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Die schlimmsten Touris kommen aus ...
Susan:
Ja, die Chinesen (und andere Asiaten) fallen meist auf, weil sie fast überall in Busgruppenstärke auftreten. Es wird dann laut und drängelig, das passiert aber ebenso bei Busgruppen anderer Nationalitäten. Und oft genug finde ich auch das Verhalten mancher meiner Landsleute nervig und/oder peinlich.
Auch will ich mich im Urlaub nicht ärgern, also betrachten wir so manche "Touri-Eigenarten" eher Achsel zuckend oder amüsiert. Beispielsweise Männer im Netzhemd / gerippten Unterhemd im Restaurant, die Selfie-Mania, sonnenbrandige Engländer (?) mit Kater, Deutsche, die verzweifelt im Supermarkt ihr Gerstebrot suchen; Campingplätze bieten oft Komödie pur :))
Es sind meistens eher bestimmte rücksichtslose Verhaltensweisen, die mich wirklich nerven und die kommen bei allen Nationalitäten vor.
* Müllschweine >:D : Kippen Fallenlasser; Hundebesitzer, die ihre Töle frei herumsch... lassen; Frauen, die sich in Campingplatzduschen enthaaren und ihren Pelz liegen lassen;...
* beim Skifahren: rücksichtslose Raser und Liftansteher
* "wir sind hier König und Königin" Typen
* Leute, die mir vor die Foto- oder Videolinse latschen oder ihren Selfiestick ins Bild halten ;)
--- Zitat ---Ich bin sicher, dass ich Fettnäpfchenspürnase schon oft für nachsichtiges Lächeln oder erzürnte Blicke gesorgt habe durch Benehmen, das sich nicht gehörte, und das mir selbst gar nicht aufgefallen ist.
--- Ende Zitat ---
Da bin ich mir auch sicher, dass uns das schon oft genug passiert ist. Sei es Punkt 4 meiner Liste ::) oder ein vergessenes "please" "s'il vous plait", weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, den Rest des Satzes richtig hinzubekommen oder weil ich in langen Hosen in eine Kirche gegangen bin (um kein nacktes Bein zu zeigen) es aber ein Rock hätte sein sollen oder unser Dickschiff als Verkehrshindernis angesehen wird oder ...
Zu Punkt 3: Wir gehören nicht zu den Leuten, die es so einsam wie möglich haben müssen. An manchen Orten muss Trubel sogar sein. 8) Ärgerlich wird die Vollheit eben nur, wenn es Park- oder Verkehrsprobleme gibt. Diese versuchen wir schon - so weit möglich - zu umgehen. Manchmal durch die Reiseroute, manchmal durch Nutzung von Öffies. Bei Reisezeit hatten wir die letzten Jahre keine große Wahl ::) Reiseziel wird eher bestimmt durch Landschaft, Wetter und was man dort unternehmen kann.
Interessant finde ich an dem Thema allerdings zwei Aspekte.
Zum einen manche mir etwas merkwürdig vorkommende Ansichten von "boah, ist das voll hier". Da schreibt zum Beispiel einer im Hawaii-Forum, "der Strand XY war überfüllt, da sind wir weiter gefahren" und auf dem Foto dazu sind vielleicht noch zwei, drei weitere Paare in dutzenden Metern Entfernung zu sehen. Hä? Oder ein Kommentar zu meinem Reisebericht über die Wanderung zu den Lower Calf Creek Falls: "oje, das sieht ja richtig voll aus" -außer uns war noch zwei Kleinfamilien da. ::)
Am bemerkenswertesten finde ich aber, wie viele, nicht nur hier im Forum sondern auch sonst, auf Reisen die Einsamkeit suchen. Ist unser Leben so stressig, dass wir mal die Ruhe brauchen zur Erholung? Oder erleben wir im Alltag zuviel Enge und Vollheit? Leben in der Stadt, Pendlerzüge, Großraumbüros, beim Einkaufen...
Rainer:
--- Zitat von: Susan am 26. April 2018, 00:57:31 ---Am bemerkenswertesten finde ich aber, wie viele, nicht nur hier im Forum sondern auch sonst, auf Reisen die Einsamkeit suchen.
--- Ende Zitat ---
Diese (oder eine ähnliche Frage) beschäftigt mich auch - ich glaube aber, dass das eher eine (zufällige?) Gemeinsamkeit der hier (oder in anderen Foren) versammelten Teilnehmer ist. Die andere Frage die dazu gehört, was macht für den einzelnen überhaupt einen Urlaub aus, was wird gemacht im Urlaub? Ganz offensichtlich wird im Kontext dieses Threads automatisch Urlaub mit "neue Gegenden erkunden" (es ist schwer zu formulieren, aber ich hoffe, es weiß jeder, was gemeint ist) assoziiert.
Dabei ist das ganz sicher nur eine von sehr vielen Urlaubsvarianten und es ist eine (und das wird vielleicht eine Antwort auf die Frage sein, wieso wir das hier so oft antreffen), die man sehr gut dokumentieren kann, erzählerisch und im Bild. Man darf aber nicht vergessen, dass es ganz viele andere Arten von Urlaub gibt, einer macht Aktivurlaub auf dem Ponyhof, der andere macht Dauerparty am Ballermann, der nächste fährt mit Freunden in irgendein Ferienhaus um einfach am Strand etwas abzuhängen, manche wandern auf Klettersteigen in Tirol, ganz viele bleiben sowieso zu Hause auf Balkonien (nicht selten einfach aus finanziellen Gründen) und und und und....
Bei vielen Urlaubsvarianten stellen sich die obigen Fragen gar nicht erst und das ist das, was mir von Anfang an auffiel. Wer als Urlaub als Teilnehmer zu einem Beachvolleyballturnier fährt, kann auf die wenigsten Fragen oben überhaupt eine sinnvolle Antwort geben. Offensichtlich implizieren wir hier schon von vorneherein eine bestimmte Urlaubsform, von der ich insgesamt glaube, dass sie gar nicht sooo verbreitet ist, wie es sich hier im Forum darstellt. Mein ältester Bruder (nur mal als Beispiel) hat noch nie einen Fotoapparat in der Hand gehabt - für die meisten von uns unvorstellbar. Trotzdem macht der genauso viel Urlaub wie ich. Nur eben anders, dem kann keiner "vor die Linse latschen", weil er keine Linse hat.
Von daher stellt sich mir die Frage, machen denn die Teilnehmer hier ausschließlich diese Form des Urlaubs, oder macht Ihr auch mal was ganz anderes? Ich selbst habe immer schon auch ganz anderen Urlaub gemacht (zugegebenermaßen früher noch mehr als heute), eine Zeit lang konnte ich mir gar nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen als mit einem Zelt im Kofferraum nach Korsika zu düsen, um dort einfach nur Strand, Leute und das Wetter zu geniessen... (auch wenn es lange her ist).
Birgit:
Ich glaube, es ist sehr verführerisch sich als "der bessere Reisende" zu fühlen, indem man anders reist als die (empfundene) Masse:
Wer seit Jahr und Tag in die immer gleiche Pension in den 2 Stunden Autofahrt entfernten Harz fährt, findet seine erste Mallorca-Reise, den ersten Flug, alles mit Transfer und Reiseleitung und ins Ausland und mit fremder Sprache abenteuerlich. Sei dem betreffenden gern gegönnt.
Wer sich jedes Jahr aus dem Katalog seine Pauschalreise mit oben genannten Bedingungen heraussucht, empfindet vielleicht den ersten individuell geplanten Städtetrip nach London oder Paris abenteuerlich.
Wer den ersten individuellen Städtetrip hinter sich hat, findet dann die erste Rundreise mit eigenem Auto nach Norwegen abenteuerlich.
Wer die Norwegenrundreise hinter sich hat, findet dann vielleicht die erste Fernreise über den großen Teich mit dem Mietwagen abenteuerlich.
Und wer wie wir in allen möglichen Ländern individuell plant und reist und selbst fährt und Sprachbarrieren überwindet, ist aber dennoch nicht die Krönung des Tourismus, denn dann gibt es noch diejenigen, die mit dem Fahrrad quer durch die Mongolei fahren und die Amerika von Nord nach Süd durchwandern und die mit dem Segelboot über den Atlantik schippern, die ihren Geburtstag bei einem Städtetrip nach Lagos in Nigeria feiern und die mit Sauerstoffgerät im Gepäck auf einen 8000-er klettern und auf einem vereisten Vorsprung über dem Abhang ihren Schlafsack ausrollen.
Ich finde, man sollte jedem das eigene lassen: Pauschaltouris in Klamotten von Camp David uniformieren sich, vergleichen, wer brauner ist und schauen mitleidig auf Backpacker, die kein ordentliches Hotel haben. Backpacker finden sich mutig, weil sie sich individuell fühlen und treffen sich doch überall in den vom Lonely Planet empfohlenen Hostels wieder und führen überall die immer gleichen Gespräche in ihren Elefantenhosenuniformen mit Batikshirt und Dreadlocks, die individuellen Wanderer erkennen sich gegenseitig an den Zipper-Hosen und den Klamotten von Jack Wolfskin und gucken entsetzt auf Menschenmassen in beigen Regenjacken, die vom Bus ausgespuckt werden. Und derjenige, der seit einem halben Jahr im selbst umgebauten Bus um die Welt tingelt, schaut vielleicht herab auf den individuellen Wanderer, der sich für Portugal nur 3 Wochen Zeit nimmt statt angemessene 3 Monate zu bleiben ohne zu merken, dass 20 Meter weiter der nächste superindividuelle Bus mit gleicher Klientel auf dem Klappstuhl davor sitzt...
So funktioniert Sozialpsychologie halt, das Identifizieren mit einer Gruppe, die man als gut empfindet und das Abgrenzen von anderen Gruppen, die nachteile haben...
Rainer:
--- Zitat von: Birgit am 26. April 2018, 12:14:01 ---Ich glaube, es ist sehr verführerisch sich als "der bessere Reisende" zu fühlen, indem man anders reist als die (empfundene) Masse:
--- Ende Zitat ---
Das denke ich auch - es ist wie beim Auto fahren: man macht nur selbst alles richtig....
serendipity:
Für mich hat es Birgit mit ihrem ersten Post auf den Punkt gebracht, trotzdem kann ich auf Horsts Fragen antworten:
1. + 2. Keine Nation an sich, eher wie bei Paula, die Masse macht es. Viele Chinesen auf einem überschaubaren Platz sind schon für mich anstrengend, es ist ein wenig wie auf dem Schulhof zur ersten großen Pause: laut bis sehr laut, wuselig und wenig rücksichtsvoll.
3. Nun ich reise Zeit meines Lebens immer zur Hauptsaison, zu den Ferienzeiten, und muss dies wohl mindestens noch sechs Jahre tun (im Bestfall). Ich habe mich damit arrangiert und akzeptiere damit "Massen" an den Hotspots, die ich unbedingt sehen will, suche mir aber gleichzeitig Alternativen, die ich auch in Ruhe genießen kann.
Beispiel: Jetzt in NYC versuchte ich Hotspots möglichst früh zu besuchen z.B: 9/11-Museum oder OWTC - das hat auch gut funktioniert. In Bushwick (Brooklyn) war ich fast alleine unterwegs - eins meiner Highlights!
Oder Norwegen 2016: Mit ein wenig Recherche lassen sich selbst Hotspots in der Hauptsaison ohne viele Menschen besuchen, man muss nur auf die Anlegezeiten der Kreuzfahrtschiffe achten.
Im Voraus: Auf Skye werde ich die frühen Morgenstunden und die späten Abendstunden nutzen, da ich alleine unterwegs bin, nicht zu bestimmten Zeiten essen muss und tagsüber chillen kann. Ich muss also nicht um 10 oder 11 Uhr zum Old Man wandern, wenn alle dies tun ;)
Zu Susans Frage
--- Zitat ---Ist unser Leben so stressig, dass wir mal die Ruhe brauchen zur Erholung? Oder erleben wir im Alltag zuviel Enge und Vollheit? Leben in der Stadt, Pendlerzüge, Großraumbüros, beim Einkaufen...
--- Ende Zitat ---
Ich rede jeden Tag in meinem Job gefühlte 5 Stunden und höre gefühlte 10 Stunden zu, ich habe zunehmend das Gefühl ein Gehörschutz wäre ein sinnvolle Anschaffung vor allem bei Pausenaufsichten, ich kann meinen Namen am Nachmittag nicht mehr hören und bin jeden Tag für fünf Zeitstunden mit 15 bis 25 Menschen in maximal 60 qm und diese kleinen Menschen erwarten zu Recht von mir, dass ich immer und jederzeit für sie da bin. Am Nachmittag bzw. Abend kommen große Menschen am Telefon oder per Email hinzu, nicht jeden Tag, aber mehrmals die Woche - dies kann ich jedoch besser steuern.
Ja, ich möchte und brauche (gefühlt) Ruhe im Urlaub - besser: ich brauche Abstand, den bekomme ich am besten, indem ich mein Ding von Urlaub mache, was ich mir aber auch von ein paar Chinesen im Bus oder Wo-Mo-Fahrern nicht versauen lasse ;)
Mein Ding kann aber auch eine Woche Ferienhaus oder Ferienwohnung am Meer sein oder wie nun für Herbst eine Woche geplant: Fränkische Schweiz im schönen Hotel mit Ausflügen in die Umgebung. Ich muss also auch nicht immer in die Ferne schweifen, manchmal liegt das Gute auch ganz nah.
Und ganz zuletzt: Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen und verbringe gerne viel Zeit mit ihm, dennoch habe ich die "Auszeiten" für mich sehr zu schätzen gelernt und verreise mittlerweile sehr gerne alleine. Diese paar Wochen im Jahr muss ich auf niemand Rücksicht nehmen, keine Kompromisse eingehen, nicht schon Tage voraus denken, planen, einkaufen usw. - ich kann einfach nur ich sein und tun und lassen, was ich möchte und nach 56 Jahren stehe ich zu diesem Egotrip, lange genug war es anders, was okay war für diese Zeit.
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