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Stan und Olli, die Anti Shutdown Tour - Südwesten USA Herbst 2013
Thomas:
Schon länger wollte ich mir mal die Grand Falls of the Little Colorado River ansehen. Der passte heute bestens in unsere Tour. Foto - Merriam Cone, ein Schlackenkegel.
Die Anfahrt war kein Problem. Wie machten einfach, was das Navi sagte. Etwa 4 Kilometer vor dem Ziel, stand die Sandpiste komplett unter Wasser. Das Wasserloch scheint da normal zu sein, denn die Umfahrung war schon richtig schön eingefahren. Das letzte Stück vor den Wasserfällen ist dann etwas ruppig. Ist halt normal, wenn man über Lava fährt.
Foto - Die 56 Meter hohen Grand Falls of the Little Colorado River.
Wir hatten wegen der starken Regenfälle etwas die Hoffnung, dass von dem Wasser auch hier was ankommt, aber da kahm nix. Normal soll hier im Frühjahr zur Schneeschmelze die Post abgehen, aber auch nach kräftigen Niederschlägen. Ok wir fuhren jetzt schon paar Stunden in der Sonne, dann fiel wohl im Einzugsgebiet des Little Colorado River nüschts vom Himmel.
Die Grand Falls of the Little Colorado River entstanden vor 150000 Jahren nach dem Ausbruch des Merriam Cone. Dessen Lavastrom floss nach 12 Kilometer in den Canyon des Little Colorado River. Die heiße Pampe verstopfte den engen Canyon auf 1,4 Kilometer Länge. Nix ging mehr. Im Canyon staute sich das Wasser. Irgendwann schwappte die Wanne über und der Fluss suchte sich ein neues Bett. Er machte es sich einfach. Der Lavastrom endete nur einen Kilometer, nachdem er über den Canyon weiter kroch. Das Wasser floss jetzt um diesen erkalteten Lavastrom und fiel hier (Foto) wieder in seinen Canyon und fertig waren die Grand Falls of the Little Colorado River. In Google Earth kann man das wunderbar erkennen.
Nun schleppt der Colorado River immer jede Menge Sedimente mit. Diese setzen sich vor dem Pfropfen im Oberlauf ab. Daher ist heute vom Canyon im Oberlauf nichts mehr zu sehen.
Wenn dann hier mal Wasser fließt, ist das eine schmutzige Angelegenheit, denn der Little Colorado River schleppt nach wie vor jede Menge Sedimente mit, so dass es eher eine schlammige Pampe ist, die da runter plumpst. Die Braune Brühe erinnert an Schokolade, weshalb die Einheimischen das hier Chocolate Falls nennen.
Foto - ganz rechts im Bild der Lavastrom des Merriam Cone.
Unsere Flucht vorm Regen hat sich eindeutig gelohnt, deshalb strahlt hier nicht nur die Sonne.
Am Ende fuhren wir dann noch einmal durch den Little Colorado River. Auch hier sahen wir überall Reste vom Schlamm.
Uns hat es hier bestens gefallen. Ich könnt mir vorstellen noch einmal her zu fahren, aber dann sollte hier schon die Pampe fließen. Euch kann ich einen Besuch nur empfehlen. Aber Achtung, ihr befindet euch hier im Navajo Reservat und man benötigt ein Permit.
Von hier aus fuhren wir weiter nach Flagstaff, wo immer noch dichte Wolken hingen und checkten im Days Inn Flagstaff West Route66 ein. Hier hatten wir ein Zimmer für die nächsten beiden Nächte, für je 46,66€ reserviert. Eigentlich wollten wir eine Nacht in Sedona pennen, aber dort waren die Hotelpreise jenseits von gut und böse. Da hätten wir 80,-€ pro Nach mehr bezahlt. Da fahr ich lieber die paar Kilometer von Flagstaff nach Sedona und spar die Kohle.
Abendbrot gab es beim Chinesen, noch etwas shoppen und dann zum Hotel. Auf dem Parkplatz stand ein Bus, wo gerade eine Reisegruppe Deutsche ausstiegen. Wir dachten sofort an den Shutdown und hofften, dass die fähige Reiseleiter haben.
Auf dem Zimmer machte jeder das übliche...na ja Liebesbriefe an all unsere Mädels schreiben und so. Plötzlich höre ich, dass da welche an unserer Tür rumfummeln. Öha...ich geh durch Türschlitz gucken. Da stehen zwei ältere Mädels aus Sachsen und guckten mich verdattert an und murmelten was von sorry. Ich riss die Tür ganz weit auf und rief laut: "Toni, zwei williger Weiber". Ich hab sie dann gefragt, wie ich das meiner Frau erklären soll. Hahaha deren Gesichter...die Mädels haben gejucht. Die konnten sich gar nicht beruhigen und gackerten noch ´ne viertel Stunde auf dem Parkplatz.
So ich denke mal, das langt für heute. Gute Nacht.
Andrea:
:lach: :lach: :lach:
Was für ein Brüller am Ende eines wunderschönen Tages... :totlach:
Ilona:
--- Zitat von: Thomas am 04. Januar 2014, 19:50:16 ---Ich riss die Tür ganz weit auf und rief laut: "Toni, zwei willige Weiber". Ich hab sie dann gefragt, wie ich das meiner Frau erklären soll.
--- Ende Zitat ---
:totlach: Davon erzählen die Sachsenmädels bestimmt noch in Jahren ihren Enkeln :toothy9:.
Thomas:
Am heutigen Tag wollten wir die Leute rund um Sedona mit unserer Anwesenheit erfreuen. Kaum hatten wir Flagstaff Richtung Sedona verlassen, machte ich eine Entdeckung am Straßenrand. Toni hat wie immer nix mitbekommen. Ich bin mit Absicht etwas weiter gefahren und habe erst dann umgedreht und gehalten, so dass wir dem Fahrzeugtross nicht auffallen. Wir haben schnell das 70-200 2.8 IS USM auf meine Kamera geklemmt und fuhren wieder los. Toni übernahm vom Beifahrersitz aus das Lenken und ich knipste ganz aufgeregt meinen ersten Erlkönig. Leider habe ich keine Ahnung um welches Fahrzeug es sich handelt, aber mir war das wurscht, denn so etwas sieht man nicht alltäglich.
Erlkönige sind neue Fahrzeuge der Autoindustrie, die es noch nicht zu kaufen gibt. Diese Prototypen werden getestet. Um das Fabrikat, Typ und Aussehen, wird aus verständlichen Gründen ein Geheimnis gemacht, damit potentielle Käufer nicht auf das neue Modell warten und die aktuellen Modelle in den Autohäusern vergammeln.
Seit Jahren versuchten wir immer mal wieder in den Slide Rock State Park zu kommen, aber immer wenn wir im Sommer dort waren, standen die Fahrzeuge am Eingang Schlange. Jetzt im Herbst klappte es endlich.
Apfelplantage im Slide Rock State Park.
Das ehemalige Wohnhaus der Familie Pendley, erbaut im Jahr 1927.
Wir gingen runter an den Oak Creek.
Der Slide Rock State Park wurde erst 1987 eröffnet. Bis 1985 war das Gelände im Privatbesitz der Familie Pendley. Frank L. Pendley besiedelte im Jahr 1907 das Gelände im Oak Creek Canyon. 1910 kaufte er unter dem Homestead Act das Land für paar Dollar. Der Mann hatte sich da wirklich ein Sahnestück gekrallt. Er legte eine Apfelplantage an und baute Hütten, die er an Touristen vermietete. Von den Hütten stehen heute noch welche.
In den 80ern des letzten Jahrhunderts, beschloss die Pendley Familie, das Anwesen zu verkaufen. Das kam dem damaligen Gouverneur von Arizona zu Ohren. Er, der selbst in Flagstaff aufgewachsen und oft die Slide Rocks besucht hat, wollte das Grundstück unbedingt für den Staat kaufen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Staat war noch nicht so weit und daher gründete man eine Stiftung.
Nach langem Hickhack und Schmus anderer Politiker....ja die Pendleys hatten kein gutes Verhältnis zum Staat, vor allem die Leute vom Forest Service haben die Familie Pendley ein wenig geärgert. Na jedenfalls ging dann der Deal über die Bühne und die Pendleys waren auf Schlag um 3,6 Millionen $ reicher.
Der ganze Plunder wurde ein halbes Jahr später dann von der Stiftung, die es zuerst erworben hatte an den Staat Arizona für läppische 170000,-$ Aufpreis verhökert.
Im Sommer lädt der Oak Creek zum Baden ein. Wer dann hier her will, sollte früh hier sein, denn der State Park hat nur eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen. Die Autos stehen dann bis auf die Straße Schlange und die Leute hoffen, dass jemand den Park verlässt und sie nachrücken dürfen.
Ich kannte die Slide Rocks bisher nur aus Google Earth, manchmal erhaschte ich beim Vorbeifahren einen Blick. Die Leute lagen auf den roten Steinen, wie anderswo am Strand.
Der Slide Rock State Park ist inzwischen eine der Top Adressen in Arizona. Eintritt kostet hier 10,-$ pro Fahrzeug. Ok ist nicht gerade billig, aber irgendwie muss ja die Kohle für den Kauf wieder reinkommen.
Ganz ehrlich, ich werde wieder versuchen hier mal im Sommer rein zu kommen. Jo Martina muss das Ding doch auch mal sehen. Euch kann ich einen Besuch nur empfehlen.
Thomas:
Wir waren immer noch mitten im Shutdown. Bei unseren nächsten beiden Zielen hatte ich Null Ahnung, ob sie trotzdem erreichbar sind. Gleich hinter Sedona, wenn man den Teer Richtung Palataki und Honanki verlässt, stand ein Schild mit dem Hinweis, dass Palatki dicht wäre. Hmm von Honanki stand da nix. Egal zur Not schauen wir uns die Gegend an.
Wir fuhren trotzdem zu Palatki, da wir eh fast daran vorbei mussten. Tatsächlich alles verrammelt.
Der Weg nach Honanki wurde immer schlechter. Wir begegneten Leuten mit PKW und wissen bis heute nicht, wie die da gefahren sind.
Bei Honanki hatten wir mehr Glück, denn die hatten tatsächlich offen. Komisch war das schon, denn Palatki und Honanki stehen unter der Verwaltung des Forest Service und die feierten ja auch den Shutdown.
Große Überraschung, die Firma Pink Jeep Tours aus Sedona, die den lieben langen Tag mit ihren pinken Jeeps Touristen durch die Gegend kutschieren haben Honanki geöffnet. Keine Ahnung, wie sie das gemacht haben und wer da mit wem schlafen musste, wir fanden das geil und haben uns bei der Vertreterin von Pink Jeep Tours vor Ort artig bedankt. Eintritt fiel keiner an, nicht mal den National Park Pass, der hier sonst gilt, wollte die nette Tante sehen. Nöö sie bat uns nur, hinterher in ein ausgelegtes Gästebuch was zu schreiben.
Später erfuhren wir, das Pink Jeep Tours hier ganz offiziell die Honanki Heritage Site betreibt.
Vom Parkplatz bis zu den Ruinen der Honanki Heritage Site geht man nur 300 Meter.
Bei den Ruinen waren gerade zwei kleine Reisegruppen unterwegs. Jo die Fahrer von Pink Jeep Tours übernahmen hier vor Ort auch die Führungen durch die Ruinen. Wir zogen es vor uns das alleine anzugucken.
Ach Thema Fahrer...die trugen alle Knarren. Hmmm ist die Gegend hier so gefährlich? Wir hatten plötzlich Schiss. Treibt hier der böse Buhmann aus meinen Träumen in der Kindheit sein Unwesen, oder ist das hier, wo der böse Wolf die Großmutter und die sieben Geißlein gefressen hat. Mist unsere Taschenmesser lagen beim Futter im Auto. Ach... wir gingen dann einfach so weiter. In der Not lass ich mich einfach auf den Wolf fallen und dann gibt's heute Abend gegrillten Wolf. Wie, was? Ja ich hab meine Pillen genommen.
Erster Eindruck von den Ruinen, alles wirkte recht natürlich, also nicht verfallen bis zum geht nicht mehr, aber auch nicht tot saniert. Die Ruinen liegen am Fels sehr geschützt und auch relativ abseits von der Zivilisation, so dass Honanki von Vandalen weitestgehend verschont blieb.
Honanki, was Bärenhaus bedeutet, war von etwa 1100 - 1300 unserer Zeitrechnung von den Sinagua, den Vorgängern der Hopi Indianer bewohnt. Die Sinagua waren diejenigen, die den Großteil gebaut haben. Dieses Pueblo bestand mal aus etwa 70 Räumen und war damit das Größte in der Gegend.
Nach den Sinagua zogen hier die Yavapai und später die Apachen ein und nahmen jeweils kleine bauliche Veränderungen vor.
An einer Stelle von Honanki sieht man ganz deutlich am Fels, dass es hier mal gebrannt haben muss. Wir hörten wie ein Fahrer von Pinktours von einem Feuer erzählte. Die Indiander haben danach die Steine der ausgebrannten Räume genutzt um an einer anderen Stelle im Pueblo neue Hütten zu bauen. Man erkennt das deutlich an den immer noch schwarzen Steinen in der Ruine.
Thema Kunst...ui keine Angst, ich halte keinen Vortrag, aber irgendwas Schlaues muss ich doch erzählen, oder wenigstens so tun.
Die Pictographs sind ein Gemeinschaftswerk der Sinagua und dem Yavapai. Ist halt wie im richtigen Leben, einer schmiert ´ne Hauswand voll, kommen andere und machen weiter.
Auch die Pictographs waren hier extrem gut erhalten. Sie wirkten fast plastisch auf uns, als wenn die dicke Lackfarbe gerade erst trocken war. Die Zeichnungen hier machten sogar Sinn, eindeutig Jagdszenen.
Honanki war Klasse. Falls ihr euch das auch mal anschauen wollt, denkt daran, die Schotterpiste hierher kann richtig beschissen sein.
Foto - Ah Blasmusik. Da fallt mir was ein, muss ich euch erzählen. Ja hab heute meinen Sabbeltag und keinen Friseur, dem ich das erzählen kann.
Ich bin doch Ossi. Nach der Wende machte hier im Ort das "Every Night" auf, was angeblich bei Männern mit Druck auf der Flöte....na die nach Erotik verlangten, sehr beliebt war. Wir wohnten damals noch in einem Mietshaus mit sechs Parteien. Wir konnten alle gut miteinander, grillten und klönten miteinander uns was weiß ich. Wir Männer fanden das Thema Every Night spannend. Nun hatten wir auch alle Kinder und die mussten ja nicht alles wissen. Toni damals noch im Kindergarten horchte zu und schnappte paar Worte auf. Na jedenfalls, wenn man ihn dann fragte, was das "Every Night" ist, antwortete er: "Da gibt's Blasmusik".
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