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Fjord & Fjell 2016 - Mein Solo-Road-Trip durch Süd- und Mittelnorwegen

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serendipity:
Schön, wenn euch der letzte Tag ebenfalls gefallen hat  :) Und da wir ja gerade alle wieder unter "Hitze leiden"  ;), kann ich euch etwas kühleres und feuchteres versprechen:

Freitag, 29.07.2016 - Verregnete Laune und Schifffahrt auf dem Lysefjord

Ab 4 Uhr klingelt mein Wecker stündlich: Ich werfe jeweils einen Blick aus dem Fenster und auf die Wettervorhersage des Handys, denn eigentlich wollte ich heute sehr früh Richtung Preikestolen aufbrechen und diesen erklimmen.

Dichte Bewölkung und Dauerregen lassen mich jedoch bis 7.30 Uhr im Bett bleiben und nach Dusche erst einmal das Frühstücksbuffet besuchen. Große Unterschiede zum kleinen Kjobmannsgarden Hotel in Molde kann ich nicht feststellen. Das Rührei ist nicht wirklich der Brüller, aber es gibt wieder sehr guten geräucherten Lachs.

Und nun? Auf Stadt habe ich keine Lust, es regnet weiter und weiter. Ich beschließe ein wenig im Bett zu lesen und darauf zu hoffen, dass es vielleicht doch noch aufklart, obwohl die Wettervorhersage ganz mies ist.

Um 12 Uhr halte ich es nicht mehr aus und beschließe nach Lauvvik zu fahren, um dort die Fähre nach Oanes (Preikestolen) zu nehmen oder die Touristenfähre (hin und zurück nach Lysebotn ohne Auto), um wenigstens etwas vom Lysefjord zu sehen.

Kurz vor Lauvvik hört der Regen auf, aber die Wolken hängen tief im Fjord, auf dem Preikestolen würde man nichts, aber auch nichts sehen. Ich nehme also die Touristenfähre. Dies ist eine normale Autofähre, die jedoch mit Durchsagen an interessanten Stellen hält bzw. langsam fährt.

Während der Wartezeit unterhalte ich mich eine ganze Weile mit einem deutschen Paar, welches mit Wohnmobil unterwegs ist. Sie sind noch nicht entschieden, ob sie ebenfalls die Fähre nehmen, denn eigentlich dauert es ihnen zu lang (15.00 - 19.30 Uhr)

Noch während wir warten, setzt auch mein treuer Begleiter wieder ein.

Die Fahrt nach Lysebotn und zurück kostet für mich 450 NOK, also ungefähr 48 € - kein Schnäppchen. Unterwegs regnet es immer wieder, ich setze mich nahe an eine Tür und hüpfe immer mal wieder raus, um Fotos zu machen. Die übrige Zeit unterhalte ich mich nett mit jungen Herren, ungefähr im Alter meines Sohnes, die eine Wandertour durch Norwegen machen. Morgen wollen sie auf den Kjerag und fahren deshalb nach Lysebotn.























Auf dem letzten Bild oben sieht man übrigens - mit guten Augen - links oben den sogenannten Kjerag-Bolten, von welchem man sonst andere Bilder kennt.









Während ich auf der Hinfahrt trotz Regen noch oft nach draußen gehe, verbringe ich die Rückfahrt nur noch drinnen, denn ich bin durchgefroren und die Klamotten sind klamm. Ich hole mir einen vermeintlichen Kaffee für 35 NOK/3,75 € - der schmeckt nicht, aber ich kann mir die klammen Finger wärmen.

Um 19.30 Uhr legen wir wieder in Lauvvik an. Obwohl die Rückfahrt dann etwas langweilig war, bin ich froh zumindest etwas vom Lysefjord gesehen zu haben und fahre doch zufrieden zurück nach Stavanger. Dieses Mal parke ich auf dem Parkplatz vor dem Hotel und riskiere ein Ticket, denn der Automat will wieder keine Kreditkarte und so viele Münzen habe ich nicht. Ich renne zum Hotel, denn es schüttet wieder.

Erst einmal eine warme Dusche und anschließend Buch und Schokokekse im Bett. Alleinreisen kann so unkompliziert sein ;)

Ich ärgere mich noch ein kleines bisschen wegen der ausgefallenen Wanderung, aber schließlich lebe ich auch weiter ohne auf dem Preikestolen gewesen zu sein.

Im weiteren Verlauf werde ich im Fernsehen immer wieder Bilder vom Weg zum Preikestolen sehen, denn die Holzbohlen, die übers Plateau führen liegen mittlerweile unter Wasser und auf der Kletterstrecke kommen einem Sturzbäche entgegen - es wird überlegt den Weg bei weiteren Regenfällen zu sperren.

Unterkunft: Best Western Plus Viktoria Hotel, Stavanger, 770 NOK = 83 € inkl. Frühstück

stefunny:
Oh oh, na du hast wohl das beste d'raus gemacht. Die Fährfahrt war ja dann doch ganz schön. Schade, dass du nicht hoch konntest für uns war es schon ein Highlight. Aber man will ja auch seine Gesundheit nicht riskieren auf dem Weg bei starkem Regen.


Silv:

--- Zitat von: serendipity am 25. August 2016, 10:03:02 ---... aber schließlich lebe ich auch weiter ohne auf dem Preikestolen gewesen zu sein.

--- Ende Zitat ---

Wir leben auch noch....  ;) Bei uns war an diesem Tag genauso schlechtes Wetter, so dass wir auch nicht zum Preikestolen sind.

serendipity:

--- Zitat von: Silv am 25. August 2016, 12:54:25 ---
--- Zitat von: serendipity am 25. August 2016, 10:03:02 ---... aber schließlich lebe ich auch weiter ohne auf dem Preikestolen gewesen zu sein.

--- Ende Zitat ---

Wir leben auch noch....  ;) Bei uns war an diesem Tag genauso schlechtes Wetter, so dass wir auch nicht zum Preikestolen sind.

--- Ende Zitat ---

Ihr könnt die Wanderung ja vielleicht nächstes Jahr nachholen  ;)

Ich war schon traurig, aber was soll ich machen  :weissnicht:
Mit der Fährfahrt hatte ich zumindest ein wenig Lysefjord-Feeling und auf Stavanger hatte ich so gar keine Lust, da wäre höchstens noch das Öl-Museum eine Alternative gewesen.
Aber es soll mir ja noch öfter so gehen auf dieser Reise, ich habe mir aber nicht wirklich die Laune verderben lassen.

serendipity:
Und den nächsten Tag schicke ich gleich hinterher, denn es hat zwar nicht viel weniger geregnet, aber es für mich einer der schönsten Tage überhaupt  :herz:

Samstag, 30.07.2016- Highlight Ryfylkevegen

Als mein Wecker um 7 Uhr klingelt, regnet es schon wieder oder immer noch - wer weiß das schon.

Ich gehe erst einmal duschen und anschließend zum Frühstück. Da es mittlerweile einmal nicht regnet, schaffe ich es zumindest das Auto trocken zu beladen.

Heute habe ich eine lange Strecke vor mir, es geht nach Roldal und das sind immerhin 230 km. Google rechnet mir 5 Stunden und 11 Minuten für diese Fahrt aus. Zunächst fahre ich wieder nach Lauvvik, um von dort mit der Fähre nach Oanes überzusetzen. Die Fähre fährt hier alle 30 Minuten, es kommt also nicht zu langen Wartezeiten, und kostet für mich und Auto 73 NOK, also ungefähr 8 €.

Auch heute fahre ich eine norwegische Landschaftsroute, den sogenannten Ryfylkevegen. Hier ist "der Weg das Ziel". Hinter jeder Kurve eine neue Landschaft - eine schöner als die andere. Weite Fjorde, Berge, Seen, hübsche rote und weiße Häuser. Die Schönheit dieser Landschaft lässt sich fotografisch nicht einfangen und das trotz der vielen Wolken und Schauern, die mich den ganzen Tag begleiten. Ich genieße wirklich jeden Kilometer und halte so oft wie möglich an.













Insgesamt ist die Straße gut ausgebaut und lässt sich für norwegische Verhältnisse auch recht zügig befahren. Manchmal wird es aber schon ziemlich eng. Wenn dann ein WoMo, LKW oder Bus entgegen kommen, kann es sein, dass man rechts auf sehr auf Tuchfühlung mit der unbehauenen Felswand geht oder rückwärts zu einer der häufigen Ausweichstellen zurückfahren muss.

Meinen ersten längeren Halt mache ich dann am Svandalsfossen. Über 540 Stufen kann man neben dem Wasserfall hinaufsteigen. Ist der Wasserfall neben und unter der Straße ein schmaler, aber wilder Sturzbach, so entwickelt er oben seine wirkliche Schönheit - also auf jeden Fall nach oben laufen!

Die Treppen und der teilweise unbefestigte Pfad ist durch den Regen etwas glitschig und ich warte an strategisch günstigen Stellen, den von oben kommen zwei Pärchen und die Damen tun sich mit dem Abstieg etwas schwer und brauchen zum Geländer auch noch die Hilfe ihrer Partner.















Ich komme mit dem Abstieg aber gut klar, muss ich ja auch, wenn ich den Mann schon zuhause lasse ;-).

Nach dem kleinen Städtchen Sauda, in welchem ich Rukola, eine Zucchini, eine Zwiebel und eine Paprikaschote kaufe,  wird die Landschaft einfach grandios.
Zunächst fahre ich durch ein steiles, dunkles Tal, das wilder nicht sein könnte. Durch steile, schroff abfallende, kantige Felsen verläuft ein wilder Bergbach. Die Straße ist weitgehend einspurig. Abenteuerlich!

Weiter geht es höher und höher. Plötzlich, nach einer Biegung, eine völlig neue Landschaft wie von einem anderen Planeten. Bei 900 Metern Höhe ist die Baumgrenze erreicht. Ich fahre durch das spärlich mit Gras bewachsene Fjell, vorbei an verwunschenen Seen. Dazu die Bewölkung, die teilweise die Landschaft verschlingt und auch mich zu verschlingen droht. Fast unwirklich und ich kann mich gar nicht einkriegen bzw. satt sehen. Da ich ganz alleine bin, mir kommen oben auf dem Fjell vielleicht zwei Autos entgegen, kann ich mein Glück auch einmal richtig laut rausschreien. Man mag mich für bekloppt halten, aber ich fühle mich wie ein Kind, für das Weihnachten und Geburtstag zusammen auf einen Tag fällt. Oft läuft mir dann das ein oder andere Tränchen, heute ist es ein Glücksschrei - liegt vielleicht am Norden: Ronja Räubertochter hat schließlich auch ihren "Schrei".  ;)
 
Für die insgesamt 47 km brauche ich drei Stunden. Immer wieder halte ich an, laufe ein Stück, fotografieren, staune, genieße!

Ich muss mich jetzt schon für die Fotos entschuldigen, denn sie bringen in keinster Weise die "liebliche Schroffheit" der Landschaft zur Geltung.





































Als dann noch Schafe unvermittelt am Straßenrand auftauchen, bekomme ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht - wer braucht da schon Sonnenschein?





Diese beiden rannten im vollen Schafsgalopp aufs Auto zu - man sieht es an den wehenden Ohren ;-) - um kurz vor dem Auto quietschend zu bremsen und ihr Fell am Kühler zu schrubbeln.











Es ist einfach so schön hier, dass ich richtig traurig bin, als die Straße in vielen Serpentinen wieder nach unten führt.

Es ist schon nach 18 Uhr, als ich in Roldal eintreffe. Ein kleiner Ort mit vielen Campingplätzen und einer schönen Stabkirche.







Ich beziehe meine Luxus-Hytta auf dem Roldal Hyttegrend. Sie ist wirklich nett eingerichtet und hat sogar eine Spülmaschine, die ich jedoch nicht nutze, da ich nur eine Nacht hier bleibe. Eindeutig aber die tollste Hytta der Reise!



Nachdem ich das Bett gerichtet habe, schenke ich mir auf grandiosen Tag ein Glas Wein ein, richte einen Tomaten-Rukola-Salat und koche mir eine Gemüse-Reis-Pfanne.

An diesem Abend sitze ich lange draußen, genieße die Aussicht und beobachte den unter mir liegenden Campingplatz.



Unterkunft: Roldal Hyttegrend und Camping, Roldal, Hytta mit Selbstverpflegung, 950 NOK = 102 €

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