Allgemeines > Reiseberichte
Wolkenspiegelungen, Schäfchenwolken und dramatischer Himmel - Finnland im Juni 2024
Christina:
7. Tag – Montag, 10.06.
Wegen der Geräusche an meinem Auto fahre ich heute schon um kurz nach 8 Uhr nach Pithipudas, den nächsten größeren Ort. Während der Fahrt bremse ich mehrmals stark (ist dank der leeren Straßen kein Problem), das hat Peter mir beim Telefonat gestern Abend empfohlen, da das Auto so neu ist, könne es sein, dass sich ein Belag auf den Bremsen befindet, der die Geräusche verursacht und durch starkes Bremsen abgerieben wird. Und tatsächlich, das Geräusch ist weg! Da bin ich natürlich sehr froh darüber und hoffe, dass es auch nicht wiederkommt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedenfalls sinnlos bei Hertz anzurufen oder in eine Werkstatt zu fahren.
Ich fahre daher gleich weiter in Richtung meines eigentlichen Tagesziel, dem Pyhä-Häkki Nationalpark. Während der Fahrt wird aus dem bisherigen Sonnenschein Regenwetter. Es regnet so stark, dass ich in einem Ort auf einen Parkplatz neben einer Tankstelle fahre, da man beim Fahren kaum noch was sieht. Außerdem ist eine Wanderung solange es so regnet eh nicht möglich, daher habe ich es nicht eilig anzukommen. Als der Regen nachlässt, fahre ich weiter. Auch heute gibt das Navi eine viel längere Fahrtdauer an als Google. Ich bin aber bei der Fahrt gestern beim beschilderten Abzweig zum Nationalpark vorbeigekommen und habe mir die Strecke gestern Abend bei Google angeschaut, weiß also wie ich fahren muss. Und wie ich es vermutet habe, will das Navi den beschilderten Abzweig nicht nehmen und versucht mich über viele Kilometer zum Umdrehen zu bewegen, weil ich natürlich trotzdem abbiege. Ja, die Straße ist unbefestigt und extrem schlecht mit viel Waschbrett und Schlaglöchern, aber so etwas hat das Navi ja noch nie interessiert. Irgendwann scheint ein Umdrehen wohl nicht mehr sinnvoll oder möglich und die restliche Fahrzeit im Navi wird von 1 h auf zehn Minuten verkürzt.
Als ich auf den (einzigen) Parkplatz des Nationalparks fahre, hört es auf zu regnen und ein paar blaue Stellen zeigen sich am Himmel – perfektes Timing. Auf dem Parkplatz stehen zwei Wohnmobile, eines davon aus Deutschland.
Gegen halb elf bin ich abmarschbereit, ich möchte versuchen, den 6,5 km langen Kotajärven Polku zu wandern. Die Luft ist kühl und klar und ich kann die Wanderung heute richtig genießen, der Weg ist viel einfacher zu gehen als (der erste) gestern, es gibt nur wenige Wurzeln oder Steine.
Der Pyhä-Häkki Nationalpark ist hauptsächlich zum Schutz uralter Fichtenwälder eingerichtete worden, ich komme an zwei besonders großen Fichten vorbei: dem „Neuen Großen Baum“, der seit 1641 hier steht und eine Höhe von 24,5 m hat und am „Alten Großen Baum“, von 1518, der 2004 abgestorben ist, aber noch steht mit einer Höhe von 26 m.
Ein Teil des Wegs führt auf einem Holzbohlenweg durch ein kleines Moor, eine größere Steigung wird mit einer Treppe überwunden, immer wieder sind von Moosen und Flechten bedeckte Steine zu sehen.
Gegen 12 Uhr mache ich auf einer Bank eine kurze Mittagspause mit meinen Brötchen und wenig später erreiche ich das Ufer des Kotajärvi.
Hier überholt mich ein deutsches Paar (vermutlich aus dem Womo am Parkplatz), das den Weg entweder schon mal gegangen ist oder sich nicht für die Landschaft interessiert, ohne jegliche Fotos oder Pausen zum Betrachten, wandern sie am See entlang, am Rastplatz mit Feuerstelle, Feuerholz und Unterstand nutzt der Mann die Toiletten, die Frau geht kurz auf den Steg am See, dann gehen beide weiter, der Mann hat sich den See nicht mal angeschaut, sehr merkwürdig. Aber umso besser für mich, denn ich habe nun den Steg mit Sitzbänken ganz für mich alleine und kann den Anblick des idyllischen Sees, in dem sich die Wolken spiegeln ganz in Ruhe genießen. Und das tue ich ausgiebig bis nach einer dreiviertel Stunde zwei ältere finnische Wanderer eintreffen, die wohl die Feuerstelle nutzen wollen, einer der Männer fängt an, das bereitliegende Holz zu zerkleinern.
Nun breche ich auf und nehme das letzte Stück der Wanderung unter die Füße. Auf einem wunderbar ebenen Weg geht es durch den frühlingsgrünen Wald und vorbei an einem kleinen Flüsschen. Schließlich kommt nochmal ein Stück Moor mit Holzbohlenweg und gegen 14 Uhr erreiche ich mit den ersten Regentropfen mein Auto.
Für die Rückfahrt wähle ich die lange Variante des Navis, ich habe genug Zeit und keine Lust nochmal die Schotterstraße zu fahren.
Gegen 15.30 Uhr mache ich eine Kaffeepause mit Kaffee und einem Puddingteilchen (EUR 7,00) an einer schön an einem See gelegenen Raststätte im Ort Viitasaari.
Um 17 Uhr bin ich zurück in der Unterkunft.
Wetter: 9.00 bis 10.30 Uhr und ab 14.00 Uhr teils kräftige Schauer, teils sonnig, dazwischen trocken und sonnig mit einigen Wolken, ca. 9° - 17°C
Wanderung: Wanderung im Pyhä-Häkki Nationalpark 6,2 km
Susan:
Schön, wenn sich Probleme von (fast) allein Lösen 8) Womöglich länger in 'ner Autowerkstatt rum zu sitzen, muss ja im Urlaub nicht sein. Und dann hast du genau die Schauerpause für die Wanderung ausnutzen können.
Der alte Fichtenwald wirkt schön mystisch, so als ob gleich die Mumins und Snorks vorbei kämen ;D An dem See könnte ich es auch eine Weile aushalten; gucken und Sonne genießen.
Paula:
die Spiegelungen der Wolken im See sind wieder wunderbar, ist mir auch völlig unerklärlich wie man da ohne einen Blick hinzuwerfen weitergehen kann :gruebel: manche Leute sind echt komisch...
was ich auffallend finde ist die Anordnung der Bäume, die wirken auf mich wie geradlinig gepflanzt, ist das wirklich ein Urwald/natürlicher Wald? Ein paar andere Baumarten als Fichten müßte es eigentlich auch noch geben oder?
Christina:
--- Zitat von: Paula am 15. November 2024, 08:38:55 ---was ich auffallend finde ist die Anordnung der Bäume, die wirken auf mich wie geradlinig gepflanzt, ist das wirklich ein Urwald/natürlicher Wald? Ein paar andere Baumarten als Fichten müßte es eigentlich auch noch geben oder?
--- Ende Zitat ---
Soweit ich weiß, ist das natürlicher Wald, der durch den Nationalpark Status vor dem Abholzen geschützt wird. Es gibt auch häufig Birken, die aber eher an den Waldrändern, sonst sind es ja immer Fichten in Finnland oder mehr an der Küste auch oft Kiefern, vermutlich wächst so weit nördlich nichts anderes.
So, noch im Reiseführer nachgeschaut, der sagt zum Thema Pflanzenwelt, dass sie aus klimatischen Gründen nicht so artenreich ist wie weiter südlich, sondern ziemlich identisch mit der in Nordnorwegen, Nordschweden und Sibirien. 75% der Landesfläche Finnlands ist mit Wald bedeckt, je nach Bodenart sind das fast ausschließlich Kiefer, Fichte und Birke, nur ganz im Süden des Landes gibt es weitere Laubbaumarten. Fünf Sechstel der ursprünglichen Waldgebiete sind bis heute erhalten.
Christina:
8. Tag – Dienstag, 11.06.
Die Auswahl des Tagesziels heute ist nicht ganz einfach, die Kombination aus einigermaßen gutem Wetter und der Möglichkeit einen einfachen Trail gehen zu können, existiert nicht so wirklich. Ich entscheide mich schließlich nach Süden zu fahren, mit der Kirche von Petäjävesi bei Jyväskylä habe ich vom letzten Jahr noch eine Rechnung offen und nicht weit von der Stadt ist der Leivonmäki Nationalpark mit einigen passenden Wandermöglichkeiten.
Um 8.30 Uhr fahre ich los, die Fahrt zieht sich ziemlich, vor allem das letzte Stück ab dem Beginn von Jyväskylä bis zur Kirche dauert viel länger, als ich das eingeschätzt hatte, das ist nicht mehr der eigentlich angedachte kurze Umweg zum Hauptziel Leivonmäki Nationalpark.
Einen Toilettenstopp mache ich kurz vor der Stadt und erreiche die Kirche dann gegen 11 Uhr. Letztes Jahr konnte ich die zum UNESCO Weltkulturerbe gehörende Holzkirche aus dem 18. Jh. nur von außen anschauen, da ich auf dem Weg nach Jyväskylä lange vor der Öffnungszeit dort vorbeikam.
Jetzt habe ich aber wieder eine blöde Zeit erwischt, die Kirche ist zwar offen, es stehen aber tatsächlich gleich zwei Reisebusse davor und die Kirche ist völlig überfüllt. Der eine Bus kommt aus den Niederlanden, der andere aus Finnland, die Finnen sind wohl eine Gruppe Altenheimbewohner, von denen keiner ohne Rollator oder Stock gehen kann und dementsprechend alle Hilfe brauchen, die verschiedenen Türschwellen und Unebenheiten, die es in der alten Kirche reichlich gibt, zu überwinden.
Die Kirche kostet Eintritt (EUR 9,00) und man bekommt einen Flyer (auch auf Deutsch) mit allen wichtigen Informationen, es ist aber auch noch ein Guide tätig, der regelmäßig Führungen macht. So eine Führung hat gerade begonnen, alle aus den Reisebussen setzen sich auf die Kirchenbänke und der Guide steht in der Mitte und erzählt erst auf Finnisch dann auf English genau das, was im Flyer steht (das stelle ich aber erst später fest). Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich auch dazuzusetzen. Und das Ganze dauert, es ist eiskalt in der Kirche und es schwirren einige Mücken herum und jedes Mal, wenn die Erzählerin fragt, ob es noch Fragen gibt, meldet sich jemand von den finnischen Senioren mit äußerst ausführlichen Fragen.
Ich bin schon am Überlegen, wie lange ich das noch aushalten werde, da machen sowohl der holländische Reiseleiter als auch der finnische der ganzen Sache ein schnelles Ende. Die geplante Aufenthaltszeit für diesen Besichtigungspunkt ist wohl abgelaufen und da ist es egal, dass die Führung noch nicht zu Ende ist, der Guide ist ziemlich verblüfft und ich finde es ein bisschen unverschämt, die engagierte und freundliche Dame einfach so zu unterbrechen, bin aber sehr froh, dass ich kurz darauf in einer leeren Kirche stehe und mir endlich alles in Ruhe anschauen kann.
Und das ist sehr interessant, es weicht deutlich ab von dem was man in den meisten anderen (auch finnischen) Kirchen sieht. Decken, Wände, der Boden und die Sitzbänke sind aus rohen Holzbalken mit ein paar wenigen Verzierungen, die Bilder zeigen das Heilige Abendmahl und Martin Luther. Die geschnitzten Figuren an der Kanzel stellen Jesus, die Evangelisten und Engel dar und als „Träger“ der Kanzel den Heiligen Christopherus. Es gibt eine zweite Kanzel, der Kantorenstuhl, dort stand der Vorsänger, es gibt nämlich keine Orgel oder sonstige Instrumente, die einzige Musik waren die Gesänge der Gemeindemitglieder, die vom lautesten Sänger auf der Kanzel geleitet wurden.
Den Friedhof im Außenbereich der Kirche habe ich mir letztes Jahr schon angeschaut, daher gehe ich nach der Innenbesichtigung zurück zum Auto. Fast eine Stunde hat das Ganze nun gedauert, gedacht hatte ich an 15 Minuten.
Mittagessen wollte ich aus meinen Vorräten eigentlich im Leivonmäki Nationalpark, da es nun aber schon Mittag ist und ich bei der Anfahrt nur ein paar Hundert Meter vom Parkplatz entfernt an einer Raststätte mit Restaurant vorbeigekommen bin, entscheide ich mich, dorthin zum Mittagessen zu fahren.
Die Idee hatten leider auch noch viele andere, insbesondere die finnische Seniorenreisegruppe, die mit mir in der Kirche war. Nun gut, jetzt muss ich mich eben nochmal geduldig anstellen, denn auch hier gibt es das übliche finnische All-you-can-eat Lunchbuffet (EUR 12,90).
Erst gegen 13 Uhr kann ich weiterfahren und erreiche den Nationalpark gegen 14.30 Uhr, auch diese Fahrt hat sich gezogen, die Stadt und den See an dem sie liegt musste ich umrunden, zusammen mit vielen anderen Autofahrern.
Immerhin kann ich mich nun bei Sonnenschein auf den Weg machen. Ich spaziere vom Parkplatz zu einem See, wo ich auf einer Bank ein Weilchen die Sonne genieße.
Weil ich die doch recht lange Heimfahrt vor mir habe und mein Bein nach der gestrigen „längeren“ Wanderung etwas schmerzt, kann ich leider keinen der längeren, sicherlich sehr schönen Trails des Nationalparks gehen. Nach der Pause gehe ich daher zurück zum Auto und fahre gegen zwanzig nach drei Uhr wieder los.
In Pihtipudas tanke ich und gehe in den Supermarkt, nach weiteren zwanzig Kilometern bin ich gegen 18.15 Uhr zurück am Campingplatz.
Mit diesem Tag bin nicht so ganz zufrieden, die Fahrt bzw. der „Abstecher“ zur Kirche hat viel länger gedauert als geplant und die Fahrzeit insgesamt war viel zu lang. Aber ich freue mich, nun die die Kirche von Petäjävesi von innen gesehen zu haben. Außerdem hat die Ruhezeit meinem Bein gut getan.
Wetter: wechselnd bewölkt, immer wieder Schauer, ab 14 Uhr trockener und sonniger, ca. 11° - 18°C
Wanderung: Spaziergang im Leivonmäki Nationalpark, 3 km
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln