Autor Thema: Herbstwandern in Finnland - September 2025  (Gelesen 7146 mal)

Susan

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #45 am: 02. Dezember 2025, 13:16:19 »
Ohje, hoffe auch, dass es mit den Schmerzen bald wieder vorbei war und nichts allzu erntes dahinter steckte  :traurig:

Die Wanderung gefällt mir auch sehr, kein Wunder, dass sie so beliebt ist. Die Stromschnellen sind beeindruckend und dafür würde ich sogar die Hängebrücke auf mich nehmen. Gut zu wissen, dass die Bären eher flüchten.
Liebe Grüße
Susan

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #46 am: 02. Dezember 2025, 13:28:40 »
Dann hoffe ich, dass du am nächsten Morgen wieder ohne Schmerzen aufstehen konntest. Hast du für solche Fälle keine Schmerzmittel dabei?

Die Stromschnellen gefallen mir auch sehr. Bei Hängebrücken kommt es bei mir auf die Tagesverfassung an - manchmal kann ich rübergehen, manchmal nicht  :weissnicht:
Liebe Grüße
Silvia

Ilona

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #47 am: 02. Dezember 2025, 15:26:28 »
Ohje, hoffe auch, dass es mit den Schmerzen bald wieder vorbei war und nichts allzu erntes dahinter steckte  :traurig:

Die Wanderung gefällt mir auch sehr, kein Wunder, dass sie so beliebt ist. Die Stromschnellen sind beeindruckend und dafür würde ich sogar die Hängebrücke auf mich nehmen. Gut zu wissen, dass die Bären eher flüchten.

Susan war mein Ghostwriter :zwinker:. Genau das hätte ich auch geschrieben.

So heftige Schmerzen sind schon krass und ich bin schon auf die Ursache gespannt. 

Hängebrücke allerdings nur, wenn sie nicht allzu sehr schaukelt.
Liebe Grüße

Ilona

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Christina

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #48 am: 02. Dezember 2025, 17:56:50 »
Dann hoffe ich, dass du am nächsten Morgen wieder ohne Schmerzen aufstehen konntest. Hast du für solche Fälle keine Schmerzmittel dabei?

Ich hatte Schmerztabletten dabei, alleine schon weil ich nicht wusste, ob ich sie wegen Knieschmerzen brauchen würde, aber da ich hier gar nicht wusste, was es ist, wollte ich keine Schmerztabletten nehmen.

Ich habe ja zum Glück keine Höhenangst, daher sind Hängebrücken für mich an sich kein Problem. Aber mir wird halt sehr schnell schlecht, wenn es wackelt, das ist ja sehr oft im Flugzeug ein Problem bei mir oder beim Autofahren bei vielen Kurven, aber dass dafür jetzt schon eine wackelnde Hängebrücke ausreicht, hätte ich nicht gedacht.


LG Christina

Christina

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #49 am: 03. Dezember 2025, 18:18:13 »
7. Tag – Sonntag, 14.09.

Mein Wecker klingelt wie immer um 6 Uhr – ein bisschen bewegen, hm, ein kleines bisschen weniger Schmerzen habe ich als gestern – immerhin.

Noch vom Bett aus rufe ich den Notfallservice des ADAC an, vielleicht haben die dort eine hilfreiche Idee, eventuell kann ich den Urlaub gar nicht fortsetzen, was würde dann mit meinem Mietauto werden, solche und ähnliche Fragen gehen mir im Kopf herum. Leider wird dort nur auf die mir natürlich bekannte finnische Notrufnummer 112 verwiesen und man würde mir schon mal per Mail ein Formular bzw. einen Link zur Geltendmachung von eventuell anfallenden Arztkosten schicken. Na ja, das ist das Letzte über das ich mir gerade Gedanken mache.

Aber ich bin gerade schließlich nicht mitten in der Wildnis, sondern in der für diese Gegend recht großen Stadt Kemijärvi (6900 Einwohner), da müsste es doch ein Krankenhaus geben? Ich schaue bei Google nach und tatsächlich, es gibt ein Krankenhaus mit Notfallabteilung, die heute am Sonntag um 8 Uhr öffnet. Ich speichere mir die Adresse gleich im Navi, frühstücke dann und mache mich einigermaßen präsentabel, Duschen ist allerdings völlig ausgeschlossen.

Kurz nach acht schleiche (normales Gehen ist mir nicht möglich) ich dann zum Auto, setze mich unter Schmerzen hinein und fahre die paar Minuten zum Krankenhaus. Dort wieder unter heftigen Schmerzen aus dem Auto raus und ganz langsam zum Eingang. Ich werde von einer Notfallsanitäterin empfangen, die mich zu einer Krankenschwester führt, die zunächst mal meine Daten aufnimmt, Personalausweis und Krankenversichertenkarte lege ich dazu vor. Das Ganze dauert seine Zeit, die sehr freundliche und sehr gut englisch sprechende Schwester muss immer mal wieder bei Kollegen um Rat fragen, was sie über mich in den PC eingeben kann / soll, ein ausländischer Patient ist sicher eher eine Seltenheit hier.

Nachdem die Bürokratie erledigt ist, wird mir Blut abgenommen, ich gebe eine Urinprobe ab, Blutdruck wird gemessen, meine Temperatur und ähnliches.

Dann muss ich ungefähr eine halbe Stunde warte bis ich von einer ebenfalls sehr jungen Ärztin hereingerufen werde. Sie fragt nochmal genau nach meinen Symptomen, Vorerkrankungen usw. und sagt dann, dass es sich um Rückenschmerzen handelt und zwar ist wohl die Knorpelmasse zwischen den Wirbeln nicht mehr ganz funktionsfähig, daher reiben die Wirbel aneinander (hinsichtlich Details wird es etwas schwierig, da Englisch für uns beide eine Fremdsprache ist, ich mich mit medizinischen Ausdrücken nicht gut auskenne und sie erstaunlicherweise insgesamt nicht allzu gut Englisch spricht).

Aber, die gute Nachricht, das ist kein Grund den Urlaub abzubrechen oder die nächsten Tage im Bett zu verbringen, im Gegenteil, die Schmerzen müssten mit Hilfe von Schmerzmitteln nach und nach besser werden (sie meint es dauere zwei bis vier Wochen) und wichtig sei es, dass ich mich weiterhin bewege, weitere Wanderungen, wenn sie nicht allzu lange sind, sind möglich und sogar hilfreich.

Mir fällt ein Stein vom Herzen und alleine aufgrund dieser Aussage geht es mir schon etwas besser. Ich bekomme noch eine Spritze und zwei Schmerztabletten, sowie Rezepte über Schmerztabletten (hoch dosiertes Paracetamol und Ibuprofen), sowie muskelentspannende Tabletten. Die Rezeptausstellung ist nochmal ein etwas größerer Akt, denn auch in Finnland gibt es Rezepte eigentlich nur noch elektronisch auf die Versichertenkarte, das funktioniert aber nicht mit einer ausländischen Karte und so muss die Ärztin die Rezepte, für jedes Medikament sind das mehrere DIN A4 Seiten, ausdrucken und handschriftlich ausfüllen. Ich bekomme genug Tabletten mit für den Rest des Tages und morgen früh, da die Apotheke hier in Kemijärvi heute am Sonntag nicht geöffnet hat. Die Ärztin sagt mir aber, dass es im „nur“ etwa vierzig Autominuten entfernt liegenden Rovaniemi, der Hauptstadt von finnisch Lappland, auch heute geöffnete Apotheken gibt.

Gegen 11 Uhr bin ich zurück im Hotel, ich telefoniere mit Peter und entscheide mich dann, nach Rovaniemi zu fahren, es geht mir besser und ich soll ja gerade nicht den ganzen Tag im Bett liegen, außerdem steht morgen ein Unterkunftswechsel mit längerer Fahrtstrecke an, da möchte ich das Thema Apotheke möglichst schon vorher abgehakt haben. Ich suche mir noch die Adresse einer geöffneten Apotheke bei Google Maps für mein Navi heraus, nehme ein sich noch in meinem Kühlschrank befindliches belegtes Brötchen zum Mittagessen mit und fahre los.

Gegen 12 Uhr erreiche ich die Apotheke und bekomme dort problemlos die verschriebenen Medikamente, wobei das auch hier wieder recht lange dauert, gefühlt gibt die Apothekerin alles was handschriftlich auf den Rezepten steht, wieder in den Computer ein.

Da es mir nun deutlich besser geht, will ich nicht gleich wieder nach Kemijärvi zurückfahren (und dort etwas spazieren gehen, wie ich ursprünglich gedacht hatte), sondern hier noch etwas anschauen / unternehmen.

Etwas nördlich der Innenstadt verläuft der Polarkreis und das wird (warum überhaupt?) in Verbindung zum Weihnachtsmann gesetzt und kräftig touristisch ausgeschlachtet. So gibt es den Santapark, eine Art Freizeitpark in einem Bergstollen eher für Kinder, wo unter anderem ein Weihnachtsmann für Fotos bereitsteht. Dieser Park ist aber geschlossen, er hat nur kurz zur sommerlichen Hochsaison und dann wieder im Winter geöffnet. Direkt daneben und auf Höhe des Polarkreises liegt das Weihnachtsmann Dorf (Santa Claus Village), das ich nun ansteuere.

Auf einem großen Gelände sind kreisförmig eine ganze Reihe von Geschäften und Restaurants und Cafés, sowie ein Postamt und das Zimmer des Weihnachtsmanns angeordnet. Etwas abseits gibt es weitere Attraktionen (wohl nur im Winter) wie eine Husky-Farm, eine Schneemobilausstellung, einen Streichelzoo mit Rentieren und ähnliches. Ganz klar ist auch hier der Winter die touristische Hauptsaison. Es sind aber doch ein paar Leute unterwegs, erwartungsgemäß sehr viele Asiaten (wobei ich mich frage, wie deren Route aussieht, denn außer hier und am Flughafen in Helsinki sehe ich auf der ganzen Reise fast keine weiteren Asiaten, die werden doch nicht nur wegen des Weihnachtsmann Dorfes nach Rovaniemi fliegen und dann Finnland wieder verlassen?), aber auch Nord- und Südamerikaner.

Ich bummle über den Platz, esse mein mitgebrachtes Brötchen, mache ein paar Handyfotos vom markierten Polarkreis (na immerhin ist das nun festgehalten, denn inzwischen habe ich den Polarkreis schon mehrfach unbemerkt, also ohne jegliche Beschilderung an der Straße, überschritten bzw -fahren, am Tag als ich von Lapinlahti nach Kemijärvi gefahren bin, dann zweimal gestern auf der Fahrt in den Oulanka NP und beim Rückweg und dann heute auf dem Weg zur Apotheke) und schaue dann in ein paar der Souvenirgeschäfte hinein.




In einem recht netten Café trinke ich noch einen Kaffee und esse ein Munkki dazu (EUR 7,00) und kaufe schließlich noch eine Postkarte, zu der ich im Postamt eine Briefmarke bekomme. Schöne Briefmarkenmotive gibt es, hauptsächlich mit winterlichen Landschaften, ich nehme ein Rentier-im-Sommer-Motiv. Man kann die Postkarten hier natürlich auch gleich einwerfen (dazu gibt es eine ganze Reihe von Stehtischen mit Kulis, um die Karten hier schreiben zu können) und zwar entweder in einen Briefkasten zur sofortigen Zustellung oder in einen, bei dem die Karten erst im Dezember zugestellt werden, jeweils mit Weihnachtsmann Dorf Stempel. Das interessiert mich aber überhaupt nicht und ich werde die Karte erst später im Hotel schreiben und anderswo einwerfen.


Einen Besuch beim Weihnachtsmann erspare ich mir und verlasse das Dorf wieder.

Nur ein paar Kilometer vom Weihnachtsmann Dorf entfernt und auf direktem Weg nach Kemijärvi liegt die Arctic Circle Hiking Area mit einigen Wanderwegen. Ein bisschen Bewegung brauche ich noch, daher fahre ich nun auf einen Parkplatz an dem ein eher kürzerer Trail, der für mich heute bewältigbar ist, startet (Vikaköngäs parking area). Das ist jetzt ungeplant, aber meine Wanderschuhe sind ja sowieso immer im Auto, nur für Fotos muss ich mich aufs Handy beschränken, die Kamera habe ich im Hotel gelassen.

Gleich zu Beginn geht es über eine Hängebrücke, die den Fluss Raudanjoki mit ein paar Stromschnellen überquert.



Der Weg führt dann mit mäßiger Steigung mal auf Holzbohlen, mal auf einem recht gut begehbaren Waldweg zu einem Aussichtsturm, von dem man einen schönen Blick über die umliegenden Wälder und den Raudanjoki hat.





In einem Bogen geht es durch den Wald zurück zum Parkplatz.


Nach der Wanderung fahre ich ins Hotel zurück, wo ich gegen 16.30 Uhr ankomme. Irgendwie bin ich ziemlich müde und mache ein kurzes spätnachmittägliches Schläfchen.

Später gibt es Abendessen und dann die sonstigen üblichen abendlichen Betätigungen.

Das war nun doch noch ein recht angenehmer Tag mit einigen interessanten Aktivitäten, das hätte ich heute Morgen beim Aufwachen ganz und gar nicht erwartet.



Wetter: bewölkt, im Laufe des Tages sonniger werdend, ca. 13°-16°C
Wanderung: Arctic Circle Hiking Area, Vaattunkivaara Nature Trail, 4,2 km, 88 m Anstieg
Unterkunft: 5 Nächte Academy Hotel in Kemijärvi, ohne Frühstück, EUR 475,00, gebucht über die Hotelwebsite


LG Christina

Susan

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #50 am: 04. Dezember 2025, 11:34:35 »
Schön, dass du dann problemlos Hilfe gefunden hast. Ist immer schwierig, solche Untersuchungen in englisch abzuwickeln. Mit Schmerzen kommt es mir auch immer merkwürdig vor, dass man sich trotzdem bewegen soll von wegen Knorpelschmiere oder so. Hilft jedoch tatsächlich.

Das Weihnachtsdorf ist wohl eher was für Familien. Erinnert mich an einen Film, den Klein Colin so häufig angeschaut hat, dass wir alle ihn mitsprechen konnten. "Die Weihnachtsstadt, die Weihnachtsstadt, wir machen unser Spielzeug hier"  ;D Es gibt einige Geschichten dazu, wie aus dem altrömischen Bischof St. Nikolaus der Weihnachtsmann wurde, der dann an den Nordpol zog.

Wieder eine schöne Wanderung.
Liebe Grüße
Susan

Ilona

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #51 am: 04. Dezember 2025, 13:25:49 »
Oha, die Bandscheiben. Du schreist auch überall "hier"  :knuddel:.

Eigentlich unbegreiflich, dass eine Ärztin kaum Englisch spricht :gruebel:. Viele mediz. Publikationen sind doch in englischer Sprache verfasst.

Ich hoffe, du hast die Schmerzen hierzulande nochmals abklären lassen.

Das Weihnachtsdorf hätte mich als GRINCH  :floet: ohnehin nicht gereizt.
Liebe Grüße

Ilona

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Paula

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #52 am: 04. Dezember 2025, 13:50:33 »
ach du lieber Himmel, was man alles bekommen kann  :( nach deiner Schilderung habe ich mit einem Bandscheibenvorfall gerechnet, meine Beschwerden waren ähnlich. Dass es auch zu stark abgenutzte Bandscheiben gibt höre ich zum ersten Mal. Und dass man das durch einfache Untersuchung ohne MRT feststellen kann hätte ich auch nicht gedacht. Ich hoffe dass dich das im weiteren Urlaub (und natürlich auch danach) nicht sehr behindert hat!

Das Weihnachtsdorf gefällt mir, ich mag im Urlaub eigentlich immer alles was es bei uns gar nicht gibt  ;D und die Wanderung war auch wieder sehr schön.
Wenn ich nächstens ins Ausland reise wird das Thema "was mache ich im Krankheitsfall" zu meinen Reisevorbereitungen gehören, das habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Ich wäre gern wieder jünger...
Viele Grüße Paula

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #53 am: 04. Dezember 2025, 18:14:24 »

Eigentlich unbegreiflich, dass eine Ärztin kaum Englisch spricht :gruebel:. Viele mediz. Publikationen sind doch in englischer Sprache verfasst.

Ich hoffe, du hast die Schmerzen hierzulande nochmals abklären lassen.

Das Weihnachtsdorf hätte mich als GRINCH  :floet: ohnehin nicht gereizt.

Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt, sie konnte schon ganz gut Englisch, aber nicht so flüssig / fast perfekt, wie viele andere in Finnland und eben auch die Krankenschwester.

Nein, es ging alles recht schnell vorbei und soll ich dann hier dem Orthopäden sagen, dass ich vor ein paar Wochen Schmerzen hatte, da kommt gar nichts dabei raus, als erstes hätte er wohl ein MRT angeordnet und dann Physiotherapie, bei der der Physiotherapeut dann feststellt, dass ich alle Übungen eh schon kenne und mache.

Im Normalfall hätte ich am Weihnachtsmanndorf auch nicht angehalten, aber an diesem Tag hat es bestens gepasst für ein bisschen die Füße vertreten und einen Kaffee trinken. Dass dann dort auch noch der Polarkreis markiert ist, wusste ich nicht, das hat mich dann aber doch noch gefreut, denn das ist ja doch ein bisschen was besonderes, so weit nördlich zu sein.

Und dass man das durch einfache Untersuchung ohne MRT feststellen kann hätte ich auch nicht gedacht. Ich hoffe dass dich das im weiteren Urlaub (und natürlich auch danach) nicht sehr behindert hat!

Wenn ich nächstens ins Ausland reise wird das Thema "was mache ich im Krankheitsfall" zu meinen Reisevorbereitungen gehören, das habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Ich wäre gern wieder jünger...


Ich war auch total überrascht, dass die Diagnose ohne MRT oder Röntgen möglich war. Nein zum Glück keine weiteren Einschränkungen.

Naja, mehr als die Notfallnummer vorab heraussuchen kann man ja eigentlich nicht machen (und eine Auslandskrankenversicherung haben). Und ja, ich wäre auch sehr gerne wieder jünger, ein Urlaub ohne gesundheitliche Einschränkungen wäre mal wieder schön.


LG Christina

Silv

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #54 am: 05. Dezember 2025, 13:27:27 »
Da hattest du aber keine lange Wartezeit im Krankenhaus, da kenne ich anderes aus deutschen Krankenhäusern.

Weihnachten als solches muss ich auch nicht unbedingt haben. Aber sowas wie das Weihnachtsmanndorf oder auch spezielle Filme zu Weihnachten (z.B. Schöne Bescherung mit Chevy Chase oder Der kleine Lord) müssen sein. Andy ist dieses ja auch durch Rovaniemi gefahren.
Liebe Grüße
Silvia

Christina

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #55 am: 05. Dezember 2025, 17:58:01 »
Da hattest du aber keine lange Wartezeit im Krankenhaus, da kenne ich anderes aus deutschen Krankenhäusern.

Weihnachten als solches muss ich auch nicht unbedingt haben. Aber sowas wie das Weihnachtsmanndorf oder auch spezielle Filme zu Weihnachten (z.B. Schöne Bescherung mit Chevy Chase oder Der kleine Lord) müssen sein. Andy ist dieses ja auch durch Rovaniemi gefahren.

Gar keine Wartezeit ;D, ich war der einzige Patient, erst als ich vom Zimmer der Ärztin rauskam, saß ein älterer Mann im Wartebereich. Das mag ich ua an Finnland so, es hat sehr wenige Menschen.

Andy war aber nicht im Weihnachtsmanndorf?



LG Christina

Christina

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #56 am: 05. Dezember 2025, 18:19:25 »
8. Tag – Montag, 15.09.

Heute steht wieder ein Standortwechsel an, es geht in den äußersten Nordwesten Finnlands, an die schwedische und norwegische Grenze. 470 km sind es zwischen Kemijärvi und Kilpisjärvi (je nach Strecke), Google berechnet 6 h reine Fahrzeit dafür. Ich möchte die Strecke abgesehen von kleineren Pausen an einem Stück durchfahren und dann in Kilpisjärvi je nach Uhrzeit und Wetter noch eine kleine Wanderung / Spaziergang machen.

Bereits um halb acht bin ich an sich abfahrtbereit, blöderweise blicke ich ausgerechnet heute auf eine dicke Nebelsuppe vor meinem Fenster. Nebel und Rentiere auf der Straße sind eine ungünstige Kombination, daher warte ich mal noch ein bisschen ab, vielleicht lichtet sich der Nebel bald.

Das tut er leider nur ganz wenig und gegen 8 Uhr habe ich keine Geduld und Lust mehr zu warten, ich gebe den Zimmerschlüssel über den Schlüsselautomaten, aus dem ich ihn bei der Anreise bekommen habe, wieder ab und fahre los.

Erwartungsgemäß ist das Fahren unangenehm, ich fahre nur langsam und werde dann natürlich immer wieder überholt, aber ich kann auch eine ganze Zeitlang hinter einem langsam fahrenden Finnen herfahren, sehr praktisch, der andere muss auf die Rentiere achten und ich nur auf seine Bremslichter, die natürlich auch gleich zweimal aufleuchten.

Einen kurzen Halt mache ich schon nach ungefähr einer dreiviertel Stunde, es wird ein Denkmal samt WC angekündigt, letzteres hat dann geschlossen, das Denkmal schaue ich mir an, es geht um eine Schlacht im Winterkrieg an dieser Stelle: Mitte Dezember 1939, also nur wenige Wochen nach Beginn des Kriegs zwischen Russland und Finnland, konnten die Finnen hier beim Ort Pelkosenniemi, wie auch an anderen Stellen die russischen Truppen sehr überlegen zurückschlagen, finnischen Verlusten von 117 Gefallenen standen auf russischer Seite über 1000 gefallene Soldaten gegenüber. Allerdings (und darauf wird hier nicht eingegangen), siegten bereits einige Monate später die Russen, Finnland konnte zwar seine Souveränität wahren, musste aber große Gebiete entlang der Ostgrenze an Russland abgeben.


In Sodankylä, dem nächsten größeren Ort nach Kemijärvi, mache ich am Einkaufszentrum eine kurze Pause, gehe auf die Toilette und werfe die Postkarte aus dem Weihnachtsmann Dorf in den Briefkasten. Ab hier ist dann zum Glück der Nebel verschwunden.

Zur Mittagszeit erreiche ich Muonio, in der Raststätte hier gibt es leider kein Mittagsbuffet, ich bestelle von der spärlichen Fastfood Karte einen Döner Wrap mit Pommes (EUR 10,00), beides schmeckt ganz gut, der Wrap hätte heißer sein können.

Nach dem Essen tanke ich noch, um 13 Uhr geht die Fahrt weiter, nun immer parallel zur schwedischen Grenze.

Zwischen Muonio und Kilpisjärvi gibt es nur Miniorte, unter anderem das sehr kleine Karesuvanto (es gibt einen finnischen und auf der andern Flußseite einen schwedischen Ortsteil, zusammen sind es aber nur 450 Einwohner), 87 km hinter Muonio. Da ich ein bisschen müde bin, mache ich hier nochmal einen Stopp, schaue mich bei den Souvenirs an der Raststätte um und trinke einen Kaffee.

Danach geht es auf die nun wirklich letzte Etappe heute. Die Strecke ist sehr schön bzw. wird mit jedem Kilometer Richtung Kilpisjärvi schöner, trotz dichter Bewölkung: gelbe / orange Herbstfarben links und rechts der Straße, in der Ferne eine ganze Staffel von Bergen, die immer näher kommen.

Die Straße ist meist schnurgerade, allerdings geht es dabei häufig bergab- und bergauf, was man teilweise über sehr große Entfernungen sehen kann. Sehr, sehr schade, dass ich überhaupt keine Fotos machen kann, das wären tolle Motive. Es gibt zwar regelmäßig Parkplätze, aber nach welchen Kriterien deren Lage auch immer ausgesucht wurden, jedenfalls nicht danach wo man einen schönen Blick hat :(. Ich probiere es mehrfach aus, aber immer vergeblich. Und auf der Straße anhalten ist trotz spärlichen Verkehrs nicht möglich, die Straße ist ziemlich eng, einen Standstreifen gibt es nicht.

Eine Möglichkeit für eine längere Pause hätte sich doch nochmal angeboten, die Sturmbock Stellung Järämä. Ja, auch hier trifft man (leider) auf Spuren der Deutschen, während des Zweiten Weltkriegs (genauer gesagt zu Beginn des Lappland Kriegs 1944) errichteten sie hier eine größere Festungsanlage, um den Weg zu den arktischen Häfen abzusichern. Bis zu 12.000 deutsche Soldaten waren hier stationiert, bis sie die Festung im Januar 1945 kampflos aufgaben.

Die Festung ist heute ein Museum, dieses hat aber im September nur Dienstag bis Samstag geöffnet, ist also heute geschlossen.

Gegen halb vier erreiche ich schließlich Kilpisjärvi, einchecken im Hotel kann man offiziell ab 16 Uhr, ich probiere mal, ob es jetzt schon geht. Das klappt und an der Rezeption bekomme ich den Schlüssel für meine Cabin. Ich bringe nur kurz mein Gepäck rein und freue mich über die moderne, gemütliche Einrichtung mit den großen Fenstern zum Wald, dann fahre ich zum nicht weit entfernt liegenden Parkplatz für meinen Spaziergang, man hätte auch zu Fuß an der Unterkunft starten können, aber ich möchte nachher noch in den Supermarkt bevor ich ins Hotel zurück fahre.



Vom Parkplatz geht es auf einem breiten Schotterweg (auch für Mountainbikes geeignet) leicht bergauf zum Tsahkal See und den Tsahkal Falls.


Bald schon habe ich einen ersten Blick auf den Saanatunturi (oder auch nur Saana), der mit 1029 m Höhe die Gegend dominiert und für die Ureinwohner heilig ist. Dann kommt der See ins Blickfeld und mit ihm ein ganzes Bergpanorama, zusammen mit der herbstlichen Vegetation eine traumhaft schöne Umgebung.



Der höchste Berg Finnlands, der 1328m hohe Haltitunturi ist auch ganz in der Nähe, welcher der Gipfel, die sich in der Ferne zeigen, es ist, kann ich nicht sagen. Man kann ihn jedenfalls nicht mal eben so erwandern, er liegt mitten in der Wildnis und ist nur auf einer mehrtägigen Tour mit Zeltübernachtungen zu erreichen.

Eine sehr nette Geschichte gibt es hierzu noch, gerade in Zeiten von Annexionsgelüsten des amerikanischen Präsidenten: Norwegen, mit hohen Bergen reich bestückt, wollte Finnland zu dessen 100. Geburtstag 2017 den Nebengipfel des Haltitunturi, mit 1331 m ein paar Meter höher als dieser und in Norwegen liegend, schenken. Nur aus juristischen Gründen wurde aus diesem Plan nichts, die schöne Geste aber bleibt.

Ich laufe ein ganzes Stück am See entlang und genieße die Landschaft.





Dann drehe ich um und gehe zum Abfluss des Sees, über eine Brücke erreiche ich die Tsahkal Fälle, ein eher bescheidener aber hübscher Wasserfall.





Noch ein paar letzte Blicke auf den See, dann gehe ich zum Auto zurück.




Dann noch ein Stopp beim Supermarkt und gegen viertel nach sechs bin ich in der Cabin. Ich verbringe einen sehr gemütlichen Abend, etwas wärmer könnte es sein, da muss ich morgen mal an der Rezeption nachfragen, die Temperatur wird zentral geregelt.




Wetter: zunächst Nebel, dann bewölkt, ca. 6°-10°C
Wanderung: Tsahkal Falls und See, 4,13 km, 107 m Anstieg
Unterkunft: 2 Nächte Tundrea Holiday Resort in Kilpisjärvi, ohne Frühstück, EUR 255,60, gebucht über booking.com


LG Christina

Susan

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #57 am: 06. Dezember 2025, 12:22:50 »
Schön zu lesen, dass sich die Schmerzen letztlich wieder gelegt haben.

Die Herbstfarben sind mal wieder prächtig, der Spaziergang hätte uns auch gefallen.  ^-^

Schicke Cabin.
Liebe Grüße
Susan

Silv

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #58 am: 06. Dezember 2025, 15:07:13 »

Andy war aber nicht im Weihnachtsmanndorf?

Doch, war er, hat Kaffeepause gemacht.

Weiter nördlich in Finnland gefällt es mir schon besser.  ^-^ Und so schöne Herbstfarben  :herz:

Das ist aber ein schöner Blick aus dem Bett!
Liebe Grüße
Silvia

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Re: Herbstwandern in Finnland - September 2025
« Antwort #59 am: 06. Dezember 2025, 15:33:06 »
Die Cabin und die Herbstfarben sind der Burner :beifall:.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)