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Heiß und kalt – Island Juni 2021

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Heike Heimo:
03.06.2021   Vulkanwanderung

Bevor es so weit war, musste Heike noch den PCR Test durchführen. Dafür hat sie einen Bar-Code am Mittwochabend erhalten. Sie soll um 9 Uhr in Reykjavik sein. Etwas vor der Zeit waren wir da. Das war auch gut so, da kurz darauf viele Leute zur Testung kamen. Das Ergebnis soll nach Mittag per SMS kommen.

Zurück fuhren wir über die 42 und Krysuvik. Eine der schönsten Strecken auf der Reykjavik-Halbinsel. Das Wetter hielt noch. Es war zur „Überraschung“ Regen angesagt. Wir haben uns Zeit gelassen und machten ein paar Stopps am Kleifavaten.



Vorbei an Krysuvik, wir durften ja nicht aussteigen, da Heike noch in Quarantäne war, ging es zur 427 der Küstenstraße nach Grindavik. Die Straße führte an den Parkplätzen des Vulkans, mit Sicht ins Nátthaga Tal, in dem die Lava schon zu sehen ist, vorbei. Wir nutzen das gleich zur Erkundung für den geplanten Besuch am Nachmittag.

Als wir wieder zurück bei der Unterkunft waren, bewahrheitete sich der Wetterbericht und es begann zu regnen.
Gegen 14 Uhr kam die gute Nachricht, dass der PCR Test negativ ist. Ein bisschen ein ungutes Gefühl war natürlich vorher vorhanden. Leider regnete es noch immer. Aber am Regenradar war zu sehen, dass sich gegen 16 Uhr eine Niederschlagspause von mehreren Stunden ergeben sollte.

Um 16 Uhr regnete es zwar noch leicht, wir fuhren aber trotzdem die 10 Minuten zum Parkplatz. Als ich über die Parkapp die Parkgebühr bezahlt hatte und wir das Auto verließen, hat der Regen pünktlich aufgehört.



Wir waren voll adjustiert. Lange Unterhose, Wanderhose und Regenhose. Unterleibchen, T-Shirt, Pullover, Weste, Jacke und Regenjacke. Die Haube am Kopf ist so wie so klar. Das sollte sich später bezahlt machen. Es hatte 6°C und der Wind blies in Sturmstärke.

Wir nahmen den Weg A. Die Wolken fetzten über uns hinweg, als wir nach gut 20 Minuten den ersten Anstieg erreichten. Oben gab es einen schönen Ausblick auf die Ebene vor dem Parkplatz.



Weiter geht es dem Hang entlang hinauf. Dieser Weg wird in wenigen Tagen anders aussehen.





Bald haben wir einen Punkt erreicht, von dem in das Nátthaga Tal gesehen werden kann. Auch dieser Anblick wird bald anders aussehen. Dazu mehr in rund 10 Tagen.



Nach knapp 45 Minuten erreichten wir die erste Lavazunge und in der Ferne war schon die letzte Ausbruchstelle zusehen, die noch aktiv war. Der Kegel war überraschend hoch. Auf den Webcams wirkte er kleiner. Der Krater ist beim schwarzen Pfeil.



Ein erstes Glühen war an der Spitze des Lavafeldes auch schon zu sehen.



Kurze Erklärung zum Ausbruch:
Auf der Reykjavik-Halbinsel begannen Wochen vor dem Ausbruch Schwarmbeben. Es wurde daher vermutet, dass es nach rund 900 Jahren im Krýsuvík-Trölladyngja Vulkansystems wieder zu einem Ausbruch kommen könnte. Die Spalteneruption begann am 19.03.2021. In den folgenden Wochen öffneten sich auf einer Linie von ca. 500m weiter Spalten, die zu kleinen Kratern wurden. Der Ausbruch war für die Isländer ein Volksfest. Vor der Haustüre von Reykjavik und relativ leicht zu erreichen. Die Aktivität und der Gasausstoß sind für isländische Verhältnisse gering. So konnten die Menschen direkt zum Ausbruch. Die Aktivität ändert sich laufend. Am spektakulärsten war sie Anfang Mai. Als bis zu 400m hohe Lavafontänen alle 8 Minuten für 2 Minuten gegen den damals noch finsteren Nachthimmel stoben. Sie waren bis Reykjavik zu sehen. Mit der Zeit erloschen die Krater, bis auf einen. Die Ausgestoßene Lavamenge blieb meist konstant knapp über 10 cbm/Sekunde. Die meiste Lava fließ in Tunnel ab und kann so weite Strecken zurücklegen. Das sind keine großen Mengen. Der Vulkan Bárðarbunga beim Vatnajökul hat 2014 – 2015 einen Ausstoß von 180 cbm/Sekunde produziert.

Momentan ist der Ausbruch zur Ruhe gekommen. Es wurde, wie es aussieht, nichts mit der Geburt eines neuen Schiltvulkans nach fast 10.000 Jahren Erdgeschichte. Diese Ausbrüche sind gemütlich (effusiv) und können Jahre dauern, aber auch morgen vorbei sein. Der Schiltvulkan Kīlauea auf Hawaii ist schon mehrere 100.000 Jahren aktiv.

Mehr im nächsten Teil mit vielen Bildern und Videos

Silvia:

--- Zitat von: Heike Heimo am 13. November 2021, 17:32:44 ---..
Weiter geht es dem Hang entlang hinauf. Dieser Weg wird in wenigen Tagen anders aussehen.
....
Bald haben wir einen Punkt erreicht, von dem in das Nátthaga Tal gesehen werden kann. Auch dieser Anblick wird bald anders aussehen. Dazu mehr in rund 10 Tagen.
...
Mehr im nächsten Teil mit vielen Bildern und Videos

--- Ende Zitat ---
Du machst es spannend ....   :happy:   ... immer her mit den Bildern und Videos  :sabber: 

Heike Heimo:
03.06.2021   Vulkanwanderung Teil 2

Schon von hier aus waren nach wenigen Minuten erste Aktivitäten zu sehen.







Beachtet die Wolken, mit welcher Geschwindigkeit sie ziehen. So könnt ihr erahnen, wie heftig der Sturm war. Auch die unruhige Kameraführung ist darauf zurückzuführen. Die Videos sind alle in Echtzeit, kein Zeitraffer.



Ansonsten war es auf dem Lavafeld eher ruhig. Ein paar Stellen leuchteten.



Das Lavafeld war noch mehrere Höhenmeter von einer Senke über der sie in Richtung Parkplatz und Grindavik fließen würde. Bei einer anderen Senke Richtung Nátthaga Tal entfernt. Es schien nicht, dass es hier bald zu Problemen kommen könnte.

Wir gingen weiter den Anstieg zum Aussichtspunkt hinauf. Der Sturm pfiff hier heroben so stark, dass ein normales Gehen fast nicht möglich war. Es konnte einem gleich ein paar Schritte zur Seite drücken. Das war nicht ungefährlich. Die Flanken sind recht steil. Ein unachtsamer Moment und man kullert runter zum Lavafeld.

Vom Aussichtspunkt hatten wir schon einen guten Blick auf den Kegel. Der gesperrte Aussichtsberg war etwas im Weg. Wir beobachteten ein paar Ausbrüche.









Gleichzeitig schielten wir auf den Hügel vor uns. Der Zugang ist zwar gesperrt, wir sahen aber immer wieder Leute den Hügel hinaufgehen. Was sollten wir tun?



Wir entschlossen einmal hinunter zur „Absperrung“ zu gehen. Sie bestand nur mehr aus losen Fetzen, die im Wind flatterten. Unten angekommen, sah es nicht so aus, als ob in den nächsten Stunden sich hier etwas tun würde. Alles war ruhig, keine Lava zu sehen.



Ach was, so eine Chance kommt nie mehr wieder und wir warteten, mit all den Mühen, schon Monate auf diesen Moment. Im Fall der Fälle würde der Hubschrauber nicht billig sein, aber das Risiko gingen wir ein. Essen und Getränke hatten wir mit.

Der Sturm trug uns förmlich den steilen Hang hinauf. Vorne im Bereich mit der besten Sicht waren abgeduckt am Felshang 20- 30 Leute. Oberhalb befanden sich Landemarkierungen für die Hubschrauber. Sie bringen, wenn das Wetter passt, zahlungskräftige Touristen hier her. Wir suchten uns einen guten Platz. Der Schlot lag noch ruhig vor uns.







Bald blieb uns aber der Mund offen vor Staunen, was sich unmittelbar vor uns abspielte. In Worten nicht zu beschreiben, wenn der Ausbruch los geht und einem die Hitze entgegenschlägt.















Da strahlt das Herz







Nach jedem Ausbruch glühten die Wände im inneren des Kraters nach. Manchmal stürzten große Flächen von der Wand ins Innere.



Wir blieben Ausbruch um Ausbruch. Jeder schien schöner als der andere zu sein. Ein unglaubliches Erlebnis. Der Schlot ist schön im Rhythmus. Nach 8 -10 Minuten Pause ist er 2 Minuten aktiv.

Zwei Videos, auf denen Dynamik und die Kraft eines Ausbruches so richtig zur Geltung kommt.
Das erste Video zeigt den gesamten Ausbruch und nach ca. einer Minute ist mein Fuß zu sehen, als mich der Sturm einfach so im Sitzen umwehte. Akrobatisch konnte ich das Handy noch auf den Vulkan halten und im Liegen weiter filmen.



Im zweiten Video ist der Hauptteil einer Eruption zu sehen. Mit höheren Fontänen und stärkerer Dynamik.



Würde es klar sein, wäre dass der Blick auf Reykjavik. Das Meer kann bei genauer Betrachtung erkannt werden.



Und noch eine Fotoserie, weil es so schön ist.









Trotz unserer Kleidung, die Temperatur war so um 4°C, wurde uns nach mehr als 2 Stunden langsam kalt. Wir machten uns auf den Rückweg. Noch ein letzter Blick.



Wir kämpften gegen den Sturm an, der uns jetzt entgegen blies. Bei der Sperre angekommen, war immer noch alles ruhig. Mir kam nur vor, dass es seitlich zu dampfen begonnen hatte.

Zurück gingen wir Mal entlang des Lavafeldes auf der anderen Seite, am Fuß des offiziellen Aussichtspunktes.





Die Ausgasung des Feldes war deutlich zu riechen. Bald erreichten wir die Schutzdämme. Sie waren vor Wochen errichtet worden, um das Abließen der Lava ins Nátthaga Tal und in weitere Folge auf die Verbindungsstrasse zu verhindern.



Der östliche wurde bald von der Lava überwunden. Sie floss dann in einem spektakulären Lavafall fast 100 Höhenmeter ins Nátthaga Tal. Dort breitet sie sich nun sehr langsam aus.



Zurück geht es wieder auf dem gleichen Weg zum Parkplatz. Gegen Mitternacht waren wir mit vielen Bildern im Kopf wieder in unserer Unterkunft in Grindavik.

Susan:
Die Wanderung klingt sehr anstrengend, aber sie hat sich ja gelohnt  :happy:
Die Bilder sind der Hammer!  :herz:
Das muss selbst aus der Ferne beeindruckend gewesen sein.

Ich weiß nicht, ob ich mich auf den abgesperrten Hügel getraut hätte. Vor allem, wenn man sieht, wie schnell die Lava fliesst

Christina:
Wow, das war ja ein Wahnsinnserlebnis. Dafür beneide ich euch auf jeden Fall, auch wenn Sturm und Temperatur das ganze drumherum eher unangenehm gemacht haben. Ob ich mich auf den abgesperrten Hügel getraut hätte, keine Ahnung, wahrscheinlich eher nicht, aber die Sicht von dort war dann doch um ein vielfaches besser als von eurem ersten Aussichtspunkt.

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