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And the winner is...Trump
Rainer:
--- Zitat von: Michael am 09. November 2016, 22:05:59 ---Folgenden Tweet habe ich gelesen, der beschreibt das ganz gut, was da gerade vor sich geht in der Welt:
--- Ende Zitat ---
Hm, ich finde ehrlich den momentanen "Sport" eher oberflächlich, wenn sich Journalisten und sonstige Wisser und Besserwisser über den Idioten Trump auslassen und alle möglichen, sich teilweise sogar widersprechenden Weltuntergangsszenarien, heraufbeschwören. Ich finde das billig. Mir geht es auch nicht um die Person Trump und auch nicht um das, was er für seine Wahl alles veranlasst hat.
Zum einen wird sich erst in der Zukunft zeigen, was diese Wahl wirklich bedeutet (das kann heute niemand wissen), und zum anderen (und das finde ich eigentlich die viel viel problematischere Frage) gibt es anscheinend niemanden, der sich auf vernünftiger Ebene mal Gedanken macht, wie es denn überhaupt passieren konnte, dass hunderte von Millionen von Menschen gestern so gewählt haben, wie nun einmal in den USA gewählt wurde. Es ist billiger als billig zu glauben, dass da ausschließlich Idioten und Menschen ohne Hirn gewählt haben. Mit absoluter Sicherheit haben gestern Millionen von Menschen gewählt, obwohl sie genau wissen, was und wen sie da wählen und was von seinen Wahlversprechen zu halten ist. Dennoch haben sie ihn gewählt, quasi gegen besseres Wissen. Vorsätzlich.
Es wäre deswegen aus meiner Sicht viel mehr geboten, die Ursache und die Wirkung dieser Wahl zu betrachten, anstatt (wie es hier zum Glück noch sehr wenig geschieht, in anderen Foren ist die Stimmung unerträglich arrogant) sich zu belustigen. Zu belustigen über eine offensichtlich gespaltene Nation, die es inzwischen so weit kommen läßt, dass es nach Wahlen zu offenem Aufruhr (so heute in Oakland geschehen) auf den Straßen kommt. Das ist eine zutiefst traurige Entwicklung und (das ist ganz ganz wichtig zu erkennen): diese Entwicklung ist NICHT die Schuld von Donald Trump. Donald Trump ist nur die Personifizierung, die sich hinter dieser Wahl verbirgt. Aber es ist nicht die Aussage dieser Wahl und das ist genau der Knackpunkt, den ich nicht verstehen kann. Wieso man so ein Geschrei um die (an sich unwichtige) Personifizierung macht, anstatt zu überlegen und zu besprechen, was die Aussage dieser Wahl bedeutet und wie es zu dieser Aussage kommen konnte. Die USA haben ein Riesenproblem und dieses Problem ist und heißt eben nicht Donald Trump. Das Problem ist weitgefächert und es ist systemisch bedingt. Und die Lösung dieses Problem verlangt ganz erheblich mehr, als nur irgendwelche Gags über den gewählten Präsidenten. Das hilft nämlich genau genommen gar nichts und niemandem. Die "leading Nation of the World" (so der selbstgesteckte Anspruch) befinden sich auf dem unheilvollen Weg in einen ernsten Konflikt, den ernstesten Konflikt einer Nation, den eine Nation überhaupt erleben kann, nämlich auf dem Weg in einen Bürgerkrieg. Ich weiß selbst nicht, ob ich das glauben kann und will, aber die Anzeichen sind unheilvoll und nicht zu übersehen.
nordlicht:
--- Zitat von: Rainer am 09. November 2016, 21:28:26 ---Das kann natürlich nicht funktionieren, denn es basiert auf der von Dir schon erläuterten (ziemlich verqueren) Situation, wie in den USA Wahlmänner beauftragt werden, einen Kandidaten zum Präsidenten zu küren. Es wird in keiner Weise der Tatsache gerecht, dass viele Staaten nahe an der 50:50 Grenze liegen, was die politische Ausrichtung ihrer Bürger betrifft. D.h. mit so einer radikalen Aufteilung würden in vielen Bundesstaaten fast die Hälfte der vorhandenen Bevölkerung überhaupt gar nicht der vorgegebenen Überzeugung anhängen.
--- Ende Zitat ---
Wie gesagt ich halte das ganze auch für nicht realistisch, aber die Spaltung der USA ist schon auch regional sehr stark ausgeprägt. Es gibt zwar so einige 50:50 Staaten oder Swing States, aber z.B. an der gesamten Westküste (ohne Alaska) lag Trump, der Wahlsieger wohlgemerkt" irgendwo zwischen 30 und 40%, es gibt keine republikanischen US-Senatoren oder Gouverneure etc. Fast dieselbe Situation mit umgekehrte Vorzeichen hast Du im "Deep South".
Natürlich teilst Du das Land nicht in 100% blau und 100% rot, aber Du würdest schon zwei Länder mit klaren Vorlieben bekommen.
--- Zitat ---Sollen die "falschgläubigen" dann jeweils in andere Staaten umziehen?? Eine skurrile Vorstellung.
--- Ende Zitat ---
Du wärst überrascht wieviele Leute ich kenne, die genau nach dieser "skurrilen Vorstellung" die Entscheidung für ihren Wohnort getroffen haben, d.h. umgezogen sind, damit sie in einem Staat leben der ihren politischen Ansichten Nahe kommt.
--- Zitat ---Die Spaltung der USA ist sehr schwierig zu korrigieren und das kann nur gelingen, wenn es eine deutlich verbesserte soziale Komponente gibt. Aber genau das ist die Frage, ob das jemals in den USA gelingen wird. Ich selbst werde das ganz sicher nicht erleben, über fernere Zukunft kann ich natürlich nicht urteilen.
--- Ende Zitat ---
Ich sehe eben nur wie zumindest die Spaltung zwischen rot (irgendwie witzigl dass ausgerechtnet die Republikaner die alte kommunistische Farbe bekommen haben) und blau immer tiefer wird. Wenn Du Dir anguckst wie von Bush senior über Clinton, George W. und dann Obama die Akzeptan des jeweiligen Präsidenten beim anderen Lager immer weiter abgenommen hat, was sich mit Trump vermutlich fortsetzen wird, dann vertieft sich da der Graben. Und auch die Politik wird immer ineffektiver. Nimm als zwei Beispiele mal Energiepolitik und Gesundheitspolitik. George W. Bush hat (nicht zuletzt wegen seiner "Freunde" im Geschäft) die lokale Energieproduktion sehr forciert. Obama hat dann Gebiete in den öl gefördert werden sollte wie z.B. in der Arktis in Alaska zu Schutzgebieten erklärt und die Keystone XL Pipeline gekippt. Mal gucken was Trump da macht, aber Investitionssicherheit sieht anders aus. Umgekehrt hat Obama die ersten Monate seiner Präsidentschaft die allgemein als die produktivsten gelten und in denen er auch eine Kongreßmehrheit in beiden Häusern hatte, dazu genutzt seine Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen. Nur ein erster Schritt, aber immerhin. So wie es aussieht hätte er sich das auch komplett sparen können und stattdessen Golf spielen können, denn wahrscheinlich wird Trump das wieder rückgängig machen.
Daher denke ich, dass mit einem blauen (oder meinetwegen auch nur einem leicht blaueren) und einem roten Land beiden Seiten gedient wäre. Aber wie gesagt, eigentlich ist die Diskussion müßig, da das ohnehin unrealistisch ist.
Horst:
Und was auch Quatsch wäre.
Das amerikanische Volk hat es nun x Jahre geschafft die verschiedenen Charaktere und Gesinnungen im Land unter einen Hut zu bringen warum soll man das wegen einigen Versagern in der politischen Führungsspitze ändern?
Der Hang zum Separatismus ist doch auch ein Eingeständnis gescheiterter Kompetenz sich miteinander zu arrangieren - da stünde auch die vermeintliche Elite in Amerika schnell an der Wand und wenn man jedes mal, wenn man sich nicht einig ist das Land aufteilt, wäre das letztendlich ein Scherbenhaufen und nicht mehr die mächtigste Nation der Welt.
Also praktisch unrealistisch und theoretisch einfach der falsche Weg.
nordlicht:
--- Zitat von: Horst am 10. November 2016, 00:21:00 ---Der Hang zum Separatismus ist doch auch ein Eingeständnis gescheiterter Kompetenz sich miteinander zu arrangieren
--- Ende Zitat ---
Ganz genau!
Paula:
--- Zitat von: Rainer am 09. November 2016, 23:18:15 ---Die "leading Nation of the World" (so der selbstgesteckte Anspruch) befinden sich auf dem unheilvollen Weg in einen ernsten Konflikt, den ernstesten Konflikt einer Nation, den eine Nation überhaupt erleben kann, nämlich auf dem Weg in einen Bürgerkrieg. Ich weiß selbst nicht, ob ich das glauben kann und will, aber die Anzeichen sind unheilvoll und nicht zu übersehen.
--- Ende Zitat ---
Genau das macht mir im Moment große Sorgen. Und darum überlege ich ernsthaft den geplanten USA Urlaub nächstes Jahr zu canceln, gebucht habe ich außer einer Übernachtung noch nichts.
Ich sehe die Entwicklung auch mit ganz großer Sorge. Da ist zum einen die Hälfte der Bevölkerung die Trump nicht gewählt hat und über die Wahl genauso entsetzt ist wie wir. Und dann ist da die andere Hälfte die zu glauben scheint Trump könne einfach mal so in Washington alles auf den Kopf stellen und wirtschaftlich die 50er oder 60er Jahre zurückbringen. Das wird natürlich nicht funktionieren, da wird es bald enormen Frust geben.statt aufwärts wird es rapide abwärts gehen. ich kann nicht in die Zukunft sehen aber mir fällt keine Möglichkeit für eine positive Entwicklung dieser verfahrerenen Situation ein. Und ich habe noch keinen Kommentar gehört oder gelesen der Mir Anlaß zur Hoffnung gibt
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