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September 2021: Languedoc & ein Schuss Provence

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Susan:
Der Tag des Ockers II

Der Ort Roussillon liegt auf einer Hügelkuppe zwischen Luberon und Monts Vaucluse. Der Ockerabbau dort ist nicht ganz neu, das taten schon die Römer im Dorf vicus russulus.  Aus dem Jahr 987 ist der Bau des Château de Roussillon dokumentiert, von dem gibt es aber keine Überreste. Die Église Saint Michel stammt aus dem 11. Jahrhundert und lag innerhalb der Mauern des befestigten Dorfs. Sie wurde mehrfach umgebaut. Vom Zentrum des Ockerabbaus, das Roussillon einst war, ist nur noch eine Farbenfabrik übrig geblieben. Dafür zählt es zu den Plus beaux villages de France und lebt hauptsächlich vom Tourismus.


Blick vom Parkplatz

Einige Häuser stehen buchstäblich am Ockerabgrund.



Übrigens gibt es noch eine Legende, warum die Erde hier so rot ist:

Im Château de Roussillon wohnte einst Graf Raymond d'Avignon mit seiner Frau Sermonde.  Der Graf interessierte sich jedoch nur für Pferde und die Jagd. So verliebte sich seine Frau in Guillaume, Sohn eines Grafens in den Alpen, der als Knappe auf der Burg lebte und Ritter lernen sollte. Als die Liebeslieder, die der Jüngling dichtete, zum Klatsch am Hofe führten, stellte ihn Graf Raymond zur Rede. Guillaume behauptete daraufhin, er liebe die Schwester Sermondes, was diese auch bestätigte um die Liebenden zu schützen. Das verstimmte jedoch die Gräfin, sie forderte von dem Knappen eine Ballade, die ihre Liebesgeschichte erzählte.  Um sie zu besänftigen ließ er sich darauf ein. Natürlich konnte Graf Raymond das nicht dulden und erstach den Jüngling während der Jagd. Er ließ dessen Herz in einer würzigen Soße zubereiten und seiner Gattin servieren. Dann verhöhnte er sie. Sermonde erwiderte, nach diesem köstlichen Mahl würde sie nie wieder etwas essen. Sie flüchtete aus der Burg und stürzte sich von den Klippen. Man sagt, ihr Blut hätte all die Erde der Gegend gefärbt und aus ihren Tränen speise sich die Quelle am Fuße des Hügels.

Wir bummeln durch den Ort. Hier wie in etlichen anderen Dörfern der Provence wird Ocker auch für die Häuserfassaden benutzt.

   

In Roussillon haben sich viele Kunsthandwerker angesiedelt, die provenzalische Keramik, Schmiedearbeiten und Kunstmalereien anbieten. Zudem gibt es natürlich Läden mit dem üblichen Touristenkram. Ich dachte, hier könnten wir vielleicht auch die Brotaufstriche von gestern bekommen. Gläschen in den Schaufenster sahen ähnlich genug aus. Doch es waren hier nur Farbpigmente für die (Hobby)Künstler.  ::)



Wir folgen den Wegweisern zum Belvédère.

   
Beffroi
das ehemalige Tor des befestigten Orts. Erst seit der Renovierung im 19. Jhd. beherbergt der Turm eine Kirchenglocke.


das Rathaus
um den Platz herum befinden sich Häuser aus dem 18. Jahrhundert



   
Église Saint Michel und Place de la Forge
Letzterer war vermutlich der Hof des ehemaligen Schlosses und schon haben wir den Aussichtspunkt erreicht


Blick nach Osten


und nach Norden
ganz hinten der Mont Ventoux

Hier ist Sackgasse, also gehen wir auf gleichen Weg zurück zum Rathausplatz.

   



Die Künster haben sich auch an den Gebäuden ausgetobt  ;)





Es gibt natürlich auch einige Restaurants in Roussillon, doch leider, leider keine Eisdiele (die so aussieht als ob ist leider geschlossen). Vielleicht haben wir beim nächsten Ziel mehr Glück. Trotzdem hat uns der Ort sehr gefallen.

Fortsetzung folgt ...



Susan:
Der Tag des Ockers III

Wir fahren ostwärts zum zweiten bedeutenden Ockerzentrum der Provence:
Le Colorado Provençal

Das hat jetzt wenig mit dem US-Staat oder dem Fluss dort zu tun  ;) Eher mit der spanischen Vokabel colorado für rot oder auch farbig.  (Okay, oft sieht der Colorado ja schlammig rot aus)

Wie in Roussillon gibt es hier Wanderwege durch den ehemaligen Ockerbruch und auch hier zwei unterschiedlich lange Rundkurse. Vom Parkplatz aus gehen wir eine Weile, bis wir zu den ersten bunten Felsen kommen.


Le Sahara
Okay, das erinnert uns eher an Utah als an Colorado  ;D





Und hier gibt es mehr weiß als in Roussillon

   

Von dort aus wählen wir den längeren, orange gekennzeichneten Weg. Der führt zu einem Belvédère hinauf: da wo auf dem Bild oben die Leute zu erspähen sind.



Positiv an dem Weg ist zu vermerken, dass er recht schattig ist und wir ein paar rot-bunte Felsen zu sehen bekommen. Weniger schön ist, dass er teilweise recht steinig ist und daher für mich momentan kein Vergnügen  :P









Eine kleine Abwechslung bietet die neben dem Weg üppig blühende Heide (oder ähnliches Kraut).





Schließlich erreichen wir den besagten Aussichtspunkt und blicken auf ....




Le Sahara
 ::)
Wir suchen uns ein Plätzchen im Schatten für ein Apfel-Picknick.

Danach kürzen wir die orangene Route ab und verzichten auf den Schlenker zum Aussichtspunkt zur "weißen Wüste". Der Weg bergab bleibt steinig und stufig,was mir einiges abverlangt.
 :girly:
Wir erhaschen noch Blicke auf die so genannten "Feen-Kamine"









Nach dem Faltblatt, das wir am Eingang bekommen haben, hatte ich erwartet auf der orangenen Route die Falaises (Klippen) zu sehen zu bekommen. Wir sind aber oberhalb gewesen, vielleicht wäre da die kürzere, blaue Route besser gewesen. Laut unserem Reiseführer, der allerdings 13 Jahre auf dem Buckel hat, klang es nach mehr Wegmöglichkeiten in dem Gebiet, insbesondere bei den Cheminées de fées. Ob sich das geändert hat? Vielleicht hätte ich auch nur Christinas Reisebericht gründlicher lesen sollen  :floet: Die Gehzeit war mit 1 h 45 angegeben, wir haben trotz Abkürzung ungefähr so lang gebraucht.

Nun haben wir uns eine Erfrischung verdient! Es gibt zwar eine Art Cafe vor Ort, enttäuschend aber das Angebot für Eis - nur eins am Stiel. ::) Naja, besser als nix: wie lautete nochmal die Werbung?  "Mein Magnum und ich"  ;)

Wir verzichten auf einen Besuch des dazu gehörigen Ortes Rustrel und halten nur noch kurz in St. Saturnin um Eier für Omelette zu kaufen. Danach heißt es: Füße hochlegen  ;D

Die Ockergebiete waren jetzt kleiner als ich erwartet hätte, trotzdem war das ein lohnenswerter Ausflug!

Die Route

Ilona:
WOW, die Redrocks, orangefarbenen oder weißen Steine können durchaus mithalten :beifall:. Ich bin restlos begeistert!

Ich gehe mal davon aus, dass in der Zeit kein Fahrzeug aufgebrochen wurde.

Vielen lieben Dank, Susan, dass ihr uns das Gebiet gezeigt habt. Darüber gelesen hatte ich schon, doch so schön bebildert noch nicht gesehen.



Silvia:
 :happy:   Herrlich!!  Diese Ockergegend war mir bisher völlig unbekannt - vielen Dank für's Zeigen .... ich seh schon, in Frankreich gibt es wirklich viel zu entdecken, wann da nur diese Sprache nicht wäre  :o  ..ja, nein, bitte, danke ... diese Wörter gehen noch, danach ist Schluß  ::)

Susan:
Danke für die Blumen, ihr Lieben  ;D  Ich teil sie mir mit Christina, die hier auch schon mal Bilder von der Gegend gezeigt hat.

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