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2 Inseln und 3 Städte - Rügen und mehr im Herbst 2020

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Christina:
Herzlich willkommen allen Mitreisenden :adieu:

Ilona, ja, Peter hatte damals schon im Homeoffice gearbeitet und im Prinzip wäre es egal von wo er arbeitet, aber bei Hotel oder Ferienwohnung gibt es Sicherheitsprobleme, er hat ja Kundendaten auf dem PC und in der Ferienwohnung gab es nicht mal einen Safe. Außerdem hätte er den ganzen Tag auf einem unbequemen Stuhl sitzen müssen und hätte von der Umgebung nichts gehabt, und wie gut das Internet sein würde, weiß man bei Hotel oder Ferienwohnung ja auch nie vorher. Er war auch nicht so unglücklich darüber, da es wie gesagt, nicht sein Traumziel war, andererseits war sein letzter Urlaub Juni 2019, da hätte er eine Pause schon nötig gehabt (und nun nachdem ich auf Rügen war, weiß ich, dass es ihm auf jeden Fall gefallen hätte, naja, ist halt nicht zu ändern).

Gleich kommt der erste Tag.

Christina:
1. Tag – Freitag, 18.09.

Um 7.15 Uhr ist das Auto beladen, ich verabschiede mich von Peter und fahre auf die Autobahn in Richtung Frankfurt auf. Nach ein wenig Abschiedsschmerz (von Peter natürlich, nicht von zu Hause) bricht dann schließlich die Freude durch – «Juhu, es geht endlich wieder los», nach ein bisschen Reisemüdigkeit oder zumindest nicht vorhandener Reisesehnsucht in den Anfangsmonaten der Pandemie, freue ich mich nun doch riesig darauf endlich wieder neues entdecken zu dürfen.

Die Autobahnen sind zwar voll und gefühlt die Hälfte der Strecke besteht aus Baustellen, es läuft aber immerhin staufrei und so bin ich, nach einer Kaffeepause gegen halb zehn und einer Mittagspause gegen 12 Uhr mit einem getoasteten Tomate-Mozzarella Bagel und einem Cappuccino an der Autobahnraststätte Harz Ost (kulinarisch keine empfehlenswerte Raststätte, bei Coffee Fellows gibt es nur einen Bruchteil der auf der Karte aufgezählten Sandwiches und im Restaurant nur Schnitzel, Bockwurst und ähnliches, das mir während einer Autofahrt viel zu schwer im Magen liegen würde) an der A7 schon gegen 13.30 Uhr an meinem heutigen Ziel, dem Hotel Blumlage am Rande der Innenstadt von Celle.


Zum Glück kann ich zu dieser frühen Zeit schon einchecken. Ein Stündchen Pause im Zimmer muss dann sein, in der letzten Nacht habe ich, wie meist vor dem Urlaub vor Aufregung und Anspannung eher schlecht geschlafen. Bei herrlichem Sonnenschein beginne ich gegen halb drei meinen Stadtrundgang.

Nur wenige Schritte hinter dem Hotel liegt das Neue Rathaus, für ein Städtchen mit nicht mal ganz 70.000 Einwohnern ein imposanter Bau mit seinen 181 Metern Länge und 25 Metern Höhe. Aber Celle hatte früher als Residenz- und Garnisonsstadt große Bedeutung, das Gebäude wurde in den 1870iger Jahren als preußische Infanteriekaserne gebaut und tatsächlich bis 1992 als solche genutzt (zuletzt vom Ende des Zweiten Weltkriegs an von der britischen Armee). Erst 1999 wurde es zum Rathaus.


Celle war mir bisher als «Fachwerkstadt» bekannt, überrascht und sehr erfreut war ich, als ich bei der Vorbereitung las, dass die Stadt wie Weimar und Dessau zu den «Bauhausstädten» zählt und sich weder quantitativ noch qualitativ (bezogen auf die bis heute erhaltenen Gebäude) hinter diesen verstecken muss. Da ich nur wenige Stunden für die Besichtigung von Celle Zeit habe, kann ich leider nur einen Teil der Bauten in Bauhaus Architektur anschauen und muss auf die Museen ganz verzichten, aber ein paar der Bauten fügen sich gut in meinen Rundgang ein.

Nicht weit vom Neuen Rathaus entfernt liegt die Siedlung Italienischer Garten. Architekt dieser Häuser und auch der anderen Bauhaus Gebäude in Celle war Otto Haesler. Die Siedlung Italienischer Garten wurde 1925 fertiggestellt als erste Bauhaus Siedlung Deutschlands. Besonders auffällig die schrägen Dachziegel, die die eigentlichen Flachdächer kaschieren sollten und die der Siedlung die «Spitznamen» «Klein-Marokko» und «Neu-Jerusalem» einbrachten.



Mein weiterer Weg führt mich durch den Französischen Garten, einen großen Stadtpark, dessen Anfänge ins 17. Jh zurückreichen.


Am Rande des Parks steht die Garnison Kirche von 1902, von 1945 bis 1997 dann von der britischen Armee (als St. Georges Kirche) genutzt und nun «Zivilkirche».


Als nächstes erreiche ich die Altstädter Schule von 1927, die heute zu den zehn wichtigsten Bauhaus Gebäuden weltweit gehört. Wegen der vielen Fenster wurde die Schule auch «Glasschule» genannt. Ursprünglich war sie außen und innen in Rot, Gelb, Schwarz und Weiß gehalten, davon ist leider fast nichts erhalten geblieben. Ein gutes Foto gelingt mir nicht, wegen Zäunen, Bäumen und der mehrspurigen Strasse, die vor der Schule vorbeiführt.


Dann kommt auch schon das nächste Bauhaus Gebäude, das Rektorenhaus, für den Rektor der Altstädter Schule.


Die St. Ludwig Kirche ist der einzige rein klassizistische Kirchenbau Nordwestdeutschlands, errichtet 1838.


Am völlig eingerüsteten Haus der Freimaurerloge vorbeigehend,


erreiche ich das letzte Bauhaus Gebäude meines Rundgangs, das Direktorenhaus von 1930/31, heute genutzt als Kunstgalerie.


Nach einer kurzen Pause mit einem Eis in der Waffel auf die Hand, nähere ich mich dem Stadtkern. Nach der Stadtbibliothek und dem Trüller (Keks- und Zwiebackfabrikant) Haus, das ebenfalls von Otto Haesler entworfen wurde, nur eben nicht im Bauhaus Stil,


kommen die ersten Fachwerkhäuser in Sicht. Wirklich beeindruckend wie viele Straßenzüge ganz in Fachwerkarchitektur erhalten sind. Und die meisten Häuser lohnen einen längeren Blick, da sie viele Verzierungen und Sprüche am Giebel und den Holzbalken aufweisen – herrlich.




Besonders erwähnenswert sind auch das alte Rathaus, in dem heute die Touristeninformation untergebracht ist,


die danebenliegende Marienkirche, hier hätte ich gerne den Turm bestiegen, das war aber nur bis 16 Uhr möglich,


das Bomann-Museum für Kulturgeschichte,


und das Schloss, auch hier wäre eine Innenbesichtigung lohnenswert.


Nicht übersehen kann man das Karstadt Kaufhaus von 1965, das einen wohl noch hässlicheren, aber immerhin kleineren Vorgängerbau von 1929 ersetzte, beiden Bauten mussten zahlreiche Fachwerkhäuser weichen. Laut Architekt wird mit der Betonfassade die alte Fachwerkbauweise nachgeahmt.


Inzwischen ist es 17 Uhr und nach meinem eher bescheidenen Mittagessen bekomme ich nun Hunger. Mir fällt das Restaurant «Ricetime» ins Auge, wo es für mich eine Ingwerlimonade und eine sehr leckere Beef Bowl mit Rindfleischstreifen, Glasnudeln und Salat gibt.

Nach dem Essen fühle ich mich wieder richtig fit und schlendere durch die nun deutlich leereren Strassen bei schönstem Abendlicht.







Einen abschließenden Abstecher mache ich an die idyllische Aller (hier könnte man noch ausgedehnte Spaziergänge unternehmen oder mit dem Bötchen fahren)


und bin gegen 18.30 Uhr wieder im Hotel.

Schon gegen 21.30 Uhr mache ich das Licht aus, da ich die Augen kaum noch offenhalten kann.

Wetter: sonnig, ca. 22 °C
Unterkunft: Hotel Blumlage, Celle EUR 80,75 inkl. Parken, Frühstück (gebucht über booking.com)

Silv:
Ich komme auch mit  :) Auf Rügen war ich noch nicht, Ostsee schon.

Celle gefällt mir, da hatte ich gar keine Vorstellung, wie es da aussehen könnte...

Susan:
Danke für die schönen Bilder aus Celle  und die Erinnerung, da mal wieder vorbei zu schauen.  8) Obwohl nur 40 Fahrminuten weg, waren wir lange nicht da. Dass dort auch so viele Bauhaus-Häuser stehen war mir neu, wahrscheinlich weil ich Fachwerk lieber mag.
Da hattest du ja tolles Wetter!

Ilona:
Du hast Celle werbewirksam  :zwinker: in Szene gesetzt  :beifall:.

Die Bauhaus-Siedlung ist zwar farbenfroh, aber die Fachwerkhäuser einsame Spitze. So schöne Fachwerkhäuser gibt es bei uns in der Gegend nicht. Sollte ich mal in die Gegend kommen, dann ist ein Aufenthalt in Celle gebongt.

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