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Meer und mehr in Kalifornien

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Rainer:

--- Zitat von: Birgit am 01. April 2014, 20:47:59 ---Werde ich mit Las Vegas nicht warm oder die Stadt nicht mit mir? Oder bin ich einfach nicht in der Lage mich auf die Stadt einzulassen?

--- Ende Zitat ---

Ich glaube, es liegt daran, dass Ihr beide sehr hektisch seid: die Stadt und Du. Das passt nicht zusammen, so wie beim Magneten zwei gleiche Pole nicht zusammenpassen. Las Vegas muss man mit Ruhe begegnen, mit Abschalten, nicht mit Hektik, nicht mit "Herumwuseln". Das ist einfach zu viel. Hier ein paar Minuten Pooi, dann da shoppen, dort essen, dieses hier, jenes da - und dann sind die Entfernungen auch riesig groß. Man nimmt sich vor, "mal eben da vornehin zu laufen" und ist prompt 40 Minuten unterwegs. Die großen Hotels verzerren die Entfernungen.

Die Casinos sind in der Tat gezielt so ausgelegt, dass man sich verläuft.

Wir geniessen Las Vegas. Keine Hektik. Nach dem Frühstück in Ruhe an den Pool. Je nach Aufenthaltsdauer (je mehr Tage, desto fauler der einzelne Tag) gerne bis zum frühen Nachmittag. Dann gehen wir aufs Zimmer, duschen, ich wechsele mein Morphiumpflaster und schlafe dann erst einmal 2 Stunden. Gegen 16-17 Uhr ziehe ich mich an - "ich schau mal, ob irgendein Casino geöffnet hat" (Sylvia lacht schon lange nicht mehr über den schlechten Witz, aber er dient mir jedesmal zum Abschied). Ich gehe dann ins Spielcasino und suche mir in Ruhe einen schönen Black Jack Tisch aus. Dort bestelle ich erst einmal ein Bierchen und läute den Abend ein.

Sylvia kommt meistens 1 oder 2 Stunden später nach, macht sich noch "schick" auf dem Zimmer und findet mich dann irgendwo im Casino. Neuerdings setzt sie sich dann zu mir an den Tisch und traut sich inzwischen auch, Black Jack zu spielen. Früher hatte sie Angst, das Spiel schlecht zu spielen, aber am Tisch geht es locker zu und man darf anderen helfen und Tipps geben. Überhaupt ist das Spielen am Tisch mit einem gewitzten Croupier eines der absoluten Highlights von Las Vegas - das ist eigentlich der ursprüngliche Sinn, warum man nach Las Vegas kommt. Die Stimmung steht und fällt mit einem guten Croupier, ohnehin ist so eine Spielsituation mit nichts vergleichbar. Wer das nicht mag, hat damit alleine schon die Hälfte von Las Vegas verpasst. Das muss man so sehen. Zocken ist zwar nicht jedermans Sache, aber für die, denen es etwas bedeutet, ist es von allerhöchstem Unterhaltungswert.

Irgendwann brechen wir ab (meistens weil wir schon zu viel verloren haben - selten auch, weil wir viel gewonnen haben) und suchen uns etwas leckeres zu essen. Buffets essen wir nur die wirklich guten, man sollte sich das nicht antun, da auch noch zu sparen und die Billigbuffets auszuprobieren - wenn schon, denn schon. Aber manchmal geht es auch in irgendein Restaurant, im Mandalay Bay haben wir schon oft im "Shanghai Lily" gegessen, sehr gute Pekingente, oder im Casual Dining des "Raffles Caffe". Wie auch immer, gutes Essen gehört zu Las Vegas. Natürlich gerne auch die o.g. Crablegs und auch ich hinterlasse gerne einen Riesenteller ausgepulter Krabbenbeine. Lecker!

Anschließend geht es meistens noch einmal zurück ins Casino, je nach Verlust- und Gewinnlage. Früher habe ich dann auch gerne bis morgens um vier gezockt um dann irgendwann sturzbetrunken ins Bett zu fallen. Dafür bin ich heute definitiv zu alt, das überlasse ich anderen. Obwohl man nachts schon schrille Dinge sieht. Aber die Zeiten sind vorbei. Relativ früh geht es aufs Zimmer zurück, der Fernseher dudelt mich in kürzester Zeit in den Schlaf - leider noch in vollen Klamotten, irgendwann wache ich dann wieder auf und quäle mich noch einmal durch das Bad. Am nächsten Tag steht das gleiche "anstrengende" Programm an. Vielleicht aber mal erst zum Outlet Center fahren - das ist pro Las Vegas Besuch einmal Pflicht. Dann gehen wir eben nachher erst an den Pool. Und danach duschen und dann ins Spielcasino...

Hektik machen wir in Las Vegas nicht, die Stadt ist hektisch genug. Aber es macht Spass, auch wenn man (wie schon geschrieben) nachher das schlechte Gefühl hat, seine Zeit sinnlos verplempert zu haben. Aber das ist eben so in Las Vegas. Trotzdem will ich es nicht vermissen.

Ich glaube wirklich, wer sich nichts aus Zocken macht und wer auch am Pool nicht wirklich entspannen kann und immer Hummeln im Hintern hat, der fängt mit Las Vegas nicht viel an. Das wird dann einfach zu viel des Guten, wenn man da auch noch, wie sonst in schöner Nationalparkumgebung, "alles mitnehmen" will.

Birgit:

--- Zitat ---Ich glaube, es liegt daran, dass Ihr beide sehr hektisch seid: die Stadt und Du.
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--- Zitat ---Ich glaube wirklich, wer sich nichts aus Zocken macht und wer auch am Pool nicht wirklich entspannen kann und immer Hummeln im Hintern hat,
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Upps, ich bin durchschaut! :evil:

Kennst du etwa meine Mutter? "Die hat Hummeln im Hintern" ist immer der erste Satz, wenn irgend jemand sie fragt, was ich inzwischen so mache und wie es mir geht ;)

Andrea:
Hm. Komisch. Wir haben uns ja nur kurz gesehen, aber hektisch habe ich dich absolut nicht erlebt. Eher beobachtend. Aber vermutlich war der Zeitraum zu kurz?

Rainer:

--- Zitat von: Birgit am 04. April 2014, 11:49:11 ---Upps, ich bin durchschaut! :evil:
--- Ende Zitat ---

Dazu benötigt man nicht unbedingt ein Psychologiestudium, es steht noch nicht einmal nur "zwischen den Zeilen". Nein, es steht plakativ und unübersehbar in fast jeder Zeile. Aber anscheinend machst Du Dir mindestens heutzutage Gedanken, ob Dir diese sehr unternehmungslustige Lebensform nicht doch (mindestens im Urlaub) im Weg steht.

Ich glaube allerdings, dass es sauschwer ist, seinen Lebensstil mit Gewalt zu ändern. Wahrscheinlich warst Du immer so (nicht umsonst wird Deine Mutter das so sagen) und eigentlich ist ja schon die Erkenntnis ein schwerer Akt. Es ist nur fraglich, ob Du mit weniger "Hummeln im Hintern" glücklich bist?! Das weiß man nicht, dafür sind wir Menschen zu verschieden.

Ich konnte immer schon vollkommen abschalten, das totale Nichtstun. In die Sauna gehen und 6 Stunden abhängen. Oder am Strand stundenlang in der Sonne braten, unterbrochen von regelmäßigen Abkühlungen im Meer. Meistens auf Korsika im Mittelmeer. Als wir zum ersten Mal in die USA geflogen sind, hatte ich keine Lust dazu (das darf man eigentlich gar nicht laut aussprechen....). Ich fand die Vorstellung beunruhigend und nervend, keine feste Bleibe zu haben und mich täglich um Motels zu kümmern. Und Strand würde es ja auch nicht geben. Das habe ich bis heute nicht vergessen, dass ich dieser Vorstellung an sich nichts abgewinnen konnte - ich habe den Urlaub damals nur gemacht, um meiner Frau einen Lebenswunsch zu erfüllen, sie wollte immer schon mal nach Kalifornien fliegen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich bereits am ersten(!) Tag schon nicht mehr verstehen konnte, was mich abgehalten hatte... Heute bin ich die treibende Kraft, wenn es um Urlaubsplanung in Richtung USA geht.

Aber wir können eben immer noch abschalten. Letztes Jahr in Texas ergab es sich nicht, dass wir nach Las Vegas fahren, das war einfach zu weit. Aber war trotzdem ein toller Urlaub, aber wenn ich lese, was Du für eine "Power" drauf hast, das kann ich (speziell auch jetzt wegen meiner Behinderung) überhaupt nicht. Unsere Tage sind relativ kurz, wir stehen zwar morgens auch nicht zu spät auf (der Jetlag macht es uns allen ja einfach, den Morgen zu erleben), aber im Laufe des Urlaubs verschiebt sich das immer weiter nach hinten und abends machen wir meistens spätestens gegen 17.00 Uhr "Schluss". Dann ist nur noch "abhängen" angesagt. Bierchen trinken, essen gehen, Fotos sichten - schlafen.

Grob geschätzt würde ich vermuten, dass Du 30% (oder noch mehr) pro Tag mehr unternimmst. Nach dem Abendessen beispielsweise mache ich ausnahmslos gar nichts mehr - da gehe ich nicht nochmal raus und schaue, was die Umgebung bietet. Ich lese an Deiner Schilderung, dass Du Dir auch gerne mal einen ruhigeren Urlaub wünschst, aber natürlich musst Du selbst das veranlassen und da ist eben die Frage, ob Du das überhaupt kannst, ob Du überhaupt so "stumpf abschalten" kannst, wie wir das machen. Oder ob Dir dann Dein innerer Schweinehund wieder vorhält, dass Du irgendetwas verpasst. Schwer zu sagen - das musst Du ausprobieren. Aber leicht wird das nicht, das glaube ich nicht. So wie es für mich vollkommen unvorstellbar ist, mehr zu unternehmen.

Letztendlich muss jeder so seinen Urlaub verbringen, wie es ihn glücklich macht. Es ist ja gut, dass wir alle verschieden sind. Aber da würde ich beispielsweise an Deiner Stelle Las Vegas auslassen - es bringt Dir kaum etwas und Du hast immer nur das Gefühl, am falschen Ort zu sein. In Mendocino bist Du sicherlich besser aufgehoben. Da ist ein Abendspaziergang noch ein Abendspaziergang und nicht, wie in Las Vegas, eine Art Spießrutenlauf. Und das wird auch immer so bleiben.

Birgit:

--- Zitat von: Andrea am 04. April 2014, 11:54:32 ---Hm. Komisch. Wir haben uns ja nur kurz gesehen, aber hektisch habe ich dich absolut nicht erlebt. Eher beobachtend. Aber vermutlich war der Zeitraum zu kurz?

--- Ende Zitat ---

Tja, eine Menge Leute meinen auch, ich sei irgendwie merkwürdig und nicht durchschaubar, und irgendwie wisse man nie so genau, was ich denn nun gerade denke.

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