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Drei Wochen in Ex-Jugoslawien

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Paula:

--- Zitat von: Christina am 01. Dezember 2018, 18:37:46 ---Die Stadt erinnert mich sehr an südfranzösische Städte bzw. auch an der Atlantikküste entlang. Und wenn ich denke, wie wenig dort in den letzten Jahren vor oder nach Pfingsten immer los war und man dort ausserdem ohne Grenzaufenthalt hinkommt, mit dem Euro zahlen kann und ich die Sprache spreche, wird es wohl bei mir eher wieder Frankreich als Kroatien.

--- Ende Zitat ---

wenn man Frankreich und Kroatien als Ganzes vergleicht gewinnt Frankreich um Längen, gar keine Frage (da denke ich zum Beispiel auch ans Essen, ganz wichtiger Punkt im Urlaub) aber im direkten Städtevergleich z.B. Carcassonne gegen Dubrovnik: da gewinnt Dubrovnik, solch eine Stadt hat hat ganz Frankreich nicht zu bieten und ich glaube Italien auch nicht, Dubrovnik gewinnt auch gegen Lucca. Also Dubrovnik ist definitiv eine Reise wert, aber es ist halt schon weit weg, einen Flughafen in der Nähe gibt es nicht umso erstaunlicher ist die Masse an Menschen dort.


--- Zitat von: Susan am 01. Dezember 2018, 21:56:41 ---Seit 2012 scheinen die Preise ja kräftig angezogen zu sein  :( Für 135 Kuna haben wir da noch eine ganze Flasche Wein gekriegt (und das zur Hauptsaison). Doch wenn jetzt nicht nur Kreuzfahrer sondern auch noch Filmfans kommen...  ::)

--- Ende Zitat ---

die Preise werden jedes Jahr angehoben, das hat man uns bei der Stadtführung erzählt. Und es gab praktisch stündlich Stadtführungen zu den Spielplätzen von Game of Thrones, das ist aktuell wohl der Hauptmagnet für Dunbrovnik. Ich habe jetzt gelesen dass die Besucherzahl derart stark gestiegen ist dass man überlegt die Besucherzahl in der Altstadt zu begrenzen


--- Zitat von: Silv am 02. Dezember 2018, 10:59:21 ---Die engen Gassen gefallen mir, aber die vielen Menschen würden mich schon wieder abschrecken.

--- Ende Zitat ---

normalerweise stört mich das auch, in Dubrovnik seltsamerweise aber nicht. Es war einfach sooo herrlich dort, ich habe die Massen einfach ausgeblendet. Wir haben es am nächsten Abend noch mal gewagt und haben ein Restaurant in der Altstadt gesucht (und gefunden  :) ) ich mußte da unbedingt noch mal hin!

Outdoordreams:
Hallo,

vielen Dank für die Eindrücke aus Kroatien, MNR und BiH.

Das meiste davon haben wir auch schon besucht und - ich gebe Dir absolut Recht: die Altstadt von Dubrovnik ist durch nichts zu toppen, weder in Frankreich noch in Italien oder Spanien.

Dubrovnik ist die Mutter aller Altstädte.
Für die Anreise gibt es den Flughafen bei Dubrovnik, ansonsten hat Split einen grossen Internat. Flughafen.

Die Begeisterung für Montenegro teile ich auch, allerdings nicht für die Küste, sondern für das Hinterland, insbesondere Durmitor und Tara Canyon waren für uns die Highlights auf unserer Nationalparkreise in MNR vor einigen Jahren.
Der Skadarska Jezero sieht so friedlich aus tagsüber. Bei Nacht ist der See allerdings Schmuggelroute und man hält sich als Tourist besser nicht dort auf.

Campingreisen in Montenegro sind mittlerweile auch möglich. Inzwischen gibt es einige Campingplätze im Land wo man es ganz gut aushalten kann, man sollte allerdings keinen 4-Sterne-Standard ala Kroatien oder Italien erwarten. Dafür sind die Plätze zu einfach (aber auch noch günstig, während Hotelurlaub in der Hauptsaison durch Osteuropäische Touristen dominiert wird und in den mondänen Yachthäfen und Luxusresorts auch der internat. Jet Set.
Schade dass ihr auch die Stadt Kotor nicht angesehen habt, die hat was, nicht so gross und spektakulär wie Dubrovnik, aber wir fanden das Mini-Dubrovnik sehr reizvoll.

Bin schon gespannt wie es weiter geht.   :)

Grüsse Kate

Paula:
Hallo Kate,

vielen Dank für deinen Kommentar und Willkommen bei Eumerika  :welcome:
du kennst dich ja sehr gut in der Region aus. Wir hatten bei der Planung unserer Reise nur ein paar Reiseführer zur Hilfe genommen, die meisten Bekannten waren zwar schon in Kroatioen aber Bosnien-Herzegowina und Montenegro waren allen unbekannt so dass wir uns da keine Tipps holen konnten. Ich denke schon dass wir noch mal nach Montenegro fahren werden, dann komme ich gern auf deine Vorschläge zurück  :)
Leider nähert sich unsere Reise langsam dem Ende, wir waren insgesamt 3 Wochen unterwegs.

Paula:
18. Tag 5. Juni 2018

Heute Nacht hatte ich schlecht geschlafen weil mein Bein wehtat, aber irgendwann muss ich doch eingeschlafen sein. Um halb 8 hat uns er Wecker geweckt.
Zum Frühstück saßen wir auf der Terrasse, es war bewölkt aber warm. Das Frühstücksbuffet war reichhaltig, der Kaffee wurde am Tisch serviert und war gut stark. Von unserem Frühstück haben wir auch was abgegeben  :)

   

Danach  sind wir zum Strand gegangen, ein Fußweg führte vom Hotel zum Strand, es waren nur wenige Minuten zu gehen. Entlang des Weges gab es die üblichen Verkaufsstände für Badezubehör und Snackbuden, am Strand war ein großes Lokal mit Strandliegenvermietung (aber sehr teuer), wir hatten aber unsere Decke dabei und haben uns ans Wasser gelegt. Die meisten Liegen waren leer, auch am Strand vor den Liegen war reichlich Platz für unsere Decke

   

Das Wasser war sehr angenehm und wieder gab es keine Seesterne oder anderes Getier das das Tragen von Badeschuhen notwendig gemacht hätte. Gegen Mittag gingen wir zum Hotel zurück und ich habe mit dem Handy Fotos gemacht (die Kamera hatte ich am Strand nicht dabei), es war jetzt heiß und sonnig geworden

   

der Garten:

 

anschließend sind wir wieder mit dem Bus in die Altstadt gefahren. Josef hatte gestern eine Stadtführung  gebucht: "Dubrovnik im Krieg"
Vor der Stadtmauer war schon wieder ein riesen Andrang, wir hatten noch Zeit und sind außen an der Stadtmauer entlang zum Strand gegangen

   

   
 
   

so eine Kajaktour könnte ich mir auch mal vorstellen

   

Durch dieses Tor ging es dann in die Altstadt

   

ganz in der Nähe bei dem großen Brunnen begann unsere Tour. Unser Guide Ivana war eine junge Frau, ihre Mutter lebte in Dubrovnik und war mit ihr schwanger war als der Krieg begann. Die UN hatte die Stadt während der achtmonatigen Belagerung 1991-1992 mit Lebensmitteln versorgt und als Schwangere bekam sie mehr als der Durchschnitt trotzdem hatte sie manchmal nur Äpfel zu essen. Nach der Geburt lag sie drei Tage im Koma und hatte Glück dass das Krankenhaus in der Zeit nicht getroffen wurde und sie überlebt hat. Echt schockierend so was zu hören  :o

Freiwillige hatten sich im Fort wo heute die Seilbahn ist verschanzt und konnten über den Fußweg von der Stadt aus versorgt werden. Der Weg war nicht von den Serben belagert und auch von ihnen nicht mit Geschosssen zu ereichen. Mit der Zeit konnte die kroatische Armee Leute und Waffen nach Dunbrovnik schaffen, die Waffen hatten sie von Ungarn gekauft und so konnten sie schließlich die Serben und Montenegriner vertreiben. Dubrovnik ist ja von Kroatien getrennt (früher war das ein eigener Stadtstaat und gehörte nicht zu Kroatien und es gibt über Land keine Verbindung zum Rest Kroatiens),  und war anfangs völlig isoliert. In in der Stadt gibt es eine Halle mit Fotos der gefallenen Verteidiger der Stadt (die haben wir später besichtigt), das waren alles Freiwillige, keine ausgebildeten Soldaten. Anfangs gab es wohl nur eine einzige Kanone, die immer wieder zu anderen Orten geschafft wurde um den Serben eine größere Waffenzahl vorzugaukeln. Man mag sich gar nicht vorstellen wie es in der Stadt damals zugegangen ist. Ivana erzählte uns dass viele ihrer Freundinnen ihre Väter nicht kennen weil ihre Mütter Opfer von Vergewaltigungen sind. Sie sagt unter jungen Leuten gibt es keine Probleme zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, sie hat auch serbische Freundinnen, bei der Generation ihrere Eltern sieht das aber ganz anders aus, da gibt es kaum Kontakte zwischen Kroaten und Serben.

Während des Krieges wurden 70 % der Dächer in der Stadt zerstört, mit Hilfe der Unesco wurde in den letzten Jahren alles originalgetreu renoviert, man sieht nur noch an wenigen Stellen Einschußlöcher.

Auf dem folgenden Bild sind die Zerstörungen markiert, Dreiecke markieren zerstörte Dächer, runde Punkte direkte Einschläge am Boden, die orangenen Flächen sind abgebrannt

   

wir sind dann mit ihr in diese Kirche (Koster?) gegangen

   

neben diesem schönen Arkadenhof ist der Raum zu Ehren der gefallenen Verteidiger Dubrovniks eingerichtet

   

   

wir sind dann mit ihr durch die Gassen der Stadt gelaufen und sie hat uns jeweils gezeigt welche Gebäude zerstört wurden

   

eine orthodoxe Kirche gibt es auch in Dubrovnik

   

   

Sie hat uns noch erzählt dass jeder der in der Innenstadt eine Wohnung hat diese an Touristen vermietet und nicht mehr zu arbeiten braucht. Bei einem Durchschnittsgealt von 800€ kann sich kein normaler Angestellter eine Wohnung in der Innenstadt leisten, die Mieten haben da das Niveau von München. Es leben praktisch keine Einheimischen mehr in der Altstadt und es ist schwer Personal für die Restaurants zu finden weil diese Leute eben keinen bezahlbaren Wohnraum finden.
Nach der Führung sind wir noch durch ein paar Straßen gebummelt, es war so voll wie gestern, danach sind wir wieder zum Hotel zurück gefahren. In einem Delikatessengeschäft neben der Bushaltestelle haben wir zwei Flaschen Wein erstanden und ein Glas Oliven, haben uns in einer Eisdiele ein Eis gekauft und haben das im Garten unseren Hotels verspeist. Danach sind wir noch mal an den Strand gegangen. Das ist schon sehr praktisch wenn man nur 5 Minuten zum Strand zu laufen hat. Am Strand war etwas mehr los als morgens aber immer noch reichlich Platz und ich glaube da waren nur Einheimische, deutsch hat man -im Gegensatz zur Altstadt- hier nicht gehört.

Am Abend sind wir noch mal in die Altstadt gefahren uns zog es einfach dorthin. Im Bus trafen wir ein nettes Paar aus Nürnberg, sie waren auch mit dem Auto auf Jugoslawientour. Sie hatten über Airbnb ein Zimmer in der Altstadt gemietet (80 €), das Auto hatten sie auf einem Parkplatz in der Nähe unseres Hotels geparkt und nun mußten sie mit ihrem ganzen Gepäck in die Stadt fahren. Also das wäre mir zu umständlich.

Obwohl es wieder rappelvoll war war eine wunderbare Stimmung in der Stadt, wenn es dunkel wird beginnt sie erst recht zu leuchten. Wir haben es einfach genossen

   

   

   

   

es wurde langsam dunkel und Unmengen von Schwalben schwirrten über unseren Köpfen, das habe ich auch gefilmt

   

   https://www.youtube.com/embed/aaXObSjuKlc

Bei der Suche nach einem Restaurant waren wir diesmal erfolgreicher, in einer der Seitengassen der Hauptstrasse fanden wir ein nettes Lokal. Ich hatte eine Pizza und Josef Fischfilet. Beides sehr lecker und preislich in Ordnung. Danach sind wir im Dunkeln durch die immer noch vollen Gasen gebummelt als es zu tröpfeln begann und plötzlich goss es wie aus Kübeln. Wir waren gerade vor einem Gebäude mit Arkaden, dort setzen wir uns auf die Steinbänke, da war es eigentlich ganz gemütlich und wir beobachteten wie der Regen auf den Marmorboden prasselte

   

Nach einer Viertelstunde wurde der Regen weniger und wir gingen durch ein paar Seitengassen zum Ausgang.

   

   

In den 6er Bus sind wir gerade noch so reingekommen, er war gerammelt voll wie gestern.
Im Hotel setzten wir uns in den Garten, hier hatte es wohl kaum geregnet und nun war es trocken. Eine Viertelstunde später fing es auch hier zu donnern an, es regnete aber nur sanft, so setzten wir uns wieder unter die bewachsene Laube, dort blieb es trocken.

Unterkunft: wie gestern

Christina:
Die Stadtführung war sehr informativ, aber auch wieder bedrückend, wenn man die Einzelheiten zum Krieg damals hört. Offenbar war praktisch die gesamte Altstadt mehr oder weniger zerstört worden, ein Glück, dass das alles wieder aufgebaut wurde.

Sehr schöne Stimmung bei Nacht.

Aber ich finde es sehr schade, dass sich die Einheimischen keine Wohnungen mehr in der Altstadt leisten können, so etwas mag ich gar nicht und versuche solche Städte zu meiden, zumindest würde ich dort nie eine Ferienwohnung nehmen und diese Entwicklung dadurch auch noch unterstützen. Wenn die Einheimischen weg sind, schließen auch die normalen Geschäfte und es bleiben nur noch "Touriläden", ebenso bei den Restaurants, da ist man dann nur noch von Touristen umgeben.

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