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Eisland - Grönland & Island im Sommer 2013
Paula:
also mir gefällt heute der Türkis-lila Berghang am besten! Das sieht ja so richtig künstlich aus, Wahnsinn was die Natur alles hergibt! Die Nebelbilder sind auch klasse ^-^
Sag mal eure Unterkunft heute ist ja wohl jotwedeh (oder wie schreibt man das?) also völlig abgelegen? Wäre da zur Not ein Restaurant gewesen oder muss man als Islandurlauber immer eine futtergefüllte Kühltasche mit sich tragen?
serendipity:
Was für eine fantastische Landschaft! Ich bin völlig hin und weg, da stört mich nicht einmal die fehlende Sonne.
Schade um den Lachs, auf den hatte ich mich nämlich jetzt schon gefreut!
Horst:
--- Zitat von: Isa am 06. Februar 2014, 11:32:21 ---In diese Schlucht könntet Ihr beim nächsten Mal aber reinschauen, Horst!
Zumindest uns hat es dort (hinter ein paar Canyonwindungen) recht gut gefallen. Und ich finde, gerade bei trübnassem Wetter wirken die Farben sogar satter. Wobei es da drinnen nicht nur Farben gibt...
Aber dort parken, wo das weiße Auto steht! ;)
--- Ende Zitat ---
Na ja man ist bei Island halt verwöhnt und bunte Steine gibt es an einigen Stellen in Island - aber ich denke an der Ecke kommen wir irgendwann noch mal vorbei. ;)
--- Zitat von: Paula am 06. Februar 2014, 13:11:38 ---Sag mal eure Unterkunft heute ist ja wohl jotwedeh (oder wie schreibt man das?) also völlig abgelegen? Wäre da zur Not ein Restaurant gewesen oder muss man als Islandurlauber immer eine futtergefüllte Kühltasche mit sich tragen?
--- Ende Zitat ---
Diese Unterkunft ist in der Tat sehr abgelegen - aber zu Essen hätte es schon was gegeben wenn wir gefragt hätten.
Wer Unterkünfte mit Küche bucht kann sich aber vorsorglich auch immer ein paar Nudeln, Reis und Nudelsoße im Glas (also eben Sachen die nicht gekühlt werden müssen) auf "Lager legen" dann hat man immer wenigstens was warmes zu Essen - wenn es auch nicht unbedingt ein Gourmet-Mahl gibt. ;)
--- Zitat von: serendipity am 06. Februar 2014, 16:40:16 ---Schade um den Lachs, auf den hatte ich mich nämlich jetzt schon gefreut!
--- Ende Zitat ---
... und wir erst .... ::)
Susan:
Wie gut, dass ich mir auf dem Markt schon eigenen Lachs besorgt habe :zwinker: Habe jetzt die letzten Tage nachgeholt und bin begeistert - besonders von den sonnigen Tagen :floet: Okay, auch Nebel und Niesel erzeugt interessante Stimmungen wie eure Bilder beweisen.
Jetzt aber drück ich mal die Daumen für's Wetterglück die nächsten Tage
Horst:
13.Tag, 12.7.2013, Freitag
Schon als wir heute frühmorgens auf Geheiß des Weckers den Kopf aus den Federn heben spüren wir eine gewisse Spannung – Crunch Time.
Der Blick aus dem Fenster ist ernüchternd – es regnet und nicht nur weil es erst 5.30 Uhr ist sieht es düster aus.
Auf dem Marsch zum Klo der wieder die Wandernadel in Gold einbringt treffe ich auf den Vermieter der ebenfalls schon wegen uns aufgestanden ist.
Ich bedanke mich noch mal bei ihm für seine Fürsorge und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Zeit.
Das Wetter ignorieren wir einfach, steigen gegen 6 Uhr in den tropfnassen Nissan ein und brausen davon – Richtung Westen auf die 910 zur Askja.
Nach wenigen Minuten ist eine erste kleine Furt zu bewältigen die sonst wohl nur eine Pfütze ist aber heute richtig Wasser hat.
Die Landschaft verändert sich und bekommt Hochlandcharakter.
Die Vegetation löst sich fast in Nichts auf – schwarzer Lavasand und dunkle Ascheberge prägen das Landschaftsbild – immer wieder faszinierend.
Auch die GoPro ist wieder im Einsatz.
Eine Nebelsuppe schneidet uns von der Außenwelt ab und der Scheibenwischer, dessen Wischblätter eigentlich schon ein Fall für die Rente wären, quietschen munter vor sich hin.
Nach etwa einer Stunde Fahrt sind zwei tiefere Furten zu durchqueren bei denen wir vorher erstmal anhalten und nicht einfach ungebremst durchbrettern wie bei den überschaubaren Bächen und Flüsslein davor. Eine wirkliche Herausforderung sind aber auch diese Furten noch nicht.
Immerhin das Wetter macht uns Hoffnung und beginnt sich zu bessern.
Der Regen hört auf und gerade in unsere Richtung bei der 910, die inzwischen ein „F“ bekommen hat, sieht es am besten aus.
Wir überqueren einen reißenden Fluß über eine Brücke und können im Westen den ersten Sonnenstrahl des Tages registrieren. Ein Strahlen, das sich auch auf unsere Gesichter legt.
Askja wir kommen.
Wir scheinen Glück zu haben. Sogar die Herdubreid – die Königin der isländischen Berge zeigt sich fast völlig ohne Wolken und das ist schon bemerkenswert.
Nach insgesamt 3 Stunden erreichen wir die Rangerstation an der Askja.
In der Station erfahren wir noch einmal das gleiche wie gestern am Telefon – ein Stück geht noch mit dem Allrad und dann ist Feierabend. Der Rest der F894 geht nur noch zu Fuß durch den teilweise tiefen Schnee.
Jetzt sind wir schon mal hier – das Wetter hält sich tapfer – also let's get ready to rumble.
Wir fahren die holprige Piste bis zur Absperrung und stellen den Wagen ab.
Da die Tour wohl einiges an Körnern kosten dürfte genehmigen wir uns im Auto noch ein schnelles Frühstück. Dann werden die Gummistiefel angezogen und auch sonst mal wieder so ziemlich alles übergestülpt was wärmt, denn viel über Null hat es hier oben an der Askja nun wirklich nicht. So um die 3 Grad – immerhin plus – aber für einen Julitag doch überschaubar.
Ein kalter Wind pfeift uns von vorne ins Gesicht, als wir ständig leicht bergauf den mit Stangen abgesteckten Weg durch den Schnee nehmen.
Die Landschaft ist schon hier absolut beeindruckend.
Schwarze Vulkanberge, deren Kuppen aus den weißen Schneefeldern herausragen vermitteln den Eindruck, in einer so ganz anderen Welt gelandet zu sein.
Eine Zeitlang versuchen wir uns in einer Fahrspur die wohl vom Ranger stammt, aber hier sinken wir immer wieder ein. Am Rand wo der Schnee noch fester ist läuft es sich besser. Die Bedingungen wechseln ständig. Mal scheint die Sonne, dann ist sie wieder von Wolken verdeckt, mal bläst der Wind uns die Nasen blau, mal verhält er sich friedlich.
Nach etwa 90 Minuten, die sich wie die doppelte Zeit anfühlen erreichen wir den eigentlichen Parkplatz. Wobei ohne die Klohütte wäre er nicht als Parkplatz erkennbar – selbst Infotafeln sind von hohem Schnee verschluckt worden.
Wir stapfen hinauf zum Rand der Caldera und blicken auf das Ergebnis des größten Vulkanausbruchs Islands. 1875 setzte eine lang anhaltende vulkantektonische Phase ein die bis 1929 anhielt. Explosive Eruptionen bei der auch diese Caldera entstand, wurden als das Askjafeuer bekannt.
Die Askja, ein mehrere hunderttausend Jahre alter Vulkan war erwacht und modelierte die Landschaft neu.
Für rund 20 Minuten kommt die Sonne heraus und strahlt so intensiv, daß wir ohne Sonnenbrillen kaum mehr etwas gegen den reflektierenden Schnee erkennen können.
Wir gehen entlang der abgesteckten Stangen durch den Schnee.
Danach zieht es sich wieder zu und der Wind nimmt gewaltig an Fahrt auf.
Schließlich erreichen wir tatsächlich unser Ziel – den 220m tiefen Öskjuvatn, der ebenfalls in der Ausbruchserie vor rund 100 Jahren entstand.
Genauso wie der kleine Viti Krater der wie eine Hexenküche gifttürkis zu uns herauf leuchtet.
Ein faszinierender Ort – der schon eine ganz eigene Magie verströmt.
Hier hatten die Apollo Teams u.a. Neil Armstrong von 1965 bis 1967 für die Mondlandung trainert und hier am See endete die Expedition der beiden deutschen Forscher Knebel und Grumbkow die während einer Fahrt auf dem Öskjuvatn verunglückten und von denen nie mehr eine Spur gefunden wurde.
Kurz nachdem wir den See erreichen, werden die Berge dahinter leider vom Nebel eingehüllt.
Der Wind pfeift uns die letzte Wärme aus dem Leib und schließlich beginnt es sogar zu schneien. Nur wenige Minuten später wird das Schneetreiben so intensiv, daß man im Zusammenspiel mit dem starken Wind von einem Schneesturm reden kann.
Wir packen unsere Kameras wieder ein und freuen uns, daß wir diesen magischen Ort erreicht haben.
Der Schneesturm wird stärker, die schneebedeckten Berge hinter dem See sind nun fast völlig vom Nebel verschluckt und bevor auch von uns keine Spur mehr gefunden wird, machen wir uns auf den Rückweg.
Immerhin haben wir diesmal Rückenwind – was uns spürbar unterstützt und natürlich wesentlich angenehmer für die bereits windgepeitschten Bäckchen ist.
So schaffen wir den Rückweg, zu dem im Schnee versunkenen Parkplatz, da es bergab geht, diesmal komplett in 90 Minuten.
Größere Fotografier- und Filmstopps legen wir jetzt allerdings nicht mehr ein – obwohl sich das Wetter außerhalb der Caldera wieder von seiner freundlicheren Seite zeigt.
Als wir wieder am Auto aufschlagen sind wir doch etwas geschafft aber natürlich völlig happy, daß wir hier waren und durch die Caldera zum See gelangt sind.
Gerade so wie wir es hier erlebt haben mit allen Wetterkapriolen – so ist das eben in Island, hier hakt man nicht einfach Programmpunkte ab – hier ist man den Launen der Natur ausgesetzt und wie bei uns Menschen – die hat nicht immer nur gute Laune. ;)
Wir jetzt natürlich schon und so fahren wir wieder hinab zur Rangerstation.
So richtig aus den Gummistiefeln kommen wir aber noch nicht. Gleich hinter der Hütte beginnt die Drekagil Schlucht, ein urzeitlich wirkender Canyon aus Lavagestein.
Weit kommen wir aufgrund des hohen Wasserstandes auch mit unseren Gummistiefeln nicht aber für einen kleinen Eindruck reicht es.
Zudem haben wir heute noch sehr viel Weg vor uns.
Wir überlegen ob wir die F88 (mit zwei sehr tiefen Furten) oder wieder die F910 zur Ringstraße fahren und entscheiden uns für die sichere Variante, die F910. Für Experimente haben wir heute keine Zeit und die Flüsse am Nachmittag haben bekanntermaßen einen deutlich höheren Wasserstand als am Vormittag.
Belohnt werden wir fast eine Stunde lang mit schönen Ansichten der Herdubreid die sich teilweise völlig aus den Wolken befreit.
Daß die Furten nachmittags wirklich unangenehm werden können erleben wir selbst auch. Ein Fluß, den wir am Morgen noch relativ achtlos gefurtet hatten ist nun ein doch ca 40-50 cm tiefer temperamentvoller Strom geworden.
Schmelzwasserflüsse schwellen tagsüber bei höheren Temperaturen teilweise bis zu einem Meter Höhenunterschied an!
Hier müssen wir schon mal überlegen welchen Radius wir durch den Fluß fahren.
Es geht aber alles gut und wir kommen ohne Probleme auf der andere Seite an.
Nach 3 Stunden ab der Askja erreichen wir wieder den Asphalt, biegen auf die Ringstraße und sind praktisch Punkt 18 Uhr am Myvatn.
Für uns noch lange nicht das Ende unserer Strecke, aber an dem Thermalgebiet vom Hveris am Berg Namaskand wollen wir nicht einfach achtlos vorbeifahren.
Dafür ist es einfach zu stark.
Also ziehen wir heute zum dritten Mal die Gummistiefel an, denn hier ist es bei Nässe gerne etwas lehmig und so vermeidet man Klumpenbildung an den guten Wanderschuhen.
Unser Timing ist gerade perfekt denn nur wenige Minuten nachdem wir die dampfende Wunderwelt unter die Gummisohlen genommen haben, bricht die Sonne durch und wie !
Zauberlicht – Petras Definition für die schönste aller isländischen Wettervariationen beschenkt uns mit fantastischer Szenerie.
Das Gebiet hier ist ja so schon toll aber mit diesem Licht – einfach nur großartig.
Nach 45 Minuten ziehen dicke Wolken vor die Sonne und die Show ist vorbei.
Wir warten noch einmal 20 Minuten aber nein – game over.
Das hat natürlich ordentlich an der Uhr gearbeitet aber den kurzen Abstecher zur Krafla bzw. dem Viti Krater machen wir noch.
Für die Runde am Leirhnjukur haben wir keine Zeit und irgendwie müsste es auch mal was in den Magen geben. Den für heute angedachten Couscous-Salat haben wir als Lachsersatz ja schon gestern verbraten – sofern man das bei einem Salat sagen kann.
Wir biegen auf die 1 die um den Myvatn herumführt ab.
Das Schild „Pizza“ kommt da wie gerufen.
Gerufen wird auch zu unserer Unterkunft und zwar per Telefon. Wir würden bis gegen 22 Uhr kommen und wollten diese späte Ankunft nochmal genehmigen lassen. Kein Problem – wie überhaupt in Island eigentlich nie irgendwas ein Problem ist und sollte mal eines auftreten löst man es ohne großes Aufhebens.
Auf der Fahrt um den Myvatn, den Mückensee – eines der isländischen Toptouristikziele kommt noch einmal das schöne Zauberlicht hervor.
Ein paar Motive finden sich auch. Vor allem die Pseudokrater im Süden bieten sich für ein paar MB auf dem Datenträger an.
Blick von den Pseudokratern zum Hverfjall einem 2500 Jahre alten Tuffringkrater der ebenfalls zum Kratersystem der Krafla gehört.
Weiter geht es auf dem Weg nach Westen. In Laugar winken wir kurz der Werkstatt die uns 2010 aus einer „misslichen Situation“ geholfen hat und erreichen schließlich den Godafoss. Das inzwischen schlechte Wetter macht uns die Entscheidung leicht hier noch schnell einen Stopp einzulegen. Wenn wir unsere Zusage halten wollen geht da eigentlich sowieso nichts mehr – wir sind spät dran.
Die 843 führt uns die letzte Strecke nach Süden und wir schaffen eine Punktlandung – genau 22 Uhr erreichen wir das Kidagil Gästehaus vor dem doch überraschend viele Autos stehen – was wir hier doch ein gutes Stück von der Ringstraße entfernt nicht unbedingt erwartet hätten.
Das Zimmer ist absolut ok und hat sogar ein Waschbecken integriert. Klo und Dusche gibt es im Flur, man muss nicht außer Haus, also alles wunderbar komfortabel.
Auto ausladen, Akku aufladen, Bierdoseninhalt entladen, uns auf einen GinTonic einladen und dann kurz vor Mitternacht das Bett mit uns beladen – das war's mit diesem Tag.
Morgen gilt es.
Entscheidend ist dabei nicht das Wetter sondern der Wasserstand der beiden Flüsse bei der Nyidalurhütte, dem einzigen zivilisatorischen Lebenszeichen an der berühmten F26, der Sprengisandur.
Eine kurze Nacht und dann ein spannender Tag – aber genau dafür sind wir ja hier. :)
Übernachtung: Kidagil Guesthouse
Bild des Tages:
Viti Krater an der Askja
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