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Lava, Lada, Lundis - Island 2009
Silvia:
--- Zitat von: Horst am 03. November 2013, 12:56:24 ---
--- Zitat von: Silvia am 03. November 2013, 12:43:57 --- :heul: ich will zurück nach Island
--- Ende Zitat ---
Dann nimmst Du uns aber mit! :D
--- Ende Zitat ---
Na klar :thumb:
Horst:
13. Tag, Dienstag, 16.6.2009
9.30 Uhr hat sich inzwischen fast zu unserer Standardaufbruchszeit entwickelt – so spät oder früh ist es jedenfalls auch heute – als sich der Schlüssel im Zündschloß unseres Ladas dreht.
Wie gestern zeigt sich Husavik auch heute morgen von seiner sonnigsten Seite – nicht nur deswegen hat es uns hier sehr gut gefallen. Bevor wir das schmucke Städtchen verlassen in dem es übrigens sogar ein „Penis-Museum“ gibt dem wir allerdings keinen Besuch abgestattet haben und ich mir hier einen Kommentar dazu verkneife ....
... geht es noch in einen Supermarkt – wie üblich etwas für den Tag einkaufen.
In Island gestaltet es sich manchmal schwierig sich ordentlich von seinem Müll zu trennen, der sich wie gewohnt bei uns in erschreckender Geschwindigkeit auf der Rückbank des Mietwagens auftürmt. Mülleimer an öffentlichen (Picknick-)Plätzen sind rar. Tankstellen sind da oft die einzige Möglichkeit die fünf Kilo Rückbank-Abfälle der letzten Tage mal wieder loszuwerden.
Über die 85 (was sonst ) und 845 fahren wir nach Süden bis zur Ringstraße und treffen dort auf das erste Highlight dieses Tages ....
... den Goðafoss – den Götterwasserfall.
Rund um den Wasserfall gibt es 7000 Jahre altes Lavagestein zu sehen durch das sich der Fluß temperamentvoll hindurcharbeitet, Wege und Aussichtspunkte befinden sich auf beiden Seiten der Schlucht.
Hier am "göttlichen Wasserfall" halten wir uns ein Weilchen auf. Besonders von der Westseite der Skjálfandafljót, dessen Wasser sich am Goðafoss fast hufeisenförmig über eine Kante ergießen ist der Blick so schön, dass man sich kaum losreißen kann. 30 m breit und 12 m hoch ist dieses Wasserfallprachtexemplar.
Auf der ungeteerten aber gut zu fahrenden 844 fahren wir entlang der Skjálfandafljót nach Süden.
Die Fahrt durch typische isländische Landschaft mit Bergen in denen noch Schneefelder liegen, unzählige Wasserfälle die von den Bergketten herab ins Tal stürzen – der mäandernde Fluß neben der Piste, die friedlich im Gras (oder auf der Straße) liegenden Schafe – lässt uns über die Enge in Deutschland und die großzügige Weite Islands sprechen.
Schon jetzt kommt beim Gedanken, dass wir Island wieder verlassen müssen Wehmut auf. So langsam begreifen wir „wie gut“ es uns hier gefällt .......
Über eine Brücke erreichen wir die auf der anderen Flußseite parallel verlaufende 842, die wir noch einige Kilometer nach Süden fahren bis wir an einen Bauernhof kommen.
Von hier startet die berühmte Sprengisandur (F26), eine von zwei Hochlanddurchquerungen, die aber noch nicht geöffnet ist. Die andere Hochlanddurchquerung F35 wollen wir ja in zwei Tagen versuchen.
Der ganz offizielle Beginn der F26 liegt aber noch 5 Kilometer weiter südlich. Also öffnen wir das Viehgatter und fahren den F26 Zubringer weiter nach Süden.
Bis auf einige wenige Höfe die in der absoluten Einsamkeit zu überleben versuchen haben wir auf der Herfahrt kein Anzeichen zivilisatorischer Errungenschaften wahrnehmen können.
Alles wirkt noch so wie vor rund 1000 Jahren als die ersten Menschen ihren Fuß auf Island setzten. Die letzten Kilometer hatten auch schon wieder Hochlandcharakter.
Noch einmal müssen wir ein Gatter öffnen und schließen.
Die Straße windet sich durch eine beginnende Geröllwüste einen Hügel hinauf. Ab hier ist auch die F26 durch eine Markierung gesperrt – aber weiter wollten wir heute ja auch nicht.
Auf der Anhöhe ist der Parkplatz des Aldeyarfoss ausgeschildert, ein weiterer spektakulärer Wasserfall des Skjálfandafljót.
Etwa 5 Minuten laufen wir vom Parkplatz bis hinunter zum 20 m hohen Wasserfall und sind begeistert.
Der Aldeyarfoss ist weder der höchste oder breiteste Wasserfall noch bietet er besonders kraftvolle Wassermassen.
Trotzdem ist er wirklich einer der absolut spektakulärsten Wasserfälle Islands !
Warum ich mich gerade auf diesen Wasserfall besonders gefreut hatte ist neben seiner einsameren Lage das, was Mutter Natur hier wieder Unglaubliches eingefallen ist.
Der Wasserfall wird ringsum von Basaltsäulen eingerahmt,....
... die zusammen mit dem schäumenden weißen Wasser einen fast mystischen Anblick bieten.
Wir lassen uns Zeit für unsere Aufnahmen. Die Sonne versteckt sich mal hinter einigen Wolken, blinzelt dann wieder durch – einmal kommen wir sogar in den Genuss eines Regenbogens – schon der zweite heute.
Gegen 14 Uhr reißen wir uns los und fahren diesmal die (wie man sieht staubige) 842 zurück nach Norden bis zur Ringstraße, folgen der 1 einige Kilometer nach Westen und biegen dann auf die 83 nach Norden die uns nach 10 Kilometern zum Museumshof Laufás führt.
Seit der Christianisierung Islands steht hier eine Kirche. Der fotogene Torfhof wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und war bis 1936 der Wohnsitz des Pfarrers.
Torfhäuser in Laufás
Island macht einfach gute Laune
Entlang dem Eyjafjörður, dem weit ins Landesinnere gezogenen langen Fjord ...
... erreichen wir letztendlich wieder über die Ringstraße Akureyri – Islands Hauptstadt des Nordens.
Auf der Liste der größten Städte liegt Akureyri mit seinen rund 17.000 Einwohnern zwar nur auf Platz vier – aber hier im Norden ist sie eindeutig das Gegenstück zu Reykjavik im Süden – die allbeherrschende „Metropole“ mit Museen, Flughafen, Autovermietungen und so etwas wie einer richtigen City.
Die wollen wir uns mal näher ansehen – unser Islandbild abrunden - und auch in der Stadt übernachten.
Dafür wählen wir uns das Akurinn Guest House, ein prachtvoller Bau – wenn auch schon in die Jahre gekommen – aber mit toller Aussicht vom Balkon über die Stadt....
... und immer noch eine stilvolle Übernachtung.
Vom Guesthouse beginnen wir unsere kleine Runde durch die Stadt.
Kaum 10 Minuten unterwegs, zwingt uns ein Regenguß in eine große Buchhandlung. Petra blättert in einem Islandbildband ........ ich soll mir unbedingt ein Bild ansehen das sie in dem Buch entdeckt hat ...... ich ahne es schon kommen und sehe dezenten Jagdtrieb in Petras Augen aufblitzen. Mein Interesse ist ebenfalls blitzartig geweckt - ein Fall für „Sherlock Horst“ und „Watson-Petra“. Das Bild ist wirklich hochspektakulär und zeigt einen Wasserfall namens Dynkur. Weitere Informationen gibt es nicht.
Da es ja gerade regnet ziehen wir alle Register (wir sind ja in einer Buchhandlung) und wissen 5 Minuten später wo der Wasserfall ungefähr zu finden ist – nämlich im südlichen Niemandsland, in der Nähe der Sprengisandur und des Hochlandzentrums Hrauneyjar an dem wir falls wir Landmannalaugar machen würden in einigen Tagen sowieso vorbeikommen. Im Moment ist das nur ein Hirngespinst das aber unabhängig voneinander in uns beiden arbeitet (nicht nur bei solchen Dingen denken wir doch recht langweilig gleich).
Inzwischen ist der Regen vorbei und die Sonne scheint mit tollem Licht auf Akureyris Straßen. Das treibt uns wieder hinaus und wir setzen unseren Rundgang fort.
Direkt vor der Buchhandlung treffen wir auf den „Lada Polen“ – wie immer entsteht ein kleiner Smalltalk - auch die beiden Polen wollen die Hochlanddurchquerung F35 fahren, allerdings schon morgen und nicht wie wir übermorgen.
Auf einem Hügel mit einigen schönen Bürgerhäusern läuft aus einer Einfahrt eine Katze auf uns zu – da ist Petra natürlich gleich in ihrem Element – und wenige Augenblicke später kommt die „Katzenmutter“ wohl gerade nach Hause und wir kommen mit ihr ins Gespräch.
8 (!) Katzen nennt sie ihr eigen und nur die eine darf auf die Straße – na da drin geht es sicher lustig zu. Die gut dreißigjährige Frau ist uns „trotz“ ihrer 8 Katzen sehr sympathisch und als wir schon einige Meter weiter gegangen sind – bringt sie noch eine weitere Katze auf dem Arm aus dem Haus um sie uns zu zeigen. ;)
Überhaupt haben wir unser Bild vom verstockten muffigen Isländer, das wir uns die ersten Tage ein bisschen eingebildet hatten, inzwischen komplett revidiert. Die Isländer sind keine Italiener (wie überraschend ) die laut und überschwänglich mit Fremden sofort auf gut Freund machen. Sie sind gelassen und ruhig (das macht wohl die entspannende Landschaft), durchaus freundlich und sehr hilfsbereit – so etwas wie Hektik kommt bei niemandem auf.
Nach insgesamt 2 Stunden reicht es uns wieder mit diesem Cityrundgang – mehr Stadt ertragen wir schon gar nicht mehr nach so viel wundervoller Natur.
Vom Guesthouse hatten wir einen Gutschein für ein Restaurant bekommen das wir uns dank Empfehlung im Reiseführer sowieso schon ausgeguckt hatten. Da es nur 5 Minuten vom Zimmer entfernt ist laufen wir auch dorthin. Das vom Reiseführer gelobte „Greifinn Restaurant“ ist auch wirklich sehr gut und typisch isländisch „greifen“ wir also heute zu mexikanischen Spezialitäten.
Zurück im Guesthouse entdeckt Petra einen Lonely Planet der als Lesestoff für die Besucher im Aufenthaltsraum zur Verfügung steht. Wir nehmen ihn mit aufs Zimmer und finden dort noch ein paar spärliche Informationen zum Dynkur Wasserfall – dem „Buchhandlungswasserfall“.
Eigentlich ist unsere Entscheidung schon gefallen – auch wenn wir jetzt im Moment noch gar nicht genau wissen ob der für uns überhaupt erreichbar ist, würden wir es gerne probieren. Dafür brauchen wir aber einen Extratag – den wir nicht haben. Also muss woanders eingespart werden.
Nachdem wir heute nach langer Zeit mal wieder ein am Vorabend entworfenes Programm eingehalten hatten (!!!) – ist das für morgen nun schon wieder hinfällig. Ich schlage vor, daß wir die F35 bereits morgen fahren und den Trip nach Ólafsfjörður und zu einigen Fischerorten ersatzlos streichen. Damit ist Petra einverstanden. Vielleicht sehen wir die Lada-Polen ja morgen doch wieder ......
Da es heute noch nicht gar so spät ist und ich wieder Probleme mit einem lockeren Stativbein an meinem Manfrotto habe (dummerweise habe ich mein Werkzeug dafür zu Hause vergessen) sehe ich im Lada nach – vielleicht hat ja der zufällig (wenn auch unwahrscheinlich) einen kleinen Gabelschlüssel an Bord. Irgendwie komme ich darauf mal nach Motor und Waschanlage zu sehen. Bei Geysir.is hatte man uns nur kurz gezeigt dass das Reserverad ebenfalls unter der Motorhaube ist – und da ging die Haube auch noch auf aber jetzt nicht. Mist !
Auch mehrmaliges Ziehen des kleinen Hebels nutzt nichts - die Haube lässt sich nicht anheben. Ich hole Petra und wir beschließen zur nächsten Tankstelle zu fahren und dort um Rat zu fragen und um vielleicht Werkzeug für mein Stativ zu bekommen. Die Tanke ist nach 5 Minuten erreicht. Petra hat eine Idee und ich stehe Sekunden später da wie ein Idiot. Die Haube war bereits entriegelt und ließ sich allerdings nicht von vorne anheben sondern am anderen Ende an der Scheibe. Daran konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern das der bei Geysir das so aufgemacht hatte – ging damals ja alles so schnell und auf die Idee wäre ich heute auch nach 20 Stunden nicht gekommen ..... Aua, das schmerzt ....
Trotzdem bin ich erleichtert. Ein Plattfuß im Hochland und dann keine Möglichkeit um ans Ersatzrad zu kommen – ist nicht wirklich lustig.
Während sich Petra auf ihrem Lorbeer und Ruhm im Auto ausruht, sehe ich mich mal in der Hoffnung auf Werkzeug im Shop der Tanke um und siehe da – jede Menge Gabelschlüssel hängen an der Wand. Ich hole mein Stativ, probiere welcher passt und trage ihn wie einen Schatz zur Kasse. Offensichtlich bin ich der erste Kunde seit 10 Jahren der ein solch „exotisches“ Teil kaufen möchte.
Wenig später stehen 5 Isländer relativ entgeistert um den Computer an der Kasse und versuchen ihm verzweifelt einen Preis zu entlocken. Als ich schon damit rechne das mir jemand vorschlägt ich solle das Ding klauen weil man keinen Preis findet – darf ich endlich 7 Euro in Kronen abdrücken und bin zufrieden dass ich mein Stativproblem endlich dauerhaft gelöst habe.
Auf dem Zimmer gibt es auf den Schreck noch ein Bierchen und mit dem Gedanken an das kleine Abenteuer der bevorstehenden Hochlanddurchquerung schlafen wir wie üblich schnell ein.
Übernachtung: Akurinn Guest House
Preis: 8200 ISK (47 €) ohne Frühstück, diesmal keine Schlafsackunterkunft Bad & WC am Gang
Bewertung: 8 von 10
Kommentar: sicher mit das beste was man für kleineren Geldbeutel in Akureyri haben kann, in die Jahre gekommen – aber ehrenvoll
Bild des Tages:
Der Aldeyarfoss - Island pur
Andrea:
Ich habe ja gedacht, so viele Wasserfälle würde ich irgendwann langweilig finden. Mal sehen, wann "irgendwann" ist ;)
... oder es doch nie langweilig wird (was ich ehrlich gesagt vermute) :)
Horst:
--- Zitat von: Andrea am 04. November 2013, 19:13:36 ---Ich habe ja gedacht, so viele Wasserfälle würde ich irgendwann langweilig finden. Mal sehen, wann "irgendwann" ist ;)
... oder es doch nie langweilig wird (was ich ehrlich gesagt vermute) :)
--- Ende Zitat ---
Ach ich bin ja bei den anonymen Wasserfallabhängigen - da kan man gar nicht genug von den Dingern sehen. ;)
Ilona:
Auf den ersten Bildern wart ihr im T-Shirt und ich dachte schon, dass zwischenzeitlich der Hochsommer in Island ausgebrochen ist :toothy9:.
Wegen der Motorhaube könnte ich jetzt anmerken "Mann und Technik" :totlach:, aber nein, wir Frauen haben einfach sehr oft gute Ideen :cool2:.
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