kirche, in der mich ein ähnliches Gefühl überkommt wie in dem einen oder anderen stillen indischen Tempel.
Shopping ist hier nicht, zumindest nicht in der Innenstadt, und zum Fahren in das etwas abgelegene Shoppingcenter habe ich keine Lust, sodass ich mich in einem stylishen Café mit dem (wie fast überall vorhandenen) WIFi, natürlich kostenfrei, vergnüge.
Lohnenswerte Sehenswürdigkeit: Medias
Andrea:
Aus alten Salzstollen kann man also auch mehr machen als ein Atommüllendlager... Keine schlechte Idee. Als Kind war ich mal mit meinem Vater in Österreich in einem Salzbergwerk, da fand ich natürlich die Bimmelbahn am besten, mit der es durch den Stollen ging. Aber eigentlich sollte das eher Bildung sein, aber ich glaube, ich habe dem Bergwerksführer nicht wirklich zugehört. ;)
Paula:
Minigolf im Salzbergwerk ist ja echt verrückt :)
Sag mal was war denn das für ein Plakat mit "Mein Kampf"? Könntest du das lesen (und verstehen)?
Birgit:
Ja, Andrea, unter Tage Riesenrad oder Boot fahren - nicht schlecht, oder?
Hier gibt es im Norden von Thüringen auch ein Salzbergwerk. Das besichtigt man, indem man in LKW da durch fährt auf der offenen Ladefläche. Die Fahrt runter dauert ewig, und es geht so weit runter, dass es da nicht einmal mehr kühl ist, sondern sogar schon wieder angenehme 20 Grad hat. Man kann da auch einen Festsaal mieten zum Feiern ;)
Paula, das hatte ich wegen "Mein Kampf" fotografiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Theaterstück mit dem Titel in Deutschland gespielt werden dürfte. Ich wollte eigentlich mal recherchieren oder wenigstens mal "Schwiegermama" fragen (die beim Theater ist), was es damit auf sich hat, habe es aber bisher nicht gemacht.
Andreas:
--- Zitat von: Birgit am 26. Juli 2015, 23:33:23 ---Ich wollte eigentlich mal recherchieren
--- Ende Zitat ---
Tante Google weiß alles: http://www.teatrulnationalcluj.ro/index.php?page=piesa&pid=655&sl=2
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