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2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020
Christina:
--- Zitat von: Silke am 15. Februar 2021, 20:40:17 ---Tolle Wanderung.
Am Königsstuhl konnte man früher auch eine Treppe zum Wasser runter gehen. Aber ich glaube, die ist auch seit einiger Zeit wwgen der Abbruchgefahr gesperrt. Zu dem Parkplatz führt von dort aus auch ein schöner Wanderweg durch tollen Buchenwald.
--- Ende Zitat ---
Genau, die Treppe am Königsstuhl ist gesperrt. Schon sehr schade, was da so alles im Laufe der Jahre wegbrach und wohl weiterhin wegbrechen wird, aber so ist die Natur eben.
Christina:
5. Tag – Dienstag, 22.09.
Heute geht es auf die zweite Insel des Urlaubs, nach Hiddensee. Hiddensee liegt westlich von Rügen, ist nur per Schiff erreichbar, autofrei und wesentlich kleiner als Rügen (18,6 km²zu 926 km²). Bekannt wurde Hiddensee um die Jahrhundertwende zum 20. Jh als Künstler-Insel, Schriftsteller, Maler, Schauspieler usw. hielten sich mal kürzer, mal länger dort auf (z.B. Gerhart Hauptmann, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Thomas Mann, Max und Käthe Kruse, Asta Nielsen, August Macke, Albert Einstein).
Um 7.30 Uhr breche ich auf, die Fähre legt in Schaprode ab, das 45 km von Sellin entfernt ist. Gegen 8.20 Uhr erreiche ich Schaprode bzw. den großen Parkplatz am Ortsrand auf den alle Hiddensee Ausflügler gelotst werden. Für 3,50 EUR darf man den ganzen Tag bis 22 Uhr auf der zum Parkplatz umfunktionierten Wiese stehen bleiben. Ich ziehe meine Wanderschuhe an, nehme meinen Rucksack und gehe zum ca. 2 km entfernten Hafen (es fährt auch ein kostenpflichtiger Shuttlebus). Dort kaufe ich mein Fährticket (EUR 20,90 hin und zurück) für die 8.45 Uhr Fähre hin und 15.30 Uhr Fähre zurück. Leider muss ich mich jetzt schon auf eine Uhrzeit für die Rückfahrt festlegen, 15.30 Uhr oder danach die letzte Fähre 17.30 Uhr stehen zur Wahl. Das eine ist mir eigentlich zu früh, das andere zu spät, na ja, jetzt muss ich mit 15.30 Uhr leben. Während ich darauf warte, dass man auf die Fähre gehen kann, schaue ich mir nochmal die geplanten Wanderungen an und beschließe, diese etwas abzukürzen, ich möchte weder die Fähre verpassen, noch mich beim Wandern hetzen lassen.
Als dann das „boarding“ beginnt, bin ich doch etwas entsetzt, Corona Maßnahmen gibt es abgesehen von einer Maskenpflicht keine, das Schiff ist so voll, dass man dicht an dicht steht, so wie in den Öffis zur morgen-oder abendlichen Rushhour (vor Corona). Erstaunlicherweise gibt es Leute, die trotz des schönen Wetters und trotz Corona lieber innen sitzen, ich bekomme gerade noch so einen Platz direkt an der Reling, so dass ich mir die schöne, friedliche Boddengewässerumgebung während der Fahrt anschauen kann.
Gegen halb zehn Uhr legt das Schiff im Hauptort Vitte an.
Ich nutze die Toiletten im Hafen und gehe dann noch in ein Café/Bäckerei/Hofladen, wo ich mir zwei große dort gebackene Brötchen zum Mitnehmen als Mittagsproviant mit Käse und Wurst belegen lasse. Hier gibt es auch viele Spezialitäten von Hiddensee und Rügen, den ganzen Tag im Rucksack mit mir rumtragen möchte ich das aber nicht, daher bleibt es bei den Brötchen.
Auf dem Deichweg wandere ich jetzt an der Ostseite der Insel entlang von Vitte nördlich in den nächsten Ort Kloster. Von den Menschenmassen auf dem Schiff ist hier glücklicherweise nichts mehr zu spüren, nur hin und wieder überholen mich ein paar Radler oder begegne ich ein paar Wanderern. Am Ortsrand von Vitte komme ich am „Karusel“ vorbei, das halbrunde, blauweiße Haus war in den 1920iger Jahren das Sommerhaus der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen, die viele Sommer hier verbrachte. Das Haus gehört heute der Gemeinde, es wird als Museum, Veranstaltungsort und Standesamt genutzt. Sehr gerne hätte ich mir das Museum angeschaut, aber wandern und Museum ist bei einem Tagesbesuch zeitlich nicht machbar.
Nach ungefähr 30 Minuten erreiche ich den Hafen Kloster mit dem markanten Hotelbau Hitthim.
Meine Wanderung führt mich weiter in Richtung Norden und weiterhin auf der Ostseite der Insel entlang. Kurz hinter Kloster durchquere ich das Dörfchen Grieben und kann erste Blicke auf den Leuchtturm an der Westküste werfen.
Bald erreiche ich das nordöstliche Ende der Insel, Enddorn genannt. Von hier zweigen zwei schmale Landzungen nach Süden ab, eine davon ist Naturschutzgebiet, die andere könnte man bis zu ihrem Ende erwandern, wegen meines fixen Fährtermins lasse ich diesen Abstecher aus und gehe direkt zum Enddorn. Hier am schönen Kiesstrand am Hochufer mache ich ein Weilchen Pause. Das wäre ein Ort, an dem man mit baden, lesen, Steine sammeln einige sonnige Stunden wunderbar verbringen könnte.
Ich wandere weiter nun in westliche Richtung durch die Hügellandschaft,
den Leuchtturm fast immer im Blick.
Bevor ich diesen erreiche, geht es aber steil bergauf, das Hochufer ist hier an der Westküste deutlich höher als eben noch am Enddorn. Jetzt ist es Mittag und ich lasse mir meine Brötchen mit Blick aufs Wasser schmecken.
Vom Hochufer geht es wieder bergab und dann nochmal steil bergauf zum Leuchtturm auf dem Dornbusch, es ist inzwischen ziemlich heiß und der Weg durch Sand und über Treppen recht schweißtreibend. Wie zu erwarten ist es hier mit der Ruhe vorbei, es hält sich erstaunlicherweise aber in Grenzen und ganz unerwartet muss ich für den Aufstieg zum Leuchtturm (EUR 3) nicht anstehen (und er ist zum Glück trotz Corona, anders als der Schlossturm vorgestern, geöffnet). Der Leuchtturm steht auf dem 72 m hohen Bakenberg, wurde 1887/88 erbaut und ist 28 Meter hoch.
Nach 102 Stufen erreiche ich die Aussichtsplattform in 20 m Höhe. Leider ist die Luft heute sehr diesig, bei idealen Verhältnissen könnte man die dänische Küste sehen – der Rundumblick ist aber dennoch schön:
man kann Wiek und Dranske mit dem Wieker Bodden auf Rügen sehen
und in südliche Richtung liegt ganz Hiddensee vor mir.
Vom Leuchtturm geht es zunächst in der Sonne bergab, dann gibt es zum Glück ein bisschen Schatten in einem Wäldchen. Darin liegt ganz idyllisch die (seit 1906 bestehende) Ausflugsgaststätte „Zum Klausner“, auf dem Gelände gibt es mehrere kleine Gebäude, darunter auch das vom Maler Max Kaus in den Sommermonaten 1920-22 genutzte, heute als Ferienhaus vermietete, Haus Klaus.
Wieder in der Sonne geht es dann vollends hinunter nach Kloster. Im kleinen Supermarkt kaufe ich Wasser und ein großes Cornetto Eis.
Eisschleckend bummle ich durch Kloster und komme dabei am Gerhart-Hauptmann-Haus vorbei. Der Schriftsteller verbrachte ab 1916 fast jeden Sommer auf Hiddensee, ab 1926 in diesem Haus, das er 1930 kaufte. Auf dem Friedhof in Kloster wurde Hauptmann 1946 auch beerdigt. Das Haus ist heute Museum und Veranstaltungsort. Sehr gerne würde ich mir das Museum anschauen, aber zum zeitlichen Druck kommt noch, dass ich total verschwitzt bin, staubige Wanderschuhe und Rucksack trage, alles nicht so ideal für einen Museumbesuch.
Kloster endet direkt am Weststrand, an dem ich nun nach Süden, zurück nach Vitte spaziere. Anfangs sind an der Wasserlinie große Steine aufgeschüttet, wohl zum Schutz der Dünen vor der Ostsee, später kann man direkt am Wasser entlanggehen, jetzt kann ich die Schuhe ausziehen und barfuß weitergehen, das tut gut.
Für einige Zeit setze ich mich auf einen Stamm einer der vielen Buhnen und lasse die Füße ins Wasser baumeln – herrlich erfrischend.
Gegen halb drei bin ich wieder in Vitte (eine halbe Stunde hätte ich also für ein Museum Zeit gehabt), bummle noch etwas herum und warte dann auf das boarding der Fähre.
Die ist genauso übervoll wie auf der Hinfahrt, aber ich ergattere wieder einen Stehplatz an der Reling.
Die Insel hat mir sehr gut gefallen (wobei ich nur die nördliche Hälfte gesehen habe), ideal wäre es ein paar Nächte dort zu verbringen, so dass man in Ruhe Museen, Ortschaften und die Landschaft genießen kann – irgendwann vielleicht.
Gegen 17.30 Uhr bin ich nach einer guten Stunde Autofahrt zurück in Sellin. Nach dem Abendessen auf meiner Terrasse gehe ich noch zum Edeka und als Abschluss dieses schönen Tages zur Seebrücke – dort gibt es heute Abend ein wunderbar kitschiges Pastell-Licht.
Wetter: sonnig, ca. 24° C
Wanderung: Rother Wanderungen Nr. 11, 5,6 km, 0 Höhenmeter und Nr. 12 (ohne Abstecher zum Altbessin), ca. 8,3 km, 100 Höhenmeter
Ilona:
--- Zitat ---und als Abschluss dieses schönen Tages zur Seebrücke – dort gibt es heute Abend ein wunderbar kitschiges Pastell-Licht.
--- Ende Zitat ---
:beifall: Da hast du die blaue ähm pinke Stunde super erwischt.
Hiddensee gefällt mir sehr gut. Die Insel würde ich nach deiner Vorstellung auch unter die Füße nehmen.
Silke:
Ich nehme mir seit vielen Jahren vor, endlich mal wieder nach Hiddensee zu fahren, schaffen wir irgendwie nicht, weil wir oft mit den Motorrädern auf Rügen sind.
Als Kind war ich da öfter von Stralsund aus, wo meine Oma lebte. Da musste man zu DDR Zeiten lange vorher Karten für das Schiff besorgen.
Silvia:
Hiddensee ist mir damals komplett entgangen :verlegen: .... wie schön das ich jetzt die Insel virtuell erleben durfte :thumb:
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