Autor Thema: Das andere Holland - Rotterdam April 2026  (Gelesen 381 mal)

Christina

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Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« am: 23. Juli 2026, 17:42:00 »
Damit ich noch vor meinem Finnland Urlaub im September fertig werde und als Kontrast zur roten Wüste und viel Natur bei Horst starte ich mal meinen Bericht über meine Rotterdam Reise. Wie immer erstmal mit dem bilderlosen Vorwort:


Ende 2025 war für 2026 die Algarve Reise im Januar / Februar und der Finnland Urlaub im September schon gebucht, beides Flugreisen mit Mietauto vor Ort, da fehlte nun noch etwas „Kleines“ zwischendrin. Schon länger war ich nicht mehr mit der Bahn verreist, daher stand das Transportmittel schnell fest.

Als Ziel wäre eine weitere Nordseeinsel mal wieder schön gewesen, aber da fand sich keine passende Zugverbindung, alle, die in einem Tag von zu Hause zu erreichen sind, habe ich wohl inzwischen schon gesehen, da muss ich zukünftig mal eine An- /Abreise mit Zwischenübernachtungen planen, das war mir für diese Reise zu aufwändig.

Ein Blick auf die Europa Karte bei Google Maps hat mich auf die Idee einer Städtereise in die Niederlande gebracht. Zweimal war ich schon in Holland, 2017 und 2019, Zeeland und Noord-Holland, beides als Autoreise mit vielen Kleinstädten und viel Küste. Da wäre eine reine Städtereise mit der Bahn doch mal eine Abwechslung.

Städte gibt es in Holland einige, Den Haag hatte ich schon länger im Hinterkopf, aber bei der Suche nach einer guten Bahnverbindung bin ich dann auf Rotterdam gestoßen und die moderne Architektur dort hat mich sofort angesprochen.

Eine Woche sollte der Urlaub dauern, ob das für Rotterdam zu viel ist, konnte ich nicht einschätzen, aber die Niederlande sind ja ein kleines Land mit guten Bahnverbindungen, da sind eine ganze Reihe von Tagesausflügen von Rotterdam aus möglich.

Als Reisezeit habe ich Ende April gewählt, eigentlich nicht mittig genug zwischen Februar und September, aber mit den Feiertagen im Mai und den danach schon beginnenden Sommerferien war das noch der einzige Zeitraum an dem ich Hoffnung auf eine noch nicht ganz volle Stadt hatte.

Dummerweise fiel mir erst nach der Buchung der Bahnfahrt auf, dass am 27.04. Königstag, ein Feiertag in den Niederlanden ist, gebucht war vom 21. - 28.04., hoffentlich werde ich den dann stattfindenden Feiern gut ausweichen können.

Gesehen hatte ich vor der Buchung, dass der Euromast (ein Aussichtsturm, von dem man über die ganze Stadt und das Umland blicken kann und für mich als Aussichtsliebhaberin ein Muss) gerade wegen Renovierung geschlossen war, die Neueröffnung war für Anfang des zweiten Quartals 2026 angekündigt– da waren also sogar noch ein paar Wochen Puffer für den Fall einer verspäteten Öffnung. Ab Mitte April habe ich dann immer mal wieder auf der Homepage bzw. Google Maps nachgeschaut – der Euromast war und blieb geschlossen. Och nee, wie ärgerlich. Ich habe dann nach möglichen Alternativen gesucht, mal sehen, wie zufrieden ich damit sein würde.




LG Christina

Horst

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #1 am: 24. Juli 2026, 10:05:16 »
Außer Amsterdam habe ich von Holland noch nichts gesehen und mit Rotterdam habe ich mich noch gar nicht beschäftigt.
Bin also mal gespannt wie die Stadt so aussieht. :)

Ilona

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #2 am: 24. Juli 2026, 14:15:29 »
Bin auch wieder mit an Bord  :adieu: und der Königstag soll eigentlich ganz interessant sein. Rotterdam bzw. fast die ganze Niederlande sind zudem Neuland für mich.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #3 am: 24. Juli 2026, 18:30:26 »
Hallo Horst und Ilona, schön, dass ihr dabei seid, ich starte gleich mit dem Anreisetag.

1. Tag – Dienstag, 21.04. - 1. Teil

Den Anreisetag kann ich entspannt angehen. Mein Zug fährt um 7.20 Uhr vom Bahnhof nur 3 Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt und ich habe eine Stunde Aufenthalt an meinem Umsteigebahnhof Frankfurt Flughafen, da werde ich den ICE, der mich bis fast nach Rotterdam bringen wird, auch bei Verspätung der Regionalbahn  ;) gut erreichen.

Diesen Puffer kann ich tatsächlich gut gebrauchen, der Zug fährt schon mit 10 Minuten Verspätung bei mir ab und im Laufe der Fahrt verlängert sich die Verspätung auf 25 Minuten, immer wieder bremsen uns vorausfahrende und kreuzende Züge aus.

In Frankfurt bleibt dann trotzdem noch genug Zeit damit ich mich bei einem Bäcker mit Proviant für die Fahrt versorgen, die Toilette nutzen und den recht weiten Weg zwischen Regional- und Fernbahnhof zurücklegen kann.

Der ICE mit Endziel Amsterdam verlässt Frankfurt dann pünktlich um viertel vor zehn. Die Fahrt ist sehr angenehm, der Zug ist ziemlich leer und ich habe ohne Reservierung einen 2er Sitz die gesamte Fahrt für mich allein.

Bei den Stopps in Siegburg/Bonn und Köln ist der ICE weiterhin pünktlich, kurz vor dem letzten Halt in Deutschland, Mönchengladbach, kommen wir aber wieder ins Stocken, natürlich wieder ein vorausfahrender Zug, der im Weg ist. Aus der Bummelei werden schließlich 20 Minuten Verspätung. Aber auch das ist kein Problem für mich, am zweiten holländischen Halt nach s’-Hertogenbosch, Utrecht muss ich umsteigen in den IC nach Rotterdam. Den ursprünglich vorgesehenen Zug erreiche ich nicht mehr, aber die Züge zwischen Utrecht und Rotterdam verkehren im 10 – 20 Minuten Takt.

Der Blick aus dem Fenster bei diesem Fahrtabschnitt vermittelt bei herrlichem Sonnenschein all die schönen Hollandklischees mit grünen Acker- und Wiesenflächen, jede einzelne umgeben von einem Entwässerungskanal, auf dem Wasservögel schwimmen, viele Kühe, viele Radwege und Radfahrer, eine Windmühle, und eine Autofähre, die einen etwas größeren Kanal überwindet.

Zwischenstopp ist in Gouda, das wäre ein möglicher Tagesausflug von Rotterdam, mal sehen, ob ich Zeit dafür finden werde.

14.45 Uhr erreiche ich schließlich Rotterdam Centraal. Hier erwartet mich noch eine kleine Herausforderung, in den Niederlanden sind alle Bahnhöfe nur für Ticketinhaber oder mittels Nutzung der contactless Kredit- oder Debitkarte, die dann auch als Fahrkarte dient, nutzbar. Das heißt, um einen Bahnhof zu betreten muss eine Schranke mit einem der genannten Mittel geöffnet werden und beim Verlassen wieder. Ich habe ja mein deutsches Bahnticket, das einen QR Code hat und diesen können nur einige wenige Schranken lesen. Scheinbar nutze ich die falsche oder es liegt daran, dass ich mein ausgedrucktes Papierticket nutze und nicht das Ticket auf meinem Handy, sie will sich jedenfalls nicht öffnen, aber dann kommt auch schon ein sehr hilfsbereiter Holländer vorbei und öffnet die Schranke für mich mit seiner Karte.

Wenige Meter weiter ist die nächste Schranke, die den Zugang zur Metro kontrolliert. Hier nutze ich problemlos meine Kreditkarte und fahre mit der Linie E / D bis zur Haltestelle Wilhelminaplein. Am Ausgang dort muss dann wieder mit der Kreditkarte ausgecheckt werden.

Nur fünf Minuten sind es zu Fuß von der Metrohaltestelle zum Hotel „Room Mate Bruno“, wo ich passend zur Eincheckzeit um 15 Uhr ankomme. Ich habe nur eine Person vor mir und das Einchecken verläuft schnell und problemlos (erwähne ich nur, weil es in einigen der Bewertungen anders beschrieben wurde).

Zunächst hatte ich ein anderes Hotel gebucht, dort hatte ich ein Zimmer mit Küchenzeile, also eigentlich genau das, was ich mag, aber halt ein recht „normales“, Hotel in einer „normalen“ Wohngegend und mit einer Stornierungsfrist von zwei Wochen, was mir eigentlich zu lang ist, da es ja nicht nur um eine Nacht geht, sondern um den nicht unerheblichen Gesamtpreis von 7 Nächten.

Bei der Suche war mir schon gleich ein anderes Hotel ins Auge gefallen, in einem ehemaligen Lagerhaus, kunterbunt modern eingerichtet, umgeben von einer Reihe von modernen Hochhäusern und am Wilhelminapier, der Stelle, von der in früheren Zeiten hunderttausende Europäer in Richtung Westen ausgewandert sind – das würde perfekt zu einer Reise in diese Stadt der Moderne und zu ihrer Migrationsgeschichte (und -gegenwart) passen. Leider war es aber deutlich teurer als mein ursprünglich gebuchtes Hotel (auf allen möglichen Vermittlerseiten und auf der Hotelhomepage). Im Laufe der Wochen habe ich immer wieder vor allem bei booking.com nachgeschaut, dort das Hotel immer wieder aufgerufen, mir die Bilder angeschaut und die neuesten Bewertungen durchgelesen und plötzlich, ungefähr vier Wochen vor Reisebeginn, sollte dieses Hotel genauso viel kosten wie mein gebuchtes, zusätzlich wäre noch Frühstück inkludiert, die Stornierungsfrist sollte nur eine Woche betragen und danach würden nur die Kosten einer Übernachtung anfallen – keine Ahnung ob das Zufall war oder ob das das System irgendwie „gemerkt“ hat – aber da habe ich natürlich sofort zugeschlagen und das andere Hotel storniert.

Nun bin ich also hier


und gespannt auf mein Zimmer, denn als einziger Wehmutstropfen bei der Geschichte ist es (wie alle Einzelzimmer und auch die „normalen“ Doppelzimmer“) innenliegend, d.h. das Fenster zeigt auf den mit Glas überdachten Innenhof, also keine Aussicht und keine frische Luft. Im Zimmer bin ich aber sofort begeistert, gelbe Einrichtung, hohe Betondecke mit freiliegenden Balken, blaues Bad, großer Schrank, Kühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine und düster ist das Zimmer auch nicht, es fällt viel Licht durch das Glasdach, (morgens scheint sogar die Sonne herein) und ich habe einen Blick auf zwei der umliegenden Hochhäuser.








Ich mache eine kurze Pause im Zimmer und schaue mir dann das Hotel genauer an, erst innen, dann von außen - wirklich toll, mal etwas ganz anderes.





Die meisten Informationen, die ich über die vielen sehenswerten Gebäude in Rotterdam habe, stammen aus dem Buch „Architectural Guide Rotterdam“ von Anneke Bokern, einer deutschen Journalistin, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Architektur beschäftigt, der Guide wurde von ihr auf Englisch geschrieben, eine deutsche Fassung gibt es nicht. Auch mein Hotel wird in diesem Buch vorgestellt, offiziell heißt das Gebäude „Pakhuismeesteren“ und stammt aus dem Jahr 1941, die Umwandlung in ein Hotel und in die „Foodhallen“, die sich auch in diesem Gebäude befinden und durch einen Gang mit dem Hotel verbunden sind, erfolgte 2018 durch das belgischen Architekturbüro awg. Auf dem Gebäude befinden sich die Inschriften Celebes, Borneo, Java und Sumatra, diese wurden nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt und verweisen auf holländische Kolonien. (Auf meinen Fotos sieht man diese Inschriften leider nicht richtig, da habe ich die falsche Gebäudeseite fotografiert, stattdessen kann man aber die Gebäudebezeichnung in großen Buchstaben entlang des zweiten Stocks erkennen).






LG Christina

Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #4 am: 24. Juli 2026, 18:54:27 »
1. Tag – Dienstag, 21.04. - 2. Teil

Vom Hotel spaziere ich weiter, zunächst zur „Coffeecompany“ auf einen Cappuccino und ein Stück Kuchen (EUR 9,55),



dann quer über die Halbinsel – ich bin begeistert, so viele moderne Gebäude, herrlich.


Zunächst schaue ich hinüber auf die Halbinsel Katendrecht. Im Wasser dazwischen befinden sich schwimmende Häuschen, die kann man zur Übernachtung mieten und ein größeres Haus in dem sich ein Restaurant befindet. Auch in Katendrecht waren früher sehr viele Lagerhäuser, die nun nach und nach umgewandelt werden.


Dann erreiche ich die Spitze vom Wilhelminapier mit dem Hotel New York. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1901 und beherbergte ursprünglich die Büros der Schifffahrtsgesellschaft Holland Amerika Lijn. 1977 zog die Gesellschaft in ein anderes Gebäude, das am Wilhelminapier bleib einige Jahre ungenutzt bis es 1993 zu einem Hotel umgebaut wurde. Zu diesem Zeitpunkt standen fast alle anderen Gebäude auf dem Wilhelminapier leer und die einzige Verbindung mit der Innenstadt war das Wassertaxi. Die Erasmusbrücke, über die man heute das Stadtzentrum erreicht, wurde erst 1996 eröffnet (heute gibt es zudem die Metroverbindung, die unter der Maas durchführt).


Rechts hinter dem Hotel New York ragt das „Montevideo“ von 2005 empor, darin sind Apartments, ganz oben vom 41. bis 43. Stockwerk befindet sich ein Penthouse mit Dachterrasse und Swimmingpool. Auf dem Platz davor steht die Skulptur „L’Âge d’Or“ vom britischen Künstler Gavin Turk. Die „offene Tür“ wurde 2021 enthüllt und nimmt Bezug auf die Geschichte des Wilhelminapiers als Ausgangsort für die Auswanderung von Millionen von Europäern in Richtung Westen. (Die meisten meiner Infos zu den zahlreichen Skulpturen in Rotterdam stammen von der Internetseite von „Sculpture International Rotterdam“.)


Einen kurzen Abstecher mache ich über die Rijnbrug (Fußgängerbrücke) hinüber nach Katendrecht, von der Brücke aus kann ich das Migrationsmuseum Fenix in einem ehemaligen Lagerhaus mit dem spektakulären Aufbau „Tornado“ sehen (dieses werde ich mir natürlich an einem der folgenden Tage noch genauer anschauen) und nochmal die schwimmenden Häuser zwischen Katendrecht und Wilhelminapier, sowie das „New Orleans“, ein 45 stöckiges Apartmenthaus von 2010, das zurzeit mit 158 m Höhe das zweithöchste Apartmentgebäude der Niederlande ist, das höchste „Zalmhaventoren“ mit 215 m liegt nur ein Stück entfernt am gegenüberliegenden Ufer der Maas (zu sehen auf dem Foto von der Erasmusbrücke).
Das Gebäude mit Spiegelfront links vom Fenix sind die Fenix Lofts von 2018. Ursprünglich war das mal (zusammen mit dem rechten Teil auf dem sich heute der „Tornado“ befindet) eines der größten Lagerhäuser der Welt, bis der Mittelteil 1947 niederbrannte. Im Erdgeschoss ist die Fenix Food Factory (Markt, Craftbierbrauerei, Essensstände).





Nun geht es in Richtung Metrostation Wilhelminapier, interessant sind das schöne Mural und schon nach der Metrostation gelegen, der Gebäudekomplex aus vielen verschiedenen Formen und Farben mit dem Gerichtsgebäude und einem Einkaufszentrum.



Noordereiland erreiche ich über die Koninginnebrug, von der man auf die Koningshavenbrug blickt, eine ehemalige Eisenbahnbrücke, die als Hebebrücke 1927 erbaut wurde. Sie ist nicht mehr in Betrieb, die Schienen verlaufen nun unter der Maas hindurch und sie sollte deshalb abgerissen werden. Die Rotterdamer Bevölkerung protestierte dagegen und nun bleibt sie als Kulturdenkmal erhalten.


Noordereiland ist richtig idyllisch so zwischen all den modernen Bauten auf den beiden gegenüberliegenden Ufern. Es gibt Mehrfamilienhäuser aus rotem Backstein, alte Schiffe, die zum Teil zum Wohnen genutzt werden und tolle Ausblicke.



Unter anderem kann man zwei weitere Gebäude auf dem Wilhelminapier von hier bewundern, das mächtige „De Rotterdam“, das aktuell das größte (vom Volumen, nicht der Höhe) Gebäude Hollands ist und links davon das „Toren op Zuid“ mit der schrägen Fassade vom bekannten italienischen Architekten Renzo Piano aus dem Jahr 2000.


Von Noordereiland wollte ich eigentlich über die Willemsbrug und die Erasmusbrug in einer Runde zurück zum Wilhelminapier laufen, aber das ist viel zu weit für heute. Daher geht es auf dem bereits bekannten Weg von Noordereiland zurück zum Wilhelminapier.


Gegenüber vom Hotel ist ein kleiner Albert Heijn Supermarkt, dort kaufe ich noch ein paar Kleinigkeiten für den Abend ein (auf ein Essen in den Foodhallen wie eigentlich angedacht habe ich jetzt doch keine Lust mehr) und bin gegen 18 Uhr wieder in meinem Zimmer.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 15°C
Kosten: 7 Nächte Hotel Room Mate Bruno EUR 775,47, inkl. Frühstück, gebucht über booking.com; Bahn zu Hause – Rotterdam – zu Hause, 2. Klasse, EUR 75,98, gebucht über die Bahn Website



LG Christina

Silv

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #5 am: 25. Juli 2026, 12:48:10 »
Auch wenn es ein Städtetrip ist, komme ich auch mit.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?
Liebe Grüße
Silvia

Ilona

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #6 am: 25. Juli 2026, 14:03:02 »
Rotterdam verbindet man eher mit einem der größten Seehäfen der Welt und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Dass man dort auch Urlaub machen kann - darauf wäre ich nicht gekommen :verlegen:. Aber der Norden ist ohnehin dein Revier :thumb:.

Die Villa Kunterbunt, also deine Unterkunft, gefällt mir sehr. Da hätte ich mich auch einquartiert.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?

In den Benelux-Ländern ist es teurer als bei uns.

Das kann man noch toppen: Diese Woche kam eine Reportage aus New York auf Galileo. Da kostet ein Cappu ab 10 $ aufwärts und das ohne Kuchen. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin und um NY einen weiten Bogen mache.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #7 am: 27. Juli 2026, 17:23:10 »
Auch wenn es ein Städtetrip ist, komme ich auch mit.

9,55 € für 'nen Cappuccino und dieses kleine Stück Rührkuchen ist aber auch ganz schön happig, oder ist das üblich?

Schön, dass du dabei bist, ein kleines bisschen Natur gibt es auch, zwischendrin und dann am Ende.

Das ist dort normal, aber auch in Kopenhagen (schon vor ein paar Jahren) und in Finnland zahlt man das.

Rotterdam verbindet man eher mit einem der größten Seehäfen der Welt und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Dass man dort auch Urlaub machen kann - darauf wäre ich nicht gekommen :verlegen:. Aber der Norden ist ohnehin dein Revier :thumb:.

Das kann man noch toppen: Diese Woche kam eine Reportage aus New York auf Galileo. Da kostet ein Cappu ab 10 $ aufwärts und das ohne Kuchen. Gut, dass ich kein Kaffeetrinker bin und um NY einen weiten Bogen mache.

In Rotterdam legen auch Kreuzfahrtschiffe an, da kann man dann mal für einen Tag in die Stadt hinheinschnuppern, vielleicht wäre das mal was für euch.

10$ ist dann wirklich viel, aber wer weiß, was man in ein paar Jahre bereit ist zu zahlen, wobei das für mich nur im Urlaub (fast) täglich üblich ist, im Alltag wird zu Hause Kaffee getrunken.  ;D


LG Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #8 am: 27. Juli 2026, 18:04:54 »
2. Tag – Mittwoch, 22.04 - 1. Teil

Um 8 Uhr bin ich im großen, hellen Frühstücksraum. Am Buffet gibt es die üblichen kalten und warmen Speisen. Viel los ist nicht, aber alleine bin ich auch nicht, also genau richtig.

Um 9.30 Uhr starte ich dann meine heutige Besichtigungsrunde zu Fuß direkt vom Hotel aus.

Es geht über die Erasmusbrücke, der Belag auf dem Fußgängerweg glitzert schön in der Sonne, leider ist das auf den Fotos nicht zu erkennen.


Von der Brücke habe ich einen ersten Blick auf die Hochhäuser des Wilhelminapier: „De Rotterdam“ lässt sich in seinen Einzelheiten besser erkennen, als aus den gestrigen Perspektiven und aus dieser Entfernung ist das heutige Kreuzfahrtterminal mit seinen tollen Rundbögen (das Gebäude wurde 1946 – 1949 erbaut und diente damals schon als Schiffsterminal und zwar für die Holland Amerika Lijn, zu deren Hauptsitz im heutigen Hotel New York habe ich gestern schon etwas geschrieben) bestens zu erkennen, ebenso das „Las Palmas“, ein Lagerhaus aus dem Jahr 1953, mit dem außergewöhnlichen gerundeten Aufbau, der 2005 hinzugefügt wurde.


Am anderen Maasufer ist die Anlegestelle der „Spido“ Schiffsrundfahrten zu sehen, dahinter das riesige Apartmenthochhaus „Zalmhaventoren“, auch dazu habe ich schon gestern etwas geschrieben. Rechts von der Brücke stehen entlang der Maas eine Reihe weiterer spektakulärer Hochhäuser, die ich mir an einem der folgenden Tage noch näher anschauen werde.



Heute biege ich von der Brücke nach links ab und entlang der Willemskade mit Blick auf die jetzt gerade im Gegenlicht liegenden Häuser auf dem Wilhelminapier,


erreiche ich, als völligen Kontrast dazu, den idyllischen „Veerhafen“ mit seinen historischen Schiffen.


Nördlich und westlich davon liegt das sog. Schifffahrtsquartier, eines der Vorzeigeviertel Rotterdams mit herrlichen alten Villen, umgeben von großen parkähnlichen Gärten. Hier ist das moderne Rotterdam plötzlich ganz weit weg. Ursprünglich wohnten hier reiche Reeder und Händler, deren Herrenhäuser blieben von der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg, anders als das Stadtzentrum, fast vollständig verschont und daher bis heute erhalten. Auch heute wohnt hier nur, wer sehr viel Geld und Einfluss in der Stadt hat.


Westlich dieses Viertels liegt Het Park, ein riesiger Park mit Seen und Kanälen und dem Euromast, wie ich schon im Vorwort schrieb, ist dieser zurzeit wegen Renovierung geschlossen.


Am Rand des Parks gehe ich in Richtung Norden zum Tuin Schoonoord, einem kleinen, verwunschen wirkenden Garten mit verschlungenen Wegen, einem Meer von Bärlauch, Rhododendren, Farnen und Bäumen, gelesen habe ich davon erst gestern Abend in der Zeitschrift „Inside Rotterdam“, die im Hotelzimmer ausliegt.




Vom Tuin Schoonoord sind es nur wenige Schritte bis zur nächsten grünen Oase, dem Museumspark. Hier sind einige der bedeutendsten Museen der Stadt versammelt, die ich mir heute aber nur von außen anschauen werde, das Wetter ist für einen längeren Museumsbesuch viel zu schön.


Als erstes treffe ich auf das Naturhistorische Museum mit seinem modernen Anbau und einer Vogelskulptur davor.


Daneben ist die Kunsthalle, da ist das Gebäude an sich schon einen Besuch wert, 1992 vom Stararchitekten Rem Koolhaas als eines seiner ersten Bauwerke entworfen, besteht es aus einer Material Mischung: Naturstein, Glas, Plastik, Stahl. Mein Foto zeigt leider nur einen kleinen Teil des Gebäudes.


Dann komme ich zu einem Highlight meines Rotterdam Besuchs, dem Depotmuseum Boijmans Van Beuningen. Völlig faszinierend finde ich nicht nur das Gebäude an sich, das natürlich sowieso, sondern der Grund für den Bau: das Museum Boijmans van Beuningen, das sich nur wenige Schritte entfernt davon befindet, ist wegen Renovierung für mehrere Jahre geschlossen, die Kunstwerke müssen deshalb ausgelagert werden und statt dafür irgendeine Industriehalle außerhalb der Stadt zu mieten, hat man sich entschieden, einfach mal ein Depotmuseum zu errichten.


2018 wurde mit dem Bau der silbernen Schüssel begonnen, verantwortlich das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV, 2021 war es fertig. Davor steht eine bunte Skulptur von Pipilotti Rist, die sich ebenfalls in der Fassade spiegelt. Natürlich werde ich auch noch das Innere des Depots besuchen, heute lasse ich erstmal nur die Fassade auf mich wirken und mache eine längere Pause auf einer der Bänke in der Sonne. Ein paar Daten dazu: Höhe 39,5 m, Umfang unten 40 m, oben 60 m. Und ja, dass das mit den Bäumen, die von der Dachterrasse drüber schauen, wie eine Salatschlüssel aussieht, war den Architekten bewusst ;D.



Direkt neben der Schüssel steht das Architektur- und Design Museum Het Nieuwe Instituut umgeben von einem kleinen See. Auch dieses ist architektonisch außergewöhnlich, besonders auffällig das Stahlgerüst, das einen gläsernen Korpus ummantelt und direkt daneben ein eher traditioneller Gebäudeteil aus rotem Backstein, Architekt wurde nach einem Wettbewerb, der hauptsächlich zwischen Rem Koolhaas und Jo Coenen ausgetragen wurde, letzter. Ich hoffe, dass ich im Laufe der Woche nochmal Gelegenheit haben werde, mir das genauer anzuschauen.


Weiter geht’s vorbei am Chabot Museum. Diese Villa wurde 1938 als Wohnhaus für eine reiche Rotterdamer Familie gebaut im Stil des „Neuen Bauens“, ähnlich dem deutschen Bauhaus Stil. Besonderheit ist der abgerundete Balkon, das oberste Stockwerk wurde erst 1978 angebaut.


Direkt daneben steht das Boevé Haus von 1931, ebenfalls im Bauhaus Stil (links auf meinem Foto). Hierin befinden sich heute Büros einer Bank.


Das letzte Gebäude an dieser Ecke des Museumsparks ist das (zurzeit geschlossene) Museum Boijmans Van Beuningen, davor eine wunderbare Skulptur von Picasso und Carl Nesjar, die die 19-jährige Sylvette David im typischen Picasso Stil darstellt.



LG Christina

Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #9 am: 27. Juli 2026, 18:58:51 »
2. Tag – Mittwoch, 22.04. - 2.Teil

Ich überquere den idyllischen Westersingel, auch er mit Skulpturen „aufgepeppt“.


Ab hier wird es dann wieder städtischer. Zunächst gehe ich die Witte de Withstraat entlang, wurde hier ehemals mit Drogen gedealt und dem illegalen Glücksspiel nachgegangen, reihen sich heute Kneipe an Kneipe aneinander, unterbrochen von Galerien und kleinen Lädchen und einem interessanten Mural an einem Fitnessstudio, man kann sich mittels in die Mauer eingelassener Metallbügel auf die Hände der unteren Figur stellen und wird damit Teil des Murals – leider war gerade kein Passant dort, der das gemacht hätte und ich hatte ja niemanden, der mich fotografiert.



Die Witte de Withstraat mündet in die Schilderstraat und diese in den Leuvehaven mit dem Maritiem Museum und seinen alten Booten, Kränen und Maschinen, im Hintergrund die Hochhäuser des modernen Rotterdam. Auch hier darf die Kunst nicht fehlen: das „hängende Pferd“, das heute leider nicht am Kran hängt, sondern am Boden steht.





Ernster wird es auf dem Platz vor dem Museum mit der Skulptur „Die zerstörte Stadt“ von Ossip Zadkine aus dem Jahr 1951, das das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Stadtzentrum symbolisieren soll, eine Stadt, deren Herz herausgerissen wurde. Rotterdam wurde am 14. Mai 1940 von den Deutschen bombardiert, die zuvor die Niederlande überrannt hatten mit dem Ziel der Kontrolle über die Maas- und Rheinbrücken. Rotterdam wurde vor die Wahl gestellt Kapitulation oder Bombardierung, die Stadt wählte die Kapitulation, aber aufgrund von Kommunikationsproblemen innerhalb der deutschen Armee kam es dennoch zur Bombardierung, die über 800 Menschen das Leben kostete und die Innenstadt bis auf einzelne Gebäude völlig zerstörte.


Am Churchillplein steht „Cascade“, eine Skulptur vom Atelier Van Lieshout aus dem Jahr 2010. Sie zeigt 18 Ölfässer verbunden durch menschliche Figuren und soll auf begrenzte Rohstoffbestände hinweisen, den Bankrott der Konsumgesellschaft symbolisieren.


Mitten im großstädtischen Verkehrsgewühl treffe ich auf ein kleines Stück des alten Rotterdam, Het Schielandshuis ist heute eines der ältesten Gebäude Rotterdams, erbaut im 17. Jh. von der damaligen Verwaltung von Schieland, als Versammlungsort und als Gästehaus, Napoleon und Alexander der Große haben darin übernachtet. Das Haus gehört seit 1840 der Stadt und erfüllte schon verschiedene Funktionen, zurzeit sind Büros darin untergebracht.


Bald stehe ich am „Koopgoot“ (=“Einkaufsgulli“) von 1991, dem Zugang zu einer Passage mit der der mehrspurige Coolsingel unterquert werden kann, gleichzeitig Einkaufszentrum und Metrostation.


Daneben die Börse von 1940, 1987 wurde das grünliche, ellipsenförmige Hochhaus des World Trade Center in die Haupthalle der Börse integriert.


Das Gebäude wurde kürzlich im Inneren renoviert (auch davon lese ich gestern Abend in der im Hotelzimmer ausliegenden Zeitschrift), ich gehe einfach mal rein, mal sehen wie weit ich komme. Schon der Zugang ist außergewöhnlich, über Rolltreppen, die sich der Treppenform anpassen und zwischendrin zum ebenen Laufband werden. Die goldenen Handläufe nehmen das Design (goldfarben und gebogen) aus dem Inneren des Gebäudes auf. Ich kann den nüchternen Eingangsbereich betreten und erreiche über eine weitere Rolltreppe einen Übergang unter dem Dach von dem ich einen Blick in die wunderbare Haupthalle werfen kann mit den bogenförmigen Trägern, den runden Öffnungen und den goldenen Türen. Weiter komme ich dann nicht, am Ende des Übergangs braucht man eine Türkarte. Ebenso unten, da findet eine Art Messe statt. Aber ich erspähe ein Toilettenschild, dem ich folge und kann dann die schönen, sauberen Toiletten hier nutzen.





So erleichtert mache ich mich auf den Weg zur nicht weit entfernt liegenden Markthal, das Mittagessen ruft. Die Markthal von 2014 gehört zu den bekanntesten Bauwerken des modernen Rotterdam, sie wurde wie das Depotmuseum vom Architekturbüro MVRDV gebaut. Im Inneren befinden sich auf Straßenebene Restaurants bzw. Essenstände und in mehreren Untergeschossen Geschäfte und eine Tiefgarage. In die Bögen sind 228 Apartments integriert, die meisten davon haben Fenster ins Innere der Markthal und zur Straßenseite einen Balkon. Die Innenseite ist mit dem Gemälde „Horn des Überflusses“ der Rotterdamer Künstler Arno Coenen und Iris Roskam ausgeschmückt: digital auf Aluminiumplatten gedruckt „hängen“ riesige Früchte, Pflanzen und Tiere an Wänden und Decke. Leider ist recht deutlich zu sehen, dass die hohen Standmieten zu Leerständen führen, sehr schade, diesem Gebäude hätte ein lebhafteres Innere gebührt. Ich entscheide mich für den Stand eines Griechen, da er eine Dachterrasse mit Sitzmöglichkeiten hat, im Stehen essen kommt für mich bei so einer anstrengenden Stadtbesichtigung nicht in Frage und von der Terrasse hat man nochmal einen besseren Blick auf und aus der Halle.




Nachdem ich meine Pita gegessen und mich ausreichend ausgeruht habe, hole ich noch Wassernachschub in einem der Geschäfte und verlasse dann die Markthal.

Außen fällt sofort die Metrostation Blaak mit ihrem futuristischen Dach ins Auge.



LG Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #10 am: 27. Juli 2026, 20:27:04 »
2. Tag – Mittwoch, 22.04 - 3. Teil

Außen fällt sofort die Metrostation Blaak mit ihrem futuristischen Dach ins Auge.


Und gleich daneben treffe ich schon wieder auf ein architektonisches Highlight der Stadt, die Kubus Häuser und der angrenzende Blaaktower (auch Bleistift genannt), beide vom Architekten Piet Blom aus den 1980iger Jahren.


Es sind viel mehr Kubushäuser als ich dachte, eigentlich ist das ein Kubushaus-Dorf mit begrünten Plätzen dazwischen mit Sitzgelegenheiten und einem Café.




Die Verbindungsgänge zwischen den Häusern sind zugleich eine Brücke, die die mehrspurige Blaak überquert und zum Alten Hafen führt.


Insgesamt sind es 41 Kubushäuser, drei davon extra groß, die beiden großen am Südende des Komplexes beherbergen das Stay OK Hostel. Jedes der Häuser besteht aus einem sechseckigen „Stamm“, der als Stauraum dient und der mehrstöckigen „Baumkrone“.

Erfreulicherweise ist eines der Häuser als Museum eingerichtet, das schaue ich mir natürlich an (EUR 3,50). Ein bisschen muss ich warten, bis ich das Haus betreten darf, es dürfen nämlich immer nur wenige Personen gleichzeitig hinein, denn die Baumkrone ist doch recht eng. Es gibt mehrere Stockwerke, in jedem Stockwerk ist nur Platz für ein Zimmer. Die Etagen sind über eine enge und steile Treppe zu erreichen, das Minibad befindet sich auf einer Zwischenetage ohne Fenster. Wirklich ein geniales Bauwerk, aber wohnen würde ich darin ganz sicher nicht wollen, das wäre mir zu eng, zu steil, im Sommer viel zu heiß (Klimaanlagen gibt es nicht), zu laut (wie gesagt stehen sie über einer mehrspurigen Straße und auf der vermeintlich ruhigen Seite zum Alten Hafen sind eine ganze Reihe von Restaurants, vor denen es an warmen Sommerabenden sicher sehr laut wird). Und einen Balkon hat man auch nicht. Dennoch sind laut den Informationstafeln bzw. der Website alle der Kubushäuser bewohnt.


Ich schaue mir die Kubushäuser von allen Seiten an. Dabei mache ich auch einen Abstecher zum Alten Hafen mit seinen historischen Booten und dem „Witte Huis“, das 1898 als es erbaut wurde mit 45 m das erste Hochhaus in Europa war. Die Architekten ließen sich dabei von den Skyscrapern, die sie auf ihren Reisen durch die USA gesehen hatten, inspirieren.



Dann gehe ich zurück ins Stadtzentrum zur Sankt Laurentiuskirche. Auf dem Weg treffe ich auf eine weitere Skulptur, einen verdrehten Fuß (es sind eigentlich zwei Füße nicht weit voneinander entfernt, den zweiten habe ich wohl übersehen). Die Skulptur nennt sich „Alle sind tot außer uns“ von Ben Zegers aus dem Jahr 2020 und soll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt miteinander verbinden (die Binnenrotte wo sich die Füße befinden, ist der Ursprung der Stadt) und die Einwohner auffordern, jederzeit das Beste aus der Stadt herauszuholen. Hm, da muss ich zugeben, dass ich den Titel nicht Einklang mit dieser Interpretation kriege.


Nun aber zur Kirche. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1449 zurück, damals katholische Kirche, ist die heute einzig verbliebene Kirche im gotischen Stil die Gemeindekirche der Rotterdamer Protestanten, dient gleichzeitig aber auch als Veranstaltungsort und Museum, eine sehr schöne Idee wie ich im Hinblick auf die immer weniger werdenden Gottesdienstbesucher finde.



Ich entrichte die Eintrittsgebühr von EUR 7,50 und steige als erstes auf den Turm der Kirche. Da der Euromast als Aussichtsturm wegfällt (siehe Vorwort) ist das die einzige Möglichkeit Rotterdam „von oben“ anzuschauen (abgesehen von irgendwelchen Bars oder Restaurants, bei denen völlig unklar ist, ob und wann sie geöffnet sind). Und der Aufstieg über eine sehr schmale und steile Treppe, bei der ich sehr froh bin, dass mir niemand entgegenkommt, lohnt sich absolut auch wenn der Turm niedriger ist als viele der modernen Hochhäuser.







Das Innere der Kirche schaue ich mir auch noch, wenn auch die Turmbesteigung zugegebenermaßen der Hauptgrund für meinen Kirchenbesuch ist. Praktischerweise gibt es eine Toilette im Keller der Kirche, die nutze ich auch noch.


Zwischen Kirche und Kanal befindet sich das „Städtische Podium“ das wohl hin und wieder als Bühne für Theateraufführungen genutzt wird, an einem sonnigen und warmen Tag wie heute bietet es nette Sitzmöglichkeiten.


Auf meinem weiteren Weg komme ich am „schönsten McDonalds der Welt“ vorbei: goldfarbene und gläserne Wände und eine stählerne Wendeltreppe im Inneren. Das Bauwerk von 2015 erlangte zahlreiche Designpreise.



LG Christina

Christina

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #11 am: 27. Juli 2026, 20:50:59 »
2. Tag – Mittwoch, 22.04. - 4. Teil

Die Stadthalle von 1920 im Beaux Arts Stil gehört zu den Gebäuden, die die Bombardierung des Zweiten Weltkriegs überstanden haben.


Nun habe ich ein paar Ziele hinter dem Hauptbahnhof auf dem Plan. Das erste ist oder besser gesagt sollte sein, der Luchtsingel. Das ist eine hölzerne Konstruktion, teilweise mit Crowdfunding Mitteln, teilweise mit städtischer Förderung gebaut, die die Bahngleise als Fußgängerüberführung überquert und unter anderem einen Zugang zum Dachpark Hofbogen ermöglicht. Schon von weitem sehe ich aber, dass auf dem Treppenzugang komische Typen herumturnen, da verzichte ich lieber auf eine Besichtigung. Der Dachpark ist im Übrigen sowieso längerfristig geschlossen, das habe ich bei meiner Reisevorbereitung festgestellt. Bei diesem Park handelt es sich um eine Begrünung der ehemaligen Hochtrasse der Straßenbahn, die schon vor längerem stillgelegt wurde. Warum dieser Park geschlossen ist, konnte ich nicht rauskriegen.

Aber ich kann unterhalb der ehemaligen Hochtrasse entlang gehen, in den sog. Hofbogen sind Geschäfte, Cafés und Restaurants eingezogen.


In ehemals leerstehende Büros und Fabriken sind Künstler und sonstige Kreative eingezogen.


So richtig wohl fühle ich mich aber nicht, so dass ich die Gegend recht schnell verlasse und ins benachbarte Provenierswijk wechsle. Nur wenige Schritte und man ist in einer anderen Welt: altehrwürdige Backsteinhäuser, Kanäle mit viel Grün drumherum, ein paar Restaurants, die bereits genannte Zeitschrift in meinem Hotelzimmer bezeichnet das Viertel als Klein-Paris, so weit würde ich dann doch nicht gehen, aber es ist auf jeden Fall eine unerwartete Oase der Ruhe direkt hinter dem Hauptbahnhof.



So langsam geht es nun auf den Rückweg in Richtung Hotel. Ich durchquere den Hauptbahnhof, natürlich mit ein -und auschecken mittels Kreditkarte durch die Sperren (es kostet aber nichts, wenn man sich nur eine kurze Zeit im Bahnhof aufhält, um z.B. jemanden abzuholen, etwas einzukaufen oder wie ich, einfach durch zu gehen) und schaue mir dann den Vorplatz und das Bahnhofsgebäude von außen genauer an.

Wie nicht anders zu erwarten in dieser Stadt der modernen Architektur ist auch die Centraal Station ein architektonisches Highlight mit ihrem dreieckigen Dach aus Stahl und Holz. Eröffnet wurde das Gebäude 2014, sehr schön finde ich, dass in Erinnerung an den Vorgängerbau von diesem der Schriftzug Centraal Station und die große Uhr an der Glasfassade des Eingangsbereichs übernommen wurde.


Seit 2023 steht auf dem Platz vor dem Bahnhof die Skulptur „Moments Contained“ vom Thomas J. Price. Vier Meter hoch ist die junge Schwarze aus Bronze, die äußerlich unbeeindruckt, durch die geballten Fäuste in den Hosentaschen aber ihre Anspannung zeigt, die sie aufgrund ihrer Andersartigkeit empfindet. Die Skulptur will einen Moment, eine Möglichkeit für Verständnis, Verbindung und Empathie zeigen.

Links des Bahnhofsgebäudes steht das Groothandelsgebouw aus den 1950igern Jahren. Es war eines der ersten Gebäude, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Rotterdam errichtet wurden und ist inspiriert von amerikanischen Bauwerken aus dieser Zeit. Zu Beginn wurde es von 150 Firmen mit insgesamt 5000 Angestellten genutzt, die ihre bisherigen Büroräume durch die Bombardierung verloren hatten. Aufgelockert wird die Betonfassade durch die kleinteiligen Fenster und die verschnörkelten Balkonbrüstungen.


Einen Kontrast dazu bildet das Gebäude rechts vom Bahnhof, das „Delftse Poort“ mit seinen zwei Türmen mit einer völlig schmucklosen Glasfassade. Erbaut wurde es von 1988 – 1991 und war mit 151 m Höhe bis 2009 das höchste Gebäude der Niederlande. Auch hierin sind Büros untergebracht.


Nun folge ich dem Westersingel / Mauritsweg wo ich am Calypso Gebäudekomplex aus dem Jahr 2013 vorbeikomme, Apartments und Büros befinden sich in den silberfarbenen und roten Gebäuden mit einer Art Zig-Zag Fassadengestaltung. Am äußersten Rand steht die Pauluskirche aus braunen Kupferplatten, sie soll an einen Felsbrocken erinnern, der von einem Berg heruntergefallen ist.



Das Restaurant /Café „Bagels and Beans” lacht mich an, eine Kaffeepause habe ich nun dringend nötig. Nach einem Flat White und einem Stück Cheesecake (EUR 10,00) bin ich wieder fit für die letzte Etappe des Tages.


Entlang des etwas tiefer als das übrige Straßen Niveau liegenden Westersingel (den ich schon heute vormittag vom Museumspark kommend an anderer Stelle überquert habe) sind eine Reihe von Skulpturen aufgestellt. Leider etwas von mir vernachlässigt, schaut dahinter eines der bekanntesten Gebäude Rotterdams hervor, das Café de Unie von 1925. Wobei, es ist gar nicht das Café de Unie, dieses stand ein paar Straßen weiter und wurde bei der Bombardierung 1940 zerstört. 1986 wurde es an der heutigen Stelle nachgebaut. Architekt war J.J.P. Oud, ein Mitglied der Künstlergruppe De Stijl zu der unter anderen auch der Künstler Piet Mondrian gehörte und an dessen Gemälde erinnert es auch deutlich mit seinen Blöcken in Primärfarben.


Am Eendrachtsplein stoße ich auf die weithin bekannte Skulptur des Santa Claus des amerikanischen Künstlers Paul McCarthy aus dem Jahr 2001. Das Sex Spielzeug in seiner rechten Hand führte zu einer riesigen Debatte in und sogar außerhalb der Niederlande, die Skulptur wurde von einem Platz zum anderen gebracht, bis sie schließlich einige Jahre im Museum Boijmans Van Beuningen verbrachte. Seit 2008 zeigt sie sich wieder der Öffentlichkeit auf dem Eendrachtsplein.


Ich folge dem ruhigen Westersingel bis ich mit der Willemskade wieder die Maas erreiche. Der Wilhelminapier und die Erasmusbrücke zeigen sich nun im perfekten Nachmittagslicht.



Nun noch über die Brücke und gegen 17.30 Uhr bin ich zurück im Hotel.

Nach einer kurzen Pause gehe ich noch zum kleinen Supermarkt gegenüber und hole mir etwas zum Abendessen.

Ich möchte die Erasmusbrücke und die umliegenden Gebäude auch bei Dunkelheit sehen, dämmrig wird es aber erst ab 21 Uhr, jetzt kann ich mich nicht mehr aufraffen und nochmal rausgehen, das verschiebe ich auf einen der kommenden Tage.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 6° - 16°C


LG Christina

Horst

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Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #12 am: Heute um 07:17:14 »
Irgendwie erinnern mich Deine Fotos ein bisschen an Chicago (Wolkenkratzer, Fluß, Kunst-Plastiken) fehlt eigentlich nur die berühmte Hochbahn.
Aber ich muss sagen ich bin überrascht was Rotterdam alles bietet. Tolle vielseitige Architektur, die Plastiken finde ich cool und die Stadt erscheint mir sehr fotogen - gefällt mir wirklich gut. :D