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Incredible India - meine neue, große, bunte, aufregende Liebe
Birgit:
Ich mag Fledermäuse auch, vor allem deshalb, weil sie diese kleinen blöden Blutsauger fressen, die einem echt das Leben zur Hölle machen und einem den Schlaf rauben können.
Flicka:
Ich kann das so gut nachvollziehen. Manchmal hat man einfach einen Nörgeltag. Was man gestern noch pittoresk und authentisch fand, ist am Nörgeltag einfach nur Müll. Und wenn dann noch Umstände dazukommen, die einen zwingen, den Seidenschlafsack zu ziehen.... ;)
--- Zitat von: Birgit am 10. November 2013, 17:31:47 ---LOL, Ilona, genau! Indien kann ich nicht lange böse sein ;)
--- Ende Zitat ---
Das hatte ich angesichts des Titels des Reiseberichts auch schon vermutet. :)
Birgit:
Obwohl, eins ist ausgeblieben: Es hieß in irgendeinem Indienforum, dass man in Indien in jedem Bett und immer Haare finde von fremden Leuten. Ich habe in manch thüringischem Pensionsbett schon Haare gefunden, in Indien jedenfalls kein einziges, nicht mal in dem Schuppen in Jodhpur.
Daher konnte der Seidenschlafsack meistens auch im Koffer bleiben und sich ausruhen.
Heiko:
Schön, mal für einen Nachmittag weg von den ganzen Menschenmassen und bei einem Kamelritt etwas mehr Ruhe in der Wüste zu genießen :).
Birgit:
MO, 21.10.: Sightseeing Jodhpur
Ich erwache vor Morgengrauen vom Ruf der Muezzine rund um mich herum. Jodhpur ist zum größten Teil muslimisch, wie weithin zu vernehmen ist. Ich schlafe wieder ein und erwache erst mit dem Weckerklingeln. Ich dusche mit meinen Crocs in dem verkeimten Bad und gehe zum Frühstück. Auch heute bin ich unwirsch und ungehalten. Die Auswahl ist gering, die Schale, in der die Cornflakes geliefert werden, erinnert an den Mülleimer im Zimmer. Dann läuft noch einer mit einer Rechnung hinter mir her, obwohl ich den Preis für das Hotel inklusive Frühstück zahle und ich habe die Faxen dicke.
Blick vom Hoteldach auf das Familienleben rundherum:
Anil erwartet mich pünktlich. Ob ich gestern sauer auf ihn gewesen sei, ich hätte "not happy" gewirkt. Ich erkläre ihm mein Hotelproblem. Kein Problem, er ruft sofort im Krishna Prakash Haveli an, die haben heute ein Zimmer, das er sofort für mich reserviert. Wir checken aus. Ich fühle mich schon ein bisschen besser.
Das Gepäck fährt mit zu unserem ersten Ziel, dem Umaid Bhavan Palast, wo die Maharajas noch bis ins 20. Jahrhundert gelebt haben, ein Enkel lebt laut Reiseführer heute noch hier. Ich finde die Anlage imposant, aber letztlich unspektakulär, denn für Uhren aus der Jugendstilzeit und alte Autos muss ich nicht nach Indien reisen. Besser gefallen hat mir das Anwesen gestern aus der Ferne, bei Dunkelheit beleuchtet auf der Anhöhe.
Auf dem Rückweg an einer Ampel ein bettelndes uraltes Paar, ein bettelndes Kind und eine bettelnde jüngere Frau. Oh Mann, wenn ich mir vorstelle, dass bei uns ein Rentnerpaar sich gegenseitig stützend mit einer sauber geschrubbten Blechschale von Auto zu Auto gehen muss um etwas zu essen kaufen zu können...
Wir checken im Krishna Prakash ein. Auch hier ist das Zimmer noch nicht fertig, aber die gesamte Anlage und das Zimmer machen einen deutlich besseren und freundlicheren Eindruck als das vorherige Hotel.
Nicht noch einmal mache ich den Fehler hier im Zimmer das nun folgende Elend ansehen zu wollen. Ich verkrümel mich auf den Markt, besuche das Gewürzgeschäft (highly recommended in your lonely planet), kaufe ein paar Gewürze, die ich wohl nie nutzen werde. Ich besuche das Geschäft mit den Tüchern und Schals (highly recommended in your lonely planet), kaufe aber nichts, denn die Tücher aus der tollen Wolle aus Babyalpaka, die mir etwa eine Stunde mit all ihren Vor- und nicht bestehenden Nachteilen erklärt wird, sollen 250 Euro kosten. Selbst mit Handeln kommen wir da sicher nicht auf einen Preis, der mir angemessen erscheint, und ich gehe wieder. Ich besuche ein CD-Geschäft, (so far not highly recommended in my lonely planet) und kaufe drei CDs mit Bollywoodmusik und Ähnlichem. Der Verkäufer radebrecht leidlich englisch und ist sehr nett. Das hat nun auch ohne Lonely Planet viel Spaß gemacht.
Unterwegs wieder unglaubliche Straßenszenen, aber kein Angequatsche. Auf Platz eins der Straßenszenen eine Mutter, die ihrer Tochter, die wie Ronja Räubertochter aussieht, die Läuse vom Kopf sucht direkt unter dem Clock Tower.
Zuletzt besuche ich den Omelettestand (highly recommended in your lonely planet) und esse ein herzhaftes und ein süßes Teil, trinke dazu einen Kaffee und nehme ein Wasser mit und zahle dafür etwa 1,20 Euro. Hier wäre ich nie hingegangen, wenn Anil mir nicht Unbedenklichkeit zugesichert hätte.
Ich beziehe mein Zimmer. Es gefällt mir, besonders da es einen eigenen Balkon hat, der nun in der Sonne liegt und genau so ausgerichtet ist, wie ich es gerade so brauche. Also lege ich mich eine knappe Stunde in die Sonne.
Ich dusche und stelle dabei fest, dass dieses Hotel auch nicht wirklich sauberer ist als das Letzte. Ich grinse etwas in mich hinein. Ich habe es wohl so gemacht, wie man es nicht machen soll und habe mich auf das Nervende konzentriert und hätte es wohl besser selbst mal so machen sollen, wie ich es mit meinen salbungsvollen Worten noch in Jaisalmer beschrieben habe.
Um 16 Uhr bin ich mit Anil verabredet. Ich habe ihn gefragt, von wo aus man am besten die blauen Häuser ansehen kann und er meint, es sei ein etwas längerer Weg, aber er geht gerne mit und zeigt mir ein paar schöne Stellen. Wir marschieren los durch die zunächst brechend volle und laute Innenstadt. Wir kommen etwas höher, sind plötzlich hinter dem Fort. Immer wieder fotografiere ich blaue Häuser. So sehr viele gibt es davon nicht. Letztlich reichen aber wohl die etwa 30 Prozent blau gestrichene Fassaden, um die ganze Stadt aus der Ferne blau wirken zu lassen.
Wir sind an einem kleinen See. Einige Steinmetze gehen hier ihrer Arbeit nach und schleppen zu viert einen Riesenquader. Ich genieße den Blick auf die vom golden gewordenen Sonnenlicht angestrahlte Festung. Es gibt einen zunächst etwas abenteuerlichen Weg, der dann durchs Grüne zum Fort führt.
Dort wartet schon der nächste tolle Blick auf die Stadt. Mitreißende indische Popmusik schallt zunächst über die ganze Stadt bis zu uns hoch. Immer wieder muss ich aufstehen und mit indischen Menschen für ein Foto posieren. Auf den Dächern kann man aus der Ferne eine Menge Szenen beobachten: Spielende Kinder, Frauen, die Wäsche waschen und aufhängen.
Es wird langsam dunkel, und wir machen uns auf den Rückweg. Ganz in der Nähe des Hotels einer dieser hinduistischen Minitempel. Tempelglocken schallen heraus, der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft.
Der Charme Indiens hat mich wieder, dem Land kann ich offenbar nicht sehr lange böse sein.
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