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Eisland - Grönland & Island im Sommer 2013

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Horst:

--- Zitat von: soenke am 12. Januar 2014, 12:36:51 ---Ich würde wahrscheinlich die ganzen Nächte durchmachen und mich am Ende wundern, dass ich nur einen Tag auf Island (statt 9Tage) verbracht habe, weil der Rückflug plötzlich ansteht und ich nie geschlafen habe. ;D

--- Ende Zitat ---
Wir hatten uns ja zumindest für Island vorgenommen lieber abends bei schönem Licht länger unterwegs zu sein (also wie in Grönland) und dafür morgens auch mal länger liegen zu bleiben.
Dummerweise war dann abends fast immer das Wetter so schlecht daß das keinen Sinn gemacht hat noch nach 22 Uhr in der Botanik herumzuspringen dafür war es dann morgens immer gut.  ::)




--- Zitat von: Heiko am 14. Januar 2014, 16:38:00 ---Wenn vielleicht meine Kälteempfindlichkeit mit dem weiteren Alter mal zurückgeht ;D, würde ich dann gerne diese Reise auch so erleben.

--- Ende Zitat ---
Na ja wirklich kalt ist ja auch etwas anderes - es waren ja immer Plusgrade, teilweise zweistellig.
Wenn man dann vor Ort ist, ist man sowieso so beschäftigt einzuordnen was man da geboten bekommt, da spielen 10 Grad mehr oder weniger überhaupt keine Rolle.  :)

Horst:
5.Tag, 4.7.2013, Donnerstag

Dem tollen aber späten Wanderausflug von gestern Abend zollen wir doch ein wenig Tribut und müssen unseren müden Häuptern heute morgen eine längere Verweildauer in der Horizontalen gönnen.
Aber irgendwann ist auch diese Nacht vorbei – auch wenn es ja gar nicht dunkel wurde.






Der morgendliche Blick aus dem Fenster auf die Bucht liefert wieder etwas Neues.
Zum einen ist es erst mal bewölkt und zum anderen ist das Meer, das hier gestern fast leergefegt war, übersät mit großen, kleinen und riesigen Eisstücken.
Absolut faszinierend – das Programm das wir hier geboten bekommen ist wirklich jeden Tag anders – und das alles ohne lästige Werbeeinblendungen.
Das Einzige, das hier schon lästig werden kann sind die Mücken.
Nur wenn ein ordentlicher Windgang ist hat man vor den tückischen Viechern seine Ruhe.  So haben alleine auf unserer Veranda schon ganze Heerscharen dieser anhänglichen Spezies ihre versuchte Kontaktaufnahme  mit einer unfreiwilligen Änderung ihrer Körperform (hin zu einer eher flacheren Bauform) bezahlt.

Schon während des Frühstücks reißt der bewölkte Himmel von Minute zu Minute auf und es verspricht auch heute wieder ein strahlend schöner Tag zu werden.





Ein kleiner Abstecher zum Wasser ...













... und dann gehen wir den schon bestens bekannten Weg in den Ort.






Egal welche Straße man wählt an Schlittenhunden die ja im Sommer sozusagen frei haben kommt man überall vorbei.
An manchen kommt man allerdings auch wieder nicht vorbei – jedenfalls nicht ohne anzuhalten und sich die Beine umwuseln zu lassen.
Zum Klauen, diese Haarknäuel auf 4 Pfoten.





Zudem sehr neugierig ....





... und mit dem unbekümmerten Forscherdrang der Jugend.  ;)
















Heute stoppen wir auch bei dem kleinen Museum gegenüber der Zionskirche.







Das Museum beheimatet Ausstellungen und viele Fotografien zur grönländischen Geschichte – allen voran zum Thema Knud Rasmussen.
Wenn er auch (zumindest größtenteils) Däne war gilt er bis heute als Grönlands Nationalheld.





In diesem Haus, dem heutigen Museum des Ortes wurde Knud Rasmussen 1879 als Sohn eines dänischen Pastors geboren. Immerhin, seine Großmutter war Grönländerin, und er war schon als Kind sehr gut in die grönländische Gesellschaft integriert so daß er ohne Mühe Grönländisch lernte.
Rasmussen führte zwischen 1912 und 1933 sieben Expeditionen (die sogenannten „Thule-Expeditionen“) nach Nordgrönland und in die arktischen Gebiete Kanadas und Alaskas durch. Ziel war neben der geographischen Forschung vor allem auch die Erforschung und Konservierung der Inuit-Kultur, der Inuit-Sprache, der Inuit-Sagen und -Geschichten. Von besonderer Bedeutung war die 5. Thule-Expedition von 1921 bis 1924, die dem Ziel diente, die Herkunft der Inuit aufzuklären. Die Expedition schlug ihr Lager zunächst auf einer Insel im östlichen arktischen Kanada auf und besuchte die Inuit-Siedlungen im größeren Umkreis. Im Frühjahr 1923 begann Rasmussen in Begleitung zweier Inuit die längste Hundeschlittenreise in der Geschichte der Arktisforschung, die ihn an der Nordküste des nordamerikanischen Festlands innerhalb von sechzehn Monaten bis nach Nome in Alaska führte.
1925 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Kopenhagen.
Rasmussen war ein hervorragender Völkerkundler der sich zeitlebens dafür einsetzte, daß die Inuit beim Modernisierungsprozess Grönlands nicht auf der Strecke blieben.
Nicht zuletzt durch die Bemühungen Rasmussens erlangte Grönland am 1. Mai 1979 schließlich seine Selbstverwaltung sowie die innere Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung.  Seitdem besteht Grönland als „Nation“  innerhalb des Königreichs Dänemark.
Grönland ist innenpolitisch vollständig unabhängig, wird in allen außenpolitischen Angelegenheiten jedoch von Dänemark vertreten.






Weiter geht es einmal mehr in den überschaubaren Ortskern.
Es ist mit 6°C zwar frisch – aber die Sonne so intensiv – daß es trotzdem angenehm warm ist.
Interessant ist ein Rundgang im Hafen, wo immer wieder Fischer ihren Fang vom Meer zurück bringen.
Auf dem Heimweg folgt der schon gewohnte Einkaufsschwung, denn heute Abend soll es Thai-Huhn mit Nudeln geben.






Den Nachmittag verbringen wir mit einem kleinen Nickerchen (dezenter Schlafmangel ist spürbar) ...






... und natürlich einer ausgedehnten Kaffeepause mit Blick auf die unendlichen Eisstücke in der Diskobucht die auch aus nächster Nähe lohnende Motive abgeben.





Auch das Abendessen können wir bei dem schönen Wetter wieder auf der Veranda einnehmen. Das scheint sich bei den Mücken inzwischen herumgesprochen zu haben – wir können uns über mangelnde Gesellschaft nicht beklagen.
Nach einer kleinen Säuberungsaktion und 50 delinquierte Mücken später können wir unser Essen dann aber doch noch halbwegs in Ruhe genießen.




Zum Thaihuhn gibt es Gemüse bestehend aus Zuckerschoten und Maiskölbchen und wie man sieht Thai-Nudeln. Echt lecker !




Gegen 22 Uhr verlassen wir unseren Platz an der Sonne, stiefeln wieder hinauf zur Polizeiwache wo uns ein telefonisch bestelltes Taxi abholt und uns durch den Ort und hinauf zum Hotel Arctic fährt.
Den Rückweg wollen wir dann selbst erledigen aber der Weg ist nicht nur über eine halbe Stunde lang was ja jetzt nicht so ein Problem wäre sondern jetzt mit vollem Magen den Berg erklimmen – ooch neee …..






Das Hotel Arctic ist sozusagen das erste Haus am Platze. Wobei wir ja inzwischen vom dem deutschen Paar, das mit uns die Bootstour gemacht hat wissen, dass die Zimmer dort klein und teilweise nicht mal mit Blick auf die Bucht ausgestattet sind und das für um die 270 Euronen die Nacht.
Tapfer, tapfer.





Schön ist der Blick hier oben hinab auf die Bucht schon – aber man ist weit weg vom Wasser und den Eisbergen und hat jedesmal einen guten Marsch in den Ort vor sich um zum Supermarkt oder zum Ausgangspunkt der Wanderungen zu kommen. Für unseren Geschmack als Basislager nicht ideal. Da wäre selbst das etwa gleichwertige Hotel Icefjord aus unserer Sicht besser gelegen.





Gut gelegen kommt uns (vor allem mir) prinzipiell immer, wenn ein Hund unseren Weg kreuzt der zudem aufgeschlossen für ein paar Streicheleinheiten ist.
Davon gibt es hier oben beim Hotel Arctic jede Menge und sehr aufgeschlossen für Streicheleinheiten sind sie zudem auch.






Vor allem die kleinen Grönländer-Welpen machen uns mal wieder viel Freude.




Mutti ist ganz gelassen - also alles ok.





Ein Hingucker sind aber nicht nur die Hunde sondern natürlich neben dem Blick hinab in die Bucht - 5 wie Iglus konzipierte Übernachtungsmöglichkeiten die zum Hotel gehören.
Optisch reizvoll, allerdings haben wir gehört, daß sich darin an sonnigen Tagen derart die Wärme staut, daß man die auch als Hotelsauna betreiben könnte.





Wir gehen an den Rand der Felsen und beobachten das Geschehen unten auf dem Wasser. Immer wieder starten Boote hinaus aufs Meer oder kommen von dort  in den Hafen zurück.





Das Licht ist bereits sehr reizvoll es ist ja inzwischen auch schon wieder nach 23 Uhr.
Irgendwann haben wir genug Aufnahmen im Kasten, ...





... streicheln noch ein paar Hunde ...





... und machen uns dann auf den Nachhauseweg den Berg hinab durch Ilulissat bis zu unserem Apartment.











Bis 1 Uhr sitzen wir noch bei einem GinTonic auf unserer Veranda und genießen den letzten Abend hier – morgen geht es mittags wieder nach Island zurück wo der Hauptteil unserer Reise – 12 Tage durch Island mit einigen spannenden Hochlandzielen startet.




Sanft wabert etwas Nebel in die Bucht und das goldene Licht jetzt nach Mitternacht liefert wunderschöne letzte Eindrücke von „unserem Veranda-Blick“.

















Irgendwann finden wir dann doch den Weg ins Bett und beenden diesen Tag.
Fast.
Dieses „fast“ ist schon sehr bescheiden ausgedrückt – denn was jetzt noch kommen sollte – tja – da muss ich nach vielen Jahren auf Reisen an vielen Orten der Welt schon ein ganz besonderes Ausrufezeichen setzen > !

Kurz vor 3 Uhr vermeldet der GinTonic, daß er auf eine ganz besondere Reise geschickt werden möchte – ein Drängen dem ich dann um diese Uhrzeit nachgebe und mich aus dem Bett quäle.
Als ich mich gerade wieder hinlegen will fällt mein Blick durchs Fenster.




Eine unglaubliche Szenerie – die Bucht ist völlig in rosaoranges Licht getaucht und die Eisberge umgeben nun deutlich wabernde Nebelschwaden.
Avalon meets Ilulissat.
Ich zögere nicht und ziehe mir Hose und dicke Jacke über den Schlafanzug, packe mein Stativ und Kamera und ziehe los.
Petra schläft so selig, daß ich sie nicht aufwecken will.





Es ist ja auch wieder eine etwas spontane Geschichte jetzt noch mal halb im Schlafanzug und ebenso im Halbschlaf loszuwanken aber – schon 15 Minuten später nachdem ich einen kleinen Hügel erklommen habe der mir gute Sicht auf die niedrig stehende Sonne ermöglicht weiß ich – ja, das hat sich gelohnt!





Die Bilder die ich vor Augen bekomme sind wie ein Rausch.
Die Natur schafft Dinge vor denen man einfach niederknien müsste – wenn man nicht damit beschäftigt wäre etwas davon mit der Kamera festzuhalten.























Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen fahren auch noch malerisch bunte Boote durch den Nebel und erzeugen Bugwellen in denen sich die tiefe Sonne bricht. So richtig werde ich das was ich da im Halbschalf aufnehme erst später einordnen können aber das sind Aufnahmen – die kann man so wirklich nicht jeden Tag machen und neben den Filmaufnahmen entstehen diese Bilder mit der kleinen Digiknipse die ich mir noch in die Jacke gesteckt hatte.










Nach 40 Minuten habe ich genug – es ist auch spürbar kalt.
Ich gehe die 500 Meter zurück zum Apartment, lege mich wieder neben die tief schlummernde Petra  und schlafe zufrieden ein.
Mein letzter Gedanke ist ein Dank und der geht an den GinTonic.
Danke Kumpel, daß Du mich geweckt hast.
 

Übernachtung: Apartment von Uffe Bang


Bild des Tages:


Nebulös und trotzdem eine Szenerie die sich ins Gehirn meißelt

Rainer:
Wahnsinn.

Ich bin mir sicher, dass diese wenigen Tage eine ewigen Platz in Euren Erinnerungen einnehmen werden. Ich kann und will gar nicht jedes Foto kommentieren (obwohl ja auch die Hunde so "schnuffelig" sind), aber da stimmt ja wirklich einfach alles. Eine selten schöne Umgebung ohne wenn und aber.

Wobei: ein kleines "wenn und aber" gibt es doch. Es ist nämlich sicherlich schwierig, bei diesem Licht die notwendige Nachtruhe zu bekommen. Man verliert ja total die Kontrolle über Tag und Nacht - aber der Körper und der Geist verliert es nicht, mit anderen Worten: irgendwann siegt dann die Müdigkeit.

Es gibt da einen schönen Film mit Al Pacino und Robin Williams in den Hauptrollen - Insomnia ("Schlaflosigkeit"). Zur guten Handlung gehört auch dort die Erkenntnis, dass das ewige Licht der Nacht (in diesem Fall Alaska) den Hauptdasteller an die Grenzen seiner Möglichkeiten bringt. So erkäre ich mir übrigens auch den Tagesrhythmus Eures Vermieters "Uffe"- wenn es keine Nacht gibt, macht man sich selbst die Zeiten.

Ganz faszinierende Welt. Toll.

Horst:
Hi Rainer,

den Film Insomnia kenne ich natürlich - sehr empfehlenswert.  :)

Wir "Normaleuropäer" stellen unseren Rhythmus nicht so schnell um - da verschiebt sich natürlich mal was für ein paar Stunden aber für die kurze Dauer einer Reise ist die Kontrolle noch halbwegs da.
Bei den Leuten die da leben gibt es schon einen gewissen Rhythmus. Nur eben zeitversetzt. Man kann das vergleichen mit Leuten die Schicht arbeiten.
Im Winter ist Tagesschicht und im Sommer haben einige Nachtschicht.
Es gab keine Uhrzeit egal wann in der Nacht das war, wo wir keine Boote draußen auf dem Meer gesehen haben.
Das finden wir ja auch an Islands Sommer faszinierend - das man einfach wenn es die Wetterbedingungen hergeben die Nacht zum Tag machen kann und das tatsächlich so funktioniert.
Hat man dann noch eine Unterkunft mit Küche kocht man sich nachts um 1 oder 2 Uhr noch einen Topf Nudeln wenn es vorher nichts gab.

Das ist eine besondere Art des Reisens und der freien Selbstbestimmung die mir ausnehmend gut gefällt.  :)

Andrea:
Was für ein Abschiedsgeschenk! Und ich fluche immer, wenn ich nachts auf´s Klo muss...  ;)

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