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Eine Woche Malta im Januar 2020

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Christina:

--- Zitat von: Silvia am 20. Juni 2020, 13:28:42 ---Wenn ich deinen Bericht so lese bin ich echt froh, das ich mich damals für Leihwagen und "Stützpunkt" im Norden entschieden habe  :) 

--- Ende Zitat ---

Ja, so unterschiedlich sind die Vorlieben, ich bin froh, dass ich es nicht getan habe ;D.

Christina:
6. Tag – Montag, 27.01.

Pünktlich zur Öffnung des Frühstücksbuffets bin ich um halb acht Uhr dort. Etwas früher als die vergangenen Tage, da ich heute Maltas Nachbarinsel Gozo besuchen möchte. Dafür muss ich eine ca. einstündige Busfahrt in den Norden Maltas und eine ca. halbstündige Fährüberfahrt hinter mich bringen.

Im Bus wird mir allerdings schon kurz nach der Abfahrt klar, dass ich besser auf das Frühstück verzichtet hätte und mir in meiner kleinen Küche selbst eines gemacht hätte – der Bus steht mehr im Stau als dass er fährt, da wäre eine Abfahrt schon um 8 Uhr oder noch etwas früher sehr sinnvoll gewesen, aber das lässt sich nun nicht mehr ändern.

Außerhalb des Städtegürtels um Valletta wird es etwas besser mit dem Verkehr, aber die Verspätung lässt sich nicht mehr aufholen. Die Fahrt dauert am Ende dann anderthalb Stunden. Um 10.30 Uhr legt die Fähre nach Gozo ab, der Fahrtwind ist ganz schön kalt, aber ich genieße den Blick auf das blaue Meer und dann die Einfahrt nach Gozo vom Außendeck aus.







Auf Gozo wird meine Geduld dann weiter strapaziert. Praktisch alle Passagiere (der sicherlich nicht komplett vollen Fähre) wollen mit dem öffentlichen Bus in die Inselhauptstadt Victoria (auch die, die eigentlich gar nicht nach Victoria wollen, aber Busse in andere Inselgegenden fahren nur von Victoria aus), da reichen nicht mal die schon wartenden zwei Busse aus. Bis der dritte Bus kommt, dauert es sehr lang (ich habe es leider nicht in einen der beiden ersten Busse geschafft), die Zeit nutzen Taxifahrer und die Anbieter der Hop-On/Hop-Off Busse um massiv Werbung für ihre Fahrzeuge zu machen. Einer der Taxifahrer ist schon sehr unverschämt, da muss er sich nicht wundern, dass kein Mensch mit ihm fährt. Die Hoho Bus Möglichkeit lasse ich mir durch den Kopf gehen, zumal das Tagesticket nun statt 16 EUR im Vorverkauf nur noch 8 EUR kosten soll. Aber wirklich flexibel ist man damit auch nicht, die Busse fahren nur im Stundentakt die Hauptsehenswürdigkeiten an, daher entscheide ich mich dann doch dagegen.

Bis ich in Victoria ankomme, ist es bereits 11.45 Uhr, das finde ich schon extrem ärgerlich, aufgrund der im Januar früh einsetzenden Dunkelheit ist damit praktisch schon der halbe Tag vorbei, ohne dass ich irgendetwas gesehen hätte (na ja, stimmt nicht ganz, die Fährüberfahrt war sehr nett und beim Busfahren sieht man doch so einiges am Fenster vorbeiziehen und kann auch gut Leute beobachten). Ich schaue mir zunächst einen der beiden Hauptplätze der Altstadt Victorias an, den San Gorg Square, leider ist die Kirche an einem Ende des Platzes vollständig eingerüstet und die Restaurants an den anderen Seiten des Platzes haben (wie schon in Valletta gesehen) allesamt hässliche Plastikzelte aufgestellt – irgendetwas vom Platz erkennen kann man daher nicht.

Auf dem Weg hinauf von der Altstadt zur Zitadelle



komme ich an einem Café (Castle Bar) vorbei, wo ich einen Blätterteig Pie mit Gozo Cheese und Salat esse (sehr lecker – zusammen mit einem Wasser EUR 7,00 -  und auch sehr schneller Service, denn fürs Essen möchte ich nun nicht auch noch unnötig Zeit verschwenden).

Die Zitadelle oberhalb der Stadt hat ihre Ursprünge schon in römischer Zeit, wurde in der arabischen Zeit befestigt und von den Malteser Rittern um 1600 weitgehend neu aufgebaut und zuletzt erst kürzlich umfassend renoviert. Es gibt einige Museen zur Geschichte, die mich interessiert hätten, aber im Hinblick auf Zeit und Wetter verzichte ich darauf. Dafür genieße ich sehr ausführlich die Sonne, den blauen Himmel, den warmen Gelbton der Steinmauern, die gelben Blümchen und den Ausblick über die Stadt und ins Umland bis hin zum Meer.











Schließlich gehe ich am It-Tokk-Platz


vorbei wieder in Richtung Busbahnhof. Dort nehme ich gegen 13.30 Uhr den Bus zur Dwejra Bay.

Dort war bis zum März 2017 eine der Hauptsehenswürdigkeiten Gozos, ja sogar ganz Maltas zu bewundern, das Azure Window. Der Felsbogen stürzte bei einem Sturm vor drei Jahren leider ein, aber zum Glück gibt es hier noch eine Naturattraktion, das (der?) Inland Sea. Was wie ein See aussieht, ist eine mit Salzwasser gefüllte vor Ewigkeiten eingestürzte Karsthöhle, durch einen schmalen Tunnel mit dem Meer verbunden. Fischer nutzen die geschützte Lage für ihre Boote, mit denen im Sommer auch Touren für Touristen angeboten werden.

Mit dem klaren Wasser und den bunten Bootsgaragen ist das ein idyllisches Fleckchen, das ich vom Ufer und dann bei einem Spaziergang die Felsen hinauf von oben anschaue. Ich gehe dann noch weiter an der Küste entlang bis zu einem Steinbruch, dort drehe ich um. Mal wieder bin ich die einzige, die sich mehr als ein paar Meter von der «Sehenswürdigkeit» entfernt, daher verwerfe ich auch meinen Plan von hier nach Süden, zu einer weiteren Bucht (Xlendi) zu wandern. Das sind eigentlich nur 4,5 km, aber mal wieder ohne jegliche Markierung und ich wäre eben ganz alleine, wirklich schade drum, gerade bei diesem herrlichen Wetter.










Stattdessen nehme ich den Bus zurück nach Victoria. Noch bleibt etwas Zeit für ein letztes Ziel heute, ich entschiede mich für den Badeort Marsalforn, in dessen Nähe Salinenfelder und interessante Felsformationen zu finden sein sollen.

In Marsalforn steige ich aus dem Bus aus und gehe in Richtung Felsformationen. Irgendwie habe ich mich aber hinsichtlich der Entfernung verschätzt und da die Busse von hier nur einmal in der Stunde nach Victoria fahren, kann ich nur ein paar der in Ortsnähe liegenden Salinenfelder anschauen und muss dann schon wieder zurück zur Bushaltestelle, wirklich schade, zumal das Nachmittagslicht nun richtig schön ist. Der Ort selbst ist alles andere als sehenswert, ich mache nicht mal ein einziges Foto davon.


Mit dem 16 Uhr Bus fahre ich dann zurück nach Victoria, dort dauert es eine Weile, bis der Bus zur Fähre abfährt. Am Fährterminal kaufe ich mir mein Ticket (für die Hin- und Rückfahrt ist nur ein Ticket und zwar eben bei der Rückfahrt nach Malta zu bezahlen) und verlasse gegen 17.15 Uhr schließlich Gozo.

Als ich wieder auf Malta bin, ist es schon dunkel. Die Fahrt mit dem Bus nach Valletta geht deutlich schneller als auf dem Hinweg heute Morgen, so dass ich um 19.00 Uhr nach ungefähr einer Stunde Fahrt am Busbahnhof von Valletta ankomme und dann auch gleich ins Hotel gehe.

Es war trotz der zeitlichen Einschränkungen ein sehr schöner Tag, allerdings wäre es besser gewesen, morgens eine Stunde früher aufzubrechen und auf Gozo doch mit dem HoHo Bus zu fahren. Ein Mietwagen für den Tag wäre keine Alternative für mich gewesen (Silvia hatte das in meinem Planungsthread vorgeschlagen), da es zwar an der Küste von Gozo sehr ruhig zuging, nicht aber zwischen Hafen und Victoria und in Victoria selbst, hier herrschte das gleiche Verkehrschaos wie in den Städten auf der Hauptinsel.

Wetter: sonnig, teilweise kalter Wind, ca. 18°C

Ilona:
Unglaublich, dass der Ausflug nach Gozo schon Ende Januar so stressig war :girly:. Ich möchte nicht wissen, wie das in der Hauptsaison zugeht.

Eigentlich hat mir nur die Bucht mit den glasklaren Wasser gefallen. Aber wenn man schon in Malta ist, gehört Gozo mit dazu.

Christina:

--- Zitat von: Ilona am 23. Juni 2020, 08:03:41 ---Unglaublich, dass der Ausflug nach Gozo schon Ende Januar so stressig war :girly:. Ich möchte nicht wissen, wie das in der Hauptsaison zugeht.

--- Ende Zitat ---

Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie das in der Hauptsaison auf Gozo läuft, vielleicht werden da wesentlich mehr Busse vom Hafen nach Victoria eingesetzt, oder die meisten Leute nehmen sowieso den Hop on Hop off Bus, keine Ahnung.

Das erstaunliche war, dass es dann nirgends auf Gozo irgendwo viele Leute hatte, ich weiß nicht, wo die Leute von der Fähre nachdem sie in Victoria angekommen waren, hin gegangen sind, was sie den Tag über gemacht haben.

Christina:
7. Tag – Dienstag, 28.01.

Mitten in der Nacht wache ich auf – es ist taghell im Zimmer! Nein, ich habe nicht verschlafen, es ist erst fünf Uhr und das Licht kommt aus zwei Neonröhren, die jeweils in einem weißen Kästchen über der Zimmertüre und über dem Durchgang zur Kochnische angebracht sind. Hm, was ist das? Ich probiere die Schalter für die „normalen“ Lampen, aber da tut sich gar nichts – also Stromausfall, was ein Blick auf das „tote“ Display des hier tatsächlich noch vorhandenen Festnetztelefons bestätigt. Stromausfälle scheinen in Malta in Hotels (und vermutlich auch in Privathäusern) relativ häufig vorzukommen, zumindest habe ich davon einige Male in verschiedenen Hotelbewertungen gelesen. Und so eine Notfallbeleuchtungsanlage in den Zimmern wird ja wohl auch ihren Grund haben. Zum Glück gehen die Lampen nach vielleicht fünf oder zehn Minuten wieder aus und ich kann weiterschlafen.

Um 8 Uhr bin ich beim Frühstück und um 9 Uhr am Busbahnhof von Valletta. Von hier nehme ich den Bus nach Mdina, westlich von Valletta im Inselinneren gelegen.

Mdina war ehemals die Hauptstadt von Malta, ab dem 2. Jh. unter den Römern und dann unter den Arabern. Mit der Ankunft des Ritterordens im 16. Jh. verlor sie dann an Bedeutung. Wie auch Valletta ist Mdina eine rundum befestigte Stadt mit nur wenigen Zugangsmöglichkeiten mittels Stadttoren.

Laut Reiseführer leben heute in Mdina nur noch 260 Einwohner, dennoch sind leider auch hier Autos allgegenwärtig – zumindest da, wo die Gassen breit genug für Autos sind. Abgesehen davon gefällt mir Mdina sehr gut, es gibt einige alte Paläste und viele enge Gassen. Ich lasse mich durch die Straßen treiben, verlaufen kann man sich hier ja nicht, dafür ist die Stadt viel zu klein.














Zum Schluss gehe ich zum Bastion Square, hier hat man von der Stadtmauer einen traumhaften Blick über fast ganz Malta, sogar Valletta kann man erkennen und am Horizont das Meer. Der Blick ist ein bisschen vergleichbar mit dem von der Zitadelle von Victoria auf Gozo gestern (sehr deutlich aber der Unterschied zwischen der dichtbesiedelten Hauptinsel und dem ruhigeren Gozo) und auch hier bleibe ich eine ganze Weile und genieße einfach nur.




Dann schaue ich mir das Haupttor, das Mdina Gate noch vom (Burg)Graben aus an


und spaziere danach über die Straße nach Rabat, das ursprünglich zusammen mit Mdina eine Stadt war, aber schon unter den Arabern getrennt wurden, in einen befestigten Teil (Mdina) und einen unbefestigten. Anders als Mdina wuchs Rabat über die Jahrhunderte und hat heute über 10.000 Einwohner.

Mein erster Stopp in Rabat ist die römische Villa Domus Romana (Eintritt im Heritage Pass enthalten). 1881 wurde das luxuriöse Wohnhaus aus dem 1. Jh entdeckt und 1921 teilweise wieder aufgebaut. Zunächst wird anhand von Schautafeln und einigen Fundstücken dargestellt, wie das Alltagsleben einer römischen Familie ablief, sehr interessant und faszinierend wie ähnlich unser heutiges Leben dem damaligen ist und erstaunlich wie komfortabel schon zu diesen Zeiten gewohnt wurde. Dann geht es zum Herzstück der Villa, den im Original erhaltenen Mosaikbodenfliesen. Da war intensive Handarbeit nötig, man beachte auch den 3d Effekt.



Von der römischen Villa gehe ich durch die Stadt




zu den St. Paul’s Catacombs (Eintritt im Heritage Pass enthalten). Unter Rabat befinden sich zahlreiche Katakomben, die vom 2. Jh bis ins Mittelalter zur Totenbestattung genutzt wurde. Viele der unterirdischen Gänge kann man heute besichtigen, dafür gibt es einige Zugänge, von denen Treppen steil nach unten führen. Unten ist das Licht recht spärlich, die Gänge sind eng und niedrig. Ich finde es ein bisschen unheimlich, da es keinen ausgeschilderten Rundgang gibt oder auch nur Schilder, die zum Ausgang weisen. Da ich fast ganz alleine bin, beschränke ich mich auf einige Gänge und merke mir den Weg zurück zum Ausgang.



Zum Mittagessen gehe ich ins Restaurant „Il-Veduta“, wo ich Ravioli gefüllt mit Ricotta esse und dazu endlich die Nationallimo Maltas probiere, Kinnie, aus maltesischen Bitterorangen hergestellt, schmeckt angenehm herb und nicht zu süß (insgesamt EUR 15,00).

Am Busbahnhof von Rabat muss ich dann recht lange auf den Bus nach Dingli warten. Dingli ist ein kleiner Ort, nur wenige Kilometer südwestlich von Rabat gelegen. Vom Ort spaziere ich dann in Richtung Küste und gehe auf der wenig befahrenen Küstenstraße am Meer entlang in Richtung Süden.

Teilweise fallen die Klippen steil direkt ins Meer hinab, teilweise geht es in Stufen abwärts. Dieser Bereich ist wunderbar grün, es gibt Feldwege zu Gärten und Hütten, leider ist das aber alles RTO – „reserved to owner“, wie so oft in Malta. Bleibt also nur der Blick von oben, aber immerhin ist man hier auf 250 m Höhe am höchsten Punkt des Landes.

Es gibt hier noch eine Radarstation zur Luftüberwachung und die hübsche Maddalena Kapelle.







An der Küstenstraße gibt es alle paar Kilometer eine Bushaltestelle, so dass ich von hier mit einmal Umsteigen zurück nach Valletta fahren kann. Dort kaufe ich fürs Abendessen noch etwas im Wembley Store ein und verbringe den Rest des Abends im Hotel.

Wetter: sonnig, nachmittags teils wolkig, teils kalter Wind, ca. 16°C

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