2.Tag 20.3.26 - Freitag: Flucht aus der Hitze Ein Vorteil einer USA-Reise ist für mich der positive Effekt der Zeitverschiebung nach der Anreise. Gerade am ersten Tag nach der Ankunft, brauche ich morgens keinen Wecker und bin um 4 Uhr, trotz vorangegangenem Schlafmangel, schon wieder abreisebereit. Zum Check Out gehe ich wieder an die Rezeption im Casino. Auch um diese frühe Morgenstunde sitzen ein paar verlorene Seelen bereits an den Spielautomaten.
Ein liebgewonnenes Ritual in den USA ist mein morgendlicher Gang an eine Tankstelle, um mir einen French Vanilla Kaffee zu organisieren, der mich auf den ersten Kilometern auf meiner Fahrt durch die nächtliche Wüste Nevadas Richtung Südwesten begleitet.
Der Highway 190 führt mich noch bei völliger Dunkelheit in den Death Valley Nationalpark und zum Beginn der Dämmerung, nach einer Stunde Fahrt, auf den Parkplatz unterhalb des Zabriskie Point.

Der Zabriskie Point gilt vielen als der spektakulärste Aussichtspunkt im Park, zudem ist er sehr leicht zu erreichen. Also kein Wunder, dass man sogar so früh am Morgen bereits auf Leute trifft, die wie ich auf den Sonnenaufgang lauern.

Faszinierend, wie das Sonnenlicht den Bergkamm der Panamint Range Stück für Stück illuminiert.

Den Vordergrund der Badlands beherrscht die ikonische Felsnase des Manly Beacon. Kein anderes Bild ist so mit dem Death Valley verbunden wie dieser Anblick, vor allem zum Sonnenaufgang.

Der Zabriskie Point wurde nach Christian Brevoort Zabriskie benannt. Er war Anfang des 20. Jahrhunderts Vizepräsident und Geschäftsführer der damaligen Borax-Firma Pacific Coast Borax Company, die im Death Valley Borax abbauen ließ. Borax war damals ein wichtiger Rohstoff für Haushalts- und Industriegüter und die berühmten „Twenty Mule Teams“ (20-Maultier-Gespanne) transportierten das Material aus dem Tal heraus. Zabriskie spielte eine wichtige Rolle bei diesen Bergbauaktivitäten – deshalb erhielt der Aussichtspunkt später seinen Namen.

Die Badlands locken mich und obwohl ich die auf einer Wanderung in ein paar Tagen noch mal zeitintensiver erleben möchte, erlaube ich mir schon mal einen kurzen Ausflug hinab in die gelben Lehmhügel bis zum Manly Beacon.

Badlands-Strukturen
Vom Zabriskie Point und dem Highway 190, erreicht man über die Badwater Road südlich von Furnance Creek viele besondere Attraktionen für die der Park berühmt ist.
Karte Death Valley National Park
Das Death Valley ist die Wüste der Extreme: Am heißesten, trockensten und am tiefsten. Dazu ist es mit 12.000 km² Wildnis der größte US-Nationalpark außerhalb Alaskas.
Das Death Valley in Kalifornien gilt als einer der heißesten Orte der Erde. Die am 10. Juli 1913 in Furnace Creek offiziell höchste jemals gemessene Lufttemperatur betrug 56,7 °C. Das bedeutet weltweit offiziell Platz 1 (inoffiziell Platz 3). Satellitenmessungen z.B. der NASA für die Wüste Lut im Iran mit knackigen 70,7°C, werden für offizielle Statistiken meist nicht herangezogen.
Der Juli 2024 war der heißeste Monat, der jemals im Death Valley gemessen wurde, mit einer Durchschnittstemperatur von 42,5 °C. Auch diesen März gibt es neue Rekorde mit mehreren Tagen über 40°C. An diesem Freitag, dem 20. März 2026 (offiziell der erste Frühlingstag), wurde im Death Valley mit 105 Grad Fahrenheit (ca. 40,6 Grad Celsius) der heißeste Tag gemessen, der jemals in einem März verzeichnet wurde. Man geht davon aus, dass ein gefühlter Temperaturunterschied von 10-15°C zwischen Schatten und Sonne empfunden wird, auch wenn die Temperatur in der Sonne eigentlich gleich ist. Die Sonneneinstrahlung heizt Körper und Material auf wodurch sich der Aufenthalt in der Sonne deutlich wärmer anfühlt als im Schatten und Schatten ist im Death Valley rar gesät. Also für mein Dafürhalten hätte sich das Death Valley für mich nicht unbedingt zu dieser März-Rekordtemperatur aufheizen müssen.

Der bekannteste Ort im Park, das Badwater Basin, in dem man sich am tiefsten Punkt Nordamerikas befindet, liegt 86 Meter unterhalb des Meeresspiegels.

Unter normalen Umständen kann man trockenen Fußes auf die Salztonebene der Senke hinausgehen. Nach starken Regenfällen wie in diesem Winter steht die Ebene in seltenen Fällen unter Wasser. So hat sich in diesem Frühjahr ein großer, wenige Zentimeter tiefer, See gebildet, in dem sich die Berge der Panamint Range im Wasser spiegeln. Der schneebedeckte Gipfel in der Mitte ist übrigens der mit 3368m höchste Berg im Death Valley, der Telescope Peak.

Um dieses Schauspiel aus der Nähe zu erleben muss man mit salzhaltigem Schlamm an den Füßen und Schuhen leben, oder sich wie ich mit einem Schuh-Verhüterli behelfen.

Da ich schon mal bis Badwater gefahren bin, nehme ich noch die kurze Wanderung zur Natural Bridge ins Programm, die man in 20-30 Minuten absolvieren kann.

Der Weg führt dabei in einen Canyon in dem die Naturbrücke wie ein Tor den weiteren Verlauf des Canyons abtrennt. Man könnte auch noch weitergehen aber das schenke ich mir bei den bereits deutlich ansteigenden Temperaturen.

Von der Badwater Road erreicht man über eine gut machbare kurze Piste das bizarre Gesteinsfeld des Devil's Golf Course, den Golfplatz des Teufels. Das Death Valley ist reich an bildhaften und fantasievollen Namen für seine besonderen Orte.

Der regenreiche Winter hat für eine mittlere Superbloom in diesem Frühjahr gesorgt, deren Ende ich im Death Valley gerade noch so mitbekomme.

Danach geht’s für mich zum Visitor Center, um meinen noch zum alten Preis von 80$ erworbenen Nationalparkpass validieren zu lassen.
Da man nicht bei jedem Rekord live dabei sein muss, verlasse ich das Tal des Todes gegen 11 Uhr, bei bereits 35°C.
Ursprünglich war der Trip von der Reihenfolge anders geplant aber bei dieser Affenhitze flüchte ich erst mal 2 Tage in den Norden und heute zunächst nach Osten, hinüber nach Nevada. Über Beatty geht es dann auf dem Highway 95 nach Norden, mit einem Abstecher nach Süd-Westen zur Ghosttown Gold Point. Also alle Himmelsrichtungen abgedeckt.

Gold Point wurde ursprünglich Lime Point genannt, als es in den 1860er Jahren aufgrund der nahe gelegenen Kalkablagerungen gegründet wurde.

In den frühen 1900er Jahren wurde es als Hornsilver bekannt, als hochgradiges Silbererz gefunden wurde und Hunderte von Bergleuten und Unternehmen anzog. Überhaupt steht der Bundesstaat Nevada für viele Silberfunde, weshalb der Staat auch einst den Beinamen – The Silver State bekam.

Ein Bergmann entdeckte hier nahe der Living Ghosttown 1927 eine große Goldader. Um neues Wachstum zu induzieren und Investitionen zu fördern, wurde die Stadt in Gold Point umbenannt. Auf dem Höhepunkt des Wohlstands lag die Bevölkerung bei rund 1.000 mit über 225 Holzrahmengebäuden, Zelten und Hütten, darunter ein Postamt und viele Geschäfte. Der Bergbau setzte sich mit Höhen und Tiefen durch Kriegs- und Nachkriegszeiten bis in die 1960er Jahre fort. Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war Gold Point größtenteils verlassen worden.

Heute gibt es in der Ghosttown noch rund 50 restaurierte/ gut erhaltene Gebäude, einige fotogene Auto-Wracks und 7 hier fest ansässige „Geister“.

Dort wo es Bewohner gibt, sollte man etwas zurückhaltend sein und kein Privatgelände betreten. Auch ohne in jede alte Hütte zu gehen bietet die Ghosttown schöne Motive und ist einen Besuch wert.
Wieder zurück am Highway 95 biege ich nach Norden ab. Nach wenigen Meilen erreiche ich die alte Westernstadt Goldfield und biege auf eine ungeteerte kurze Straße Richtung International Car Forest of the Last Church ab.

Diese bizarre Ausstellung, die sich etwa einen Kilometer außerhalb von Goldfield befindet, ist wohl der ungewöhnlichste „Wald“ den ich je gesehen habe. Wenn man aber schon einmal in der Gegend ist, sollte man sich das als Autofriedhof getarnte Kunstprojekt durchaus ansehen.

Die Geschichte dahinter in Kurzform: Zwei Künstlerfreunde, Chad Sorg und Mark Rippie, fanden es im Jahr 2011 spannend, eine bestimmte Menge an Autos so in der Wüste zu drapieren, dass sie wie Spielzeuge aussehen, die von einem riesigen Kind fallen gelassen wurden.
Übrigens: Einen tieferen religiösen Hintergrund hat die Sache trotz des mystischen Namens nicht….

Rund 50 Fahrzeuge, darunter Autos, Busse und Lkw‘s, haben die beiden am Ortsrand von Goldfield gestapelt, vergraben oder anderweitig arrangiert. Jedes der Schrott-Fahrzeuge ist handbemalt und mit Graffitis, wie etwa Karikaturen von Politikern, versehen.
Und was wurde aus Chad und Mark? Nach einem Partystreit haben sie nie wieder miteinander gesprochen. Einer sitzt heute wegen eines Waffenvergehens im Gefängnis. Die Installation hat ihre Erschaffer quasi überlebt.




Auch Goldfield hat einige alte Strukturen aus den Tagen des Wilden Westens aber nun halte ich nicht mehr und fahre bis zu meinem Ziel nach Tonopah, zum vorreservierten Motel.
Überhaupt habe ich bei dieser sehr kurzfristig organisierten Tour aus Zeitmangel alles bei Booking reserviert und bin nicht auf unterschiedlichen Portalen unterwegs gewesen.
Tonopah selbst ist mit seinen rund 2500 Einwohnern immerhin auf Platz 20 der größten „Städte“ im Silver State Nevada. Es gibt hier ein durchaus interessantes Freilicht-Mining Museum aber das macht morgen erst wieder um 9 Uhr auf. Damit wäre ein halber Tag verbraucht und da lege ich den Fokus, neben den Kilometern die es morgen Richtung Nordkalifornien zu bewältigen gilt, lieber auf die Natur. Für mich geht es nach dem Check Inn im Motel nur noch in den Supermarkt und dann für die üblichen Verrichtungen aufs Zimmer und Aufgrund einsetzender Müdigkeit möglichst früh ins Bett.
Übernachtung: Dream Inn, Tonopah, Nevada