Allgemeines > Mitglieder-Talk & Sonstiges
Alltag in Corona-Zeiten
wilma61:
--- Zitat von: Rainer am 22. April 2020, 12:18:59 ---
Die belief sich auf knapp 32.000 Euro. Nun war das natürlich wieder ein anderer Fall, Herzstillstand mit Koma, das muss nicht zwingend das gleiche kosten wie eine invasive Beatmung, aber pi mal Daumen wird das schon hinkommen.
--- Ende Zitat ---
Das wird ja alles nur noch nach den DRG Fallpauschalen berechnet, die auch die Intensivbehandlung beinhalten. Sehr komplexes Thema. Hab mal hiermit ein wenig gespielt, sehr interessant.
https://www.derprivatpatient.de/krankenhaus/abrechnung/drg-suche
Bei 32000 € müsste auch ein Eingriff erfolgt sein, sonst ließe sich die Höhe nicht erklären.
Rainer:
--- Zitat von: Birgit am 22. April 2020, 08:04:13 ---Genau das macht ihn seriös.
--- Ende Zitat ---
Jain. Meiner Meinung nach beschäftigt auch er sich nicht genügend mit den Folgen der Epidemie, sondern betrachtet sie rein quantativ und wenn ein Artikel von "wuchtiger" Welle spricht, dann kotzt mich das schon an, das kann ich nicht mehr lesen. Das hätte man auch anders formulieren können, meinetwegen "erhöhte Infektionszahlen", aber die "wuchtige Welle" ist abschreckend und auch so gemeint. Das ist einfach zu subjektiv formuliert.
Und mich stört insgesamt (was ich ja schon oft geschrieben habe), dass so viele "Experten" so wenig auf die Toten an sich eingehen. Es gibt inzwischen mehrere Stimmen (u.a. auch Palliativmediziner), die es (zu Recht) kritisieren, wenn Palliativpatienten noch der invasiven Intensivbeatmung zugeführt werden, was nur Plätze kostet und Geld einbringt (boshaft gesagt). Statt diese Patienten in Ruhe sterben zu lassen (mangels Patientenverfügung).
Mich stört auch diese ewige Plattitüde "unser Gesundheitssytem bricht ein". Das ist völliger Quatsch, es bricht so oder so nicht unser ganzes Gesundheitssystem ein. Aber wir haben eine extreme Häufung eines bestimmten Krankheitsbildes (Lungenentzündung), die Krankenhäuser sind aber nur auf "normalverteilte" Patienten eingerichtet, d.h. es gibt einen (großen) Engpass bei der Betreuung von Lungenentzündungen. Ich habe noch keinen einzigen Vorschlag gelesen, diesem Problem mit der simplen und logischen Lösung beizukommen, in dem man genau diese Kapazitäten massiv erhöht. Man hat etwas erhöht, ist übrigens bis heute NIE in Anspruch genommen worden und das war es jetzt auch wieder. Wieso unternimmt man nicht mehr in diese Richtung?
Egal wie schwer und wie teuer es sein mag, die notwendigen Kapazitäten aufzubauen: was wir momentan alles kaputt machen, weil wir am falschen Ende anpacken, das kostet noch viel viel mehr und ist viel viel schwerer wieder aufzubauen. Was im Moment alles kaputt geht, das übersteigt die Vorstellungskraft von jedem. Und das stört mich gewaltig und mich stört es auch am Drosten, der auch nur in die Richtung argumentiert, man müsse die Anzahl Infektionen klein halten. Das ist NICHT die einzig mögliche Lösung, aber es ist mit Abstand die bequemste (muss man nicht lange nachdenken) und leider auch die teuerste. Aber sie ist auch gefährlich, sehr gefährlich. Wenn die globale Marktwirtschaft zusammenbricht, weil immer mehr Zulieferer einknicken, dann haben wir irgendwann ein Riesenproblem. Dann könnte auch die Medizinversorgung einknicken (die ohnehin labil ist) und welche Folgen das dann hat, das kann sich keiner ausmalen. Ich empfinde es jedenfalls so, dass wir russisch Roulette spielen und auf ein Event warten (Impfstoff), von dem niemand weiß, ob es kommt und wann es kommt. Da würde ich lieber anpacken und mehr Behandlungsplätze aufbauen, egal wie langwierig das ist. Aber das hat zumindest ein kalkulierbares Ziel. Das Warten auf den Impfstoff ist übles Zocken.
Rainer:
--- Zitat von: wilma61 am 22. April 2020, 12:52:11 ---Bei 32000 € müsste auch ein Eingriff erfolgt sein, sonst ließe sich die Höhe nicht erklären.
--- Ende Zitat ---
Ist auch - die hat einen Herzschrittmacher bekommen, bzw. keinen Herzschrittmacher sondern einen kontrollierenden Mini-Defibrillator. Weil die ursächlich eine Rhythmusstörung hatte, die das Kammerflimmern auslöste. Das stimmt, das ist auch relativ teuer, das war sicher in der Rechnung drin, ich habe die Rechnung nicht durchgeschaut, mich interessierte nur die Summe. Ich weiß allerdings auch, dass diese neumodischen Schrittmacher und "Defis" ziemlich teuer sind.
wilma61:
Die Rechnungen durchschaut man als Laie auf Grund des komplexen DRG-Fallpauschalen Systems sowieso niemals.
Rainer:
Meine Frau hat seit Jahren schon so eine Zusatzversicherung, dass sie im Krankenhaus von Chefarzt behandelt wird, den Status "Privatpatient" hat und max. auf ein 2-Bett-Zimmer kommt. Vor 3 Jahren war Sylvia dann zum ersten Mal wirklich richtig schrecklich krank (ich hatte schon vor, diese Zusatzversicherung zu kündigen.... jetzt lasse ich sie, die haben wir längst wieder heraus), sie bekam nach Pfingsten so einen eigenartigen Husten, der nicht weggehen wollte, das gipfelte dann im Sommerurlaub (AIDA Kreuzfahrt nach Grönland) darin, dass sie sich die Seele als dem Hals hustete und nachts so schrecklich schwitzte, dass sie immer mitten in der Nacht klatschnass das Nachthemd wechseln musste. Sie hatte dort schon 2 Päckchen Antibiotika geschluckt, die ihr vom Hausarzt verschrieben worden waren.
Nach Rückkehr aus dem Urlaub ergab eine Blutwertuntersuchung einen HB-Wert von 8,5 (starke Anämie, ab 7,0 droht Lebensgefahr), sie musste sofort ins Krankenhaus, dort wurde sie 3 Wochen auf den Kopf gestellt und behandelt. Resultat: diverse Entzündungen ("Multi Serositis") inkl. Lungenentzündung, Perikarderguss (Herzbeutel), Eierstöcke entzündet, Zyste im Bauchraum, Wasser im Bauch. Grauenhaft war das. Bis heute hat niemand herausgefunden, was sie damals hatte. Die Diagnosen gingen von Tuberkolose über Darmkrebs bis Lungenkrebs und so weiter - das war eine furchtbare Zeit.
Naja, auf jeden Fall hatte damals die Arag (die Versicherung der Zusatzversicherung) eine Umstellung im Rechnungswesen gehabt, deswegen hatten sie uns gebeten, die eintrudelnden Rechnungen der ganzen Fachabteilungen und Chefärzte (insgesamt über 10 Rechnungen!) vorzustrecken. Seit dem "kenne" ich solche Abrechnungen. Blickt kein Schwein durch, unten steht eine Zahl und die muss man überweisen....
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln