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Riesling, Regen, Rhein und Ritter - Eine Wanderung auf dem Rheinburgenweg

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Flicka:
Was lange eine vage Idee war, wurde in diesem Sommer zur festen Planung: Elsa (Name von der Redaktion geändert) und meine Wenigkeit hatten den Entschluss gefasst, am langen Wochenende Anfang Oktober auf einer mehrtägigen Wanderung den Rheinburgenweg zu erobern.

Der Rheinburgenweg ergänzt den Rheinsteig. Während letzterer rechtsrheinisch verläuft, startet der Rheinburgenweg im linksrheinischen Bingen und führt von dort aus etwa 200 km bis zum Rolandsbogen nördlich von Rolandseck. 200 km waren uns für eine viertägige Wanderung dann doch etwas überambitioniert erschienen, aber von Bingen nach St. Goar und vielleicht noch ein Stückchen darüber hinaus, das schien uns machbar.

Sonderliche Erfahrungen mit mehrtägigen Wanderungen hatten wir beide nicht, und die Idee, das komplette Gepäck täglich über den Rheinburgenweg zu schleppen, war mir von Anfang an nicht sympatisch erschienen. Wir entschieden uns schließlich, drei Nächte in einem Hotel in St. Goar Quartier zu beziehen, nur mit Tagesgepäck zu wandern und die Start- und Endpunkte unserer Tagesetappen jeweils mit dem Zug anzusteuern. Das ist auf dieser Teilstrecke des Rheinburgenwegs auch sehr gut möglich, denn zwischen St. Goar und Bingen liegen alle paar Kilometer kleine Ortschaften am Rheinufer, die jeweils eigene Bahnhöfe haben, und der Weg führt nur knapp oberhalb der jeweiligen Orte vorbei, so dass die Ab- und Zuwege meistens kurz sind.

Wollt ihr uns begleiten? Dann schnürt schon mal die Wanderschuhe, packt Wasser und Verpflegung ein und fahrt nach Bingen, wo wir unsere Reise beginnen wollen.

Flicka:
Donnerstag, 3. Oktober

Am Morgen des 3. Oktober finden wir uns gegen viertel nach zehn am Hauptbahnhof in Bingen ein, ausgestattet mit Wasser, Ciabatta-Brötchen, Äpfeln, einer großen Portion Studentenfutter und viel guter Laune im Gepäck. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist zwar nicht so rosig, aber heute soll sich der Oktober von seiner goldenen Seite zeigen.

Das Hinweisschild am Bahnhof zeigt an, dass der Beginn des Rheinburgenwegs noch einen knappen Kilometer entfernt liegt, aber damit hat es sich dann auch schon mit den erhofften lückenlosen Ausschilderungen. Ein Pfeil zeigte an der Hauptstraße nach links, und so irren wir ein paar Minuten oberhalb des Bahnhofs ein Stück an der B9 Richtung Bingen entlang, dabei soll der Einstieg in den Wanderweg doch in die andere Richtung liegen. Der Wanderführer verspricht ein Portal an der B9, also marschieren wir schließlich an der B9 entlang und finden dann auch das erste Logo in rot auf weißem Grund, das den Hauptweg markiert. Das versprochene Portal ist irgendwie an uns vorbeigegangen. Aber immerhin gibt es schon am gegenüberliegenden Rheinufer die erste Burgruine, die Ruine Ehrenfels, zu sehen. Die Burg wurde Anfang des 13. Jahrhunderts, wohl zur Verteidigung des Erzstifts Mainz, gebaut und diente ab der Mitte des 13. Jahrhunderts als Zollstation. Zerstört wurde sie Ende des 17. Jahrhunderts.




Begleitet von Schildern und Symbolen wandern wir durch ein Waldstück bergauf und können bald die ersten Rheinblicke genießen.




Weiter führt der Weg durch den Wald, bis zu einer Hängebrücke. Der Weg führt zwar daran vorbei, aber wenn man schon mal da ist, kann man ja auch drüberlaufen. Elsa und ich haben hier viel Spaß bei dem Versuch, ein Foto mit Selbstauslöser mitten auf der Brücke zu fabrizieren. Ein paar Minuten später finden wir dann diese schönen Zeilen am Wegesrand




bevor wir die Villa Rustica, Reste eines Anwesens aus römischer Zeit, erreichen und picknicken.




Etwa zweieinhalb Stunden nach unserem Start am Bingener Bahnhof erreichen wir schließlich die Steckeschlääferklamm, einen Weg entlang eines Bachlaufs, der von vielen Gesichtern gesäumt wird, die in die Bäume geschnitzt wurden.




Dann ruft das Schweizerhaus, wo wir uns eigentlich für den dazwischenliegenden heftigen Anstieg mit einem erfrischenden Bier oder Schoppen belohnen und dabei die Aussicht genießen wollen. Die Aussicht ist tatsächlich fantastisch, die Bedienung aber heillos überfordert, so dass wir uns schließlich nach einigem Warten leicht enttäuscht ohne die erhoffte Erfrischung auf den Weg ins Tal machen. Na ja, dass an einem Feiertag bei gutem Wetter der ein oder andere Besucher den Weg zur Hütte finden würde, haben die Betreiber ja nicht ahnen können.  ;)




Der Weg ins Tal verläuft über den alten Eselspfad bis hinunter zur Burg Rheinstein. Nachdem mein Wanderführer die Burg mit kaum einem Satz würdigt – den Hinweis, dass der Zuweg zur Burg 300m unterhalb des eigentlichen Rheinburgenweges steil nach unten führe, kann man sogar als Warnung verstehen - sind wir eigentlich nicht darauf eingestellt, hier etwas besonderes zu sehen.




Falsch gedacht, denn die Burg Rheinstein kann besichtigt werden, was wir denn auch gerne tun. Erbaut im 14. Jahrhundert, war sie nach dem 16. Jahrhundert langsam wieder verfallen, wurde zwischenzeitlich im 19. Jahrhundert, als Rheinburgen plötzlich als romantisch galten, wieder aufgebaut, war aber im 20. Jahrhundert in einem derart schlechten Zustand, dass sich lange kein neuer Eigentümer fand, der bereit gewesen wäre, die Burg zu restaurieren. Das erfolgte erst nach 1975. Heute gilt die Burg als weitgehend originalgetreu ausgestattet.






Von hier aus sind es nur noch eineinhalb Kilometer nach Trechtingshausen, dem Endpunkt unserer heutigen Etappe. Wir verlassen den Rheinburgenweg und machen uns auf den etwas über einen Kilometer langen Abweg zum Trechtingshausener Bahnhof. Nachdem wir an einem geschlossenen Bahnübergang eine Weile gewartet haben, bis wir herausfinden, dass man per Knopfdruck um die Öffnung der Schranken bitten muss, ist der weitere Weg frei und wir wandern entlang von Gärten und Weinstöcken und können dabei noch einen Blick auf die Burg Reichenstein erhaschen. Die Burg war im 13. Jahrhundert Sitz von Raubrittern, und offenbar trieben es die Raubritter so schlimm, dass sich schließlich König Rudolf von Habsburg persönlich des Problems annahm, die Burg belagerte, eroberte und niederbrannte.




Bis zur Abfahrt unseres Zuges haben wir noch eine Dreiviertelstunde Zeit und flanieren den Hinweisschildern folgend durch den Ort auf der Suche nach einem gemütlichen Biergarten oder einer urigen Weinwirtschaft. Aber auch diesmal haben wir kein Glück: Die Hinweisschilder führen ins Leere, und wir setzen uns schließlich ans Rheinufer in die Sonne und spülen unsere letzten Ciabatta-Brötchen mit Wasser hinunter.

Ob der Rhein sich gegen uns verschworen hat? Als wir drei Stunden später in St. Goar im Hotel eingecheckt und die Füße ein wenig hochgelegt haben und schließlich hungrig die Tür „Zur Krone“ öffnen, teilt uns die Bedienung in einem Atemzug mit der Begrüßung mit, dass wir hier keine Aussicht auf einen freien Tisch hätten. Wir versuchen unser Glück dann im Hotel am Markt, wo wir uns immerhin zu zwei anderen Gästen an einen Sechsertisch setzen dürfen. Endlich gibt es das ersehnte Bier und ein Essen, von dem man immerhin sagen kann, dass es sättigt und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist.  ;)

Nach einem kurzen Blick auf die andere Rheinseite zieht es uns schließlich schon um neun Uhr ins Hotel zurück. 14 km sind wir inkl. aller Zu- und Abwege heute bei schönstem Herbstwetter gewandert, und wir freuen uns schon auf den nächsten Tag.

Gute Nacht!

Andrea:
Wow, du bist ja schnell mit deinem Bericht am Start... Wir haben Verwandte in der Gegend um Koblenz, da habe ich schon öfteres gedacht, dass man da mal Urlaub machen müsste. Weiter südlich sieht´s aber auch toll aus!

Horst:

--- Zitat von: Flicka am 08. Oktober 2013, 18:52:21 ---Wollt ihr uns begleiten?

--- Ende Zitat ---
Na aber selbstverständlich.  :)
Der Titel klingt ja so, als ob von allem was man in der Ecke braucht was dabei wäre.  ;)

Burg Rheinstein ist ja ein Prachtexemplar von einer Burg und die Ausblicke vom Weg sind große klasse.
Freue mich auf noch mehr.  :)

Birgit:

--- Zitat von: Horst am 08. Oktober 2013, 22:30:03 ---Der Titel klingt ja so, als ob von allem was man in der Ecke braucht was dabei wäre.

--- Ende Zitat ---

Na ja, den Regen wohl weniger, zumindest dann, wenn man selbst draußen ist. Solange es schön und sonnig ist und ich so herrlich im Sitzen vor dem Computer mitwandern kann, ist es mir aber recht und ich warte geduldig auf den Riesling :)

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