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4 Tage in Berlin
Silke:
Der Brachialbau in Potsdam beherbergte mal die Bibliothek von Potsdam. Da hab ich mir als Kind schon Bücher ausgeliehen. Inzwischen befindet die sich im renovierten Teil des Baus und der unrenovierte, den du gezeigt hast, soll tatsächlich abgerissen werden. Hoffentlich bald, der stört nach der Fertigstellung des Stadtschlosses noch mehr als vorher schon. In das Stadtschloss kann man auch reingehen, das ist innen aber nur funktionell.
Um das Hotel, was ihr vom Hauptbahnhof gesehen habt, gibt es schon seit Jahren Streit. Da wollte Plattner ein Museum o.ä. hinbauen, wenn es abgerissen worden wäre. Das wurde damals abgelehnt. Jetzt diskutiert man wieder, ob man es abreisst und den Lustgarten dort wieder entstehen läßt.
Paula:
Danke für die Infos Silke! Ich muss gestehen, ich habe mich vor der Reise über Potsdam gar nicht informiert, ich hatte einfach keine Zeit mehr.
Silke:
Gern. Ist ja fast meine Heimat, ich hab einige Jahre in Potsdam gelebt.
Potsdam ist bei den Mieten generell recht teuer, wenn man nicht in Plattenbauten wohnen will. Mein Bruder und mein Vater wohnen da noch, daher bekomm ich noch einiges mit und bin auch öfter da, wohn ja auch nur 30 km entfernt.
Paula:
Montag 20. Juni 2016
heute Morgen mußten wir etwas früher aufstehen denn für 10 Uhr hatten wir eine Führung im Reichtagsgebäude gebucht. Die Sonne schien und es versprach ein Traumtag zu werden. Wir frühstückten also ein letztes Mal auf der schönen Hotelterasse. Nach dem Frühstück haben wir ausgecheckt und das Gepäck im Hotel belassen. Mit der U-Bahn fuhren wir zum Brandenburger Tor, der Treffpunkt für die Führung war vor dem Adlon Hotel, dort war noch niemand wir waren eine halbe Stunde zu früh dran und sind durch das Brandenburger Tor zum Tiergarten spaziert. Vom Brandenburger Tor sieht man wegen der Fanmeile im Moment nicht viel:
bis zum Riesenrad sind wir gegangen und haben dabei auf der rechten Seite der Straße noch ein großes Denkmal für die russischen Soldaten gesehen. Die Beschilderung war ausschließlich russisch.
durch den Tiergarten sind wir zurück spaziert. Der Park hat uns überrascht, der ist ja total schön. Wenn wir das nächste Mal in Berlin sind werden wir uns Fahrräder leihen und durch den Park radeln. Das Schloß Bellevue liegt am Rand des Parks, das fehlt uns auch noch auf der Liste.
Um 10 Uhr hatten sich dann die 12 Teilnehmer der Tour vor dem Adlon eingefunden. Unsere Führerin war eine junge Frau namens Ewa die mit starkem polnischen Akzent ansonsten aber perfekt deutsch sprach und das in einem Tempo das selbst mich beeindruckte und das will was heißen ;D
Sie ging in Ihrer Aufgabe völlig auf und hat uns 40 Minuten lang zugetextet, sie kannte sich unglaublich gut in deutscher Geschichte aus, ich tippe mal auf eine Profi-Historikerin. Bevor wir zum Reichstagsgebäude aufbrachen hat sie uns Bilder aus der Zeit gezeigt als der Reichstag gebaut wurde (im 19. Jahrhundert, fragt mich nicht genauer..) und von 1945. Da stand außer dem teilweise zerstörten Reichstag nur noch das Brandenburger Tor und die Schweizer Botschaft, alle anderen Gebäude waren platt :o
Auch der Tiergarten existierte nach dem Krieg nicht mehr, alle Bäume waren zum Heizen gefällt worden und auf dem Gebiet wurde Gemüse angepflanzt. Ich konnte es kaum glauben dass die schönen großen Bäume im Tiergarten alle erst 60 oder 70 Jaher alt waren.
Ich kann unmöglich wiedergeben was sie alles erzählt hat, wenn ihr mal nach Berlin kommt bucht am besten solch eine Tour das ist wirklich interessant. Wir sind dann zum Reichstagsgebäude gelaufen, der Besucherempfang ist jetzt draußen in Baucontainern untergebracht (Sir Norman Foster -der den Reichstag umgebaut hat- soll getobt haben als er das gesehen hat, sieht auch wirklich nicht schön aus. Es ist auch nur ein Provisorium, es soll ein eigenes Geäude gebaut werden in den nächsten Jahren). Als angemeldete Gruppe wurden wir gleich reingelassen, Kontrolle wie am Flughafen üblich, gefährliche Dinge wie Messer dürfen nicht mitgenommen werden, die werden aufbewahrt, Rucksäcke darf man dann aber mit rein nehmen und Flüssigkeiten (Wasserflaschen) sind auch kein Problem). Wir wurden dann ins Gebäude geführt und gleich in den ersten (zweiten?) Stock zur Besuchertribüne gebracht. Hier mußte man dann wieder Jacken und Rucksäcke abgeben (ganz normal an einer Garderobe wie im Theater).
Unser Guide wies uns auf die Graffiti hin, die russische Soldaten nach der Eroberung des Gebäudes hinterlassen hatten:
dann durften wir auf die Besuchertribüne des Plenarsaales:
es kamen noch einige Schulklassen und alle wurden von einem Angestellten des Bundestages begrüßt. Der Mann stellte sich als Showtalent heraus :) seine Hauptaufgabe ist natürlich den vor allem jungen Leuten die Politik schmackhaft zu machen, er hat alles mögliche über den Bundestag erzählt und man durfte Fragen stellen. Ihr könnt euch vorstellen was für Fragen von den Teens da kamen: "Wieviel verdienen Sie denn hier?" ...er hat alle Fragen amüsant beantwortet und solche die er nicht beantworten wollte elegant umschifft (wieviel er verdient haben wir nicht erfahren aber einen Vortag über BAT Tarif bekommen ;) )
wie ihr auf den Bildern seht ist der Plenarsaal leer. Das ist auch der Grund warum auf der Besuchertribüne diskutiert werden darf. Wenn Sitzungen sind muss das Publikum schweigen, es sind weder zustimmende Äußerungen noch Buh-Rufe o.ä. erlaubt. Einschlafen ist auch nicht gestattet (auf der Besuchertribüne, unten schon ;D ), wer einschläft wird von den Aufpassern geweckt und beim zweiten Mal von der Tribüne entfernt.
Auch ganz witzig: die blaue Farbe der Stühle ist patentiert "Bundestagsblau" und diese Farbe steht für Unabhängigkeit, es gibt keine Partei mit dieser Farbe (rot, dunkelrot, grün, gelb und schwarz sind ja politisch "besetzt").
Wer mal bei einer Sitzung dabei sein will muss Mittwochs bis Freitags kommen, da finden Sitzungen im Plenarsaal statt, Montags und Dienstags sind die Sitzungen in den Fraktionen und Arbeitsgruppen und Ausschüssen.
Nach 40 Minuten mußten alle die Tribüne für die nächste Besuchergruppe räumen. Wir bekamen unsere Sachen wieder und gingen mit der Führerin aufs Dach wo man ein tolle Aussicht hat. Sie zeigte uns noch alle Gebäude die zum Bundestag gehörten und danach durften wir solange wie wir wollten auf dem Dach und der Kuppel bleiben. Wir haben uns herzlich bedankt (und Trinkgeld gabs natürlich auch), ihre Vortrag war mit "engagiert" weit unter Wert beschrieben, selbst "Begeisterung" ist eigenlich noch zu schwach, die war einfach voll in ihrem Element!
Wir haben dann zuerst auf dem Dach Fotos gemacht. Auf allen vier Ecktürmen wehen Fahnen, auf einem die europäische
auf den anderen drei die deutsche
ein (sehr teures) Dachcafe gibt es auch in diesem Kasten:
das interessanteste am Dach ist natürlich die Kuppel:
rechts und links neben der Kuppel gibt es einen Innenhof
die Pflanzen in diesem Innenhof sind von den Bundestagsabgeordneten gepflanzt worden, jeder darf Heimaterde mitbringen und eine Pflanze setzen. Das Ganze ist ein Kunstwerk, es gibt den weißen Schriftzug "Der Bevölkerung" im Beet, wegen der vielen Pflanzen sieht man ihn kaum noch.
das schönste hier oben ist wriklich die Kuppel, ich finde schöner hätte man sie nicht bauen können:
unsere Frührerin hatte dazu auch einiges zu erzählen: es gab ja einen Architektenwettbewerb für den Umbau des Reichstagsgebäudes, aber eigentlich wollte man von Anfang an Norman Foster als Architekten haben. Der hat nun alle möglichen Vorschläge gemacht (Ewa hat uns Bilder der Entwürfe gezeigt), wirklich alles was man sich denken kann, nur eine Kuppel war nicht dabei. Er wollte das aus politischen Gründen nicht, weil das Gebäude ursprünglich eine Kuppel hatte und seiner Meinung nach nicht die Demokratie symbolisieren konnte. Als man ihm endlich klar gemacht hatte dass er entweder eine Kuppel baut oder den Auftrag nicht bekommt hat er sich doch für eine Kuppel entschieden >:D
es war ja Traumwetter hier oben (ich habe mir sogar einen leichten Sonnenbrand geholt) und die Sonne warf interessante Schatten
der Blick in die Umgebung: auf die Charité, im Vordergrund Einschußlöcher vom 2. Weltkrieg
Blick auf den Hauptbahnhof:
das Sony Center:
das Dach der DZ Bank neben dem Brandenburger Tor:
die Quadriga:
Der Glockenturm der 850-Jahrfeier von Berlin. In ihm läuten alte Kirchenglocken
das Bundeskanzleramt:
das Zimmer links ganz oben mit den Jalousien ist das Büro von Angela Merkel
da hab ich doch gleich mal mein Monsterzoom ausgefahren, aber die Vorhänge sind zugezogen ;)
danach haben wir die Kuppel bestiegen. Als wir vor 12 Jahren schon mal in Berlin waren haben wir die Reichstagskuppel auch besichtigt, wir können uns aber beide nicht erinnern auf dem Dach gwesen zu sein, vielleicht durfte man das damals (noch) nicht.
die Kuppel hat einen verspiegelten Mittelpfosten
diese Konstruktion dient der Lüftung/Klimmtisierung des Plenarsaals, sie enthält einen Wärmetauscher. In der Kuppel wird es deutlich wärmer je näher man an die Spitze kommt, oben scheint sie einen Spalt offen zu sein
bei Nacht ist der Blick hier bestimmt toll
dann gings wieder nach unten. Wer extreme Höhenangst hat wird sich oben nicht sehr wohl fühlen, man schon so ein bisschen das Gefühl zwischen Himmel und Erde zu schweben. Übrigens wird die Kuppel vier mal im Jahr geputzt und ist dann immer eine Woche geschlossen.
auf dem nächsten Bild sieht man das Sonnensegel, es dreht sich mit dem Stand der Sonne mit und beschattet den Plenarsaal
Mit dem Aufzug fährt man schließlich wieder zum Eingangsbereich des Reichstagsgebäudes. Im Eingang hängt ein Kunstwerk von Gerhard Richter
wieder draußen:
Was mir am Besuch besonders gut gefallen hat: da sind eine Menge Angestellten um die Besucher rumgewuselt. Und im Gegensatz zu anderen Institutionen wie z.B. Mussen wo man öfter das Gefühl hat man müsse sich für seine Anwesenheit entschuldigen (im Neuen Museum sprach ein Aufseher einen Besucher an: er dürfe seinen Pullover nicht über die Schulter legen sondern müsse ihn anziehen oder um die Taille binden, worauf der Besucher ziemlich entnervt antwortete dass er ihn vorher um die Taille hatte und er von einem Museumswärter angehalten wurde ihn um die Schulter zu legen, sie sollten sich doch bitte mal auf eine gemeinsame Variante einigen...) wurde man hier überall wie der Besitzer der seine Mietsache begutachten kommt behandelt. Das fand ich sehr angenehm und entspricht ja auch den Tatsachen, das sind schließlich meine Steuergelder hier :)
Alles in allem ein gelungener Besuch und der krönende Abschluß unseres Berlinaufenthaltes ^-^
am Besucherzentrum ist dieses Denkmal für die in der Nazizeit ermordeten Parlamentsabgeordneten aufgestellt:
es war auffallend dass fast alle Opfer aus der KPD und SPD stammten.
Unsere Führerin hatte uns das Cafe auf der gegenüberliegenden Straßenseite empfohlen, das lag ziemlich unter Bäumen verborgen mit einem herrlichen Biergarten, da haben wir uns dann Kaffee und ein großes Stück Kuchen gegönnt. Wir waren bester Laune, das Wetter war herrlich und wir waren ganz begeistert von unserem Reichtags/Bundestagsbesuch.
Danach sind wir zur DZ Bank neben der anerikanischen Botschaft spaziert, als wir letztes Mal in Berlin waren war das Gebäude geschlossen, diesmal durften wir in den Eingangsbereich und konnten das Kunstwerk von Frank Gehry zu besichtigen. Ich glaube es wird Walfisch genannt von den Berlinern aber keine Ahnung was es symbolisieren soll
danach sind wir noch mal zum Potsdamer Platz gefahren, da gibt es in der Erna-Berger-Strasse einen alten Wachturm aus der DDR Zeit zu besichtigen, ich war Samstag Abend schon kurz da aber er hat nur von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Wenn man nicht weiß dass er da steht sieht man ihn wahrscheinlich nicht, er verschwindet fast zwischen den Bäumen
der Turm hat lange vor sich hin gerottet bis er vor ein paar Jahren von engagierten Privatleuten gekauft wurde. Sie erhielten die Auflage ihn denkmalgerecht zu restaurieren und betreiben darin ein kleines Privatmuseum. Sie hatten einige Bilder des Geländes aus der DDR Zeit, wenn man heute auf dem voll bebauten Potsdamer Platz steht kann man sich gar nicht vorstellen dass das damals eine wüste Einöde -Todesstreifen- war.
Für 3 € durfte man reinklettern, gar nicht so einfach über die schmale Leiter
oben hatten immer zwei Soldaten Dienst, wenn einer pinkeln mußte wurde erst eine Ablösung gerufen. Und die Soldaten waren nie aus Berlin, sie hatten strengen Schießbefehl. Von hier hatte man damals freien Blick auf das Brandenburger Tor. Das ist schon beklemmend wenn man da oben drin steht.
Der Turmwächter hat ein bisschen erzählt und hatte auch Bilder wie der Potsdamer Platz vor dem Krieg aussah. Er hat uns drauf hingweisen dass da 1924 die erste Ampel Deutschlands stand und heute eine Nachbildung aufgestellt ist. Die haben wir dann noch gesucht und gefunden:
wir hatten dann noch Zeit aber Josef hatte keine Lust auf das Dali Museum, statt dessen sind wir noch mal zur Mall gegangen, da war es heute schön ruhig im Innenhof
nach vorne raus sieht man auf den Bundesrat
Blick nach hinten
vor der Mall steht ein Stück Mauer
dann hatten wir wirklich alles gesehen was es am Potsdamer Platz zu besichtigen gibt und wir sind ins Hotel zurück gegangen und durch den Park am Hotel spaziert
es gab da ganz viele Spielplätze und Sportplätze wirklich ein sehr schönes Gelände
danach haben wir uns gemütlich auf die Hotelterasse gesetzt und noch mal Kaffee getrunken bevor wir uns per U-Bahn und Bus zum Flughafen Tegel aufgemacht haben. Der Flug war diesmal pünktlich und ruhig, am späten Abend waren wir wieder zuhause.
Wir haben die 4 Tage sehr genossen, ich fühlte mich erholt wie nach einer Woche Urlaub. Es war gut dass wir uns nicht zuviel vorgenommen hatten und wir haben uns auch die richtigen Bezirke rausgesucht, am Potsdamer Platz haben wir uns sehr wohl gefühlt. Wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal in Berlin.
Ich hoffe es hat euch auch ein bisschen gefallen :adieu:
soenke:
Hallo Paula,
ein herzliches Dankeschön für die vielen Eindrücke unserer Hauptstadt.
Wie schon erwähnt werde ich mit Berlin nicht so richtig warm.
Mir hat es bei meinen vielen Besuchen immer in Potsdam am Besten gefallen und ich fand das Schloss Sanssouci sehr beeindruckend, wo ja auch du warst.
Das Bild vom Nachtfalter sieht wirklich aus wie ein vertrocknetes Blatt, gut dass du vorher erwähnt hast, dass es ein Falter ist. ;D
Am Wichtigsten ist aber, dass Du Dich erholen konntest bei gefühlt einer Woche Urlaub. ;) So soll es sein ! :D
LG Sönke
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