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Wild America - eine besondere Reise nach Alaska und in den Yukon

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Horst:
Hallo Susan,

auch an Dich ein Willkommen im "wilden Amerika".  :D

Auf Temperaturen und Wetter ist man doch schnell eingestellt.
Es geht ja auch nicht darum dort zu leben sondern um eine Erlebnisreise und da muss man das Wetter halt nehmen wie es kommt - auch das ist Teil des Erlebnisses.  ;)




--- Zitat von: Susan am 08. August 2013, 19:24:16 ---Jetzt bin ich auf weitere Erlebnisse und Eindrücke gespannt.

--- Ende Zitat ---
Die kommen bald - sind schon in Arbeit ....  ;)

Horst:
8.Tag, Samstag 3.9.2011

Um 6 Uhr beginnt heute für uns der Tag. Bevor wir auschecken werden noch schnell per Internet mit unserer neuen Netbook-Geheimwaffe die Übernachtungen am Denali NP reserviert die wir in 2 Tagen benötigen.

Auf dem Glenn Highway fahren wir etwa eine Stunde nach Osten bis nach Glennallen – dem Kreuzungspunkt mit dem Richardson Highway.
Glennallen ist eine Art Oase in der Pampa. Na ja, nicht ganz so wie man sich vielleicht eine Oase im Märchen vorstellt.
Einige heruntergekommene Hütten, ein paar kleine Versorgungsgebäude, ein Supermarkt und ein Cafe-Diner und natürlich die zwei Tankstellen - das war's.
Vor allem die große Tanke an der Kreuzung ist so etwas wie die Lebensader von Glennallen. Dort stehen immer Schlangen vor dem Klo (vielleicht auch weil von den zwei stillen Örtchen immer nur eines funktioniert), der Kaffee ist fast so teuer wie der Sprit dafür aber mies und im Shop gibt’s nicht wirklich viel über das man nicht die Stirn runzeln könnte. Trotzdem steppt dort der Bär, die Busse halten alle hier und viele rollen mit dem letzten Tröpfchen Sprit vor.

 



Im Caribou Cafe (dem einzigen noch geöffneten Restaurant des Ortes) gönnen wir uns mal typisch amerikanisch Eier mit (ich) und ohne Speck (Petra) und tanken nochmal voll, schließlich geht es heute auf die erste lange Dirtroad.
Um 10 Uhr lassen wir Glennallen hinter uns und fahren ein Stück auf dem Richardson und dann auf dem Edgerton Highway, zur berühmt berüchtigten McCarthy Road die uns zum ersten Mal so richtig in Alaskas einsame Regionen führt.




Bis Chitina wo der Edgerton Highway endet ist die Straße noch geteert, dann folgen 60 Meilen Dirtroad - die berühmt berüchtigte McCarthy Road, die erste wirkliche Bewährungsprobe für unser Auto.
Natürlich ist das Befahren solcher Dirtroads nicht im Einklang mit den Vorgaben des Versicherungspakets – sprich – wir fahren auf eigenes Risiko – wenn uns hier ein Schaden passiert tragen wir ihn selbst.

Während die ersten 20 Meilen recht gut zu fahren sind, folgt dann ein heftiges Schlaglochfestival und die Straße gleicht einem Emmentaler. Irgendein Loch trifft man immer, wenn auch zumindest kaum Steine auf der Straße zu finden sind.





Highlights der Strecke sind ein paar schöne Blicke in die Flußlandschaft zu Beginn, ...






... ein Fuchs der über die Piste huscht und einige tolle Brücken.






Besonders spektakulär führt die 160 m lange Kuskulana Bridge in einer Höhe von 117 Metern über den Fluß. Die Brücke war früher die größte Herausforderung auf der McCarthy Road, da es keine Leitplanken (!) und viele Lücken (!!) im Holzbodenbelag der Brücke gab. So eine Überquerung dürfte relativ spooky gewesen sein.

 




Die Überreste einer Bahnbrücke.
Viele Meilen führt die Straße (die man übrigens einfach auf den alten Bahngleisen errichtet hat ) durch dichten Wald – was wenig Abwechslung für den Fahrer bietet, abgesehen von den Versuchen die tiefsten Schlaglöcher zu vermeiden.






Immerhin fährt man hier durch einen kleinen Teil des Wrangell-St.Elias Nationalparks – mit gut 53.000 Quadratkilometern der größte Nationalpark der Vereinigten Staaten von Amerika (also sechsmal größer als der Yellowstone).
9 der 16 höchsten Berge der Vereinigten Staaten liegen im Wrangell-St.-Elias-Schutzgebiet – also ein Park der absoluten Superlative.





Kurz nach Mittag erreichen wir den kostenpflichtigen Parkplatz (5$ pro Tag) am Kennicott River der das Ende für die motorisierten Besucher kurz vor McCarthy darstellt.
Den letzten Kilometer über die Fußgängerbrücke in den Ort gehen wir so gut und schnell es mit den schweren Taschen geht (in die wir das Nötigste für die Nacht gepackt haben) zu Fuß in den 40-Seelen-Ort, der im Winter gar nicht per Auto zu erreichen ist.





McCarthy

 

 
Wir checken kurz für unser Zimmer in der Backpackers Lodge ein – lassen das Gepäck in der Lobby des Ma Johnsons Hotels zurück welches auch das Backpackers mitverwaltet und schaffen es gerade noch, den Shuttle nach Kennicott zu erreichen. Alternativ kann man natürlich auch nach Kennicott laufen – aber 5 Meilen oneway auf öder Strecke durch den Wald muss ja nicht sein.






Slowly but surely knattert der Shuttle-Truck zur alten Kupfermine nach Kennicott. Wir hören unterwegs auch eine üble Story.
Am 1. März 1983 erschoß ein durchgeknallter Bewohner McCarthy's 6 der damals 12 Einwohner als sie am Flugplatz ihre Post vom Postflugzeug abholen wollten. Anschließend hatte er ursprünglich vor den Piloten umzubringen und mit dessen Flugzeug einen Anschlag auf die Alaska Pipeline zu verüben. Stattdessen wurde er gefasst und zu 634 Jahren Haft verurteilt. Es dauert also noch 606 Jahre bis er wieder freikommt...
Das Ganze ging als das McCarthy Massaker in die Geschichte ein.





Wir erreichen die Mine und sehen uns kurz im Visitor Center um, das in 2 Tagen zusammen mit der Mine für diese Saison schließen wird.
Das ist das einzige Manko an unserem etwas späten Reisetermin – manche Sehenswürdigkeiten machen Anfang bis Mitte September zu.
Das war auch für uns der Grund Kennicott und gestern die Independence Mine in das erste Drittel der Tour zu legen.
Im Visitor Center können wir einen großen Brocken Kupfer bewundern – denn darum ging es in Kennicott. Kennicott, das bekannteste Fleckchen des Wrangell-St.Elias Nationalparks, war damals die reichste Kupfermine der Welt.





Im August 1900 entdeckten die Prospektoren Jack Smith und Clarence Warner eine Kupferader in der Nähe des späteren Stadtgebiets und gründeten die Bergbaugesellschaft Chitina Mining and Exploration Company. Die Kennecott Copper Corporation (das „e" in Kennecott war damals ein Schreibfehler) begann im Jahr 1908 mit dem Bau der Mine, die im Jahr 1911 in Betrieb genommen wurde und rasch zahlreiche Arbeiter anlockte. Im Jahr 1938 wurde die Mine stillgelegt. Nach der Stilllegung des Kupferabbaus und Einstellung des Bahnverkehrs wurde McCarthy zur Geisterstadt.
Erst in den 1970er Jahren, als die Region um Kennicott touristisch erschlossen wurde, siedelten sich wieder Menschen an.



Kennicott ist sicher eines der reizvollsten Relikte amerikanischer Geschichte die man im gesamten Land finden kann!

























































Mit dem Shuttle fahren wir am frühen Abend wieder nach McCarthy zurück und trauen unseren Augen kaum.
Im Mini-Örtchen herrscht Volksfeststimmung – die Leute strömen in den Ort.




Heute ist der Samstag des Labor Day Wochenendes und im Saloon wird abends gegen 22 Uhr eine große Party zum Saisonausklang gefeiert, natürlich mit Live-Musik und unser Zimmer, das wir in der „einsamen Wildnis" gebucht haben liegt gleich nebendran. Na ja, es kommt eben oft anders als man denkt.





Wir holen unser abgespecktes Gepäck aus Ma Johnson's Hotel ...




... und erleben in unserem Backpacker "Hotel" die nächste Überraschung.
Der Weg zu unserem Zimmer (rechts hinten die Eingangstür - daneben die Instrumente der Band).





Der Verschlag den wir als Zimmer in der Backpackers Lodge bekommen, wäre manchem Hund als Hundehütte zu klein.
Außer einem Bett, einem Nachtkästchen und einer Steckdose ist der Raum auch völlig kahl – was wiederum kein Wunder ist – mehr würde man in das winzige Zimmer auch gar nicht reinbekommen.
Selbstredend muss man sich das Bad mit den anderen Bewohnern teilen und das alles für fast 100 $ !
Die Alternativen – das Ma Johnson's und das Hotel in Kennicott wären aber noch einmal empfindlich teurer gewesen.
Nun ja – für eine Nacht wird’s schon gehen.

 



Wir drehen noch eine Runde mit unseren Kameras durch das alte McCarthy  und beschließen den Tag mit einem frischen Bier vom Faß auf der Veranda des Saloons.









Vor unserer Besenkammer probt die Band „The Big Dang Theory" sämtliche Songs des Abends auf ihren Akustik-Gitarren. Wir kommen so also in den Genuß des kompletten Konzerts und das hört sich richtig gut an.
Wenn wir aufs Klo müssen oder Wasser für unseren Wasserkocher benötigen legen wir das auf ein Songende, denn dann muss die Band die auf dem Sofa vor unserer Tür gruppiert ist, eine kleine Pause einlegen weil sonst unsere Tür nicht aufgeht. Ein kleines Platzproblem.  8)
Vom Hotelmanager erfahren wir, daß die Band nun im 22.Jahr in Folge am Labor Day Wochenende hier spielt – das nennt man Kontinuität.
So schlimm wie befürchtet wird’s dann mit der Lautstärke auch nicht und wir können doch halbwegs gut schlafen.

 

 

Übernachtung: Backpackers Lodge, McCarthy

Preis:  98 $ (mit Steuer)

Kommentar: Der Preis ist trotz der einsamen Lage für das gebotene eigentlich eine Frechheit. Die Alternative wäre für uns Nicht-Zelt/-Camper noch einiges mehr an Geld auszugeben oder am Abend noch auf der McCarthy Road teilweise im Dunkeln zurückzufahren – auch nicht wirklich prickelnd

 

 

Bild des Tages:


Mine in Kennicott

Ilona:

--- Zitat von: Horst am 08. August 2013, 23:46:52 ---Um 10 Uhr lassen wir Glennallen hinter uns und fahren ein Stück auf dem Richardson und dann auf dem Edgerton Highway, zur berühmt berüchtigten McCarthy Road die uns zum ersten Mal so richtig in Alaskas einsame Regionen führt.

--- Ende Zitat ---

Da hätte ich kein Problem, einen "selbstverursachten Schaden"  ;) zu übernehmen, doch ziemlich Angst, ob da irgendwann jemand zu Hilfe kommt  :floet:.


--- Zitat von: Horst am 08. August 2013, 23:46:52 ---Kennicott ist sicher eines der reizvollsten Relikte amerikanischer Geschichte die man im gesamten Land finden kann!




--- Ende Zitat ---

Super :beifall:, doch so langsam zerfällt die schöne Pracht  :(.


--- Zitat von: Horst am 08. August 2013, 23:46:52 ---Der Verschlag den wir als Zimmer in der Backpackers Lodge bekommen, wäre manchem Hund als Hundehütte zu klein.
.... und beschließen den Tag mit einem frischen Bier vom Faß auf der Veranda des Saloons.
--- Ende Zitat ---

Ich glaube, da müsste ich mich betrinken :totlach:, um überhaupt ein Auge zumachen zu können.

Andrea:
Also da schlafe ich lieber im Zelt! Heiko und ich hätten da gar nicht zusammen reingepasst, in eure Besenkammer  ;D Trotzdem gefällt mir der Ort sehr gut, so dass ich wohl eine Alaska-Campingreise machen müsste. Die "Hotel"preise sind mir definitiv zu hoch für das Gebotene...  :o

soenke:
Hallo,
der  Matanuska Gletscher: ohne Worte..............................
einfach nur phantastisch und galaktisch!! :D

Sehr interessant eure Besichtigungen, was die Vergangenheit einstiger Goldgräberstädte und Kuperminen angeht.
Da fühlt man sich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Hättet ihr intensiver geschaut, hättet ihr vielleicht auch Gold gefunden. ;)


--- Zitat ---Heute ist der Samstag des Labor Day Wochenendes und im Saloon wird abends gegen 22 Uhr eine große Party zum Saisonausklang gefeiert, natürlich mit Live-Musik und unser Zimmer, das wir in der „einsamen Wildnis" gebucht haben liegt gleich nebendran.
--- Ende Zitat ---

Okay, einsame Wildnis in ner Besenkammer ist jetzt nicht der Hammer.
Aber dafür konntet ihr auf der Party mit jedem Einwohner (gibt ja sooo viele >:D) einzeln anstoßen, ohne betrunken zu werden.
Wer kann das schon von sich behaupten. :))
Ich in Hamburg wäre danach wohl auf jahrzehnte hinaus in Wankelstimmung! ;)

Freue mich auf mehr. Ich habe übrigens dann doch lieber mit Andrea das Zelt geteilt! ;)

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