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España Verde - Bericht einer etwas anderen Reise nach und in Asturien
Michael:
--- Zitat von: Petra am 23. Juni 2013, 12:08:15 ---
--- Zitat von: Michael ---...ziehe ich mit Ulli aus Franken...
--- Ende Zitat ---
...der witzigerweise bei uns im ortsansässigen Fotoclub Mitglied ist...ganz schön klein die (Fotografen-)welt!
--- Ende Zitat ---
Ja, genau! Das hatte mir Horst schon gesagt, nach dem ich Euch den Film geschickt hatte.
Wieso ist der Ulli eigentlich noch nicht hier im Forum? Der fällt doch auch viel in der Welt rum und hat jede Menge zu erzählen - wenn ich nur an seine Neuseeland-Tour denke... ;)
--- Zitat von: Hatchcanyon am 23. Juni 2013, 13:27:49 ---...Hier postet ein Leidensgenosse. Hast du möglicherweise eine Allergie gegen gesäuerte Milch?
--- Ende Zitat ---
Keine Ahnung Rolf, aber ich will es nicht ausschließen. Ich hatte mich eigentlich mit dem Thema arrangiert, aber ich glaub, das klär ich dann doch noch mal! Danke für den Hinweis!
--- Zitat von: Birgit am 24. Juni 2013, 15:04:21 ---Ein Zeichen??? Buchen???
--- Ende Zitat ---
Birgit, wenn das kein Zeichen sein soll, was dann???? ;)
Grüße aus der Pfalz,
Michael
Michael:
Tag 4 – Montag, 2.11.2009
Campo de Caso
Der Wecker rappelt wieder und so langsam merke ich, dass die letzten Tage doch sehr anstrengend waren. Nachdem der Wecker erfolgreich geknebelt wurde, tapse ich ins Bad und auf dem Weg dorthin bemerke ich ein anderes Geräusch: Es regnet – und zwar kräftig. Ich überlege kurz, aber mir fallen spontan keine Motive aus dem Dorf ein, die ich gerne im Regen ablichten möchte. Also geht es einfach in die Verlängerung was das Schlafen anbelangt.
Mit etwas mehr getanktem Schlaf, geht es später runter zum Frühstück. Hier in der Dorfkneipe ist das Frühstück letztlich recht unkonventionell. Neben einem Kaffee, bietet der Wirt Brot oder Brötchen mit Konfitüre, Honig oder Käse an. Als er merkt, dass ich bei allem bisher genannten nicht so recht ziehe, saust er kurz in die Küche und kommt mit einem Teller mit luftgetrockneten Schinken zurück. Er freut sich, dass ich mich freue und verschwindet wieder in der Küche. Kurz später kommt er mit einem Frühstück zurück, von dem ich heute noch schwärme: Eine getoastete Scheibe dunkles Brot und darauf dünne Scheiben luftgetrockneter Schinken. Das war endlos lecker!
Es wird allmählich Zeit zu packen, bald kommt unser Transport der uns zur Gruppe in der Käserei bringen soll. Auf dem Weg nach oben klopfe ich an der Zimmertür von Klaas. Er war bisher noch nicht beim Frühstück und bevor er verschläft, haben wir beschlossen, ihn vorsichtshalber zu Wecken. Klaas öffnet kurz darauf und ist auch noch in Bettkluft. Er hat aber nicht verschlafen, es geht ihm einfach nur elend schlecht. Er hat sich wohl den Magen verdorben und mehr oder weniger die ganze Nacht hat er auf bzw. vor der Toilettenschüssel verbracht. Jetzt fühlt er sich noch nicht im Stande, das Zimmer zu verlassen.
Der arme Kerl! Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, steht heute auch noch der Rückflug an. Zum Glück hat Paul, der die Reise für den Verlag begleitet, ebenfalls hier übernachtet. Wir machen kurz Krisensitzung und stimmen einen Notfallplan ab. Der sieht vor, dass Klaas zunächst hier auf dem Zimmer bleibt. Die Gruppe soll erst mal die Käserei besichtigen und anschließend wieder hier vorbeikommen. Dann kann Klaas mitkommen, wenn es ihm bis dahin wieder besser geht, oder er bleibt bis morgen hier und fliegt einen Tag später alleine zurück. Wir sollen nur beim Verlag Bescheid geben, dass evtl. die Tickets für ihn umgebucht werden können.
Wir wollen Klaas aber nicht sofort alleine lassen und da für mich die Besichtigung der Käseproduktion ohnehin eher eine Strafe als eine Attraktion ist, bleibe ich einfach hier. Ich versorge Klaas mit Kamillentee aus der Dorfkneipe und schaue ab und zu in sein Zimmer. Kurz bevor die Gruppe aus der Käserei zurück kommt, meldet er, dass das schlimmste überstanden ist und er doch mit kann. Vielleicht hat er auch einfach nur beschlossen, dass meine Fürsorge noch schlimmer als die Übelkeit ist, wer weiß? ???
El país de la madreña – Das Land der Holzschuhe
Campo de Caso ist die Hauptstadt der Provinz Caso, die man auch als das Land der Holzschuhe kennt. Diese Holzschuhe wurden früher als Überschuhe genutzt. So musste man mit den guten Schuhen nicht durch den Matsch laufen, wenn man mal eben rüber zum Stall wollte. Ein Charakteristikum der Schuhe sind vier kleine Füßchen unter der Sohle. Damit rutscht man im Matsch nicht weg und gewinnt auch noch etwas an Höhe - sozusagen High Clearance Pantoffeln.
Früher wurden die Madreñas an vielen Orten in Handarbeit hergestellt und es gab eine entsprechend große Nachfrage. Mittlerweile werden sie fast nur noch als Souveniers verkauft und nur wenige Holzschuhmacher stellen sie noch in Handarbeit her. Einen solchen wollen wir nun besuchen.
Der Bus hält in einem kleinen Nest, dessen Namen ich mir dummer weise nicht notiert habe und der mir jetzt auch beim besten Willen nicht mehr einfällt.
Wir folgen Elena durch ein paar Gassen auf dem Weg zu der kleinen Werkstatt. Mit ein paar anderen bin ich am Ende der Gruppe. Die ersten sind schon in der Werkstatt, als wir wenige Meter davor eine alte Frau treffen, die herzlich mit uns lacht und etwas zu uns sagt, was wir leider nicht verstehen. Unsere Gesten versteht sie aber und lacht gerne für ein Foto:
Unglaublich, wie offen und herzlich hier die Menschen sind – wie wenig „verprellt“ vom Tourismus sie sich zeigen, das habe ich bisher so noch an keiner anderen Stelle in Europa erlebt.
Ich komme als einer der letzten in die Werktstatt. Der Holzschuhmacher ist schon eifrig am Erklären und Elena ist noch eifriger am Übersetzen. Was mir dabei nicht gefällt ist die Situation: Der Bereich der Werkstatt, in dem wir versammelt sind, ist sehr klein, wir stehen uns permanent auf den Füßen oder sonst wie im Weg und alle „ballern“ auf den Schuhmacher. Das reinste Rudelknipsen und das kann ich gar nicht ab. Ich versuche möglichst effektiv, ohne den guten Mann allzu sehr zu bedrängen, ein Bild von ihm zu machen. Das wird dann auch eher ein Schnappschuss als ein überlegtes Portrait und danach lasse ich es auch gut sein:
Es ist kein Problem sich im Rest der Werkstatt um zu sehen und so gehe ich etwas abseits des Trubels auf Motivsuche und fühle mich auch gleich wohler dabei.
Just-In-Time Produktion scheint hier noch nicht angekommen zu sein. Statt dessen ist das Lager gut gefüllt:
Diesen hier fehlen nur noch die Gummisohlen unter den Füßchen:
Und noch ein abschließender Blick an die Stelle, an der die Schuhe von Hand aus dem Holz herausgeschnitzt werden. Die eigentliche Werkstatt, in der es sich auch im Winter am Kamin gut aushalten lässt, die aber viel zu klein war, um die ganze Gruppe hinein zu lassen:
Fabada
Da wir heute Nachmittag mit dem Rückflug einen Termin haben, der sich nicht aufschieben lässt und durch die Umstände heute früh bereits etwas Zeit verloren haben, geht es rasch weiter in einen Gasthof, in dem wir zum Mittag eine Asturische Spezialität essen werden: Fabada, ein Eintopf mit Wurst und weissen Bohnen schmeckt einfach köstlich! Vor und nach dem Essen werden im Garten des Restaurants noch Filmsequenzen mit einzelnen Interviews von jedem Teilnehmer gedreht.
Rückreise
Dann geht es auch schon weiter zum Flughafen von Oviedo und von dort pünktlich via Inlandsflug nach Palma de Mallorca. Hier heisst es nun Abschied nehmen von der Gruppe. Ein letztes gemeinsames Foto und schon müssen die ersten weiter zu ihrem Anschlußflug. Auch für Rainer und mich wird es bald Zeit, der Flug nach Frankfurt ist pünktlich und landet dann irgendwann zweieinhalb Stunden später und ebenfalls fast pünktlich in Frankfurt. Von dort geht es über die sehr leeren Autobahnen nach Hause und um 0:30 Uhr nehme ich meine Frau wieder in den Arm und spitze noch schnell zu meinem Sohn ins Zimmer, der aber schon lange fest schläft.
Gute Nacht, es war schön in Asturien.
Birgit:
Och, schon vorbei?
Das ist ganz bestimmt ein Zeichen, ebenso wie es ein Zeichen ist, dass ich deine letzten beiden Postings in der Buchhandlung finde, wo ich in einem Reiseführer Nordspanien stöbere...
Horst:
Hallo Michael,
das Portrait von der alten Dame ist super gelungen :)
und es ist u.a. auch Dein feiner Humor der diesen Bericht so lesenswert macht.
--- Zitat von: Michael am 24. Juni 2013, 18:55:29 ---Vielleicht hat er auch einfach nur beschlossen, dass meine Fürsorge noch schlimmer als die Übelkeit ist, wer weiß? ???
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Michael am 24. Juni 2013, 18:55:29 ---Gute Nacht, es war schön in Asturien.
--- Ende Zitat ---
Ein selten schönes Erstlingswerk eines Reiseberichts.
Es war sehr schön mit Dir nach Nordspanien zu reisen und dort mit Dir in engen Fototürmen und zwischen Stapeln von Holzschuhen zu stöbern.
Aber so ganz das Ende der Geschichte war das doch noch nicht oder ?
Es gab doch noch etwas, daß Dich bleibend, "greifbar" an diese Reise erinnert hat. ;)
Ilona:
--- Zitat von: Michael am 24. Juni 2013, 18:55:29 ---
--- Ende Zitat ---
Diese Großmutter könnte man glatt adoptieren :toothy9:. Ist die :herz: ig.
Michael, es war schön mit dir, durch das mir bis dato unbekannte Asturien, zu reisen. Deine Bilder sind erste Sahne :beifall: :beifall: :beifall: und wirklich preisverdächtig.
:danke: für diesen Bericht.
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