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Fjord & Fjell 2016 - Mein Solo-Road-Trip durch Süd- und Mittelnorwegen

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stefunny:

--- Zitat von: nordlicht am 19. August 2016, 23:02:58 ---Och Menno, da haben Dir meine Tips ja so richtig "Glück" gebracht. Tut mir Leid!


--- Zitat von: stefunny am 19. August 2016, 18:36:37 ---und hast du Leute kennengelernt? Da hatten wir ja mal drüber geredet hier im Forum, das es ja alleine einfacher ist, aber ich dneke das immer noch nicht. Aber erzähl mal.

--- Ende Zitat ---
Oh das klingt nach einer interessanten Diskussion, die ich irgendwie verpaßt habe. Ich würde aus meiner Erfahrung nämlich auch sagen, dass man als Einzelreisender wesentlich besser Leute kennenlernt.

--- Ende Zitat ---

Es ging um Norwegen:
Unsere Erfahrungen. In Norwegen waren alle für sich, da gab es noch nicht mal ein nettes Gespräch am Viewpoint oder Campingplatz. Eher sogar eine feindselige Art und Weise von den vor allem deutsche Reisenden kam uns entgegen. Und wir sind wirklich offen und freundlich. Auch mit den Hütteninhabern oder Campingplatz Host gab es keinen Smalltalk, keine Tipps für die Umgebung oder Ähnliches.

In den USA lernen wir an jedem Ort Leute kennen, wir reden da mit jedem egal welcher Nationalität. Man tauhct sich über die Sights aus gibt Tipps, bekommt Tipps. Wenn man will geht man mit der Telefonnummer oder Facebook Namen oder Visitenkarte aus dem Gespräch raus.
Bei Cabins/Campgrounds wird mal meist ganz schnell vom Nachbarn zum grillen oder auf ein Bier eingeladen. Und das egal, ob man alleine oder zu zweit ist.  So ist das in den USA.

grundsätzlich denke ich auch, ist es aber eher ein Mentalitätssache, wer viel und gerne alleine reist oder auch alleine lebt, der ist ja grundsätzlich schon mal ein anderer Typ, wenn auch teils zwangsläufig, als der der nur in der Gruppe oder mit Partner /Familie reist. Aber es gibt auch leute, die zu zweit sehr offen sind für neue Bekanntschaften, alles schon erlebt oder gehört. 


Aber ich will jetzt auch Gabis Bericht damit nicht vollsülzen eventuell eröffnen wir dazu noch mal einen Thread und geben dort Erfahrungen wieder.

serendipity:
Ich schrieb ja schon, dass ich unterwegs immer Leute für einen "Plausch" fand, heißt man tauschte sich über die Reise, Route usw. kurz aus. Das Wetter war natürlich auch immer ein Gesprächsgrund  ;) Im Lysefjord hatte ich auf der Hinfahrt gute Unterhaltung durch fünf deutsche Jungs, die einen Wanderurlaub in Norwegen machten und am nächsten Tag zu Kjerag-Bolten wollten. Am Nigardsbreen unterhielt ich mich eine ganz Zeit lang mit vier Chinesen usw. Am meisten verwunderlich fanden die meisten Menschen wohl, dass ich alleine unerwegs war. Gerade Norweger wollten wissen, wie es mir in ihrem Land dabei ergeht.

Das Alleinreisen von Frauen, wie es gerade hier im Forum ja gang und gäbe ist: Birgit, Silvia und auch Flicka, ist wohl immer noch zu "exotisch" für den Rest der Welt  ;), aber das merkte ich ja schon vor der Reise, denn immer wieder begegnete mir der Satz "Das finde ich ganz schön mutig". Mutig fand ich im Nachhinein gar nichts, es war eher wirklich easy  :), eine tolle und wiederholenswerte Erfahrung.

Wirklich "kennengelernt" habe ich niemand, aber darauf habe ich es ja auch gar nicht angelegt, dazu würde natürlich immer ein gewisses Engagement vonnöten sein, was ich nicht entwickelt habe, denn alleine zu reisen und damit auch meine Zeit alleine zu verbringen, war ja ganz bewusst gewählt.

Abgesehen davon, dass die Norweger nicht die Amerika üblichen Freundlichkeitsfloskeln drauf haben, fand ich sie aber nicht abweisender oder zugeknöpfter und auch andere Reisende waren wie überall auf der Welt, es gibt solche und solche.

Übrigens finde ich, dass solche Diskussionen einen Reisebericht nicht stören, denn sie erwachsen ja daraus und bereichern doch eher  ;)

serendipity:

--- Zitat von: nordlicht am 19. August 2016, 23:02:58 ---Och Menno, da haben Dir meine Tips ja so richtig "Glück" gebracht. Tut mir Leid!

--- Ende Zitat ---

Hihi, so schlimm war es nicht  ;)

Ich wusste ja, dass ich durchaus mit Regen im Norden zu rechnen hatte, aber man hofft natürlich immer, dass es einen selbst nicht trifft.

Das war halt nicht so, es hat mich getroffen und zwar so richtig von seiner besten Schlechtwetterseite - damit habe ich mich aber im Laufe der Reise arrangiert. Ich war nur froh, nicht mit Zelt unterwegs zu sein. Denn feuchtkalte Füße sind für mich schon ein schlechte Laune Grund, sind dann alle Klamotten so, hätte ich die Reise wohl abgebrochen

serendipity:
Dienstag, 26.07.2016 - Durch die Heckklappe nach Norwegen

Um 6 Uhr klingelt mein Wecker, ja, Urlaub kann ganz schön anstrengend sein. Ich werfe als erstes ein Blick aus dem Fenster. Neben dem teilweise blauen Himmel, sehe ich auch den nackten Hintern meines Vermieters, der auch gerade aufsteht ;-) Vielleicht sollte er seine Schlafzimmervorhänge das nächste Mal besser zuziehen.

Naja, jetzt bin ich wach und koche mir erst einmal einen Kaffee, dusche und packe meine sieben Sachen zusammen. Pünktlich um 7 Uhr, klingel ich, überreiche das Geld und den Schlüssel - nicht ohne Grinsen, denn der Hintern kommt mir wieder in den Sinn - und fahre Richtung Hirtshals.

Skagen ist rundum von einem Dünengebiet umgeben und ich freue mich über teilweise blauen Himmel.





Um 7.45 Uhr erreiche ich Hirtshals, dort sind die Fährterminals gut ausgeschildert. Ich habe mich für die Fjordline nach Kristianssand entschieden, denn diese Fähre ist schon um 10.00 Uhr in Norwegen.

Buchungsbestätigung oder Voucher brauche ich nicht, obwohl ich sie natürlich ausgedruckt in meinen Unterlagen habe. Ich werde gleich freundlich mit Vornamen begrüßt und erhalte einen Anhänger für die Windschutzscheibe bzw. den Rückspiegel. Dann heißt es warten. Zeit für ein Bananenfrühstück und ein paar Seiten meines Buches. Ab 9.45 Uhr können die Autos auf die Fjordcat, alles geht zügig und ist gut organisiert.

Als ich aussteigen will, merke ich, dass ich auf der Fahrerseite die Autotür nur ca. 20 cm öffnen kann - öhm, hier komme ich nicht raus. Also die Beifahrerseite, ist ja kein Problem, ich muss erst einmal den ganzen Krempel: Rucksack, Kamera, Unterlagen, Regenjacke usw. wegräumen und auf den Beifahrersitz krabbeln. Aber auch hier lässt sich die Tür nicht weiter öffnen. Und nun? Ich sitze fest. Der Fahrer des Autos hinter mir sagt, ich sollte durch die Heckklappe aussteigen, er würde das Gepäck auch ausräumen. Ach Quatsch, ich klettere einfach darüber hinweg, ist ja nichts drin, was kaputt gehen kann. Gesagt, getan - wenige Zeit später stehe auch ich außerhalb des Autos. Schnappe mir Rucksack mit Tolino und suche mir einen Sitzplatz am Fenster.

Die zweistündige Überfahrt verbringe ich lesend und grübelnd: Wie soll ich wieder ins Auto kommen?

Kurz vor dem Anlegen der Fjordcat werden wir aufgefordert uns zu den Autos zu begeben. "Zu" ist ja okay, aber "in" wird schwierig ;-)

Nun es bleibt wohl nur der wiederholte Weg durch die Heckklappe. Klappe auf, Gabi rein, Klappe zu und nun im Kofferraum mit Gepäck Füße irgendwie nach vorne bringen, um sie unter das Lenkrad zu bekommen. Ganz ehrlich, ich sehe schon die Feuerwehr ausrücken, die mich aus einer misslichen, feststeckenden Lage befreien muss und bekomme Schnappatmung und ein wenig Panik. Aber zum ersten Mal ist mir meine geringe Körpergröße von Nutzen. Mit einer Schramme am Bein und leichtem Knacksen in der Halswirbelsäule schaffe ich es irgendwie auf den Sitz. Nur gut, dass dies keiner gefilmt hat! Vom Knacksen der HWS habe ich allerdings heute noch etwas, aber was tut man nicht alles, um nach Norwegen zu kommen ;-)

Drei Minuten nach 10 Uhr befahre ich zum ersten Mal norwegischen Boden, für Pass und den Inhalt meines Wagens hat sich niemand interessiert.

Ich fahre Richtung Mandal, wo ich heute Nacht ein Hotelzimmer gebucht habe, entscheide mich aber für die kleinen Straßen an der Küste und nicht die E39.

Schon am Rande von Kristiansand muss ich in den ersten Tunnel Richtung Flekeroya - 7 km lang. Nun ich habe da so eine kleine Tunnelphobie, in diesem geht es auch noch kräftig bergab und die Geschwindigkeit ist auf 70km/h begrenzt. Ich kämpfe also erst einmal mit meiner Phobie und der Geschwindigkeitsbegrenzung, was das "Ich-bin-wirklich-in-Norwegen-Adrenalin" noch einmal ordentlich ansteigen lässt. Nette Fotoapparate gibt es auch noch im Tunnel - ich gerate ins Schwitzen. Nur nicht gleich in der halben Stunde blitzen lassen. Irgendwann habe ich auch diese Hürde geschafft.

Ab jetzt will ich genießen und das tue ich auch. Ich fahre durch viele kleine Orte, oft am Meer und vielen Schären entlang. Leider gibt es wenig Möglichkeiten zu halten und so muss ich die Bilder in meinen Kopf bannen, nicht auf die Speicherkarte. Gibt es links von mir kein Meer zu sehen, dann oft rechts einen kleinen oder größeren See. Herrlich!







Hier stelle ich zum ersten Mal meinen Campingstuhl auf, genieße einen kleinen Snack mit Banane und Müsliriegel und lese eine Stunde in absoluter Ruhe.

Anschließend fahre ich weiter nach Mandal. Um 15 Uhr checke ich im Hotel ein, koche mir auf dem Zimmer einen Kaffee und genieße ihn auf dem kleinen, etwas schmutzigen Balkon.

Um 16 Uhr mache ich mich zunächst auf zu einem Supermarkt, ich will mich von der geringeren Auswahl und den erhöhten Preisen selbst überzeugen, außerdem möchte ich heute irgendwo am Meer zu Abend picknicken, denn es regnet nicht :-). So besuche ich meinen ersten KIWI-Markt, erstehe ein Brötchen, Krabbensalat und einen kleinen leckeren Milchreis mit Erdbeeren. Anschließend fahre ich zum Strand Sjosanden. Dort ist nicht viel los, ich fotografiere ein wenig und schaue den Anglern zu.











Als die norwegische Jugend mit ihren aufgemotzen Autos ankommt und die Musik aufdreht, mache ich mich vom Acker, denn so habe ich mir mein Picknick nicht vorgestellt.

Ich fahre einfach immer ein wenig am Meer entlang und finde schließlich ein wunderbar ruhigen Platz neben einer Hütte. Ich setze mich auf, die von der Sonne wunderbar aufgewärmten Felsen, genieße Ruhe, Meer und meinen Krabbensalat, der jedoch zu "mayonnäsig" war   >:(







Auf dem Rückweg zum Hotel halte ich noch einmal am Sjosanden Strand. Das Auto parke ich anschließend auf einem Parkplatz an der Kirche von Mandal, der bis 9 Uhr kostenlos ist.

Das Parken in den Städten Norwegens ist fast überall kostenpflichtig und relativ teuer. In Mandal kosten zwei Stunden 60 NOK, dass sind ca. 6,50 €. Da laufe ich lieber ein Stück durch das kleine Städtchen, denn mein Hotel  liegt mitten in der Altstadt.

Auf dem Balkon gibt es zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages und auf mein gelungenes Heckklappen-Abenteuer ein Glas Wein und um 21.30 Uhr liege ich im Bett.





Unterkunft: Kjobmannsgarden Hotel, Mandal, 1049 NOK= ca. 114 € inkl. Frühstück

Andrea:
Also das ist ja wohl ein Ding! Durch die Heckklappe aus dem Auto klettern, das wäre bei unserem BMW gar nicht möglich gewesen und bei unserem Dusty würde es bei so einer Tour ebenfalls nicht möglich sein: wir sind XL und haben außerdem alles vollgepackt. Wie stellen die sich das vor?  :o

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