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Alltag in Corona-Zeiten
wilma61:
--- Zitat von: Silke am 22. April 2020, 08:10:14 ---
--- Zitat von: wilma61 am 22. April 2020, 07:16:49 ---
--- Zitat ---Eine Beatmung mit Atemgerät wird aber mit 20.000,-€(!) pro Tag verrechnet.
--- Ende Zitat ---
Sorry Rainer, aber die Zahl ist utopisch. 20000 pro Monat wäre realistisch.
--- Ende Zitat ---
Sorry, aber da kennst du die deutschen Krankenhauspreise nicht. 20000 am Tag halte ich auch für zu viel, aber ein Tag Intensivstation lag schon vor einigen Jahren im vierstelligen Bereich.
--- Ende Zitat ---
Doch die kenne ich. Ich war letztes Jahr 2 x im Krankenhaus, hatte 2 sehr schwierige Operationen und lag insgesamt 5 Tage auf Intensiv. Da ich Privatpatient bin, sehe ich alle Rechnungen und weiß demnach was es kostet. Heute wird ja nur noch nach Fallpauschalen gezahlt und fast jeder Intensivpatient ist ein Minusgeschäft für die Krankenhäuser.
Hier ein interessanter Artikel dazu. Ist zwar von 2004, hat aber noch immer seine Berechtigung.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/43690/Krankenhaus-Management-Kompetenzzentren-sind-zukunftstraechtig
Birgit:
--- Zitat von: Silke am 22. April 2020, 09:34:52 ---Diesen Artikel z.B.
https://rp-online.de/panorama/coronavirus/corona-drosten-warnt-vor-wuchtiger-zweiter-welle-von-infektionen_aid-50142351?output=amp
finde ich weder sehr seriös noch frei von persönlicher Meinung.
--- Ende Zitat ---
Warum denkst du das? An welchen Textstellen machst du das genau fest?
Zum einen werden hier in wenigen Zeilen von einer Zeitung Auszüge aus dem Podcast zitiert. Es handelt sich nicht um das Transkript des Podcast.
Das Transkript findest du hier:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript180.pdf
Wichtig ist - in egal welcher Wissenschaft - Beobachtungen von Interpretationen zu trennen. Das macht Drosten deutlich sauberer als seine Kollegen. Er weist auf Grenzen von Studien hin und auf Besonderheiten und liefert das, was das Ergebnis seiner Arbeit ist und verweist immer wieder darauf, wenn er aus fachlicher Sicht etwas nicht einschätzen kann.
Horst:
--- Zitat von: Silke am 21. April 2020, 20:33:13 ---Noch schlimmer als die Prediger sind die Denunzianten. Und es wurde ja explizit dazu aufgerufen.
--- Ende Zitat ---
Das finde ich auch als das Schlimmste.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich es noch erlebe, dass ein deutscher Landes-Innenminister (Herrmann) uns Bürger auffordert, andere zu denunzieren und der Polizei zu melden. Ich bin davon ausgegangen, dieses dunkle Kapitel hätten wir vor 75 Jahren für laaaange Zeit geschlossen. Was mich fast noch mehr schockiert ist, dass niemand in der Öffentlichkeit deswegen den Rücktritt des Ministers gefordert hat. Soweit sind wir also schon so etwas hinzunehmen oder gar zu unterstützen.
--- Zitat von: Silke am 21. April 2020, 20:33:13 ---Als Maske kannst du ja einen Schal oder ein Tuch nehmen. Bei ebay gibt es genug.
Das dürfte also nicht das Problem sein.
--- Ende Zitat ---
Das Problem liegt scheinbar eher in der Tragetechnik. ;)
Btw - darf man die Maske jetzt eigentlich im Auto tragen (wegen der Infektionsgefahr soll man ja nicht ständig dran rum fummeln) oder muss man die kurz vor dem Blitzgerät abnehmen?
Meiner Meinung nach wird uns die Virus-Problematik begleiten bis es einen Impfstoff gibt (und dieser in großen Umfang verteilt werden kann). Also geht es darum vorrausschauend und clever möglichst geschickt durch diese Zeit zu kommen.
Das ist auch der Ansatz der Politik. Wohlgemerkt Ansatz, den Geschicklichkeit stelle ich mir anders vor.
Jedenfalls nicht diesen Bundes-Länder-Flickenteppich an sich ständig änderden Maßnahmen und Vorschriften für die ich inzwischen Informationen im Vergleich zu einem Telefonbuch brauche.
Das stärkt auch nicht gerade den "Chorgeist" der Bürger wenn es überall anders gehandhabt wird. Mit Exzessen wie dem Bußgeld, wegen alleine auf der Wiese mit einem Buch sitzen, wie in Bayern.
Versuche den Chorgeist mit der Bundesliga zu stärken sind durchschaubar ("Brot und Spiele").
Man stelle sich vor, Netflix müsste abgeschalten werden ... dann hätten wir Tummulte und Feuer in den Straßen.
Statt über die Bundesliga sollte man sich eher mal mit Konzepten anderer Wirtschaftszweige beschäftigen, z.B. den Gaststättengewerbe. Ich sähe überhaupt kein Problem, die Leute in Biergärten (im Freien) zu bewirten. Dank Klimaerwärmung haben wir ja neuerdings sowieso Dauersommer. Selbst in Gaststätten kann man mit Plexiglas Abtrennungen schaffen. Kommt halt auf ein Konzept an. Natürlich wird man durch viele Lockerungen wieder höhere Ansteckungszahlen haben aber nicht mehr in der Form wie Anfang März, als wir gar nichts unternommen hatten und völlig unbedarft (war ja laut Politik alles kein Problem) Fasching und Großveranstaltungen laufen ließen.
Auch wie heute gehört, noch eine weitere App (diesmal Quarantäne-Überwachung) anzukündigen (Spahn), die dann aber doch wieder auf sich warten lässt, keine Sau mehr durchblickt für was welche App gut sein soll und sowieso nichts fertig wird (Fertigstellung mit Berliner FLughafen?) fördert nicht gerade die Zustimmung der Bevölkerung.
Ich sehe auch die ungenutzten Kapazitäten des Gesundheits-Systems (vor allem Intensivmedizin). Wenn wir den Wohlstand der in 75 Jahren geschaffen wurde nicht in wenigen Monaten vernichten wollen, werden wir sowieso nicht darum herum kommen mehr hochzufahren. Geht eben darum Konzepte zu erarbeiten.
Vielen Existenzen sind bedroht, vor allem die der Kleinunternehmer, die außer einer einmaligen milden Gabe mit leeren Händen dastehen und deren Durchhaltevermögen bereits die Grenze erreicht hat. Dazu gehören auch die vielen Jobs, die dauerhaft damit verloren gehen. Selbst mit 60% Kurzarbeitergeld kann nicht jeder lange durchhalten (sofern man überhaupt welches bekommt).
--- Zitat von: Birgit am 22. April 2020, 08:04:13 ---
--- Zitat ---Ich kann selbst die Parolen von dem Dr. Drosten nicht mehr lesen, obwohl er mir lange sympathisch war. Aber auch er tutet immer nur ins gleiche Horn, sieht nur die virologische Komponente, aber nie die ethnische Komponente.
--- Ende Zitat ---
Genau das macht ihn seriös. Er macht das, was er am besten kann und vermischt es - im Gegensatz zu Kekulé und Streeck - nicht mit persönlichen Ansichten. Er sagt auch immer wieder, dass er nur aus wissenschaftlicher Sicht spricht, kein Politiker sei, und dass es richtig sei verschiedene Disziplinen aus der jeweiligen Perspektive zu hören.
--- Ende Zitat ---
Ich denke, damit nicht noch mehr Unfug in den Medien verbreitet wird, braucht man jemand, der bestimmte Meldungen auch fachkundig ins Reich der Fabel verweist und dem Bürger Sachverhalte erklärt. Das machte Drosten bisher meist relativ sachkundig und gelassen. Ob man jetzt täglich einen Podcast abhalten muss und die Virologen generell zu Popstars hochjubeln muss.... na ja.
Das die Virologenszene ihre aktuelle Popularität genießt, ist menschlich verständlich.
Rainer:
--- Zitat von: wilma61 am 22. April 2020, 07:16:49 ---Sorry Rainer, aber die Zahl ist utopisch. 20000 pro Monat wäre realistisch.
--- Ende Zitat ---
Hast Du Recht - ich habe die Zahl unreflektiert aus einem Videobeitrag übernommen. Wobei allerdings 20000 pro Monat auch zu wenig ist. Aber was ist realistisch und wo kommen die 20000 her (die der Autor genannt hat)?
Ich habe mal recherchiert, also 20000 pro Monat(!) gibt es in der Tat, allerdings in einem etwas anderen Kontext: seit 2017 zahlt die Pflegekasse auch die "Heimversorgung" von Patienten, die zu Hause(!) beatmet werden können. Das können Pflegedienste übernehmen und diese Pflegeleistung wird pauschal mit 20000€ pro Monat vergütet. Das hat der Autor sicherlich irgendwo falsch hergeleitet.
Was aber kostet es auf Intensivstation? Da habe ich auch ein paar Zahlen gefunden, etwas älter schon (von 2008), aber das wird jetzt nicht um Welten mehr kosten. Im Jahr 2008 wurde ein Tag Intensivstation inkl. "mechanischer Beatmung" mit ca. 1.500€ pro Tag verrechnet. Das würde dann ca. 45.000,-€ pro Monat kosten, heute vielleicht 50.000,-€, ist aber geraten.
Das erscheint mir auch plausibel, ich habe nämlich auch vor 1,5 Jahren mal eine entsprechende Rechnung gesehen. Als Andrea hier so tragisch gestorben ist, ist absolut zeitgleich (ein unglaublicher Zufall) die Frau eines Freundes ebenso fast am gleichen Tag zur gleichen Zeit auch mit Herzstillstand vom Frühstückstisch gefallen. Der Freund ist aber sehr sportlich und hatte außerdem zufällig wenige Wochen vor diesem Ereignis einen Auffrischungskurs für erste Hilfe besucht. Und da wußte er genau, was er zu machen hat und hat seiner Frau eine 30-minütige(!) Herzmassage verabreicht (was für eine gewaltige Anstrengung), bis endlich Sanitäter eintrafen, Das Unglaubliche ist geschehen, seine Frau hat den Herzstillstand ohne Folgeschäden überlebt. Dafür war sie aber 10 Tage auf Intensivstation (und noch ein paar Tage normaler Station) und weil der Freund Lehrer ist, ist er auch Privatpatient und hat mir die Rechnung (auf meinen Wunsch, ich wollte es mal wissen) gezeigt. Die belief sich auf knapp 32.000 Euro. Nun war das natürlich wieder ein anderer Fall, Herzstillstand mit Koma, das muss nicht zwingend das gleiche kosten wie eine invasive Beatmung, aber pi mal Daumen wird das schon hinkommen.
Also 20000 pro Tag sind natürlich Quatsch, ich muss zugeben, dass ich das auch ziemlich viel fand, aber weil ich auch keine Ahnung habe, was ein neumodischer Beatmungsapparat kostet, habe ich da nicht weiter nachgeforscht. Aber so teuer sind deutsche Krankenhäuser nicht, dann würde unsere Krankenversicherung deutlich mehr kosten.
Rainer:
--- Zitat von: Silke am 22. April 2020, 08:07:51 ---Ich finde schon, dass das ein Problem mit der Verfügbarkeit ist. Bis Oktober eine halbe Million, weltweit. Was glaubst du, was in einigen Ländern, wo die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden können, los sein wird?
Das Medikament wird ja nicht in Deutschland produziert. Ich befürchte daher, wir werden davon nicht viel abbekommen.
--- Ende Zitat ---
Das weiß natürlich im Moment niemand, der Hersteller ist Gilead in den USA. Aber man muss auch berücksichtigen, dass bei weitem nicht jeder das Medikament nehmen muss, die allermeisten Verläufe sind ja sehr mild, teilweise werden sie nicht einmal bemerkt. Es ist ja auch jetzt schon so, dass bestimmte Medikamente nur für bestimmte Risikopatienten vorbehalten sind, so ist beispielsweise seit einiger Zeit die prophylaktische Pneumokokkenimpfung (bakterielle Lungenentzündung) nur noch für einen ganz klar definierten Kreis von Hochrisikopatienten verfügbar, die Kriterien dafür erfülle nicht einmal ich selbst. Und das wird sicherlich mit Remdesivir auch so sein, das bekommt nicht jeder Hinz und Kunz, nur weil er es haben will.
Das andere Problem, dass in manchen Ländern möglicherweise die Fallzahlen hoffnungslos zu hoch sind, da gehe ich davon aus, dass diese Länder das selbst lösen müssen. Wenn es überhaupt irgendeinen Verteilungsschlüssel geben wird, dann wird der sicherlich eher von der Einwohnerzahl als von den Erkrankten abhängen, mindestens für die Industrieländer. Ob Länder aus der dritten Welt überhaupt etwas bekommen, ist noch eine ganz andere Frage. Ich weiß, das klingt jetzt arschig, aber wir müssen ja ehrlich sein, wahrscheinlich teilen sich die mächtigen Nationen erst einmal die wichtigsten Ressourcen, so ist die Welt leider.
Und last not least will Gilead sicherlich auch Geld verdienen (die haben sich ja auch in der Vergangenheit keinen Namen als Samariter gemacht), die lassen sich das Medikament sicherlich fürstlich bezahlen. Und dann fällt vielen USA Bürgern erneut ihr verkorkstes Krankenversicherungssystem in den Nacken, weil ein großer Teil der Bürger Versicherungen mit relativ hohen Zuzahlungen abgeschlossen haben. Deswegen gehen Amerikaner auch weniger zum Arzt, weil sie per se für den Arztbesuch 80$ auf den Tisch legen müssen, was es ihnen nicht wert ist. Viele sind es auch gewohnt, "leichte" Erkrankungen auszutragen. Auf der anderen Seite hätte ich selbst kein Problem damit, einen ordentlichen Betrag auf den Tisch zu legen, wenn ich dafür ein lebensrettendes Medikament bekomme, falls ich selbst schwer erkrankt sein sollte.
Da spielen also sehr viele Faktoren eine Rolle und eine Million sind schon mal mehr als gar nichts. Das sind ja eine Millionen vollständige Therapien, nicht nur Ampullen. Und Indien und China werden mit absoluter Sicherheit in kürzester Zeit Generika herausbringen, auch wenn in der Tat die Herstellung ein paar Monate in Anspruch nimmt. Aber nach einer gewissen Wartezeit kann man davon ausgehen, dass diese beide Staaten sowieso eine Eigenversorgung haben. Das war noch nie anders, mit Patentrechten usw. haben insbesondere Chinesen ja überhaupt keine Probleme.
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