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WoMo Tour Mai/Juni 2019 - Wiedersehen mit der Peloponnes

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Paula:
Also in Nafplio waren wir definitiv aber ich muss zu meiner Schande gestehen dass ich gar nichts wiedererkannt habe. Ich habe zu Nafplio auch gar kein Bild im Kopf, da kann ich also noch mal hinfahren als wäre es das erste Mal. Woran ich mich komischerweise noch erinnere ist ein alter Grieche der uns auf französisch angesprochen hat (mein Französisch ist um Klassen besser als mein griechisch). Seltsam an was für unwichtige Details man sich erinnert. Ich kann mich noch dunkel an einen Hafen erinnern aber hundert Prozent sicher ob das in Nafplio war bin ich mir nicht.
Jedenfalls gefällt mir das Nafplio das du uns vorgestellt hast ausnehmend gut  :)

Susan:
Sorry für die lange Pause. Aber da es euch in Nafplio ja gefallen hat .... Nun gehts weiter!


10. Juni  Asklepieion – Kuren in der Antike

Schwingen wir uns mal wieder auf den Roller für einen Ausflug in die Geschichte. Es geht nach Epidauros zum Heiligtum des Gottes Asklepios (Äskulap) bzw. zu dessen Überresten.



Der Legende nach wurde Asklepios in Epidauros geboren, allerdings nehmen das auch noch andere Orte für sich in Anspruch. Er gilt als Begründer der Heilkunst und wird meist mit dem bekannten Äskulapstab dargestellt.



Besiedlung und einen Tempel gab es schon seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. in der Gegend von Epidauros. Allerdings bescheiden. Im Zuge einer Pestepidemie in Athen fand der Asklepios-Kult immer mehr Anhänger und durch die geschickte Werbung als Geburtsort die Kultstätte in Epidauros regen Zulauf.  So entwickelte sich der Ort zum antiken Kurort, zu einem reichen zudem. Im ersten Jahrhundert v.Chr. wurde das Heiligtum dann öfter von Piraten und Römern angegriffen und geplündert.  Letztere bauten den Ort 150 Jahre später wieder auf für ihren Äskulap-Kult. Die Goten plünderten und zerstörten  etwas gründlicher und mit dem Wachsen des Christentums wurde das Heiligtum 426 n.Chr. offiziell geschlossen.  1879 begannen die Ausgrabungen der alten Anlage.

Wie üblich ein paar Säulen und jede Menge Trümmer  ;)  Doch schön kurortmäßig gelegen



Wir zahlen unseren Obolus von 12 Euro pP und beginnen die Besichtigung mit dem Prunkstück der Anlage, dem Theater. Schon damals zählte auch das Kulturelle zum Angebot in einem Kurort.





Es wurde ca. 330 v. Chr. erbaut, 150 Jahre später erweitert und bietet etwa 14.000 Personen Platz. Auch heute noch werden hier Stücke aufgeführt, leider erst später im Sommer. Schade, das hätte mich interessiert.



Der Bau erinnert an heutige Sportstadien.  8)



Unten im Rondell agierten die Schauspieler und Musiker. Von dem Bühnenbau, der Umkleideräume beherbergte und an dem das Bühnenbild befestigt war, stehen nur noch die Grundmauern.

Diejenigen, die sich langweilten, hatten immerhin eine schöne Aussicht.  ^-^



Das Besondere an dem Bau ist die Akustik. Was im engeren Umfeld des Mittelkreises gesagt wird, ist auch in den oberen Rängen deutlich zu verstehen. Immer wieder gern vorgeführt, das Fallenlassen einer Münze oder Zerreißen von Papier. Und natürlich muss auch jeder Touri die Akustik ausprobieren.



Wir kommen dann noch in den Genuss des Vortragens antiker Verse (in deutsch) seitens eines der Touristenführer.

Danach werfen wir einen Blick in das kleine Museum, in dem Statuen und Opfergaben ausgestellt sind. Anschließend ein Rundgang durchs Gelände.


Katagogion Ruinen
Einst ein zweistöckiges Gästehaus mit 160 Zimmern.





Artemis-Tempel, der nach Inschriften zu urteilen zu denjenigen aus Vor-Asklepieion Zeiten stammte.


teilweise restaurierter Asklepion Tempel


vermutlich Überreste eines Badehauses

Nach Vorstellung der Geschichtsforscher lief eine Kur in Epidauros etwa so ab: die Pilger reinigten sich in Brunnenhäusern, opferten dem Gott Apollo (Kurtaxe  ;) ) und wurden dann zu einem Diagnose-Schlaf in das Abaton gebracht. Man hoffte, dort im Traum vom Gott Asklepion eine Therapie zu seinen Beschwerden zu bekommen. Später soll dazu auch Hypnose angewand worden sein.


Abaton

Danach wurde die Behandlung mit einem Priester abgesprochen; Bäder, Entspannungsübungen, Medikamente oder auch operative Eingriffe.

Ein weiteres Gebäude, das rekontruiert werden soll - daher das viele Gerüst - , ist die Tholos. Ein Rundbau aus zwei Ringen von Säulen. Über den Zweck streiten sich die Forscher noch. Die antiken Berichterstatter schweigen sich dazu weitgehendst aus. Es soll jedoch ein Labyrinth unter der Tholos gegeben haben.



Ähnlich, aber nicht so berühmt, wie in Olympia fanden hier alle 4 Jahre Sportwettkämpfe der Stadtstaaten des antiken Hellas statt. Darum gibt es auch ein Stadion.



Nochmal ein Blick über die Anlage



 :girly: Nun haben wir uns ein Kaltgetränk verdient

Und das waren jetzt die letzten Ruinen des Urlaubs  ;)




Ilona:

--- Zitat ---Nun haben wir uns ein Kaltgetränk verdient
--- Ende Zitat ---

Aber sowas von :thumb:.


--- Zitat ---Und das waren jetzt die letzten Ruinen des Urlaubs
--- Ende Zitat ---

Ich bin schon auf das Ersatzprogramm gespannt, denn nur am Strand liegen, das geht bei euch nicht.

Christina:
Das Theater ist ziemlich beeindruckend, auch hinsichtlich der Größe - und die Lage der Ruinen sehr malerisch. Open-air Theaterstücke mag ich, das wäre sicher toll gewesen, in diesem alten Rondell zu sitzen in einer warmen Sommernacht, schade, dass ihr es nicht erleben konntet, allerdings wären dann sicherlich auch tagsüber wesentlich mehr Leute unterwegs gewesen.

Susan:
11. und 12. Juni  Korinth

Huch, wo ist die Zeit geblieben?  Es gäbe noch so einiges - und bisher unbesuchtes - das ich eigentlich noch auf dem Schirm hatte, doch dafür langen die Tage nicht mehr. Also schließen wir langsam die Runde.
Unseren Freund, den Streuner, muss ich nun doch füttern, nämlich um ihn mit einem Fleischrest unter dem WoMo hervor zu locken.  ::)

Vom argolischen Golf geht es dann zum korinthischen, mal wieder über Berg und Tal. 





Die Olivenhaine werden langsam abgelöst von Weinbergen. Erst hatte ich noch eine Weinprobe in Nemea, einem bekannten Weinort, im Sinn, doch bei den Temperaturen stiege uns der wohl zu sehr zu Kopfe.
Ein Teil der Rebstöcke könnte natürlich auch "Korinthiaki" sein, die Rebsorte, aus der man Korinthen macht. 


Wasser in Sicht

Natürlich hat auch Korinth eine antike Geschichte und entsprechend eine Ruinenstadt; soweit ich mich erinnere sogar mit ein paar mehr erhaltenen Säulen. Doch wir haben zur Besichtigung keine Lust.

Für zwei Tage beziehen wir unser Quartier auf dem Campingplatz Blue Dolphin, etwas außerhalb vom modernen Korinth. Es ist relativ leer, so dass wir uns problemlos einen schönen Stellplatz aussuchen können. In der Hauptsaison steht man hier allerdings recht eng. Der Strand ist nichts besonderes, hauptsächlich Kies. Doch für das ein oder andere Bad reicht es.


Eine kleine Rollertour führt uns zur Marina von Korinth und zu einem kleinen Bummel in der Fußgängerzone.









Weiter geht es dann zu einer anderen Berühmtheit der Stadt: dem Kanal. Schon in der Antike verfolgte man die Idee, an der Landenge zwischen dem griechischen Festland und der Halbinsel Peloponnes einen Durchbruch zwischen den Meeresarmen zu schaffen, um den Seeweg zu verkürzen. Denn die Umfahrung der Peloponnes war damals nicht ungefährlich. Überliefert ist dies von einem Tyrannen aus Korinth, der die Idee aber nicht weiter verfolgte. Stattdessen gab es im 6. und 5. Jhd. v. Chr. einen Karrenweg, über den die Schiffe über die Landenge gezogen wurden, den Diolkos. Ein Teil davon wurde entdeckt, ausgegraben und kann besichtigt werden.



Die nächsten Pläne dazu hatten die römischen Herrscher Cäsar, Caligula, Nero und Hadrian. Die wurden aber fallen gelassen, weil man Angst hatte, dass der korinthische Golf dann "auslaufen" könnte. Später wollten dann die Venezianer den Isthmus durchstechen, gaben aber auf, da der Fels einfach zu mächtig war. Erst von 1881 bis 1893 wurde dann mit Hilfe von Sprengungen der rund 6,3 km lange Kanal verwirklicht.



Heutzutage hat der Kanal an Bedeutung für den Schiffsverkehr verloren, da er für die meisten Schiffe zu klein ist. Trotzdem durchfahren ihn noch rund 30 Schiffe täglich, hauptsächlich im Zuge des Tourismus. Als wir oben auf eine der Brücken stehen, ist natürlich grad keines zu sehen  ::)



Übrigens auch keiner der verrückten Bungeespringer.

Wollen wir doch mal sehen, ob nicht wenigstens wir mal durchschippern können. Dazu müssen wir ans östliche Ende nach Isthmia fahren, dort werden Kanaltouren angeboten. Da erleben wir gleich eine Besonderheit des Kanals: an beiden Enden findet man absenkbare Brücken; kommt ein Schiff, verschwindet die Straße im Wasser  ^-^

   

Wir erwischen grad noch einen der Touranbieter, ehe er Mittag macht. Die nächste Fahrt startet um 16 Uhr. Mit 25 Euro pP kein Schnäppchen, aber wir reservieren. Nun haben wir drei Stunden Zeit, den Diolkos anzugucken und eine Strandbodega zu finden. Leider weiß ich nicht mehr genau, wo wir letztere gefunden haben. Auf jeden Fall konnten wir dort nett im Schatten sitzen, einen leckeren Frappe trinken und einen griechischen Salat verspeisen. Das Meer lockt, doch leider haben wir keine Badesachen dabei.



Somit hätten wir auch den saronischen Golf abgehakt.

Pünktlich sind wir wieder beim Anleger in Isthmia. Hier ist jetzt einiges mehr los. Ein Tourboot ist schon mit Schulkindern beladen. Wir gehen mit drei, vier anderen Paaren an Bord unseres Schiffes. Scheint ja ruhig zu werden. Zu früh gefreut, es fahren noch zwei Reisebusse mit osteuropäischen Urlaubern vor.  8)



Auch ist mehr Verkehr auf dem Kanal: erst kommt eine große Luxusjacht durch, dann ein Frachter.





Witzig zu beobachten, was der Lotse so an Trinkgeld bekommt  ;D ein Sixpack Heineken von ersteren, eine Stange Zigaretten vom zweiten.

Endlich geht's los: hinter einigen anderen Bötchen her schippern wir durch den Kanal.





Wir unterfahren 5 Brücken; die beiden ersten gehören zur Autobahn Athen-Patras, die dritte zur Bundestraße (dort auch die Besichtigungsparkplätze), eine für die Eisenbahn und eine für Fußgänger.

 


winke, winke von der Brücke

Man arbeitete sich 84 m tief durch die Felsen, die Wassertiefe beträgt rund 8 m, die Seitenwände ragen steil bis zu 79 m hoch. Der Kanal ist unten 21 bis 24,6 m breit, oben bis zu 75 m. 2010 übersprang ihn ein australischer Motocrossfahrer auf seiner Maschine.

 

Schon imposant diese Steilwände von unten gesehen.

Hier und da suchen sich Möwen ein ruhiges Plätzchen und auch ein paar Höhlen sind zu sehen.








verfolgt von Schulausflüglern  8)

Wir erreichen das westliche Ende.


Warten auf die Brücke

und drehen im Hafen.


Loutraki
ein Kur- und Badeort. Schaut nicht gerade besonders hübsch aus. Aus den dahinter liegenden Bergen kommt ein Mineralwasser, das viel in Griechenland getrunken wird.


Korinth und Hinterland



Dann geht's wieder zurück.





Unsere Mitreisenden haben inzwischen die x-te Flasche Schnaps geleert und sind entsprechend fröhlich  ;D



1944 hatte die deutsche Wehrmacht alle Brücken über den Kanal und Teile der Steilwand gesprengt, sowie Lokomotiven und Waggons in den Kanal befördert um den unpassierbar zu machen. Er wurde dann von 1946 bis 1948 mit amerikanischer Hilfe wieder aufgebaut. Auch heutzutage müssen immer wieder Erosionsschäden ausgebessert werden.





Die Tour hat eine gute Stunde gedauert und wir haben sie sehr genossen.

Danach brummen wir zurück zum Campingplatz.



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