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Hamburg und ein bisschen Ostsee im Sommer 2018
Christina:
9. Tag – Mittwoch, 25.07.
Heute Morgen fahre ich, mal wieder, mit der U3 bis zur Haltestelle Landungsbrücken, dann folgt Neuland, an der Hafenstrasse entlang gehe ich bis zum Fischmarkt, auf dem um diese Uhrzeit natürlich nichts mehr los ist, dafür ist der Blick auf ein altes russisches U-Boot frei. Da ich schon einige U-Boote von innen gesehen habe, verzichte auf eine Besichtigung und gehe weiter bis zur Altonaer Fischauktionshalle, wo ich einen Blick hineinwerfen kann.
Nun geht es nach St. Pauli hinein.
Ich werfe einen kurzen Blick auf den Gezi Park Fiction, angrenzend sind die Überreste des abgebrannten Musikclubs Golden Pudel, der Name des Platzes wurde zur Unterstützung der türkischen Protestbewegung im Juni 2013 vergeben.
Ich komme an der Kneipe Onkel Otto vorbei, die schon jetzt gegen 10 Uhr gut besucht zu sein scheint, dann laufe ich die Davidstrasse entlang, wo ich einen Blick auf die Absperrung bzw. den Sichtschutz zur Herbertstrasse werfen kann, die Straße betreten dürfen Frauen nicht, die Damen hinter den Fenstern wollen sich scheinbar nur Männern zeigen.
An der Davidwache vorbei
biege ich in den Spielbudenplatz ein, hier stehen verschiedene Theater in einem bunten Architekturmischmasch.
Am Beginn der Reeperbahn stehen seit 2012 die „Tanzenden Türme“ mit Büros verschiedener Firmen und einem 4 Sterne Hotel. Der Platz davor ist recht nett gemacht und ich ruhe mich im Schatten ein wenig aus. Dabei wundere ich mich, wer in diesem Hotel wohl übernachtet, denn wenn man nicht gerade jeden Abend/Nacht hier auf der Reeperbahn verbringen will, ist der Zugang zum Hotel nicht gerade einladend, ich jedenfalls hätte keine Lust jeden Abend bei der Rückkehr ins Hotel durch die feiernden Menschenmassen zu gehen.
Nach der kleinen Pause gehe ich die Reeperbahn entlang und das ist ziemlich deprimierend. Ich hatte eigentlich gedacht, dass bei einem Besuch am Vormittag außer ein paar Kneipenschilder an dieser Straße nichts Bemerkenswertes zu sehen wäre. Aber hier scheint der Treffpunkt für eine Vielzahl von Alkohol- und Drogenabhängigen zu sein: zum Teil eher unauffällige ältere Herren, die irgendwo herumstehen, auf den zweiten Blick sieht man dann die offene Bierflasche, die in der Nähe auf einer Fensterbank, einem Mäuerchen o.ä. steht, zum Teil sitzen und stehen aber auch ganze Gruppen verwahrlost aussehender Personen herum, zum Beispiel ist die Beatles Skulptur von solch einer Gruppe belagert und am schlimmsten, einige Männer liegen (schlafend/bewusstlos?) mitten auf dem Gehweg, oft halbnackt.
Auf das im Reiseführer als sehr angenehm beschriebene nördliche St. Pauli habe ich dann überhaupt keine Lust mehr und nehme am Ende der Reeperbahn die S1 nach Altona und Ottensen.
In Ottensen gibt es eine Fußgängerzone mit allen möglichen Geschäften, das könnte überall in einer Kleinstadt in Deutschland sein, lustig, da die Hamburger Innenstadt ja nur wenige Fahrminuten entfernt ist. Drumherum sind zwischen wunderbaren Gründerzeitbauten einige Überreste ehemaliger Fabriken, auch ein Stahlkran und ein Bagger, Kneipen und Cafés, sogar (heutzutage) idyllische ehemalige Arbeiterhäuschen und die „Mottenburger Hühnertwiete“, ein kleiner Hühnerhof betreut vom Kulturzentrum „Motte“.
Zum Mittagessen gibt es im Innenhof der Filmhauskneipe einen Salatteller mit Putenbruststreifen. Dann spaziere ich nach Altona, schaue mir dort den Stuhlmannbrunnen an,
das Neue Rathaus mit dem schwarzen Mauerblock davor, der an die ehemalige jüdische Gemeinde in Altona erinnert
und den sog. Altonaer Balkon mit Blick auf die Elbe.
Nun ist es nicht mehr weit bis zum Fähranleger Dockland/Fischereihafen, wo ich schon am Sonntag war.
Da es so heiß ist, beschließe ich nochmal ein wenig die Fähren zu nutzen. Ich fahre vom Dockland zur Anlegestelle Landungsbrücken und steige dort in die Fähre zur Elbphilharmonie um. Diese Strecke bin ich noch nicht gefahren, sie ist auf jeden Fall lohnenswert, man fährt nämlich unmittelbar an der Elbphilharmonie vorbei.
Gegen 15 Uhr steige ich an der Elbphilharmonie aus und kaufe mir im winzigen Eisladen „Miss Sophie“ zwei Kugeln Eis. Dann gehe ich nochmal in den Ticketshop der Elbphilharmonie – nein, ich will nicht noch ein drittes Mal auf die Plaza – wo es auch Souvenirs gibt. Ich entdecke ein Mousepad mit Wimmelbild der Elbphilharmonie, das mich nun täglich am Schreibtisch an meinen schönen Urlaub hier erinnert.
Heute ist leider schon mein letzter voller Tag in Hamburg und ich möchte zum Abschluss nochmal an die Alster und zwar zu Fuß von der Binnenalster über die Außenalster bis zu meinem Hotel. Dazu fahre ich mit U3 und U1 zum Jungfernstieg. Gerade als ich dort wieder ans Tageslicht komme, beginnt ein heftiges Gewitter – na toll, hätte ich das geahnt, wäre ich lieber ins Fotografie Museum in den Deichtorhallen gefahren. Dorthin könnte ich nun immer noch, wäre nur wenige U-Bahn Stationen entfernt, aber irgendwie habe ich dann doch keine Lust mehr. Stattdessen bummle ich durch ein paar Geschäfte in der überdachten Europapassage und entdecke in der Buchhandlung dort noch zwei Romane, die in Hamburg spielen, die passen auch noch in den Koffer.
Dann mache ich nochmal eine Pause mit Kaffee und Kuchen und fahre schließlich gegen 18 Uhr zurück ins Hotel. Es hat inzwischen wieder aufgehört zu regnen, so dass ich dort trocken ankomme.
Wetter: sonnig, nachmittags kurzes Gewitter, ca. 34°C
Paula:
Die Reeperbahn ist so ziemlich das einzige was ich von Hamburg gesehen habe damals Ende der 90er Jahre. Da war sie wohl noch nicht so runtergekommen oder es ist im Dunkeln nicht so aufgefallen.
Ottensen ist prima, solche Nischen mag ich!
Ilona:
Anscheinend kann man die Reeperbahn nur nachts um halb eins :cool2: ertragen.
Christina:
--- Zitat von: Paula am 06. Dezember 2018, 09:50:00 ---Die Reeperbahn ist so ziemlich das einzige was ich von Hamburg gesehen habe damals Ende der 90er Jahre. Da war sie wohl noch nicht so runtergekommen oder es ist im Dunkeln nicht so aufgefallen.
--- Ende Zitat ---
Nachts wird es ja voll ohne Ende gewesen sein, da fallen einem einzelne Personen nicht auf, siehe auch Ilona:
--- Zitat von: Ilona am 06. Dezember 2018, 16:13:22 ---Anscheinend kann man die Reeperbahn nur nachts um halb eins :cool2: ertragen.
--- Ende Zitat ---
Christina:
10. Tag – Donnerstag, 26.07.
Und schon ist wieder der Abreisetag gekommen. Mein Zug fährt erst um 12 Uhr ab, das Apartment kann ich bis 11 Uhr behalten, also genug Zeit, nach dem Packen noch einen letzten Spaziergang an die Alster zu machen, nachdem das ja gestern Abend nicht mehr geklappt hat.
Am Vormittag ist es dort natürlich wesentlich ruhiger als bei meinen bisherigen Besuchen am (frühen) Abend, so dass ich am Ende meines Spaziergangs sogar einen freien Liegestuhl bei der Alsterperle finde. Ich trinke einen Cappuccino, genieße die Ruhe und den schönen Blick aufs Wasser.
Auf dem Rückweg zum Hotel kaufe ich noch Proviant für die Zugfahrt beim Bäcker, endlich komme ich auch dazu die für Hamburg typischen Franzbrötchen zu probieren (Hefeteig mit Zucker und Zimt gefüllt, ähnlich wie eine Zimtschnecke) - sehr lecker, hätte ich doch schon früher mal kaufen sollen.
Um 11 Uhr checke ich aus, der ICE fährt pünktlich am Hauptbahnhof ab und mit insgesamt einer Stunde Verspätung (Böschungsbrand bei Uelzen und dadurch verpasse ich meine Anschlusszüge in Mannheim und Worms) komme ich gegen 19 Uhr zu Hause an.
Wetter: sonnig, ca. 32°C, durchgängig von Hamburg bis nach Hause
Damit geht eine toller Hamburg Aufenthalt zu Ende, den ich (mehr als erwartet) genossen habe. Es war zwar sehr heiß, aber man konnte dafür auch jeden Tag von morgens bis abends (ohne Jacke oder Schirm einpacken zu müssen) draußen und unterwegs sein, draußen Pause machen und ein blauer Himmel trägt halt immer zur guten Laune bei. Mehr als bei vorigen Reisen habe ich bei dieser das Alleinsein als sehr positiv empfunden, da ich wirklich nach Lust und Laune meine Pläne ändern, konzentriert fotografieren und vor allem mir fürs Fotografieren Zeit lassen konnte, ich habe z.B. die Aussicht vom Michel erst mit dem Weitwinkel und dann mit dem Teleobjektiv fotografiert, bin also zweimal rundum gegangen.
Hamburg bietet wirklich viel, besonders toll finde ich den Hafenbereich, sowohl die modernen Gebäude mit Elbphilharmonie und Hafencity, als auch die Industriekräne und Containerschiffe, die Außenalster und Blankenese. Was ich vermisst habe, ist ein zumindest kleiner idyllischer Bereich mit alten Häusern in einheitlichem Baustil. Wenn man nur ein verlängertes Wochenende in Hamburg ist, stört das sicher nicht weiter, aber ich hatte nach einiger Zeit Sehnsucht nach etwas „hübschem“. Die vielen tollen Museen habe ich, aufgrund des schönen Wetters, fast komplett ausgelassen, das wären dann sicher Ziele für einen weiteren Besuch, nochmal durchgehend Sonne wird ja sicherlich kein zweites Mal passieren.
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