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Eine Woche Malta im Januar 2020
Christina:
Silvia hat es ja schon beantwortet, Valletta ist auf einem Felsen erbaut, auf drei Seiten von Wasser umgeben und rundherum mit einer Stadtmauer befestigt, da ist kein Platz zu verschenken. Heute ist Malta insgesamt sehr dicht besiedelt, insbesondere rund um Valletta herum, allerdings ist die Bevölkerung Vallettas stark zurückgegangen, hat nur 5400 Einwohner, erst seit der Wiederbelebung der Stadt als sie Kulturhauptstadt wurde, ändert sich das ein bisschen. Aber diese Enge, diese Straßenschluchten und dieser fast überall mögliche Blick aufs Meer ist ja das Besondere von Valletta. Mir hat das sehr gut gefallen.
Silvia, von dem Rundgang um die Stadtbefestigung habe ich in einem der Links gelesen, die du in meinem Planungsthread hier eingestellt hattest. In meinem Reiseführer war der Weg nicht genannt. Ich fand ihn auch toll, deshalb vielen Dank nochmal für die Links.
Christina:
3. Tag – Freitag, 24.01.
Nach dem Frühstück gehe ich gegen neun Uhr zur Anlegestelle für die Fähre zu den „Three Cities“, die gegenüber von Valletta an den Grand Harbour grenzen. Der Fähranleger ist mehr oder weniger direkt unterhalb meines Hotels, ich muss nur durch das Victoria Gate, dann ein paar Minuten den Berg hinab und schon bin ich am Wasser.
Auf der Fähre kaufe ich ein Rückfahrticket für EUR 2,80 (die Fähren sind nicht im Wochenticket für den Bus enthalten) und genieße dann auf dem Oberdeck die ca. 15-minütige Überfahrt.
Auf der anderen Seite angekommen, spaziere ich zunächst durch L’Isla/Senglea (die „Three Cities“, alle älter als Valletta, haben jeweils zwei Namen, einen alten maltesischen und einen neuen, durch die Ritter verliehenen) bis zur Landspitze. L’Isla ist wesentlich dörflicher als Valletta, hat aber auch sehr hübsche Treppenstraßen und die typisch maltesischen Balkone.
Im heutigen Park an der Landspitze gegenüber von Valletta und hoch über dem Wasser waren früher Kanonen postiert. Heute ist es hier wunderbar friedlich, außer mir ist niemand da und ich kann in Ruhe den Ausguckposten mit den Skulpturen von zwei Augen und zwei Ohren als Symbol der Wachsamkeit der Ritter und den Blick nach Valletta bewundern.
Dann gehe ich über Treppen und durch einen kleinen Tunnel mit Heiligenschrein hinunter ans Wasser und an diesem entlang zurück zum Hafen.
Das Hafenbecken überquere ich auf einer Fußgängerbrücke und erreiche auf der anderen Seite Birgu/Vittoriosa. Birgu hat zwar einen größeren Jachthafen als L’Isla und eine Befestigungsanlage ähnlich wie Valletta, erscheint mir jedoch noch dörflicher. Hier gibt es viele idyllische Gassen durch die tatsächlich, sogar auch wenn es keine Treppen hat, mal keine Autos passen, das gefällt mir sehr gut.
Im Ortskern besichtige ich den Inquisitor’s Palace (Eintritt im Heritage Pass enthalten), das ist der einzige in Europa erhaltene Inquisitionspalast. In Malta herrschte nicht die spanische Inquisition, sondern die (etwas weniger grausame) römische. In diesem Palast lebte und arbeitete von 1574 bis 1798 der jeweilige aus Rom gesandte Inquisitor (zwei davon wurden später Päpste) und hier fanden auch die Gerichtsverhandlungen statt, die Folter und gab es Gefängniszellen. Der Innenhof ist recht idyllisch,
die Gemächer des Inqisitors relativ prunkvoll (wenn auch eher klein und dunkel), die Zellen natürlich karg und eng. Die ausführlich dargestellte Geschichte der Inquisition auf Malta ist logischerweise sehr bedrückend, was dadurch verstärkt wird, dass ich ganz alleine in diesen düsteren Räumlichkeiten bin. Daher bin ich froh, als ich wieder ans Tageslicht trete. Inzwischen ist es bereits Mittag und ich finde nicht weit entfernt das Restaurant „d’Centre“, wo ich eine Gemüsesuppe und die typisch maltesischen Ravioli mit einer Füllung aus Kaninchenfleisch esse (zusammen mit einem Mineralwasser EUR 20,10).
Nach dem Essen spaziere ich zum Fort St. Angelo (Eintritt im Heritage Pass enthalten) auf der Landspitze von Birgu, gegenüber vom Fort St. Elmo in Valletta, das ich gestern angeschaut habe.
Auch von hier aus gibt es schöne Ausblicke hinüber nach Valletta und in verschiedenen Räumlichkeiten Ausstellungen über die (Kriegs)Geschichte Maltas. Diese Ausstellungen schaue ich mir nur teilweise und oberflächlich an, da ich so langsam von diesen Themen gesättigt bin.
Sehr interessant ist dagegen das „oberste Stockwerk“ des Forts, wo seit 1998 der einzige noch in Malta lebende Ritter residiert. Das Innere der Wohnräume kann natürlich nicht besichtigt werden, aber die schön angelegten Außenbereiche, hier ist nach all dem kargen beigen Steinen endlich mal etwas grün zu sehen.
Nach der Fort-Besichtigung ist bei mir ein bisschen die Luft raus und ich verzichte auf einen Besuch beim Malta Maritime Museum (vielleicht ergibt es sich im Laufe der Urlaubswoche noch), das sich nicht weit entfernt vom Fort an der Birgu Waterfront befindet. Stattdessen gehe ich zurück zum Fähranleger und nehme die nächste Fähre zurück nach Valletta. Erfreulicherweise verabschieden sich die „Three Cities“ von mir mit etwas Sonnenschein.
In Valletta gehe ich vom Fähranleger
direkt zurück ins Hotel, wo ich mich kurz ausruhen möchte, dann aber tatsächlich einschlafe. Als ich nach einer knappen Stunde gegen 17 Uhr wieder aufwache, ist etwas Eile angesagt. Ich möchte nämlich noch vor dem Dunkelwerden nochmal Fähre fahren und zwar nach Sliema auf der Valletta gegenüberliegenden Seite des Marsamxett Harbour.
Zum Glück sind die Wege in Valletta nicht weit und so bin ich gerade als die ersten Lichter angehen auf der Fähre (Einzelticket EUR 1,50, nicht im Wochenticket für die Busse enthalten). Von der Fähre und dann von Sliema aus kann ich mir dann Valletta auch von dieser Seite anschauen.
In Sliema selbst ist es laut, mehrere große Baustellen sind an der Straße, die am Wasser entlangführt und voll, mit Leuten und noch mehr mit Autos. Als ich allerdings etwas von der Hauptstraße weggehe und durch ein neu gebautes Apartmentviertel mit Läden und Restaurants, wird es sehr schnell leer, zu leer bei Dunkelheit für meinen Geschmack.
Ich gehe daher zur Hauptstraße zurück und beschließe nach Valletta mit dem Bus zurück zu fahren. Zum einen habe ich dafür ja mein Wochenticket und zum anderen ist es vom Busbahnhof in Valletta nicht mehr weit ins Hotel. Beim Einsteigen in den Bus sehe ich, dass das eine schlechte Idee war. Der Bus ist völlig überfüllt, ich bekomme gerade noch so einen Stehplatz, an den nächsten Haltestellen wird ohne Anzuhalten vorbeigefahren. Immerhin gibt es hin und wieder eine Busspur, aber meistens steht der Bus im Stau und natürlich wird ständig beschleunigt und dann stark abgebremst, da bin ich froh, dass ich nicht durch die Windschutzscheibe fliege, vor der ich stehe. Da wäre die Fährüberfahrt wesentlich angenehmer gewesen und hätte wohl auch nicht länger gedauert.
In Valletta kaufe ich noch ein paar Lebensmittel fürs Abendessen im Wembley Store und gehe dann ins Hotel zurück.
Wetter: bewölkt, windig, kurze sonnige Abschnitte, ca. 15°C
Ilona:
Da hast du wieder etliche Kilometer zu Fuß mit Sightseeing gemacht :beifall:.
Immer wieder beeindruckend finde ich die protzigen Yachten. Die Samar gehört einem Scheich und kostete 70 Mio. €. Da fehlte nur noch der Hubschrauber.
Susan:
Sportliches Programmm! Witzig find ich die Wachtürme mit den Augen und Ohren. Schade, dass du den letzten Ritter nicht getroffen hast ;) Sähe aber wahrscheinlich eh nicht wie ein Ritter aus.
bin immer wieder erstaunt, wie viele große Jachten es doch gibt.
Christina:
Ilona, danke für die Info über die Jacht. So große Jachten sind einerseits beeindruckend, aber andererseits für meinen Geschmack zu riesig, gerade vor den historischen Mauern fand ich die Samar eher störend. Na ja, für den Hafenbetreiber/die Stadt sicherlich eine gute Einnahmequelle.
Den letzten Ritter hätte ich gerne gesehen, aber ich denke auch, dass er optisch nicht auffällig wäre, ich weiß auch gar nicht, wie alt er ist und ob er Familie hat, da gab's keine Info dazu.
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