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Eine Woche Malta im Januar 2020
Christina:
Herzlich willkommen den Mitreisenden :adieu:
Ilona, wenn ich damals ein Sprachreise nach Malta gemacht hätte, wäre ich vermutlich auch nicht begeistert gewesen bzw. wohl ziemlich enttäuscht, ich kannte damals außer je einmal Nord- und Ostsee überhaupt kein Meer und hätte mir auf einer Mittelmeerinsel Strände mit goldgelbem Sand, türkisfarbenes Wasser usw. vorgestellt und das gibt es auf Malta nur eingeschränkt.
Der Verkehr ist aus meiner Sicht ein Albtraum, Silvia fand es nicht so dramatisch, kommt halt auf die jeweilige Erfahrung/Können an.
Silvia:
--- Zitat von: Christina am 10. Juni 2020, 17:46:26 ---Der Verkehr ist aus meiner Sicht ein Albtraum, Silvia fand es nicht so dramatisch, kommt halt auf die jeweilige Erfahrung/Können an.
--- Ende Zitat ---
... oder WO man unterwegs ist ... ich habe die Städte ziemlich gemieden und war überwiegend auf den kleinen Landstraßen unterwegs ;)
Christina:
diesen Tag muss ich wegen der vielen Bilder in zwei Teile splitten:
2. Tag – Donnerstag, 23.01. - 1. Teil
Gegen 8 Uhr fahre ich noch vor dem Frühstück nochmal hinauf zur Dachterrasse und betrachte die Aussicht im Morgenlicht. Interessant auch der Blick auf die alten (Boots)Garagen/Werkstätten mit den bunten Türen direkt unterhalb vom Hotel und die Wassertonnen auf den Dächern.
Die Aussicht vom Frühstücksraum ist fast genauso gut und die (bei den Bewertungen vielfach kritisierte) Auswahl am Buffet mehr als ausreichend (dachte ich mir schon ;D): Kaffee, Tee, Säfte, Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Brot, Brötchen, die Malta typischen Pastizzi, Kuchen, Marmelade, Honig, Butter, Müsli. Und gegen einen geringen Aufpreis kann man sich verschiedene warme Gerichte bestellen.
Um neun beginne ich dann mit meinem Rundgang durch Valletta. Laut Reiseführer soll die St. John’s Co-Cathedral sehr gut besucht sein, so dass man am besten gleich zu Beginn der Öffnungszeit dort sein sollte. Das ist um 9.30 Uhr, bis dahin spaziere ich durch ein paar sehr hübsche Gassen und schaue mich dann auf dem Platz vor der Kathedrale, dem Great Siege Square, um.
Vor der Kathedrale steht das Great Siege Monument vom maltesischen Bildhauer Antonio Sciortino von 1920 und erinnert an die Große Belagerung von 1565 durch die Osmanen, das wichtigste geschichtliche Ereignis für die Malteser (noch vor den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg).
Seit Herbst 2017 wird hier außerdem der ermordeten Journalistin Galizia gedacht.
Gegenüber der Kirche steht das Gerichtsgebäude, das einem antiken Tempel nachempfunden ist.
Pünktlich um halb zehn kann ich mit einer Handvoll anderer Touristen (überwiegend Asiaten) den Eingang zur Kirche betreten. Es findet eine kurze Taschenkontrolle statt, dann sind EUR 10,00 fällig für die man noch einen Audioguide (auch auf Deutsch) bekommt.
Der Innenraum ist im Gegensatz zum schlichten Äußeren sehr prachtvoll. Überall goldene (bzw. goldfarbene) Verzierungen, auch Orgel und Chorgestühl sind vergoldet, auf dem Fußboden Marmorplatten. Diese Marmorplatten sind Grabplatten und zeigen den Namen und das Wappen des darunter bestatteten Ritters.
Auf den beiden Längsseiten des Hauptschiffs befinden sich kleine Räume, die eingebaut werden mussten, weil nur die Außenwände das Deckengewölbe nicht hätten tragen können. Diese kleinen Räume wurden dann als Seitenkapellen der Landsmannschaften des Malteserordens eingerichtet und heute sieht es wie ursprünglich so beabsichtigt aus. Der Malteserorden hat auch eine deutsche Landsmannschaft, gleich die erste Seitenkapelle ist ihr geweiht.
Im Oratorium schaue ich mir das berühmteste Gemälde der Kathedrale an, «Die Enthauptung Johannes des Täufers» von Caravaggio – ziemlich brutal, da würde man sich heute zweimal überlegen, so eine Szene öffentlich, insbesondere in einer Kirche auszustellen.
Ich setze mich dann noch auf eine Bank und lasse die ganze Pracht in Ruhe auf mich wirken und höre mir dabei einen Teil des Audioguides an. Sehr interessant, vieles habe ich aber schon vorab gelesen.
Ich verlasse die nun immer voller werdende Kirche über den eigentlichen Haupteingang. Den Namen «Co-Cathedral» finde ich faszinierend, die Kirche ist tatsächliche die «Neben-Kirche» oder «Zweite Kirche» des Erzbistums Malta neben der «Haupt-Kathedrale» in Mdina. Auch interessant, die drei Zifferblätter am rechten Turm – im Uhrzeigersinn zeigen diese das Datum (ohne Monatsangabe), die Uhrzeit (nur die Stunde ohne Minutenzeiger) und den Wochentag an (wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Anzeige korrekt war).
Nun starte ich meinen Stadtrundgang «richtig» (die Kathedrale hatte ich ja vorgezogen) und zwar am City Gate. Hier ist alles zum Jahr als Kulturhauptstadt restauriert worden, sowohl der riesige Tritonenbrunnen unmittelbar vor dem Eingang zur Stadt (direkt dahinter befindet sich heute der große Busbahnhof von Valletta), als auch das «Tor» und das Parlamentsgebäude. Die letzteren beiden wurden vom Stararchitekten Renzo Piano designt.
Sehr eindrucksvoll ist der Blick hinunter in den Festungsgraben und auf die dicken Festungsmauern.
Neben dem Parlament ist das Teatru Rjal, seit 2013 ein Freilufttheater, von 1866 bis zur Bombardierung im Zweiten Weltkrieg das Royal Opera House, danach als Steinbruch zum Wiederaufbau von Valletta genutzt. Schön, dass die Überreste stehen gelassen wurden und gleichzeitig eine ähnliche wie die ursprüngliche Nutzung wieder möglich ist.
Dann schlendere ich die Republic Street entlang, eine Fußgängerzone und die Hauptflaniermeile der Stadt. Dort befindet sich auch das National Museum of Archaeology in einem prachtvollen alten Palast, der Auberge de Provence (auch eine Landsmannschaft des Malteserordens). Hier kaufe ich den Heritage Pass (EUR 50,00), der den Eintritt in viele der historischen Stätten und Museen auf Malta und Gozo abdeckt.
Im Museum sind alle bedeutenden Originalfunde aus den Ausgrabungsstätten der Megalithkultur Maltas ausgestellt und die geschichtliche Entwicklung erläutert. Besonders faszinierend sind die kleinen Figuren der Priesterinnen, die alle winzige Hände und Füße und sehr füllige Beine haben. Ein sehr schöner Einstieg in die Geschichte Maltas - nun bin ich schon gespannt darauf, in den nächsten Tagen einige der Fundorte selbst anzuschauen. Im Gegensatz zur Kathedrale war ich hier übrigens fast die einzige Besucherin.
Nach dem Museumsbesuch gehe ich die Republic Street weiter entlang, komme am heute Morgen besuchten Great Siege Square vorbei und erreiche dann den Republic Square mit traditionsreichen Kaffeehäusern und der Statue von Queen Victoria vor der 1812 eröffneten Bibliotheca.
Wenige Meter weiter ist der St. George’s Square. Dieser wirkt ziemlich kahl, eigentlich gibt es hier seit 2009 Wasserspiele auf einer recht großen Fläche, die sind aber heute leider nicht in Betrieb.
An einer Seite des Platzes steht der Grand Master’s Palace, in dem zunächst der britische Gouverneur residierte und heute der maltesische Staatspräsident Staatsgäste empfängt. Aber auch für Touristen ist hier geöffnet, vom Eingangsportal kommt man in den Prince Alfred Court, einen schönen Innenhof mit exotischen Bäumen und einen weiteren Innenhof, den Neptune Court. Im Inneren kann man die Palace Armoury besichtigen, auf eine Waffensammlung habe ich aber keine Lust und schaue mir nur die State Rooms an, die Prunkzimmer, die für die Staatsempfänge genutzt werden (im Heritage Pass enthalten), leider sind einige Räume wegen Renovierung geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich.
Von hier wechsle ich von der Republic Street auf die parallel laufende Merchants Street (auch Fußgängerzone) mit vielen Restaurants, die meisten haben leider in der Strassenmitte Plastikzelte über ihre Außensitzbereiche aufgestellt, die nicht gerade zu einem schönen Straßenbild beitragen. Interessant ist die renovierte ehemalige Markthalle Is-Suq tal-Belt mit Essens- und Marktständen.
Zum Essen ist es nun um halb zwölf Uhr noch zu früh, so dass ich zu meinem nächsten Ziel weitergehe, der Kirche St. Paul’s Shipwreck. Diese ist dem Schiffbruch des Apostel Paulus hier auf Malta geweiht (die Malteser glauben, dass Paulus auf seinem Weg als Gefangener von Caesarea nach Rom mit dem Schiff in einem Sturm im Norden von Malta strandete und in den drei Monaten seines Aufenthalts auf Malta das Christentum dorthin brachte – der 10. Februar ist als Tag des Schiffbruchs bis heute ein Feiertag). Auch diese Kirche ist sehr prunkvoll ausgestattet, auffallend (für mich) die pinkfarbene Tapete.
Die Merchants Street endet am Castille Place, wo der Barockbau Auberge de Castille, heute Amtssitz des Ministerpräsidenten steht.
So langsam bekomme ich Hunger und beschließe zu den Restaurants an der Valletta Waterfront, beim neugestalteten Terminal für Kreuzfahrgäste unmittelbar am Wasser gelegen, zu spazieren. Dazu geht es am Busbahnhof vorbei und durch einen Park immer bergab. Dann leider noch ein Stück an einer großen Strasse entlang und – dann bin ich ziemlich enttäuscht: von unmittelbar am Wasser (von wegen «Waterfront») kann keine Rede sein, der Hafen ist durch Zäune abgetrennt, es ist hier wie ausgestorben und das schlimmste, die hübsch renovierten alten Lagerhäuser mit den bunten Türen, wo sich heute die Restaurants befinden, kann man praktisch nicht fotografieren, da auch hier alle Außensitzplätze mit Plastikzelten überdacht sind. Und das, obwohl es im Inneren der Restaurants mehr als genug Platz gibt, wenn es draußen zu kalt oder nass ist. Alle Restaurants haben geöffnet, Gäste gibt es aber fast keine, da habe ich keine Lust hier zu essen.
Daher gehe ich nun sehr hungrig wieder zurück in die Innenstadt, nutze dazu den Aufgang durch die Festungsmauern unterhalb des Upper Barrakka Garden, wo ich gestern Abend fotografiert habe. Hier gibt es einen Lift und Treppen. Die Treppen sind leider gesperrt, der Lift kostet dafür immerhin nur 1 EUR statt wie üblich 2.
Ich entscheide mich nun für das Restaurant des Kunstmuseum MUZA, da es in der Nähe des Upper Barrakka Garden liegt, wo der Lift wieder an die Oberfläche kommt. Ich esse Penne mit Entenbrust und zum Nachtisch Lemon Meringue Pie (sehr lecker, aber eigentlich wollte ich ein typisch maltesisches Dessert, die es leider aber überhaupt nicht gab). Zusammen mit einem Mineralwasser zahle ich EUR 21,50.
Ende Teil 1
Susan:
Valletta sieht schon mal interessant aus, selbst in meiner momentanen "überall-das-gleiche" Stimmung ;)
Ilona:
--- Zitat ---Um neun beginne ich dann mit meinem Rundgang durch Valletta. Laut Reiseführer soll die St. John’s Co-Cathedral sehr gut besucht sein, so dass man am besten gleich zu Beginn der Öffnungszeit dort sein sollte. Das ist um 9.30 Uhr, bis dahin spaziere ich durch ein paar sehr hübsche Gassen
--- Ende Zitat ---
Man sieht kaum Leute auf deinen Bildern und das liegt bestimmt an der Reisezeit. Aber so ist die Stadterkundung viel stressfreier.
Irgendwie ist mir die Stadt zu verbaut.
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