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Island 2021 - Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

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Horst:
1.Tag, Mo, 9.8.2021


Die Anreise nach Island läuft zum Glück unspektakulär. Gespannt sind wir wie letztes Jahr was uns am Flughafen in Island (genauer gesagt in Keflavik) erwartet.
In gut 30 Jahren Fliegerei habe ich schon viel erlebt – heute gibt es mal wieder etwas Neues und leider nichts Gutes.



Die Gepäckhalle mutiert zum Touristengefängnis. Hier stauen sich Unmengen von Urlaubern die eigentlich nur raus aus dem Airport wollen aber nicht dürfen. Der kleine Flughafen ist diesem Massenansturm von vielen gleichzeitig ankommenden Passagieren nicht gewachsen deren Covid-19 Status vor Verlassen des Airports kontrolliert wird. Dieses Nadelöhr sorgt dafür das sich um die Gepäckbänder herum Szenen abspielen wie man sie noch nicht erlebt hat – dicht gedrängt, noch dazu mit ihren Koffern warten die Leute darauf alle paar Minuten mal einen Meter nach vorne zu kommen. Das Ganze ist völlig unkoordiniert und man denkt sich was wäre jetzt, wenn etwas passiert (Loveparade) bzw. daran, wie streng Island mit seinen Besuchern bei der Einreise verfährt und dann hier dem größten denkbaren Ansteckungsrisiko aussetzt. Man sieht – die Pandemie führt Organisationen und Regierungen überall an ihre Grenzen und Fähigkeiten – nicht nur in Deutschland.
Irgendwann dürfen wir dem Gedränge entkommen – allerdings nur um bei unserem Mietwagenvermieter wieder in der nächsten Schlange zu stehen.





Nach einer Stunde sind wir endlich vorne und dürfen unseren Schlüssel für einen Dacia Duster Geländewagen in Empfang nehmen.
Dacia Duster? Kenner werden hier die Nase rümpfen. Normalerweise ich auch  ;) .
Während wir letztes Jahr für einen Grand Vitara Allrad (den ich jederzeit wieder nehmen würde) für fast den gleichen Zeitraum 1200 € für 2 Wochen bezahlt haben – ist es in diesem Sommer der fehlenden Autos 1750 € für eben diesen Duster. Preise höherwertigerer Fahrzeuge habe ich ja schon angedeutet – die sind außerhalb unserer Schmerzgrenze. Es ist zu hoffen, dass sich das 2022 wieder normalisiert und Autos besorgt werden, wenn der Markt dafür da ist.

Die Fahrt zu unserer Unterkunft in Grindavik – einem verschlafenen Nest an der Südküste der Halbinsel Reykjanes dauert kaum 30 Minuten. Es ist 19 Uhr Ortszeit (Island ist zwei Stunden hinter der deutschen Zeit) – und die Live Webcam auf youtube von einem gewissen Geldingdalur liefert die nötige Voraussetzung.
Also – dann gibt es heute noch einen "Tanz auf dem Vulkan".
Island – das Land aus Feuer und Eis wurde von jeher von Vulkanen geprägt und ihre landschaftsverändernden Ausbrüche die über die Jahrhunderte oft viele Menschenleben kosteten prägen das Bild dieser Insel im hohen Norden.
Praktisch flughafennah und erst seit einigen Wochen aktiv ist der Vulkan am Fagradalsfjall im Geldingadalur Tal.
Sein Lavaflow hat sich in diesen Wochen schon einige Male verändert. Auch dachte man schon er wäre nach tagelanger Pause zur Ruhe gekommen. Auch jetzt macht er immer wieder mal ein paar Tage Pause aber heute – da spuckt er und dazu ist es trocken und fast windstill. Also beste Voraussetzungen.




Von Grindavik ist man in 15 Minuten am Ausgangspunk für den Weg zum Vulkan.
Inzwischen gibt es mehrere kostenpflichtige Parkplätze von denen man loswandern kann.
Einsam ist man dabei nicht. Jetzt abends bereits gegen 20 Uhr sind hier viele Leute unterwegs und die Parkplätze sind voll. Klar, die Show gibt’s halt nicht jeden Tag mit Durchführungsgarantie.




Schon auf dem Weg kann man Lava aus älteren Ausbrüchen aus dem Frühjahr bewundern und der Weg führt zunächst eben einige Minuten weg von der Küste nach Norden.





Dann geht es einen steilen Geröllhügel hinauf.
Die Turnschuhfraktion wird hier vor allem auf dem Rückweg ihre Mühe haben.




Oben angekommen kann man den Vulkan sehen ...





... und manches mehr.






Aber es geht noch besser. Ein weiter Aufstieg auf einen Hügel nach Norden führt hinauf wo die Webcam befestigt ist.





Von hier kann man das Spektakel besonders gut bewundern.





Fließende Lava zu sehen ist ein tolles Erlebnis. Dafür hat sich der Aufstieg der gut 1 Stunde One Way kostet absolut gelohnt.





Noch was zum Vulkan am Geldingdalur:
Ein Vulkanausbruch auf Island ereignet sich alle paar Jahre mal wieder und ist an sich nicht ungewöhnlich. Das ist jetzt auch kein Wunder, auf Island befinden sich etwa 31 aktive Vulkane, wobei für Geologen jeder Vulkan als aktiv gilt, der innerhalb der letzten 10.000 Jahre ausgebrochen ist. Einige Vulkane sind alle 20 Jahre mal dran – so dass eine latente Ausbruchsgefahr besteht.
Ein Vulkanausbruch, der jedoch für jedermann zugänglich ist und das fast ohne große Gefahr, ist hingegen etwas Besonderes. Lange hatte sich der Ausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel angedeutet. Immer wieder traten Erdbeben auf und Bewegung der Magma konnte durch die Geologen vor Ort festgestellt werden. Am 19. März wurden niederfrequente Erdbeben registriert, die möglicherweise durch Magma verursacht wurden und tatsächlich öffnete sich an diesem Tag eine Spalte in der Nähe des Fagradalsfjall im Geldingadalur.
Dabei war das Geschehen Veränderungen unterworfen – die Ausbrüche verlagerten sich örtlich und auch die Rhythmen der Aktivität waren zunehmend wechselhaft mit zum Teil größeren Pausen dazwischen.
Anfang Juni 2021 wurde eine weitere Erhebung, die ursprünglich namenlos war, aber nach Entstehung des Kraters 5 umgangssprachlich als Gónhóll („Glotzhügel“) bezeichnet wurde, vollständig von Lava eingeschlossen. Von ihm hatte man bis dahin noch die beste Sicht auf den aktiven Krater.
Seit Mitte Juni 2021 fließt die Lava direkt aus dem südlichen Geldingadalir in das Tal Nátthagi und machte damit einen weiteren Fußweg (Wanderweg A) in die Nähe des Kraters unpassierbar.
Dennoch waren die isländischen Behörden bemüht darum, den Zugang für Besucher offen zu lassen und alternative Wanderwege wurden eingerichtet. Die Ausbruchstelle war zuvor übrigens kein aktiver Krater, sondern hat sich erst durch die Ausbruchstelle selbst gebildet.
Der zur Zeit interessanteste Weg ist Wanderweg C auf den Langihryggur, von dem aus man direkt auf den Krater blicken kann. Der Weg auf den knapp 300 Meter hohen Gipfel ist allerdings recht anstrengend, da eine sehr steile Passage überwunden werden muss. Auch das isländische Wetter und die vulkanischen Gase (Schwefeldioxid) sind nicht zu unterschätzen.
>Hier noch die aktuelle Wanderkarte<




Auf dem Rückweg (es ist inzwischen 22 Uhr) gibt es noch schöne Lichtmomente der untergehenden Sonne.



Es geht wieder den Geröllhügel hinab und man sieht schon von weitem ein Sanitätsfahrzeug stehen. Ein Tourist (vielleicht mit Turnschuhen?) ist wohl umgeknickt und hat sich so schwer verletzt, dass man ihn mit Hilfe von Sanitätern behandeln und abtransportieren muss. Schon auf dem Hinweg waren mir viele Leute aufgefallen die sich den Knöchel verstaucht hatten.
Der Parkplatz ist noch proppenvoll und das um diese Uhrzeit, klar der Vulkan ist die absolute Attraktion in 2021 in Island.

Zum heutigen Thema ein passendes Video einer meiner Lieblingsbands natürlich aus Island – Arstidir:




Ab morgen, wenn die Reise so richtig beginnt wird sich zeigen, dass Island weit mehr als diesen Vulkan zu bieten hat.


Ein Wort zu den Übernachtungen:
Im Sommer (Juli/August) ziehen die schon hohen Preise noch einmal an und in diesem Sommer mit dem aktiven „Touristenvulkan“ natürlich noch mehr.
Die Angabe bei den Preisen ist pro komplettes Zimmer, pro Nacht und die Bewertungen sind Islandstyle – also ein Vergleich wie man es in Island erleben kann und weniger mit dem Standard von anderen Ländern.


Übernachtung:
Reykjanes Guesthouse, Grindavik – 157 € - sehr groß (50qm) mit kleiner Küche – insgesamt zweckmäßig und schlicht eingerichtet
Preis/Leistung: 7/von 10

Heike Heimo:
Endlich geht es mit deinem Bericht los. Ich bin schon sehr gespannt. Wir haben doch einiges von deiner Reise im Sommer 2020 übernommen.

Von den überfüllten Hallen bei der Ankunft hatten wir schon vor unserer Abreise gehört und gelesen. Das sich hier bis August nichts geändert hat ist verwunderlich. Bei den Fahrzeugen war bei uns die längste Wartezeit, bis Mann vom Ruheraum beim Schalter war ;D.

Ansonsten geht es ja schon feurig los. Sehr schön, dass ihr ein Zeitfenster erwischt habt, in dem der Vulkan aktiv war. Ein Betreiber einer Vulkan Facebook Seite hat während seinen gesamten Aufenthalt die Ruhephase vor euch erwischt.

Horst:

--- Zitat von: Heike Heimo am 22. Januar 2022, 18:50:59 ---Endlich geht es mit deinem Bericht los. Ich bin schon sehr gespannt. Wir haben doch einiges von deiner Reise im Sommer 2020 übernommen.
--- Ende Zitat ---
Vielleicht gibt es auch dieses mal ein paar Anregungen für Euch - denn außer dem Vulkanbesuch haben wir bis auf ein kleines Ziel völlig unterschiedliche Orte besucht (was auch viel über die Vielfallt Islands sagt). :)


--- Zitat von: Heike Heimo am 22. Januar 2022, 18:50:59 ---Von den überfüllten Hallen bei der Ankunft hatten wir schon vor unserer Abreise gehört und gelesen. Das sich hier bis August nichts geändert hat ist verwunderlich.
--- Ende Zitat ---
Ja das hat mich doch erschreckt. Der Flughafen ist einfach zu klein für zu viele Leute gleichzeitig, die dann zu langsam rausgelotst werden.



--- Zitat von: Heike Heimo am 22. Januar 2022, 18:50:59 ---Ansonsten geht es ja schon feurig los. Sehr schön, dass ihr ein Zeitfenster erwischt habt, in dem der Vulkan aktiv war. Ein Betreiber einer Vulkan Facebook Seite hat während seinen gesamten Aufenthalt die Ruhephase vor euch erwischt.

--- Ende Zitat ---
Ich hatte das natürlich über den Sommer verfolgt - und mich als absoluter Vulkanfan und Lavagroupie  ;) natürlich sehr gefreut, dass es tatsächlich geklappt hat.

Speziell für Euch ist am nächsten Tag eine interessante Location dabei.  ;)

Silvia:
Island da bin ich natürlich dabei   :adieu:   ... wenn auch z.Zt. meist als stiller Mitleser

Horst:
2.Tag, Di, 9.8.2021


Das Wetter scheint heute gut zu werden – aber der Vulkan hat seine Tätigkeit mal wieder eingestellt – gut dass der Besuch gestern Abend gleich stattfinden konnte. Wir verlassen Grindavik und fahren auf der 427 nach Osten und der 1 der „Ringstraße“ ein kurzes Stück nach Süden bis Hveragerdi. Die 1341 km lange Ringstrasse die rund um die Insel führt ist die Lebensader der Vulkaninsel. Fast alle wichtigen Städte liegen an ihr und seit 2019 ist sie vollständig asphaltiert. In Hveragherdi entfernen wir uns nur eine handvoll Kilometer von der Ringstraße zum Wanderparkplatz Reykjadalur. Im Rucksack haben wir neben den üblichen Verdächtigen auch Badeklamotten dabei.
Die Sonne strahlt, es ist Windstill – was leider einige Mücken auf den Plan ruft. Die Islandmücke sticht zwar in der Regel nicht aber sie kann gewaltig auf den Nerv gehen wenn sie in Nase und Ohren fliegt und einem ums Gesicht schwirrt.



Der Weg führt nach einer Brücke an einigen heißen Quellen vorbei.
Wasserdampf wird eines der prägenden Elemente dieser Wanderung sein.





Es geht stetig bergauf, insgesamt 350 Höhenmeter.





Die Wanderung führt ins Reich des Hengill – ein Gebirgsmassiv und Vulkansystem bestehend aus drei aktiven Zentralvulkanen.








Nachdem die Höhe erreicht ist blicken wir in ein von Dampf erfülltes Tal, das Reykjadalur, ...







...durch den sich ein zunehmend warmer Fluß schlängelt.






Nach insgesamt 1,5 Stunden erreichen wir eine Badestelle, die heute bei dem Traumwetter natürlich gut besucht ist.





Die Wassertemperatur ist unterschiedlich, teilweise 40°C was schon etwas sehr warm ist – man findet aber auch kältere Stellen die knapp über 30°C liegen.





Nach der Badestelle führt der Weg noch tiefer hinein ins Heißquellengebiet ...






... und so finden sich Felsen im Wasser die von Bakterien in grün, gelb und rot eingefärbt wurden und weitere dampfende Quellen und Fumarolen.

















Zurück am Parkplatz folgen wir der Ringstraße bis Hvölsvöllur gehen Pizza essen und fahren dann mit Blick auf den Eyjafjallajökull ( den Störenfried des weltweiten Flugverkehrs 2010) weiter entlang der Südküste.











Unser Weg führt nach Vik i Myrdal kurz Vik – mit seinen 300 Einwohnern eines der bekanntesten und beliebtesten Orte Islands. Die Beliebtheit liegt weniger an einem gelungenen Ortsbild sondern mehr an der tollen Umgebung, die neben den grünen Bergen die Gletscher des Myrdalsjökull, Papageitaucher und den berühmten schwarzen Strand mit dem Wahrzeichen Vik’s den im Meer stehenden Felsspitzen, den Reynisdrangar anbietet (nicht im Bild - kommt aber noch...).




Der imposante Hausberg Vik’s, der Reynisfjall mit seinen 340 Höhenmeter darf in der Aufzählung nicht fehlen, nicht nur deswegen weil er unser nächstes Ziel ist.
Also nach den 350 Höhenmetern vom Vormittag kommt jetzt fast das Gleiche noch mal dazu. So schraubt sich der Weg in Serpentienen hoch zum Plateau des Berges.
Die 30 min Aufstieg klingen kurz, haben es aber ordentlich in sich.





Der Weg vor zur Klippe des Berges ist in weiteren 30 Minuten erledigt. Hier blicken wir auch auf die Reynisdrangar - die berühmten sagenumwobenen Felsen im Meer bei Vik i Myrdal.





Natürlich hoffen wir neben einem schönen Blick auf die Umgebung auch auf Papageitaucher und werden für unsere Mühen belohnt.





In Reih und Glied stehen die Lundis wie man sie hier nennt im Abendwind am Rand der Klippe an ihren Bruthöhlen.





Papageitaucher leben die meiste Zeit des Jahres auf dem Meer.





Nur wenn sie im Mai Nachwuchs bekommen, gehen sie an die Küste zu ihren Bruthöhlen, an die Plätze wo es Sandaale, die bevorzugte Beute der kleinen Lundis, gibt.
















Für uns ist das ein würdiger Abschluß eines tollen Tages, der einen Eindruck von der Vielfalt isländischer Natur bietet.



Übernachtung:
Hotel Dyrholeay, Dyrholaey (nahe Vik I Myrdal) – 144 € , sauber, groß, hell mit Frühstücksbuffet, sehr gute Lage – Empfehlenswert wenn man keine Küche braucht

Preis/Leistung: 8/von 10

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