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2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020

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Christina:
3. Tag – Sonntag, 20.09.

Nach der vielen Autofahrerei an den letzten beiden Tagen kann das Auto heute mal stehenbleiben. Ich habe mir eine Wanderung aus dem Rother Wanderführer rausgesucht, die in Sellin startet.

Gegen 8.45 Uhr marschiere ich los, erster Stopp gleich beim Bäcker nebenan, der auch am Sonntag ab 7 Uhr aufhat. Ich kaufe belegte Brötchen als Proviant, falls zur Mittagszeit kein Restaurant in der Nähe sein sollte. Dann geht es weiter zur Wilhelmstrasse, im Wald hinter ihr ist Startpunkt der Wanderung. Bei diesem wunderbaren morgendlichen Licht und den wenigen Menschen, die unterwegs sind, kann ich einem Abstecher die Wilhelmstrasse entlang zum Häuser bewundern und zur Seebrücke nicht widerstehen – einfach schön.





Aber um 9.30 Uhr beginne ich dann tatsächlich die Wanderung. Sie verläuft zunächst durch schönen lichten Wald, hauptsächlich Buchen und Kiefern. Nur wenige andere Wanderer und Spaziergänger sind unterwegs. An einer Lichtung treffe ich auf die Schienen des „Rasenden Roland“, einer historischen Schmalspurbahn, deren erstes Teilstück 1895 in Betrieb genommen wurde, auf ein Streckennetz von 100 km anwuchs und nach der Wiederinbetriebnahme 1996 immerhin 24 km Strecke von Göhren nach Putbus fährt. Die Bahn ist aber nicht nur Touristenattraktion, sondern Teil des öffentlichen Nahverkehrs. In der Ferne höre ich regelmäßiges lautes Tuten, da warte ich an dieser für ein Foto idealen Stelle doch ab, bis der Zug hier durchfährt: ziemlich viel Dreck, der da, auch deutlich zu riechen, ausgestoßen wird, aber ein imposanter Anblick.


Einige Zeit lang führt der Wanderweg parallel zu den Schienen, dann weicht der Weg von ihnen ab und es geht kräftig bergauf zum ersten Ziel der Wanderung. Puh, so steil kann es an der Ostseeküste sein :schwitz:. Gegen viertel vor elf Uhr stehe ich dann vor dem Jagdschloss Granitz. Dieser Prunkbau steht auf dem 107 m hohen Tempelberg und wurde Mitte des 19. Jh vom Putbuser Fürsten Wilhelm Malte I. erbaut, der bei der Entwicklung des Tourismus auf Rügen eine entscheidende Rolle spielte. Vom 38 m hohen Turm in der Mitte des Schlosses, verantwortlich dafür war der damalige Oberlandesbaudirektor Karl Friedrich Schinkel, hat man damals wie heute einen traumhaften Blick, insbesondere bei dem heutigen Traumwetter. Aber leider, irgendwie hatte ich das schon befürchtet, wegen Corona ist ein Turmaufstieg nicht möglich, es sind nur die Innenräume zu besichtigen. Schade, aber der Anblick des Schlosses so mitten im Wald hat immerhin auch schon etwas (auf eine Innenbesichtigung ohne Turmbesteigung habe ich keine Lust).


Nach einer kurzen Bananenpause mit Blick auf das Schloss gehe ich weiter, komme etwas unterhalb des Jagdschlosses am schlossähnlichen Granitzhaus vorbei


und muss dann den gerade erklommenen Berg wieder hinab wandern.

Danach verlässt die Wanderung den Wald, eine schöne Kastanienbaumallee noch mit Kopfsteinpflaster


führt ins Dörfchen Lancken-Granitz, wo ich an der hübschen alten Backsteinkirche vorbeikomme.


Ab dem Ortsende von Lancken-Granitz wird die Landschaft richtig idyllisch: Wiesen, Sumpfwiesen, Kühe, Schafe und der Neuensiener und Selliner See, dazu, in meinem Rücken, die Hügel der Granitz mit dem Schlossturm in der Ferne – sooo schön.




Gegen 12 Uhr erreiche ich das Örtchen Seedorf mit Jachthafen


und Ferienhäusern am Neuensiener See. Perfektes Timing – fürs Mittagessen brauche ich nicht auf meinen Proviant zurückgreifen, sondern kann im Restaurant „Drei Linden“ lecker essen. Die Plätze draußen sind leider alle belegt, aber drinnen ist es mit Seefahrerdekoration auch sehr nett und die große Fensterfront ist geöffnet. Für mich gibt es eine Holunderlimo und ein Dorschfilet mit Linsen und Kartoffeln.

Eine Stunde später geht es weiter, an einigen hübschen Häusern vorbei


zum Ortsende von Seedorf, dann auf einem Pfad, teilweise Holzsteg, durch Wald und Sumpf immer am Wasser entlang oder oberhalb davon.




Eine dreiviertel Stunde später bin ich in Moritzdorf. Dort mache ich einen kurzen Abstecher über eine Holztreppe auf einen Hügel mit fantastischer Aussicht, dann geht es wieder runter und durch das Minidorf mit einigen schönen (Ferien)Häuschen bis zum Ufer.




Weiter geht es nur per Fähre, denn hier verbindet die Baaber Rinne den Selliner See mit der Having, die wiederum ins offene Meer mündet. Die Rinne ist nur 50 m breit, so dass die Bootsfahrt gerade mal eine Minute dauert. Der Bootsführer ist eine lokale Berühmtheit, er bewegt die Personen- und Fahrradfähre nämlich mit Muskelkraft und das in der Saison unendlich viele Male am Tag, allerdings hat das Boot auch einen Motor, der wohl doch häufiger eingesetzt wird, so auch bei meiner Überfahrt (1 EUR).



Auf der anderen Seite erreiche ich bald den Badeort Baabe, der Weg durch den Ort bis zum Strand zieht sich dann aber doch etwas. So bin ich froh, als ich das Ortszentrum mit Geschäften, Restaurants und Cafés erreiche, in einem Bäckerei-Café mache ich eine dringend nötige Pause mit Cappuccino und Marzipantorte.

Die Wanderung endet „offiziell“ in Baabe, von hier kann man mit dem Bus oder dem Rasenden Roland zurück nach Sellin fahren, es sind aber sowieso nur ca. 2,5 km am Strand oder der gepflasterten Strandpromenade entlang. Das mache ich gerne noch zu Fuß, habe ich doch heute das offene Meer noch gar nicht gesehen. Mal direkt am Wasser, mal auf der Strandpromenade schlendere ich nach Sellin. Dort halte ich mich noch eine Weile am Strand unterhalb der Steilküste auf, hier liegen hübsche Steine im Wasser, es gibt Möwen und viele Schwäne und auf dem größten Stein, einem Findling, der von den Gletschern hierhergetragen wurde, steht die Skulptur Kaysa (eine Frau, die ihr Haar auswringt, seit 2014). Dieses Geräusch wie das Wasser über die Steine plätschert, mag ich sehr gerne, das vermittelt so eine friedliche, ruhige Stimmung.


Gegen halb fünf bin ich dann zurück in der Wohnung.

Ach wie gut das tut, die Füße auf dem Sofa hochzulegen!

Um halb sieben mache ich mich nochmal auf den Weg zum Sonnenuntergang. Nein, leider nicht an der Seebrücke zu beobachten, denn die zeigt ja nach Osten, aber das Schöne an Sellin ist, es gibt nicht nur die Ostseeküste, sondern auch den Selliner See, über den man in Richtung Westen schauen kann.

Am südlichen Ende des Sees war ich ja auf meiner Wanderung heute schon, am Rande von Sellin, nur ca. 15 min zu Fuß von meiner Ferienwohnung, liegt das nördliche Seeende mit Anlegestelle für Ausflugsschiffe und Jachthafen. Dorthin spaziere ich nun und dort bietet sich eine wunderbare Kulisse für die Beobachtung des Sonnenuntergangs. Was für ein herrliches Ende eines herrlichen Tages!





Wetter: sonnig, ca. 24°C
Wanderung: Rother Wanderung Nr. 41 und in Teilen Nr. 40, ca. 18,2 km, 225 Höhenmeter

Susan:
Eine sehr schöne Wanderung! Da sieht alles so herrlich idyllisch aus.
Schönes Schlösschen, da hätte ich mir die Inneneinrichtung normalerweise gern angeschaut, aber nicht bei dem Prachtwetter.

Silvia:
Wie schade... die Aussicht müsste traumhaft gewesen sein... ich hatte damals leider schlechtes Wetter und sehr wenig Sicht... fand aber die Wendeltreppe hoch viel interessanter

Ansonsten SEHR schöne Tour bei traumhaftem Wanderwetter  :thumb:

Ilona:

--- Zitat ---Sie verläuft zunächst durch schönen lichten Wald, hauptsächlich Buchen und Kiefern
--- Ende Zitat ---

Einen lichten Wald kann ich gerade noch so akzeptieren :zwinker:.

Was für eine tolle Wanderung :beifall:. Die Marzipantorte hast du dir verdient.

Das Jagdschloss sieht toll und wie neu gebaut aus. Der rasende Roland verrust die Gegend zwar gewaltig, aber ist eine Augenweide.

Ist das Haus auf der Seebrücke ein Restaurant?

Christina:

--- Zitat von: Ilona am 14. Februar 2021, 16:23:22 ---
Ist das Haus auf der Seebrücke ein Restaurant?

--- Ende Zitat ---

Ja, ist ein Restaurant und auf dem Steg dahinter gibt es noch einige Verkaufshäuschen (Eis, Würstchen), die waren aber während ich dort war, immer geschlossen.

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