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September 2021: Languedoc & ein Schuss Provence

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Horst:
Mal ne andere Frage - wie ist das da mit Englisch?
Kommt man damit halbwegs durch oder muss man sich mit Französisch durchhangeln?

Silvia:
 :adieu:  so, ich bin jetzt auch noch mit aufgesprungen ..... hach was für tolle Sehnsuchtsbilder ..... Ardeche und Nebenflüsse war ich vor vielen Jahren zum paddeln und wollte zum Wandern wieder in die Gegend ...  hab's bisher immer noch nicht geschafft ... darum freue ich mich umso mehr, das ich bei dir "mitfahren" kann  ;D

Susan:

--- Zitat von: Horst am 15. Oktober 2021, 18:23:03 ---Mal ne andere Frage - wie ist das da mit Englisch?
Kommt man damit halbwegs durch oder muss man sich mit Französisch durchhangeln?

--- Ende Zitat ---

Wir sind mit Englisch und ein paar Brocken Französisch gut durchgekommen; ab und an ging sogar deutsch. Knackpunkt können geführte Besichtigungen sein, oft gibt es die nur auf Französisch. Zweimal bekamen wir dann einen Audioguide; ansonsten zumindest ein Flugblatt mit deutschen Erklärungen.

 :welcome: Silvia und auch alle stillen Mitleser.  Bis auf Landes 2017 war das seit einigen Jahren mal wieder ein Urlaub und nicht nur Zwischenetappe in Frankreich.

Susan:
6. September  Villeneuve-lès-Avignon & Avignon

Nach all der Natur darf es heute mal eine Städteerkundung sein. Da liegen einige in Rollerentfernung. Der Gatte hat sich für den ersten kurzen Abstecher in die Provence entschieden.  ::)
Leider gibt es keine direkte Nebenstrecke zum Ziel, das Fahren auf der teilweise vierspurigen N100 ist mit dem Zweirad recht nervenaufreibend. Erster Halt:

Villeneuve-lès-Avignon

 :read2:
So neu wie der Name denken lässt, ist die Stadt aber nicht. Es begann wie so oft mit einem Kloster, der um 980 herum gegründeten Benediktinerabtei Saint-André, und Leuten, die sich in der Nähe ansiedelten. Im Jahr 1293 gründete der französische König Philippe IV, der Schöne, am westlichen Rhône-Ufer eine neue Stadt. Sie sollte eine Konkurrentin Avignons werden; die Provence war damals ein eigenständiges Reich. Als Avignon zur Papststadt wurde, wählten die Päpste und Kardinäle das Westufer als Erholungsort und errichteten in Villeneuve prächtige Paläste. 

1360 wurde eine Festung auf dem Mont Andaon gebaut, das Fort Saint-André. Sie sollte die Abtei vor Angriffen gefürchteter Söldnerscharen schützen, die im damals tobenden Hundertjährigen Krieg umherzogen, und ebenso die Grenze des Königreichs. Als die Provence an Frankreich angeschlossen wurde, verloren Festung und Stadt an Bedeutung. Und noch mehr als die Rhône um 1770 ihr Bett nach Osten verlagerte. Im 19. Jahrhundert wurde Villeneuve bevorzugter Wohnort für wohlhabende Bürger von Avignon, die von hier einen schönen Blick auf ihre Stadt hatten. Dies ist bis heute so geblieben.

Vom Parkplatz aus spazieren wir als erstes hinauf zur Festung. Die wirkt schon von unten imposant, von nahen erst recht.



Den Eingang bildet die Königsburg mit den Zwillingstürmen. Die Passage war damals durch zwei hintereinander folgende Fallgitter gesichert.

 

Rechts geht es zur Abbeye Saint-André, die leider montags nicht geöffnet hat. Schade, schade, sie soll einen schönen Garten haben. Also geht es nur zu einem Rundgang in das Fort. Da haben wir Glück, ist der letzte Einlass vor der Mittagspause.  ^-^ Auch hier müssen wir das Impfzertifikat vorzeigen. Wir bekommen eine Broschüre in Deutsch mit auf den Weg.

Von den einst 190 Wohnhäusern aus dem 17. Jhd. ist nur noch eines erhalten geblieben. Das habe ich versäumt abzubilden, war wohl nicht so fotogen  ;) Auf einem Kieselweg spazieren wir zur nördlichen Wehrmauer und dann die Westmauer entlang.





Die Burg verfügte über ein doppeltes Wehrsystem:  Nischen mit Bogenschießscharten am Boden und auf den Mauern Brustwehre. Sonst gibt es weiter keine Häuser. Nur ein Plakat, das den Bau von neuen Wohnungen in der Festung ankündigt. Leider waren keine Bilder dabei, wie das denn aussehen soll.  8)

Das einzige Gebäude, das wir noch sehen, ist Chapelle Notre Dame de Belvezet. Sie diente bis zum 14 Jahrhundert als Pfarrkapelle. Ein schlichter Bau mit wenig zu sehen im Innern. Wir verweilen trotzdem etwas, denn dort ist es schön kühl. Die Temperaturen draußen nähern sich nämlich der 30 Grad Grenze.




Blick zum Tour des Masquez (Magier)

Laut Infoblatt sollte der das Unglück auf sich ziehen, um Schaden vom Rest des Forts abzuwenden. Wie, ob der z.B. verhext wurde oder so, stand leider nicht dabei. Der Turm besteht aus einem sehr hohen Saal und einer Treppe zum Wehrgang.



Displays mit Leuten stehen in mehreren Räumen der Burg, der Sinn hat sich uns nicht so ganz erschlossen  :gruebel: Der Typ hier verfolgte einem immer so mit den Augen, dem würde ich den Magier abnehmen  ;) An Wänden und am Boden befinden sich verschiedene Steinmetzzeichen sowie Einritzungen von Soldaten und Gefangenen.

Wir dachten, wir könnten uns die engen Wendeltreppen im Turm sparen. Doch der Weg unten ist abgesperrt. Man kommt leider nur über den Wehrgang und die Türme zum Ausgang. Also: "wat mutt dat mutt", Treppe rauf geht ja noch. Wegen des Hanggefälles verläuft die Südmauer in Stufen zu den Zwillingstürmen.




Aussicht auf die Stadt


Plattform der Zwillingstürme


Blick hinüber nach Avignon



Dann geht es an den Abstieg über die alten Wendeltreppen. Da brauche ich alle Konzentration und habe keinen Nerv mehr, die Räume im Turm anzuschauen  ::) Die da wären: Gefangenen"hof", Quasi-Bäckerei mit einem Brotbackofen und Gerichtssaal. 

Vielleicht ist es euch aufgefallen: wir waren da so ziemlich allein unterwegs. Leider finden wir keinen Schattenplatz für eine Pause. Im Stehen leeren wir eine Flasche Wasser und folgen dem Wegweiser Richtung Altstadt. Die wirkt jetzt zur Mittagszeit bis auf ein paar Lunchgäste auch recht ausgestorben.  8)





 
ein Farbtuper in all dem Beige  ;)



Ich habe erst hinter gelesen, dass es noch ein zweites Kloster mit Garten im Ort gibt. Das haben wir verpasst.  Am Bouleplatz finden wir schließlich ein schattiges Plätzchen unter einer Platane für ein Apfelpicknick.

Kurze Verschnaufspause ...

Susan:
Es geht weiter ...

Kurzer Fotostopp am Turm Philippe-le-Bel



Dies war das erste Bauwerk von Philippes neu geplanter Stadt am rechten Rhôneufer. Das Châtelet sollte den Zugang zur Brücke nach Avignon sichern und wurde gegen 1302 gebaut. 

Wir meiden die Brücke mit der N100 und nehmen die Zufahrt über die Île de la Barthelasse, auf der sich u.a. Camping- und WoMo-Übernachtungsplätze befinden. So kommen wir jetzt in die Provence nach

Avignon

Nach Durchfahrt eines Doppelkreisel landen wir direkt am Stadttor Crillon und Parken an der Mauer. Der Platz am Tor sieht recht hübsch aus, leider herrscht zuviel Verkehr für ein ordentliches Foto. Eigentlich hatte ich Avignon nicht auf dem Plan. Zwar waren wir vor Jahren schon mal hier, doch sind nun etwas unvorbereitet, was wir so anschauen wollen.  :floet:
Wir folgen einer Schar junger Leute mit Rucksack und kommen so zu einer Schule.   ::)  Okay, war nicht ganz die falsche Richtung, wir finden dann doch schnell den Platz vor dem Papstpalast.




 :read2:
Bis ins 14 Jhd. erlebte Avignon eine wechselvolle Geschichte zwischen Blüte und Vernichtung. Erste Siedlungen gab es schon zur Jungsteinzeit. Dann siedelten verschiedene Völker dort, unter anderen auch die Römer und zur Zeit des Heiligen römischen Reiches unterstand die Stadt dem deutschen Kaiser. Machtkämpfe innerhalb der Kirche in Rom führten dahin, dass von 1309 -1376 Avignon Papstsitz und Hauptstadt des Christentums wurde. Während einer zeitweiligen Spaltung, die bis etwa 1417 dauerte, gab es zwei Päpste, einen hier den anderen in Rom. Auch nach der Einigung stand Avignon bis 1791 unter päpstlicher Herrschaft.


Palais des Papes
Einer Besichtigung sind wir eh nicht zugeneigt gewesen, doch sicher machen wir keine bei den Horden an Schulklassen. Da liefen mehrere Gruppen jeweils in farblich unterschiedlichen T-Shirts herum. Trotzdem meinen wir, den Platz schon viel belebter gesehen zu haben (Dias von damals geben uns Recht).


Cathédrale Notre-Dame des Doms d’Avignon

In der Hoffnung auf schattige Plätzchen spazieren wir hinauf zum Rocher des Doms, einem Felsvorsprung mit Gartenanlage. Von den Belvederes dort haben wir schöne Aussichten


Rhône, Insel und die Festung von Villeneuve


Pont Saint-Bénézet
die berühmte Brücke; im 14. Jhd. als Ersatz für die alte Holzbrücke erbaut. Ursprünglich hatte sie 22 Brückenbogen, einer Flut hielten nur vier stand. Das bekannte Volkslied "Sur (ursprgl. sous) le pont d’Avignon" geht auf ein Fest zurück, das auf der Insel unter den Brückenbögen stattfand. Gut zu sehen auch der oben genannte Tour Philippe-le-Bel.



Der Garten hat viele Bäume und wenig Blühendes, die Wasserbecken sind umlagert von Jugendlichen. Momentan sind dort noch Bilder nach Fotos aus den 1950ern ausgestellt.






Engel halten Wacht


Place du Palais von oben

In der Altstadt sollen viele alte Kardinalspaläste und Stadthäuser zu finden sein. Ob dieses dazu gehört? Mein Latein ist etwas eingerostet, doch auch lt. Wiki war dies


Münzprägeanstalt von 1429
die Reliefs hätten eher eine Weinhandlung vermuten lassen  ;)

An der Place de l'Horloge jedenfalls sehen wir neben etlichen Terrassen von Restaurants das Rathaus und die Opéra Grand Avignon



 

und der Molière ist auch verewigt



Jetzt wird es aber Zeit für eine Erfrischung. Zum Glück müssen wir nicht weit gehen: der Salon de Thé am Ende des Platzes bietet auch leckere Eisbecher an.  :herz:

Es gäbe sicher noch viel mehr zu sehen, doch die Treppensteigerei und das Umhergelaufe hat meine Füße ermüdet.  Wir machen uns an den Rückweg, dabei passiert Kurioses.   Aus der Römerzeit gibt es so gut wie keine Überreste in Avignon, wurde wohl beim Bauen zur Papstzeit zerstört oder überbaut. Als Kersten unterwegs ein längeres Telefonat mit Colin führt, knipse ich aus Langeweile einen Oleander mit Steinen und erwische damit zufällig die beinah einzigen übrig gebliebenen Römersteine  ;D


Vestiges du forum romain

Auf der Rückfahrt versuchen wir die N100 zu umgehen, das gelingt nur zum Teil über Les Angles (kurz hatte ich mich verguckt und Los Angeles gelesen). Weitere Nebenstraßen wären ein zu großer Umweg. Uns läuft noch ein Lidl über den Weg, bei dem wir Salat und Wein kaufen.

Beim Campingplatz angekommen geht es zur Erfrischung in den Pool und für einen Pastis an die Bar.


Die Route

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