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Drei Wochen in Ex-Jugoslawien

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Paula:
14. Tag  1. Juni 2018

Heute morgen sind wir um halb 8 aufgestanden, wir hatten eine weite Fahrt nach Montenegro vor uns. Im Frühstücksraum war heute Hochbetrieb, aber ein freier Tisch war für uns gedeckt. Statt Pancakes gab es heute einen süßen Kuchen und einen salzigen Muffin, ansonsten wie gestern, also sehr lecker.

Die Strecke aus Sarajewo raus führte über die Sniper Alley (eine mehrspurige Hauptstrasse wo im Krieg besonders viele Scharfschützen unterwegs waren) auf die M18. Nach einer Weile führte die Straße an einer Schlucht entlang, ich habe zuhause nachgeschaut: am Fluß Drina entlang, eine wunderschöne Landschaft und es ging bergan bis auf 1100 Meter Höhe. Leider gab es fast keine Haltemöglichkeiten auf dieser Landstraße aber einmal haben wir es geschafft anzuhalten
 
   

   

es kamen immer wieder Tunnels und vielleicht kann man auf dem Bild erkennen wie primitiv die waren:

   

eigentlich waren das nur Löcher die durch den Berg gehauen wurden ohne jegliche technischen Anlagen: keine Beleuchtung, keine Belüftung, keine reflektierenden Streifen am Boden, kein gar nix. Man hat im Tunnel fast die Straße nicht gesehen und immer wieder lagen Steine im Weg, von der Decke tropfte Wasser, zum Glück ist dem Auto nix passiert. :o Und zum Glück war keinerlei Verkehr, Gegenverkehr in diesen Tunneln stelle ich mir abenteuerlich vor.

Die Straße wurde immer schlechter je weiter und je höher wir kamen, der Belag war schlichtweg abgefahren, da ist wahrscheinlich seit Titos Tod nichts mehr repariert worden, am Schluß war es fast eine Schotterpiste. Die Gegend war wirklich toll aber wer hier unterwegs sein will sollte einen Jeep fahren. Wir haben öfter kleine Feriensiedlungen gesehen: Cabins wie man sie von USA kennt und es gab Schilder am Straßenrand mit Hinweisen auf Raftingtouren und ähnliches. Also landschaftlich war es wirklich toll hier, aber die Infrastruktur musss dringend verbessert werden wenn mehr Touristen hierher fahren sollen. Wir sind fast die ganze Zeit am Fluß entlang gefahren der zeitweise so breit wie ein See war, also wirklich idyllisch, Orte haben wir fast gar keine gesehen.

Kurz vor der Grenze haben wir noch mal getankt da wir nicht wußten wie es in Montenegro mit Tankstellen aussieht. An der Grenze mußten wir nicht nur an beiden Seiten (Aus- und Einreise) unsere Ausweise vorzeigen sondern bei der Einreise auch die Wagenpaiere und die grüne Versicherungskarte (gut dass ich die zuhause besorgt hatte!) und den Kofferraum mußten wir auch aufmachen. Zum Glück waren nur wenige Autos hier an der Grenze, denn das Prozedere zog sich ganz schön hin. An der Grenze war eine Metallbrücke über einen Fluß (das ist wohl der Grenzfluß), die Brücke war mit Holzbohlen belegt und so schmal dass ich mich frage was Urlauber machen die mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen kommen? Die hätten hier nicht rübergepaßt. Bei der Planung ist uns nicht aufgefallen was für eine abenteuerliche Strecke das ist, auf der Karte war die Straße als fette rote Landstraße eingezeichnet...

Kaum waren wir über die Brücke gefahren nach Montenegro wurde die Straße besser, sie war jetzt ordentlich geteert und hatte einen Mittelstreifen. Die weitere Strecke war dann kein Problem nur das Navi wollte wieder einen anderen Weg fahren als wir ausgesucht hatten. Das Kloster Ostrog wo wir als nächstes hinwollten war aber ausgeschildert, da fahren viele Touristen hin auch viele Reisebusse und denen sind wir nachgefahren. Das Kloster liegt am Berg und die Straße wurde immer kurviger und abenteuerlicher, ich hätte da nicht fahren wollen, vor allem wurde sie am Ende einspurig. Wir sind immer schön hinter einem Bus hergefahren, solange der das schaffte konnte es für unseren PKW ja kein Problem sein, aber den Busfahrer habe ich echt bewundert! Für die Busse endete die Strecke auf einem großen Parkplatz, der PKW Parkplatz lag noch etwas höher und dann ging es zu Fuß weiter durch den Wald über viele Stufen

   

Mittags hatte es wieder zu gewittern angefangen und es war extrem schwül
am Kloster Ostrog angekommen:

   

aus Wikipedia:

--- Zitat ---das Kloster Ostrog eines der bedeutendsten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche. Das Kloster ist ungefähr 15 Kilometer von Danilovgrad in Richtung Nikšić entfernt. Es liegt am Abhang des Prekornica-Gebirges zur Ebene des Flusses Zeta.

Das Kloster wurde 1656 vom Metropoliten von Hum und der Herzegowina, Vasilije Jovanović, gegründet, der bis zu seinem Tod im Jahr 1671 dort lebte. Hier wird der Körper des heiligen Vasilije aufbewahrt. Deswegen wird es jedes Jahr (mit Ausnahme der 1940er Jahre) von tausenden Gläubigen besucht.

Im Zweiten Weltkrieg hatte sich der Patriarch Gavrilo von Jugoslawien im Kloster vor den heranrückenden deutschen Besatzungstruppen versteckt gehalten. Der gerade inthronisierte König Peter II. nahm hier kurzzeitig ebenfalls Zuflucht. Doch die Mitglieder der Gestapo hatten im Jahr 1941 das Versteck aufgespürt und es in Besitz genommen. Sie fanden hier Teile des Serbischen Staatsschatzes, Münzgold und Aktien im Wert von 375 Millionen Dinar sowie Nahrungsmittel und die Königsuniform.

--- Ende Zitat ---

Blick in die andere Richtung: da tobt ein Gewitter

   

Am Eingang stand eine Schlange, da stellen wir uns an allerdings war das keine Schlange für den Eingang sondern der Devotionalenverkauf. Da alle Leute vor uns Kerzen kauften machten wir das auch, Eintritt wurde gar nicht verlangt. Die Kerzen haben wir dann für unsere Lieben daheim angezündet

   

Im Kloster das ziemlich modern aussah ging es es dann über mehrere Etagen in kleinere Räume die mit Mosaiken ausgeschmückt waren

   

   

die Mosaike sahen alle ziemlich neu aus

   

   

   

   

oben war dann eine Art Balkon in den Berg gehauen

   

es gab noch einen kleinen Gebetsraum der mit ganz alten Fresken ausgestattet war (wahrscheinlich wird da der Heilige verehrt den Wikipedia erwähnt) da durfte man aber nicht fotografieren. Das war eigentlich der einzige wirklich interessante Teil des Klosters. Für den Rest hätte ich den Umweg ehrlich gesagt nicht gemacht, aber Josef wollte das Kloster gern besichtigen und vorher weiß man ja nicht was einen erwartet.

die Anlage im ganzen zu fotografieren ist schwierig

   

vom Parkplatz aus:

   

weiter unten am Busparkplatz war noch eine Kirche und ein Ausflugslokal das leider geschlossen war so mußten wir uns mit einem Automatenkaffee begnügen

   

die Kirche war leider geschlossen

Für die Weiterfahrt in den Ort Virpazar hat sich dann zum Glück eine andere Stecke gefunden, diese Bergstrasse die wir rauf gefahren sind wollte ich freiwillig kein zweites Mal fahren. Die Strecke die wir rausgesucht haben war zum Glück problemlos zu fahren (das Navi wollte auf die Bergstrasse zurück).
Um halb 5 kamen wir bei unserer Privatunterkunft an, sie lag 1,5 km außerhalb des kleinen Ortes im Grünen

Unser Eingang lag im ersten Stock, im Erdgeschoß wohnen die Eigentümer

   

   

   

   

es gab noch eine zweites Fremdenzimmer und eine große Küche zur allgemeinen Benutzung
Blick vom Balkon

   

das Haus selber zu fotografieren habe ich vergssen.
Hinter dem Haus war ein Weinberg und der nette junge Eigentümer der fließend englisch sprach hat uns zu einer Weinprobe eingeladen. Er hat einen kleinen Probenraum, an einer Wand steht das Regal mit den Flaschen, er produziert nur 2 Fässer Rotwein im Jahr. Eigentlich ist der Mann Politologe aber mit Stellen sieht es in Montenegro genauso mau aus wie in Bosnien und so hat er beschlossen im Tourismus sein Geld zu verdienen und vermietet Zimmer. Er baut gerade ein zweites Haus zum Vermieten und verkauft den Wein an Touristen, wir haben auch gern 2 Flaschen à 10 € genommen, denn der war richtig gut  8)
in Montenegro ist der Euro das offizielle Zahlungsmittel obwohl Montenegro gar nicht Mitglied der Eurozone ist. Eine andere Währung gibt es nicht, keine Ahnung wie das funktioniert, wo bekommt der Staat das Geld für die Beamten her, zur europäischen Zentralbank kann er ja nicht gehen  :gruebel:
Unser Vermieter war mit der politischen Situation in seinem Land sehr unzufrieden, der Präsident ist schon sieben mal wiedergewählt worden und die EU untertsützt diese korrupte politische Klasse in Montenegro. Ehrlich gesagt wußte ich von Montenegro vor unserer Reise gar nichts, ich hätte nicht mal gewußt ob das ein eigener Staat oder nur eine Provinz ist und zu den Beziehungen der EU konnten wir natürlich gar nichts sagen. Von uns aus gesehen ist Montenegro ganz weit weg, aber für die Leute dort ist die EU das Ziel wo sie hinwollen.

Wir sind dann in unser Zimmer gegangen und haben geduscht, es war extrem heiß und schwül, dann haben wir uns mit einem Kaffee auf den Balkon vor der Wohnung gesetzt. Danach sind wir zum Abendessen in den Ort gelaufen, man geht eine Viertelstunde. Es liefen Kühe auf der Strasse, Katzen und ein paar freundliche Hunde haben wir auch getroffen, alles sehr ländlich und friedlich hier.

Im Ortszentrum am Fluß gibt es ein paar Lokale, wir hatten bei Tripadvisor eins rausgesucht, da saß aber niemand, sowas ist mir immer supekt. Dann haben wir dieses Restaurantschiff entdeckt, na das ist doch super!

   

das Foto habe ich am nächsten Vormittag gemacht. Wir bekamen einen Tisch ganz oben und hatten einen wunderbaren Blick auf die Landschaft und die vielen Seerosen

   

im Wasser quakten hunderte von Fröschen  ^-^, noch lauter als in Krka und einmal schwamm einer zu uns ans Boot es war aber schon zu dunkel zum Fotografieren und ständig schwirrten Schwalben und andere Vögel um uns rum, das ist das reinste Paradies hier.
Die Küche war auch sehr gut, als Vorspeise bestellten wir frittierte Oliven, mal was Neues, schmeckt mit Zitrone beträufelt  sehr gut

   

meine Hauptspeise war gegrillte Hühnchenbrust mit einer Sahne-Lauch-Soße, sehr lecker aber sehr sättigend, eine Nachspeise ging dann überhaupt nicht mehr...

   

Josef hatte 2 Forellen mit Kartoffeln und wurde auch gut satt. Zusammen mit einem halben Liter Rotwein, Wasser, 2 Espresso und großzügigem Trinkgeld haben wir 40 € da gelassen. Wer billig Urlaub machen will ist in Montenegro richtig. Die Preise waren hier genauso niedrig wie in Bosnien. Und es ist einfach angenehm wenn man kein Geld wechseln muss.

auf dem Rückweg war es immer noch total warm, eine Hundemama mit ihren Welpen lag mitten auf der Straße und wollte gestreichelt werden, es hat uns richtig gut gefallen hier!
Zurück im Zimmer war es sehr warm dort, wir haben erst mal alle Fenster und Türen aufgerissen damit es abkühlt und haben uns noch mit einer der Weinflaschen des Hausherrn auf den Balkon gesetzt. Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern ob es eine Klimaanlage gegeben hätte, aber nachts mögen wir das sowieso nicht.

Übernachtung: Country House Djurisic, Boljevci B.B, 81305 Virpazar, Montenegro, 42,70 € über booking.com

die heutige Route:

   

Ilona:
Das Kloster im Berg gefällt mir sehr gut. Ist das noch bewohnt oder dient es ausschließlich dem Tourismus?

Da wurdet ihr an der Grenze ganz schön gefilzt.

Die Unterkunft und das Restaurantschiff hätte ich auch gewählt. Ich kann mir vorstellen, dass das keine Touristenhochburg ist und somit die anderen Restaurants nicht viel zu tun haben. Eigentlich gebe ich dann lieber denen den Vorzug.

Andrea:
An solche Grenzkontrollen erinnere ich mich nur noch dunkel  ;D Aber wenn ich euren heutigen Unterkunftsort so betrachte, dann lohnt sich die Reise dorthin allemal. Ich hoffe, du zeigst noch mehr aus der Gegend. Die ersten Eindrücke sind jedenfalls traumhaft!

Christina:
Eine sehr idyllische Gegend.

Nach der Anfahrtsbeschreibung zum Kloster hätte ich ein halbverfallenes Gemäuer erwartet, schon erstaunlich, dass das dann so gut in Schuss war. Interessant finde ich die Lage direkt unter den Felsen.

Die Unterkunft sieht sehr nett aus und das Restaurantschiff auch, vor allem die Lage in diesem schönen See mit den Bergen im Hintergrund.



Silv:
Das Kloster finde ich auch interessant, so wie das in den Berg hineingebaut ist.

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