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September 2021: Languedoc & ein Schuss Provence
Susan:
Rollertour Béziers & Fonseranes I
Die Stadt Béziers ist nicht weit entfernt und vielleicht merkt man dort den Wind nicht so. 8) Ich habe mir zwar die Nebenstrecke – einfach D37 und D19 entlang - auf der Karte gut angesehen, doch klappt die Anfahrt nicht ganz wie gewünscht. Da fehlte mal wieder ein Schild an entscheidender Stelle. Wir müssen dann doch auf die Schnellstraße, die aber nicht zu stark befahren ist. Wir queren den Orb, danach ist viel Baustelle, so dass wir etwas umher irren bis wir den Weg hinauf in die Altstadt finden. ::)
:read2: Der Felsen am Fluss wurde schon von Iberern und Kelten bewohnt; die alten Griechen kannten den Ort als Handelsplatz. Dann kam Caesar und siedelte die Veteranen seiner 7. Legion dort an. Es entstand eine typische römische Stadt mit Foren, Tempeln, Aquädukt und Amphitheater. Das alles wurde während der Völkerwanderung von Vandalen und Westgoten zerstört. Wiederaufbau und Zerstörung wechselten sich danach ab. Das schwärzeste Kapitel der Stadtgeschichte ist das Massaker von Béziers. Bei dem Kreuzzug gegen die Katharer wurden am 22.7.1209 rund 20 tausend Bewohner unabhängig von ihrer Gesinnung niedergemetzelt. Durch den Handel mit dem in der Region angebauten Wein erlebte die Stadt ihre Blütezeiten. Heuer ist sie besonders für ihr Rugbyteam bekannt, das viele Meistertitel geholt hat.
Wir parken an der Markthalle, die allerdings montags geschlossen hat. Von dort folgen wir den Wegweisern zur Kathedrale.
Les Halles
Saint Nazaire
Wenige Jahre nach dem Massaker der Kreuzritter begann die katholische Kirche mit dem Bau eines Bischofssitzes, vermutlich als Symbol für die Wiedererlangung ihrer Macht. Die Bauten zogen sich über mehrere Jahrhunderte, dafür sieht es recht einheitlich aus. Typisch für die Gegend ist der Glockenturm, der nur ein Eisengitter statt einem Dach hat. Bei den starken Winden hier müsste letzteres ständig repariert werden. Auch die großen Türen werden wegen des Tramonte nur selten geöffnet. Wir kommen durch eine Tür im Querschiff in die Kirche.
Portal von innen
mit Orgel und dem Rosettenfenster. Dieser Teil wurde Ende des 14. Jahrhundert gebaut, als die bisherige Kirche zu klein wurde.
Gegenüber der Altar
gebaut von 1298 bis 1330. Da wurde die Gewölbedecke erhöht und die vorher dunkle Kirche erhielt prachtvolle Fenster.
Wir gehen durch bis zum Kreuzgang, an dem der Bischofspalast anschließt. Außer einem Wappenstein gibt es aber wenig zu sehen. Ich dachte, hier käme man zum Jardin des Évêques. Doch wir haben leider keinen Zugang gefunden, nur Bauzäune.
Wappen
Man soll den Glockenturm besteigen können, jedoch ist grad geschlossen wegen Mittagspause. Der Blick vom Vorplatz ins Tal des Orb ist auch nicht schlecht.
Wir bummeln durch die Gassen. Dabei kommen wir am Geburtshaus von Jean-Antoine Injalbert, einem französischem Bildhauer, vorbei. Ich muss schon genau gucken, was echt ist und was Trompe-l’œil. 8)
Künstler auf Balkon
mit Entwürfen und seiner Marianne-Büste
In den Gassen ist grad wenig los, die Geschäfte haben ebenfalls Mittagspause ^-^ Pfiffig und vor allem schön bunt finde ich die Beschattung mit den Kunstblumen
Wir kommen zum Place de la Victoire und der Hauptstaße Béziers, der Allee Paul Riquet. Allerdings sieht die hier oben wenig nach Allee aus, auch mehr nach Baustelle.
Ein heftiger Regenschauer überrascht uns. Gut, dass der Optiker ein großes Vordach hat. ;) Der Spuk dauert zum Glück nicht lange, bald ist der Himmel wieder blau.
Wir schlagen einen Bogen durch die Altstadt, kommen an der Église de la Madeleine vorbei und dem Rathaus.
Auf dem Platz schräg gegenüber finden wir sogar ein Eiscafe :))
Kleine Verschnaufspause...
Susan:
Rollertour Béziers & Fonseranes II
Zwar hatte ich die Idee der Hausboottour aufgegeben, den Canal du Midi wollte ich schon gern anschauen. Dafür liegt Béziers günstig. Ab dort werden sogar Bootstouren angeboten. Nach den Schwierigkeiten durch die Baustellen zur Altstadt zu kommen, wollten wir kein weiteres Gesuche nach der Anlegestelle. Wir gehen daher auf Nummer sicher und fahren nach Fonseranes, knapp 2 km außerhalb.
:read2:
Der als Pächter der Salzsteuer des Languedoc reich gewordene Paul Riquet wollte seine Idee verwirklichen, das Mittelmeer durch einen Kanal mit dem Atlantik zu verbinden. Er hatte entdeckt, dass zu beiden Meeren Flüsse strömten, die seinen Kanal mit Wasser füllen könnten. Sechszehnhundertirgendwann unterbreitete er seinen Plan den entsprechenden Stellen, wurde aber ausgelacht. Colbert, der Wirtschaftsminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV, witterte Steuereinnahmen und überredete diesen zu dem Vorhaben. Riquet entwarf den neuen Hafen von Sete und ab 1666 rückten über 12.000 Arbeiter mit Hacke und Spaten an, um 240 km Fahrrinne, 64 Schleusen, 126 Brücken und 55 Aquädukte zu bauen. Zudem wurden entlang des Kanal rund 100.000 Platanen gepflanzt. Der König knauserte aber mit Geld, private Investoren waren immer schwerer zu finden, so setzte Riquet auch sein Privatvermögen ein. Er starb verarmt ein halbes Jahr bevor das erste Schiff ab Toulouse den Kanal befuhr. Danach wurde fast alles auf diesem Wasserweg verschifft, der damit zur Goldgrube für die Erben Riquets wurde. Zumindest bis Napoleon den Kanal verstaatlichte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Garonne-Seitenkanal der Abschnitt bis zum Atlantik fertig gestellt. Seit 1996 ist das Bauwerk Unesco Welterbe. Die Fahrrinne wird seit einigen Jahrzehnten nur noch zur Freizeitschifffahrt benutzt.
Bilder am Parkplatz veranschaulichen die Streckenführung und Höhenunterschiede des Kanals.
Leider hat ein Pilz die Platanen befallen, hier wurden sie schon gefällt und neue Bäume angepflanzt. Daher sieht der Kanal nicht so idyllisch aus wie auf alten Bildern.
Warum nun Fonseranes? Hier musste auf kurze Distanz eine Höhe von 21,5 Meter überwunden werden, dazu wurde eine Treppe von acht Schleusen gebaut. Auf den Schildern steht immer noch 9 Écluses, denn von 1983 bis 2001 gab es daneben ein Schiffhebewerk, das die historischen Schleusen entlasten sollte. Immerhin werden hier jährlich rund 8000 Schleusungen gezählt.
Ein breiter Weg führt neben der Schleusentreppe hinunter. Dort sehen wir auch die neu angepflanten Bäume.
links oben im Bild Überreste des Schiffshebewerks
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts führte der Kanal weiter zum Orb bei Béziers, zu dem die Schiffe eine weitere Schleuse passieren mussten.
alter Kanal
Da der Fluss aber nicht gleichmäßig Wasser führte, wurde eine neue Strecke gebaut und zwar mittels einer Brücke über den Orb. Man kann dort auch hin wandern - oder radfahren - doch wir werden abgelenkt, als nun tatsächlich Schiffe in die Schleusen einfahren. Darunter ein ziemlich langer "Kahn", der so gar nicht in die Schleusenkammern zu passen scheint.
Gespannt verfolgen wir sowie etliche andere Besucher die Durchfahrt. Bis auf die letzte nimmt der lange Dampfer immer zwei Kammern, sprich fährt erst dann weiter, wenn diese gefüllt sind. Trotzdem wird es knapp mit dem Platz.
Egal ob großes oder kleines Boot, einer muss immer mit den Leinen nebenher laufen: festmachen und wieder lösen.
Wasser marsch ;)
In den Kammern dahinter folgen noch zwei Hausboote.
Da es am Geländer immer drängeliger wird, verfolgen wir den Rest der Schleusung von der Terrasse des Bistros aus und genießen dabei einen weißen! Sangria (das kannte ich noch gar nicht) Von da haben wir auch einen schönen Blick auf Beziers.
Nach etwa 50 Minuten ist es geschafft und die Boote haben den oberen Kanal erreicht.
Kersten hatte sich über den Riesenparkplatz (kostet übrigens 5 Euro) gewundert "und das wegen 'ner Schleuse", doch es waren schon etliche Leute zum Gucken da. Es gibt da übrigens noch ein Besucherzentrum mit Souvenirshop, eine Show über die Idee und den Bau des Kanals sowie ein Restaurant.
Leider haben wir die alte Brücke von Béziers und damit die Postkartenansicht der Stadt verpasst.
Christina:
Béziers macht einen sehr netten Eindruck und der Canal du Midi bzw. seine Geschichte ist sehr interessant. Dass man damals überhaupt auf die Idee mit dem Kanal kam und das dann auch noch realisierte....
Es gibt auch eine "Wunderschön" Sendung vom WDR, wo die Moderatorin und eine Begleiterin den Canal du Midi mit dem Hausboot befahren. Da wird schon klar, dass das Passieren der Schleusen nicht so ganz einfach ist, genau wie du schreibst, eine(r) muss immer aussteigen und das Boot am Seil mitführen und dann wieder ins Boot hüpfen, da kann man durchaus auch mal ins Wasser fallen.
Und ich hab auch schon mal ein Doku über den Kanal gesehen, eigentlich traurig, dass so oft die Personen mit den bahnbrechenden Ideen den Erfolg ihrer Idee nicht mehr miterleben.
Susan:
Bei der nächsten Reise in die Gegend wollen wir uns noch andere Teile des Kanals anschauen und vielleicht mal eine kleine Bootstour machen. Auf den alten Treidelwegen -die Schiffe damals wurden ja oft gezogen- soll man gut wandern oder radfahren können.
Diese "Wunderschön" Sendungen hören sich ja interessant an. Ich sehe selten fern, schaue also auch kaum ins Programm, da verpasse ich so etwas immer 8)
Und jetzt geht es hier weiter
23. und 24. September Le Grau-du-Roi
Langsam geht es wieder Richtung Norden und zwar zum Schwemmland des Rhonedeltas.
Wir fahren die Küste entlang und kommen so an der Lagune Étang de Thau vorbei sowie an bekannten Touristenhochburgen wie Agde, Sète und La Grande-Motte. So aus dem WoMo heraus wirken letztere einfach zu groß und zu trubelig für uns.
Étang de Thau
Sète
Als im 16. Jahrhundert die Schiffsfahrrinnen der alten Festungsstadt Aigues-Mortes immer mehr versandeten, ließ der König einen Kanal bauen: Le Grau-du-Roi. An dessen Mündung zwischen dem Meer, den Marschsümpfen und Teichen siedelten im 19. Jahrhundert italienische Einwanderer und gründeten den gleichnamigen Ort. Lange war Fischerei der einzige Wirtschaftszweig dort. In den 1920er Jahren entdeckten die Begüterten von Nîmes Le Grau als Badeort und es entstand ein Viertel mit stattlichen Sommerresidenzen. Ernest Hemingway hat den Fischerhafen 1946 in seinem Roman The Garden of Eden verewigt. Der Tourismus wurde immer bedeutender; mit den üblichen Folgen. Ende der 1960er Jahre wurde ein neuer Yachthafen gebaut, daraus entstand der Stadtteil Port Camargue, mit über 4500 Liegeplätze der größte Freizeithafen Europas.
Wir kannten Le Grau-du-Roi von Zwischenstopps. Nur 2000 haben wir dort mehrere Tage verbracht, als es wegen irgendeines Raffineriestreik kein Diesel gab und wir festsaßen. Seitdem tanken wir meistens bei bzw. vor Ankunft in einem Ort. Kurz nachgerechnet, das war tatsächlich auch das letzte Mal dort. Ich hatte absichtlich nicht den üblichen Campingplatz gewählt, sondern einen etwas außerhalb dafür direkt am Strand: Camping L' Espiguette, ebenfalls eine riesige Anlage. Nachdem wir unseren Stellplatz bezogen haben, gehen wir zum Strand. Tja,....
Der Camping liegt zwar direkt daran, doch haben wir wohl überlesen, dass der Strand rund 800m breit ist. Also noch ein weiter Weg zum Meer ::)
Dort hinter den Bäumen fängt der Campingplatz an ^-^
Ausläufer von Port Camargue
Der Sand ist hier sehr fest, mit dem Rad käme man also bequemer ans Meer. Für Fußmärsche ist es uns aber zu weit, daher fahren wir am nächsten Tag doch mit dem Roller zu dem uns bekannten Plage Rive Gauche.
Die hübscheren Ansichten von le Grau-du-Roi muss man schon suchen ;) Dafür gibt es vieles von dem, was Touristen sonst so brauchen: Restaurants, Bars, Läden...
Erinnerung an Fischerzeiten, als Frau und Kinder Ausschau hielten.
Einfahrt zum Kanal
der mitten durch den Ort geht
eine der alten Sommervillen
In der vorherigen Woche hat wohl die Fête du Grau stattgefunden, da wird der französische Stierkampf, Course Camarguaise, gefeiert. Die Rhonegegend gehörte lange zur Grafschaft Barcelona, daher die Tradition. Anders als bei den spanischen Nachbarn wird der Stier jedoch nicht getötet. Offenbar gibt es auch einen Umzug oder ein Stiertreiben durch die Straßen. Wir sehen überall noch die Absperrgitter dazu.
Die rechte Kanalseite haben wir dann nicht mehr erkundet.
Die Etappe:
PS: Fast vergessen.... Hier am Rande des Marschlandes gab es leider recht viele Mücken :-( Spray sowie lange Hosen und Ärmel war schon Pflicht. Gut, dass es abends eh nicht mehr so warm war.
Christina:
An diesen riesigen Touristenorten dort am Mittelmeer würde ich auch nur mit ausreichend Abstand vorbeifahren und nicht im Sommer ;D. Aber in Grau-du-Roi hast du auf jeden Fall sehr hübsche Ecken gefunden. Schade, dass das Wasser so weit vom Campingplatz weg war, das hätte mich auch geärgert.
Die "Wunderschön" Sendungen sind meist irgendwo in den Mediatheken zu finden, entweder direkt beim WDR oder bei 3Sat oder sonstigen dritten Programmen, ich schaue inzwischen auch kaum noch "Live TV", sondern hauptsächlich Mediathek, aber wir haben noch ganz analog eine TV Zeitung, da schaue ich regelmässig rein, was wo läuft.
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