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Jahresbeginn 2016 in Andulasien
serendipity:
Also so könnte ich mir das Überwintern auch gut vorstellen :) Es gibt doch fast nichts Schöneres als Meer und Wellen gucken ...
Gipsy:
--- Zitat von: serendipity am 30. Januar 2016, 14:07:49 ---Es gibt doch fast nichts Schöneres als Meer und Wellen gucken ...
--- Ende Zitat ---
... vor allem, wenn man dazu noch nicht einmal raus gehen muss, wenn es mal kalt und windig ist.
Und zur Abwechslung gibt es dann auch noch Berge und Felsen in nicht mal 100 km Entfernung. Und fast nebenan fängt dann die etwas zerklüftete Küste an mit malerischen Buchten.
Bei mir steht das als Fluchtmöglichkeit vor dem deutschen Winter (in ein paar Jahren) auch ganz weit oben.
Gipsy:
Torrox und Laguna Beach
Der Ort, in den meine Eltern jedes Jahr "heimkehren", heißt Torrox. Er besteht eigentlich aus 3 Teilen:
- dem eigentlichen Ortskern, der auf Landkarten "Torrox" heißt. Er liegt etwa 5 km weg vom Meer am unteren Hang des Küstengebirges. Wie viele dieser alten Orte in Andulasien sind die Häuser dort alle weiß getüncht; es ist ein "weißer Ort". Zur Unterscheidung wird dieser Teil auch oft "Torrox Pueblo" genannt. Weil wir in einem anderen weißen Ort waren, sind wir nicht extra dorthin gefahren.
- Zwischen dem alten Ort und dem Meer, aber noch erhöht am Hang, entstand dann eine Bungalow-Siedlung - Torrox Park, in der es auch einen Campingplatz gibt.
- Direkt am Meer entstand wohl zeitgleich mit Torrox Park der Ortsteil Torrox Costa, in dem sich vor allem im Sommer die meisten Urlauber tummeln.
An Ferienunterkünften bietet Torrox gerade mal 2 Hotels, eines am Strand und das andere an der Hauptstraße zwischen Torrox Costa und Torrox Park. Aber es gibt Unmengen an Ferienwohnungen.
Im Winter ist es absolut ruhig hier. Das Hotel am Strand öffnet im März seine Türen. An der Strandpromenade sind 2/3 der Läden, Bars und Restaurants noch geschlossen. Wenn das Beobachten der Wellen langweilig wird, kann man als Alternative zur Unterhaltung noch andere Leute beobachten oder am Abend den Männern zusehen, die unter einem überdachten Stand eine Art Boccia spielen. Im Sommer soll, so hat die Vermieterin meines Studios erzählt, etwas mehr los sein, aber für richtiges Nachtleben muss man nach Nerja oder Torre del Mar fahren.
In Torrox Park und Torrox Costa haben sich viele deutsche Rentner entweder zum Überwintern oder als ständigen Wohnsitz niedergelassen. Meine Eltern hatten zuerst auch einen Bungalow in Torrox Park gemietet, mussten diesen aber nach einigen Jahren räumen (er wurde verkauft) und fanden dann durch Vermittlung anderer Deutschen in ihrer Nachbarschaft die jetzige Wohnung in Torrox Costa. In Torrox Park hat es ihnen auch sehr gut gefallen; vor allem der Blick hinunter zum Meer ist super. Aber heute sind sie froh, dass sie direkt am Meer sind. Torrox Park liegt komplett am Hang und somit sind ebene Wege fast nicht zu finden und meine Mutter wäre auch für kurze Wege auf das Auto angewiesen.
--- Zitat von: Paula am 29. Januar 2016, 09:51:33 ---Ich hätte nicht gedacht dass man da ohne spanisch sprechen zu können zu Rande kommt.
--- Ende Zitat ---
Durch die vielen Deutschen dort haben viele Einheimische ziemlich gut Deutsch gelernt. Auch haben sich Deutsche dort eine Existenz aufgebaut und z.B. eine deutschen Laden eröffnet oder eine Arztpraxis usw. Meine Mutter weiß ganz genau, wer in welchem Geschäft genug Deutsch spricht, um sie bei der Auswahl von Lebensmitteln zu beraten. Von den wichtigsten Lebensmitteln kennt sie natürlich die Namen, so dass sie danach fragen kann. Die Frage nach Reis lautet dann einfach "Wo haben Sie denn arroz?" Und der Angesprochene antwortet dann entweder auf Deutsch oder in Zeichensprache, indem er in die Richtung zeigt.
Die Werbung an Restaurants und Bars war auf Spanisch und Deutsch. Alle Speisekarten, die ich gesehen habe, waren Spanisch und Deutsch und teilweise noch Englisch.
Wenn meine Mutter immer ganz begeistert davon erzählt hat, dass sie keine Spanisch-Kenntnisse braucht, weil immer irgend jemand genug Deutsch kann und es dort auch ganz viele Deutsche gibt, hab ich immer gelästert und gemeint, dass es in Torrox wohl eine deutsche Kolonie gibt. Und jetzt habe ich die in die spanische Umgebung integrierte Kolonie auch wirklich gesehen. In den spanischen Supermärkten in Torrox haben mehr deutsche Rentner eingekauft als Spanier; auf dem Wochenmarkt ist man ständig über deutsche Rentner gestolpert; in Restaurants wurde zeitweise an den Tischen nur Deutsch gesprochen. Also ideal, wenn man kein Spanisch kann und in Spanien überwintern möchte. Aber es hat meine Eltern auch vom Spanisch-Lernen abgehalten, was vor allem mein Vater jetzt doch bedauert.
In dem schnell gewachsenen Torrox Costa sind Wohnsiedlungen mit eigener Verwaltung entstanden, die Urbanisation genannt werden. Teilweise sind sie eingezäunt und erinnern an die "Gated Communities" in USA, teilweise ist nur durch die einheitliche Bauweise und die Anordnung der Häuser mit einem erkennbaren Verwaltungsgebäude zu erkennen, dass es sich wohl um solch eine Urbanisation handelt.
Das Haus, in dem meine Eltern wohnen, gehört zur Urbanisation "Laguna Beach", die ich in der Karte unten einfach mal rot umrandet habe. Das Haus selbst ist in der Ecke rechts unten.
Edit: Damit es keine urheberrechtliche Probleme geben kann, habe ich den bearbeiteten Screenshot durch eine direkt verlinkte Karte ersetzt. Laguna Beach ist jetzt auf 3 Seiten durch eine Route in blau "eingezäunt". Die 4. Seite ist die Strandpromenade.
Zu Laguna Beach gehören mehrere "Hochhäuser" verschiedener Bauphasen sowie - in der Reihe am Strand - etliche 2stöckige Reihenhäuser. Zu den Gemeinschaftseinrichtungen gehören mehrere Pools (im Winter geschlossen), ein winziges Hallenbad und 4 Tennisplätze. Zwischen den Gebäuden ist eine schöne und super gepflegte Gartenanlage mit einem großen Teil und kleinen Bächen, die zwischen den Reihenhäusern in Richtung Strand zu finden sind. Auch gibt es etliche Tore zur Strandpromenade, die alle mit einem Chip-Klotz geöffnet werden können.
Und jetzt lass ich einfach noch die Bilder sprechen:
In dem niedrigen Gebäude im Hintergrund sind die Verwaltung sowie einige Läden (Supermarkt, Frisör, Autovermietung, Immobilienmakler, Bar, usw.) untergebracht.
Und noch der Blick auf die Reihenhäuser von meinem Studio:
Gipsy:
Der Alltag der Überwinterer
Der Alltag der meisten Rentner, die hier überwintern, unterscheidet sich hauptsächlich in Kleinigkeiten von ihrem Alltag in Deutschland.
Mit der Wohnung werden natürlich eine Basisausstattung an Geschirr und Kochutensilien, Bettwäsche und Handtücher gestellt. Außerdem steht auch Putzzeug bereit und in den meisten Wohnungen gibt es auch eine Waschmaschine. Bettwäsche und Handtücher liegen wie zu Hause auch im Schrank und müssen beim Auszug, abgesehen von der letzten Garnitur, gewaschen wieder im Schrank hinterlassen werden. Beim Auszug wird vom Vermieter eine Endreinigung durchgeführt, die aber den Inhalt der Schränke nicht umfasst.
Da die Wohnungen außerhalb der Wintersaison an Kurzurlauber vermietet werden, sind sie oft nicht so sauber wie es viele der Langzeitmieter von zu Hause gewohnt sind. Meine Mutter räumt zum Beispiel immer in den ersten Tagen die Schränke im Wohnzimmer und in der Küche komplett aus, wäscht alles Geschirr ab und räumt die Schränke dann so ein, wie sie sie haben möchte. Viele der Langzeitmieter haben eine Möglichkeit, einige Schachteln oder Koffer mit Dingen (wie gute Kochtöpfe und Kleidung), die sie in Deutschland nicht brauchen, dort übersommern zu lassen.
Die meisten der Langzeitmieter sind Selbstversorger, was bedeutet, dass sie genau wie in Deutschland Lebensmittel einkaufen und ihre Mahlzeiten selbst zubereiten. Auch muss die Wäsche gewaschen und die Wohnung ab und zu geputzt werden.
Meine Eltern sind hier in Spanien etwa genau so lange mit dem Haushalt beschäftigt wie in Deutschland. Aber die freie Zeit verbringen sie natürlich anders. Es gibt dann ihre sogenannten Ruhetage, an denen sie nicht viel unternehmen, und Ausflugstage.
Jeder Tag beginnt natürlich mit dem Frühstück. Bei meinen Eltern besteht dies aus frisch gepresstem Orangensaft, selbst gemachter Orangenmarmelade, gekaufter Marmelade als Abwechslung, Kaffee und Baguette, das sie in Stücken auf dem Toaster aufbacken und so mehrere Tage genießbar machen. Als Bonus gibt es dann noch den Blick auf die Strandpromenade und das Meer. Frühstück gab es meist um 9 Uhr. Wenn wir nicht weg mussten, haben wir den Frühstückstisch meist erst gegen 11 Uhr abgeräumt.
Mittags gab es meist Brot, eine Auswahl an Käse und Schinken als Belag, Gurken, Tomaten, Radieschen, Paprika und selbst gemachte Guacamole, entweder wieder mit Blick auf das Meer oder als Imbiss unterwegs.
Abends hat entweder meine Mutter schon vorbereitetes Essen aufgetaut und ergänzt oder wir sind in ihr Lieblingsrestaurant essen gegangen.
An den Ruhetagen gehen meine Eltern vormittags meist einkaufen oder auf den Markt und verbinden dies manchmal mit einem Spaziergang durch die nahe gelegenen Wohngebiete. Nach der Mittagsruhe brechen sie meist noch einmal zu einem Spaziergang auf. Die Spaziergänge dürfen nicht zu lange sein. Meine Mutter schafft nur noch knapp 2 km und muss dabei Wanderstöcke zur Unterstützung mitnehmen. Und für die 2 km braucht sie meist knapp 1 Stunde. Wenn meine Eltern Sitzkissen mitnehmen, kann so ein Spaziergang dann auch mal auf 3 km in 2 Stunden ausgedehnt werden.
So lange ich dort war, mussten wir natürlich auch immer wieder den Vorrat an Brot, Käse, Schinken, Obst (ganz viele Orangen) und Gemüse auffüllen. Für genügend Getränke hatten sie schon vorher gesorgt. Den Getränkevorrat füllen sie einfach nach Ausflügen wieder auf, wenn sie sowieso mit dem Auto unterwegs sind.
Unregelmäßig ausgeführte Tätigkeiten wie Arzt- und Frisörbesuche stehen auch von Zeit zu Zeit an.
Weil ich erwartet hatte, dass ich mich immer mal wieder langweilen würde (welche Fehleinschätzung! ;) ) hatte ich mir vorgenommen, den Frisör meiner Mutter auch an meine Haare zu lassen und mir den Frisörbesuch in Deutschland in der Vorweihnachtszeit zu sparen. Ich trage meine Naturlocken meist kurz und achte darauf, dass der Schnitt der Haarstruktur folgt, so dass ich nicht jeden Morgen erst einmal die Haare nur deshalb waschen muss, weil ich mir in der Nacht wieder eine neue Dauerwelle gelegen habe. Den Frisörbesuch haben wir auch noch unterbringen können - und ich habe jetzt einen der besten Schnitte, die ich je hatte. Wie in einer deutschen Kolonie nicht anders zu erwarten, konnte ich meine Wünsche in einfachem Deutsch äußern und sie wurden erstklassig erfüllt. Meine Mutter hatte diesen Frisör bereits in den ersten Jahren gefunden, in denen sie noch in Torrox Park wohnten. Jetzt fahren sie halt mit dem Auto zum Frisör und hängen dann oft noch einen kleinen Ausflug an, statt zu dem Frisör im Verwaltungsgebäude von Laguna Beach zu gehen.
Damit das Ganze jetzt nicht ganz ohne Bilder endet, sind hier noch ein paar Impressionen von den Einkaufstouren und Spaziergängen.
Der Kleine muss noch groß und stark werden:
Und dann war da noch der Abend, an dem meine Mutter nicht mehr raus wollte und deshalb mein Vater und ich allein los zogen. Meine Mutter bereitete so lange das Abendessen vor.
Für unsere Verspätung zum Abendessen um immerhin 30 Minuten sorgte dieses Naturschauspiel:
Andrea:
Danke für die Einblicke in das Leben von Teilzeitauswanderern. Deine Eltern sind für ihr Alter noch ziemlich aktiv - Respekt! Zweimal am Tag etwa 2km laufen ist schon deutlich mehr, als ich es tue und wahrscheinlich auch mehr als beim Durchschnitt. Oder bin ich vielleicht doch besonders faul? An freien Tagen (wie heute) wäre dieses doch ohne weiteres möglich :verlegen:
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