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Epidemische Lage nationaler Tragweite....

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Rainer:
... wurde unlängst vom Bundestag wieder beschlossen und verlängert.

Ich kann nicht beurteilen, ob diese Entscheidung gerechtfertigt ist und ob wir wirklich eine "Epidemische Lage nationaler Tragweite" haben. Meine persönliche Meinung ist, dass wir keine solche Lage (mehr) haben, aber wie gesagt, ich kann und will es nicht beurteilen.

Was ich aber beurteilen kann, ob die richtigen Maßnahmen ergriffen und durchgeführt werden. Und das ist relativ einfach zu beurteilen und genau da stellen sich mir wieder einmal die Haare zu Berge. Ich meine, WENN wir dann wirklich so eine schwierige Lage haben, dann ist es doch absolut selbstverständlich, dass man die besten und wirkungsvollsten Maßnahmen ergreift und Mittel einsetzt, um diese Lage zu bekämpfen und zu beenden.

Und da sieht die Situation sehr sehr einfach aus: es gibt nur ein einziges probates Mittel, die Epidemie (die ja sogar eine weltweite Epidemie, sprich "Pandemie" ist) zu bekämpfen und das ist die Impfung. Ohne wenn und aber. Die Impfung ist hoch potent im Kampf gegen das Virus, sie hat so gut wie keinerlei Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsumfeld, sie hat nur sehr wenige Risiken und sie steht inzwischen für alle Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 J. zur Verfügung. Und der weitere Schritt, Kinder ab 5J. auch zu impfen, steht nicht in weiter Ferne. Die Risiken der Impfung sind gut und gerne um Faktor 1.000 geringer als die Risiken, sich mit Corona zu infizieren und schwer zur erkranken.

Also ist das doch eine ganz einfache Entscheidung: WENN wir wirklich die "epidemische Lage nationaler Tragweite" haben, dann ist eine Impfpflicht für alle geeigneten Personen so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Alles andere ist Gemurkse und "am Thema vorbei". Was soll das Herumgeeiere mit Zweit- bis Drittklassigen Maßnahmen, die ich in anderen Bereichen max. als "nice to have" bezeichnen würde, die zudem auch noch gewaltige Schäden an unserer Wirtschaft zur Folge haben, die Abertausenden den Job kosten und die ganze Branchen und Berufszweige vernichtet, um nachher allenfalls einen Nutzen "hinter dem Komma" zu haben? Sollen wir für alle Zeit eine "epidemische Lage nationaler Tragweite" ausrufen und sollen wir für alle Zeit Kultur, Tourismus, Gastronomie, Großveranstaltungen u.v.m. einstampfen, weil wir uns nicht "trauen", eine Impfpflicht auszusprechen, die als einziges Mittel wirksam die Pandemie beenden könnte? Sollen wir jetzt für alle Zeit mit hemdsärmeligen Ersatzmaßnahmen einen Virus bekämpfen, um einem Teil der Gesellschaft "ihre Freiheit" zu geben, sich nicht impfen zu lassen, auf Kosten der Allgemeinheit?

NEIN!! Das kann es nicht sein.

Also entweder haben wir die genannte "Epidemische Lage nationaler Tragweite" und dann wird sie selbstverständlich mit allen (insbesondere dem mit Abstand besten) Mitteln bekämpft, oder wir haben eben keine solche "Epidemische Lage nationaler Tragweite" und überlassen die Entscheidung jedem Einzelnen, ob er schwer erkranken und ggf. auch ersticken will. So schrecklich es für manche klingen mag, aber natürlich gehört es auch zur Freiheit eines Einzelnen, sich umzubringen. Ob das mit Rauchen, Saufen oder durch Corona ist - auch das muss jedem selbst frei gestellt sein. Aber eine "Epidemische Lage nationaler Tragweite" zu definieren und dann nicht die zentrale Ursache an sich (mangelnde Impfbereitschaft) zu bekämpfen - ne, das ist zu viel verlangt, das verstehe wer will, ich verstehe es nicht.

Horst:
Hallo Rainer,

ich würde sagen wir haben eine "Epedimische Lage Light". ;)
Zumindest aktuell.
Das Problem mit der Impfplicht wäre halt dreigeteilt.
1.Die Impfstoffe (aktuell läuft es in D ja hauptsächlich auf Biontech hinaus) sind eben nicht schon x Jahre erforscht wie das bei Masern der Fall ist und haben in D nach wie vor nur eine Notfallzulassung. Gerade aktuell in den USA ist dieser Status bei Biontech in eine Vollzulassung übergegangen bei uns noch nicht.
2.Die Regierungskoalition hatte x-fach versprochen dass es keinen Impfzwang geben wird.
Man würde völlig unglaubwürdig werden wenn man das verändert.
3.Unter der "Problemgruppe" - also den älteren Erwachsenen sind in D Stand heute bei den über 60jährigen bereits 87% geimpft, bei der Gruppe 18-59 Jahre bereits 65%.
Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquotenmonitoring.html
Jetzt zähl da noch eine Dunkelziffer X von denen die es bereits hatten dazu - da bleibt nicht viel mehr an Potential
Selbst bei den über 12jährigen ist schon jedes dritte Kind geimpft.

Die Verteilergruppe und somit das Problem an der Sache sind die Kinder und Jugendlichen. Sie haben meist kaum ein Risiko schwer zu erkranken und sollen sich für die Gesellschaft impfen lassen.
Zudem würde ich Dich fragen ab welchem Alter Du die Impfplicht ansetzen würdest?
Denn unsere Hauptverteilergruppe sind somit aus meiner Sicht
1.die unter 12jährigen
2.die unter 18 jährigen

Wie Du selbst schon schreibst ist die Lage nicht so dramatisch dass man die Kids zu so einem körperlichen Eingriff zwingen sollte - meine Meinung.
Und der Rest der Bevölkerung wird sich beim Zwang für den Friseur oder Baumarkt einen teueren Test zu brauchen schon impfen lassen, da bin ich sicher.
Wenn es 10kg Fleisch für 0,99 € gibt schlägt man auch zu und die Hütte beim Discounter ist voll.
Wenn es dem Deutschen um sein liebes Geld geht ist jede Impfphilosophie ad acta gelegt.

Deshalb ist die aktuelle Vorgehensweise aus meiner Sicht eine der wenigen zielführenden Maßnahmen der letzten Monate (noch dazu in einem Wahljahr  ;) ) um das Ziel (Impfschutz bei möglichst vielen) zu erreichen und das ohne Gesichtsverlust und das eben über den Geldbeutel was in D besonders gut klappt.
Um wiederum das so machen zu können brauchst Du wiederum die "Epidemische Notlage" - sonst darfst Du es ja nicht so beschließen. :zwinker:

Silke:
Es wird doch quasi eine Impfpflicht durch die Hintertür geben. Immer mehr wird über 2 G nachgedacht und teilweise eingeführt. Selbst Supermärkte denken darüber nach.
Wenn es wenigstens etwas bringen würde. Wenn wenigstens die Geimpften ihre Rechte voll zurückbekommen würden. Aber selbst da werden mal gegebene Versprechen nicht gehalten. Es gibt schon wieder Obergrenzen bei Treffen, und anders als am Anfang zählen Geimpfte dazu.
Wenn die Stiko weiter einknickt und eine Impfempfehlung für unter 12jährige gibt, werden diese nicht mehr ungeimpft in Kita und Schule dürfen. Dann werden Millionen Kinder mit einem Impfstoff geimpft, dessen langfristige Folgen Niemand kennt. Obwohl ihr Risiko schwer zu erkranken, so gering ist.

Den Rest erledigt dann die Panikmache der Politik (es werden sich angeblich alle Ungeimpften anstecken).

Rainer:

--- Zitat von: Horst am 28. August 2021, 10:10:33 ---ich würde sagen wir haben eine "Epedimische Lage Light". ;)

--- Ende Zitat ---

Das gibt es nur leider nicht, es geht mir nicht darum, die Lage zu bewerten. Es geht mir darum, ob der Bundestag die "Epidemische Lage nationaler Tragweite" definieren darf, das hat ja (bisher noch nie gekannte) Folgen für unsere Freiheitsrechte. Das ist die größte Keule, die den Regierenden in die Hand gegeben wird und das darf man meiner Meinung nach eben nicht inflationistisch tun, sondern wirklich nur im absoluten, extremen Ausnahmefall. Und wenn der wirklich gegeben ist, dann müssen wir eine Impfpflicht einführen, da führt kein Weg dran vorbei.

Ich sage ja selbst, wir haben diese Lage nicht, dann brauchen wir natürlich auch keine Impfpflicht, aber was jetzt geschieht, dass man diese "Sonderrechte" an den Gesundheitsminister vergibt, aber dann nicht mit allen Mitteln die Lage an sich bekämpft, das ist ein Unding. Das geht aus meiner Sicht nicht. Wir machen aus Herrn Spahn einen Kaiser auf unbestimmte Zeit, einfach so.


--- Zitat von: Horst am 28. August 2021, 10:10:33 ---1.Die Impfstoffe (aktuell läuft es in D ja hauptsächlich auf Biontech hinaus) sind eben nicht schon x Jahre erforscht wie das bei Masern der Fall ist und haben in D nach wie vor nur eine Notfallzulassung.
--- Ende Zitat ---

Das stimmt so nicht ganz, die sind zwar nicht "x Jahre" erforscht, aber sie wurden auf medizinischer Ebene mit der gleichen Sorgfalt getestet wie sonst auch. Insbesondere ist auch die Formulierung "Notfallzulassung" nicht richtig (das kolportiert unsere einschlägige Presse leider schon falsch), das ist in der EU eine sog. "Bedingte Zulassung" und der Ausdruck trifft es auch viel besser. Es sind bestimmte Bedingungen an die Zulassung geknüpft, aber es ist kein Notfall. Das ist die amerikanische Version.

Ich habe inzwischen viele Dokumentationen darüber gesehen und gelesen, ich war ja auch von Anfang an total skeptisch, wie es denn sein kann, dass man ein sonst jahrelanges Verfahren so abkürzen kann. Aber wenn man sich damit beschäftigt, sieht man schon, dass auch hier größte Sorgfalt geboten ist und dass die kurze Laufzeit ein Produkt vieler Einzelbausteine in einem sehr komplexen Gesamtverfahren ist. Das fängt damit an, dass unfassbar viel Geld hineingesteckt wurde und entsprechend Forschung betrieben werden konnte, dann war es auch bisher immer so, dass viele Vorgänge durch unsere trägen Behörden behindert wurden u.v.m., und last not least gibt es auch viele interessante Beiträge zu dem Thema, warum es eigentlich extrem unwahrscheinlich ist, dass eine Impfung "Spätfolgen" hat. Das hat es eigentlich noch nie gegeben, auch bei der Narkolepsie als Folge der Impfung gegen die Grippewelle im Jahr 2009 stellten sich die ersten Fälle schon nach wenigen Wochen ein. Das hat u.a. auch damit zu tun, dass die Impfstoffe kontinuierlich abgebaut werden. Es ist im Grunde zum jetzigen Zeitpunkt auszuschließen, dass es zu weiteren (bisher nicht bekannten) Spätfolgen kommt, dafür sind schon viel zu viele Menschen geimpft worden und gibt es viel zu viele "Meßwerte"

Natürlich weiß ich auch, dass die "vulnerable" Gruppe "60 plus" schon zu 83% geimpft ist. Aber auf der anderen Seite deutet sich jetzt schon ein Problem an, wir liegen nämlich jetzt schon (obwohl wir erst Ende August haben) bei 850 Intensivpatienten. Letztes Jahr um die gleiche Zeit waren das nur ca. 250 Patienten, damals gab es noch keinen Impfstoff und niemand war geimpft. Jetzt liegen schon über 800 Leute auf Intensivstation und von denen sind 94%(!) nicht geimpft. D.h. also die "paar Männeken", die da nicht geimpft sind, die kommen mit Macht in die Intensivstation. Das ist ein ganz anderes Scenario als vor einem Jahr. Wenn alle geimpft wären, dann lägen jetzt nur 50 Menschen auf Intensiv - das ist schon noch eine Zahl, um die es sich zu kämpfen lohnt. Auch wenn vermeintlich 83% der vulnerablen Älteren schon geimpft sind, irgendwo müssen ja die ungeimpften Patienten herkommen. Und das sind ganz sicher NICHT Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die würde ich natürlich auch von der Impfpflicht ausnehmen.

Aber wie gesagt, ich will es gar nicht mehr weiter ausführen, wegen mir brauchen wir keine Impfpflicht - aber dann möchte ich auch keine Sonderrechte mehr für Herrn Spahn. Das eine geht nicht ohne das andere, so wie es jetzt ist, geht das Gemurkse im Alleingang beliebig weiter, weil er Kraft dieses Beschlusses einfach machen kann. Grausam ist das.

Horst:

--- Zitat von: Silke am 28. August 2021, 12:36:28 ---Wenn wenigstens die Geimpften ihre Rechte voll zurückbekommen würden. Aber selbst da werden mal gegebene Versprechen nicht gehalten. Es gibt schon wieder Obergrenzen bei Treffen, und anders als am Anfang zählen Geimpfte dazu.
--- Ende Zitat ---

Zumindest in Bayern nicht:

--- Zitat ---Beträgt die Inzidenz mehr als 50 dürfen sich zehn Personen aus maximal drei Haushalten treffen, Kinder unter 14 Jahren werden bei der Personenzahl nicht mitgezählt. Bei einer Inzidenz unter 50 sind bis zu zehn Personen erlaubt, dann ist egal, aus wie vielen Haushalten diese stammen. Vollständig Geimpfte und Genesene werden generell nicht mitgezählt, weder bei der Personenzahl noch bei der Zahl der Haushalte.
Die Entwicklungen der Corona-Krise in Bayern
--- Ende Zitat ---
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-corona-regeln-aktuell-3g-schueler-1.4878824



--- Zitat von: Silke am 28. August 2021, 12:36:28 ---Wenn die Stiko weiter einknickt und eine Impfempfehlung für unter 12jährige gibt, werden diese nicht mehr ungeimpft in Kita und Schule dürfen. Dann werden Millionen Kinder mit einem Impfstoff geimpft, dessen langfristige Folgen Niemand kennt. Obwohl ihr Risiko schwer zu erkranken, so gering ist.
--- Ende Zitat ---
Den Nutzen für diese Gruppe halte ich aktuell auch für zu gering. Eine Impfempfehlung aber für unwahrscheinlich, außer bei Vorerkrankten.



--- Zitat von: Silke am 28. August 2021, 12:36:28 ---Den Rest erledigt dann die Panikmache der Politik (es werden sich angeblich alle Ungeimpften anstecken).

--- Ende Zitat ---
Es gibt noch einen Fakt der gerne von der Politik verschwiegen wird, bzw. nirgendwo zu hören ist.
Laut Studien in Israel stecken sich sehr viele Geimpfte an und geben den Virus in den ersten Tagen nach der Infektion genauso weiter wie Ungeimpfte.
Als Quelle schnell gegoogelt eine Studie der US-Gesundheitsbehörde:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126034/US-Gesundheitsbehoerde-Delta-Variante-so-ansteckend-wie-Windpocken-trotz-Impfung


Würde man das groß thematisieren würde die Impfbereitschaft wohl eher nachlassen, weshalb man es nicht tut.
Außerdem wäre dann die Erleichterung für Geimpfte gegenüber Ungeimpften eigentlich meiner Meinung nach als Nicht-Jurist rechtlich unzulässig oder zumindest im Bundestag kritisch es durch zu bekommen, ein zweiter guter Grund die Bevölkerung (noch dazu vor der Wahl) nicht zu verunsichern.

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