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Island 2021 - Die Reise zum Mittelpunkt der Erde
Horst:
--- Zitat von: Christina am 07. Februar 2022, 18:51:38 ---In Island muss man sich scheinbar keine Gedanken darüber machen, dass Wasserfälle im Sommer/Herbst ausgetrocknet sein könnten, das verhindert der regelmässige Nachschub nehme ich an?
--- Ende Zitat ---
Es gibt schon saisonale Unterschiede - vor allem bezüglich der Schneeschmelze im Frühsommer aber ausgetrocknete Wasserfälle gibt es in Island nicht - die bekommen das ganze Jahr über ihr Wasser. ;)
Horst:
10.Tag, Mi, 18.8.2021
Heute morgen verlassen wir die Region Egilsstadir und den Nordosten und fahren zurück in den Süden. Hier oben im Nordosten rund um den Lagerflotsee ...
... gibt es für Islandverhältnisse viele kleine Wäldchen. Bemerkenswert in einem Land in dem man sonst Bäume suchen muss.
Was macht ein Isländer, wenn er sich im Wald verläuft? Er stellt sich einfach hin.
Diesen isländischen Witz versteht nur, wer die Wälder auf der Insel kennt: Die wenigen, die es gibt, sind meist so jung und so klein, dass ein Erwachsener sie leicht überblicken kann.
Bevor die Wikinger Ende des neunten Jahrhunderts das damals unbewohnte Island eroberten, war das Land zu einem Viertel bewaldet. Innerhalb eines Jahrhunderts holzten die Siedler 97 Prozent der heimischen Birken ab, um Holz zum Bauen und Platz für Weiden zu haben. Davon hat sich der Wald bis heute nicht erholt.
Das harsche Klima und die aktiven Vulkane, die den Boden immer wieder mit Lava und Asche bedecken, machen die Aufforstung schwierig. Island ist das am geringsten bewaldete Land Europas. Nur 0,5 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt. Keine Vegetation schützt den Boden vor Erosion, er kann kein Wasser halten. Wüste breitet sich aus. Im ganzen Land gibt es inzwischen Baumschulen, um neue Wälder anlegen zu können. Seit 2015 wurden mehr als drei Millionen Bäume in Island gepflanzt. Drei Monate bleiben die Pflänzchen im warmen Gewächshaus bevor sie im Freien weiter wachsen. Die Klima-Erwärmung scheint zudem das Wachstum in Island zu beschleunigen.
Zunächst folgen wir kurz der „1“ um dann auf die ungeteerte aber gut befahrbare 939 – die „Öxi“ nach Süden abzubiegen, die unsere Fahrstrecke gegenüber der Ringstraße um 67 Kilometer abkürzt und dafür schöne Landschaftseindrücke hinzufügt.
"Streckenposten" an der 939
Noch scheint die Sonne und mit dem Folaldafoss gibt es einen tollen Wasserfall dazu.
Beim Berufjördur stoßen wir wieder auf die Ringstraße.
Im Hafen von Djupivogur heißt es Vorsicht Kunst. 34 eiförmige Steine repräsentieren die 34 Vogelarten der Region.
Kunst und Kreativität hat in Island einen besonders hohen Stellenwert – was an den langen dunklen Wintermonaten liegen kann, die Zeit und Ruhe für solche Betätingungsfelder liefert. Viele bekannte Autoren kommen aus Island weshalb die Isländer selbst über sich sagen:
„Die eine Hälfte der Bewohner liest, die andere Hälfte schreibt“. Das sagt schon viel über die Kreativität eines Volkes. Und sinngemäß gilt das auch für die Musik und die Kunst. Die Finanzkrise von 2008 hat Island wahrlich hart getroffen. Aber das Konzerthaus Harpa am Hafen Reykjavíks wurde fertig gebaut, trotzdem das Projekt auf Eis gelegt werden sollte. So wurde dieses architektonische Highlight der Hauptstadt in gewisser Weise zu einem Symbol für den Überlebenswillen des Landes. Auch die Verkaufszahlen von Büchern gingen nicht zurück, ganz im Gegenteil. Bei allen Einschnitten, die die Krise mit sich brachte, wurde anders als in anderen Krisenländern Europas der Kulturhaushalt nicht gekürzt. Und aus der Kultur kamen wichtige Impulse für einen „Neustart“ des Landes.
Manche "Kunst" auch hier in Djupivogur ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Vorbei an den Schwänen am Hamarsfjördur geht es weiter nach Süden.
An der Küste bei den grünen Klippen von Blabjörg am Alftarfjördur legen wir eine Kunstpause ein und improvisieren ein Picknick im Auto, da uns der Wind außen etwas zu kalt ist.
Weiter nach Süden entlang der „1“, der Ringstraße erreichen wir irgendwann wieder das Eystrahorn bei Hvalnes, das sich heute noch mehr im Nebel versteckt als auf der Fahrt nach Norden. Überhaupt wird das Wetter immer ungemütlicher.
Den Pferden die wir immer wieder entlang der Straße stehen sehen scheint das nichts auszumachen.
Wir brauchen da schon Unterstützung um Geist und Körper aufzuwärmen und finden Erste Hilfe Im Viking Cafe bei Stokksness.
Die coffeinhaltige Erwärmung tat Not, denn das Wetter hat sich leider endgültig auf H2O in allen Variationen entschieden.
Weitesgehend erleben wir Nieselregen, auch an der Eislagune Jökulsarlon, was uns nur einen kurzen Stopp beschert.
Am Diamond Beach
Bei Dverghammrar (ein paar Kilometer nördlich von Kirkubaerklaustur) haben wir Glück und erwischen ein Regenloch.
Wir bewundern die Basaltsäulen fast direkt an der Straße, die hier eine kleine Basalt-Burg ...
... sogar mit Blick auf den Foss a Sidu ermöglichen.
Die Entstehung von Basaltsäulen setzt eine verzögerte Auskühlung der Basaltlava voraus. Beim Erstarren der Lava erfolgt ein Volumenschwund der zur Bildung von Spannungsrissen führt. Erst bildet sich an der Oberfläche, die am schnellsten auskühlt, ein Netz polygonaler Spannungsrisse. Bei zunehmender Auskühlung wachsen die Spannungsrisse weiter nach unten und führen zu der typischen Basaltsäulen-Bildung.
Danach legen wir die letzten Kilometer vorbei an Kirkjubaerklaustür bis zum tollen Snaebyli Cottage zurück.
Übernachtung:
Snaebyli Cottage, (8 km nördlich der Ringstraße an der 209/F210) – 146 € sauber, neu, alles da was man braucht, ein Hauch von Luxus – bestes Zimmer der Reise
Preis/Leistung: 10/von 10
Christina:
Ich hatte schon in einer Doku mal gesehen, dass Island ursprünglich ziemlich bewaldet war, das kann man irgendwie kaum glauben, da die jetztige Landschaft so urtümlich wirkt, als ob da nie ein Mensch etwas dran gemacht hätte. Verständlich und sinnvoll, dass wieder aufgeforstet werden soll, aber so aus touristische Sicht (ohne dass ich je dort war) könnte ich mir vorstellen, dass das die Landschaft weniger faszinierend macht, da würde dann die Weite fehlen und das was Island von anderen skandinavischen Ländern unterscheidet.
Heike Heimo:
Die Wolken geben der großartigen Landschaft wieder ein ganz anderes Gesicht.
Das Häuschen schaut einladend aus.
Silv:
--- Zitat von: Horst am 08. Februar 2022, 16:58:31 ---
--- Ende Zitat ---
Das ist allerdings gewöhnungsbedürftig... Ich finde es schon etwas gruselig.
Vielen Dank für die Infos zum Wald. Ich finde die Landschaft auf Island wirklich klasse, aber etwas Wald fehlt mir dann doch...
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