Autor Thema: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026  (Gelesen 8359 mal)

Horst

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Das sind viel angenehmere Temperaturen :thumb:, gut, dass du hinsichtlich der Reihenfolge flexibel warst.

Die Hot Creek Site ist wohl eher eine unbekanntere Stelle, sieht aber sehr lohnenswert aus.

Am Mono Lake war ich leider noch nicht, du hast dir ja richtig viel Zeit dafür genommen. Sehr schönes Licht hattest du am Abend.
Bezüglich Hot Creek - geothermale Gebiete liebe ich ja besonders. Es gibt in der Region rund um den Hot Creek noch 5-6 weitere Locations wo man wie in Island in der Einsamkeit ein warmes Bad nehmen kann - also heiße/warme Pools wie Z.B. die Travertine Hot Springs oder die Wild Willy's Hot Springs um mal nur zwei zu nennen. Um da noch mehrere zu besuchen hat mir die Zeit gefehlt, bzw. habe ich eben andere Locations besucht.

Der Mono Lake war bei mir September 2009 schon mal geplant.
Damals hat mich ein Orthopäde "misshandelt". Spritze in den Rücken, Dura durchstochen, Liquorverlust im Gehirn (ihr braucht Euch bei mir also über nichts mehr wundern  ;) ) und damit verbunden ein paar Tage Krankenhaus. Den Rechtsstreit konnte ich wengen mangelnder Aufklärung gewinnen. Die Reise musste ich damals aber komplett canceln. Dafür sind wir dann im November nach Südafrika geflogen. Ein schönes Trostpflaster.  :D
Seitdem wollte ich die Tufas sehen.
Dieses Jahr hat es endlich geklappt und ich kann schon mal anmerken ... das war's noch nicht mit dem Mono Lake auf dieser Reise.   :)

Horst

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Wiedersehen mit dem Death Valley lässt mich in Erinnerungen schwelgen - 2012 war ich 5 Tage dort, mit vielen tollen Wanderungen, unglaublichen Farben und heftigen Winden - man wurde regelrecht sandgestrahlt und einem kaputten Zelt...

Wasser bzw. Schlamm in Badwater ist ein Glücksfall, ebenso die Blumen (auch wenn du nur die letzten Rest miterlebt hast)
Durch die Hitze sind sie leider recht schnell verblüht - da hätte ich dieses Jahr 2 Wochen früher dran sein müssen.
War aber ok. Gerade das Death Valley hat mich nach über 20 Jahren seit ich das letzte Mal dort war richtig geflasht und das trotz der (für diese Jahreszeit) ungewöhnlichen Hitze.
Die besten und noch intensiveren Eindrücke kommen beim zweiten Death Valley Besuch dieser Reise.

Horst

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4.Tag  - 22.3.2026 Sonntag: California Dreamin'






Es gibt Orte da halte ich kurz, machen ein paar Aufnahmen und fahre weiter. Der Mono Lake ist dagegen eines dieser Ziele die mich fesseln.






So fahre ich an diesem Morgen zum dritten Mal bei schattigen 3 Grad (immerhin Plus) an den See. Den Sunrise bekommt man zu dieser Jahreszeit nicht geschenkt. Ohne etwas bibbern ist das trotz 3 T-Shirts, einem Hemd, 2 leichten Jacken, einer Fleecejacke und einer langen Unterhose nicht zu machen.




Die Szenerie ist aber so spektakulär und herzerwärmend, dass die Kälte schnell vergessen ist und mit den ersten Sonnenstrahlen läuft nicht nur meine Kamera warm, sondern auch ich. Sehr großes Kino.






































































Danach geht es zurück zum Motel - umziehen, auschecken und weiter auf die Nordseite des Mono Lake zu den Black Point Fissures. Der letzte Teil der Anfahrt sind Dirt Roads die man aber gut mit dem PKW bewältigen kann, wenn er ein bisschen Bodenfreiheit hat. Am Ziel findet man einen einsamen Parkplatz an dem man wohl meistens alleine ist. Über den Weg weiß ich erst mal nichts. Liegt vielleicht auch daran, dass es keinen Weg oder Trail gibt. Meistens durch Sand stapft man einen Berg hinauf - den Black Point - was nicht gerade unanstrengend ist. Immer wieder erreicht man eine Erhöhung und denkt nach der nächsten Ebene ist der höchste Punkt erreicht und dann geht das Aufwärts-Gestapfe doch wieder weiter. Irgendwann bin ich dann doch endlich oben und erklimme einen Hügel. Von dort sehe ich die Fissures noch ein Stück entfernt nach Norden. Also noch mal weiter. Nach anderthalb schweißtreibenden Stunden habe ich dann die Fissures erreicht.






Die Black Point Fissures (=Risse) sind schmale Felswände, die sich öffneten, als sich vor etwa 13.000 Jahren eine Lavamasse abkühlte und zusammenzog. So entstanden die Risse, deren Schichten alle aus Tuff, Asche und Sediment bestehen.





Diese Risse verlaufen in die Tiefe als schmale Felswände, die sich in kleine Schluchten und Slots auf dem Bergrücken verzweigen. Eine ungewöhnliche Laune der Natur die ich so noch nirgendwo gesehen habe. In einige der Slots kann man absteigen und einige Meter in der Schlucht gehen, manche Abschnitte sind dann aber nur von oben weiter verfolgbar, weil so eine Schlucht dann meist wieder durch einen Felssturz abrupt endet. Die Fissures zu fotografieren ist aufgrund der unterschiedlichen Lichtsituationen oben am Rand und unten in der Tiefe schwierig.
Der Rückweg wieder den Sandberg hinab geht natürlich wesentlich schneller und entspannter.

Danach geht es zurück nach Lee Vining an die Tanke, Sprit und einen Kaffee zapfen und weiter wieder auf dem Highway 395 Richtung Süden.







Ein kurzer Abstecher vom Highway führt zum June Lake. An sich wäre das hier eine schöne Loop Road mit mehreren Meilen und vielen Seen aber durch die winterlichen Bedingungen auf dieser Höhe im März ist nur der erste See, der June Lake erreichbar. Den lichte ich ab und fahre weiter nach Süden.





Ein zweiter Abstecher von der 395 ist die Owens Gorge Road zu den Crowley Lake Columns. Die Piste ist mit etwas gutem Willen und High Clearance ein gutes Stück auch mit einem PKW befahrbar.





Etwa 4 km vor dem eigentlichen Ziel ist für PKW’s Schluß. Dann ist zwingend ein Allrad gefordert und die Strecke hat auch ein paar sportliche Highlights im Programm (u.a. ein heftiger steiler Anstieg), die den Wrangler aber nicht an seine Grenzen bringen.







Oberhalb der Lake Crowley Columns ist dann ein kleiner Parkplatz mit herrlichem Blick über die Szenerie des Sees und der Berge.












Von hier führt ein Trampelpfad hinab an den See.






Wie uralte Ruinen ragen die Columns, die Säulen, am Ostufer aus dem Crowley Lake bis zu 6m Höhe empor.





Diese ungewöhnlichen Steinsäulen, die in engen Reihen und Bögen angeordnet sind, wurden nicht von menschlichen Händen gebildet, sondern entstanden durch eine sehr ungewöhnliche Kombination aus Vulkanismus, heißer Asche, Wasser und Erosion.
Vor etwa 760.000 Jahren gab es den gewaltigen Ausbruch der Long Valley Caldera. Dabei wurden riesige Mengen heißer Vulkanasche und Bimsstein abgelagert. Danach sickerte Grundwasser und kaltes Schmelzwasser in die noch heiße Vulkanasche. Tief im Gestein wurde das Wasser erhitzt und stieg als Dampf wieder nach oben. Dadurch entstanden senkrechte „Konvektionskanäle“ – ähnlich wie natürliche Wärmerohre. In diesen Kanälen lagerten sich Mineralien wie Silikat und Zeolithe ab und verhärteten das Material. Das weichere umliegende Gestein wurde über Hunderttausende Jahre durch Wind, Regen und später die Wellen des künstlichen Crowley Lake abgetragen. Übrig blieben die härteren Säulen – die heutigen Columns.
Die Säulen wurden erst sichtbar, nachdem der Stausee 1941 angelegt worden war. Die Wellen des Sees erodierten die Hänge und legten die Strukturen frei.








Das Ergebnis: Fast 5.000 dieser gebogenen Säulen die wie der Kreuzgang eines Klosters aussehen.






Aktuell ist der Wasserstand im Frühjahr zu hoch, als dass die Säulen ganz aus dem Wasser heraustreten. In der zweiten Jahreshälfte kann sogar man in das „Gewölbe“ eintreten.


Nach Aufstieg und Rückfahrt auf der Piste geht es auf dem Highway 395 weiter nach Süden. Mit jedem Kilometer klettern die Temperaturen wieder nach oben. Am frühen Nachmittag erreiche ich meinen Übernachtungsort Bishop und checke im Motel ein.





Nur 2 Kilometer außerhalb von Bishop Richtung Osten, besuche ich sogar mal ein Museum – das Laws Railroad Freilichtmuseum.





Im Laws Railroad Museum findet man wie der Namen vermuten lassen könnte nicht einfach nur ein paar Züge, ...





... sondern eine komplette nachgebaute Eisenbahnstadt aus dem Wilden Westen. Man kann frei im Gelände herumlaufen und bekommt ein ziemlich realistisches Gefühl dafür, wie das Leben in einer Eisenbahnstadt im späten 19. Jahrhundert war.










Die zerschlissene US-Flagge in einem der Gebäude versinnbildlichen den Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika – die haben in ihrem Ansehen, ihrer Popularität und auch ihrer Wirtschaftskraft schon bessere Zeiten erlebt.






Für den Nachmittag habe ich mich in der vulkanisch geprägten Gegend rund um Bishop für die Buttermilk Boulders entschieden. 11 Meilen westlich der Stadt erreiche ich eines der bekanntesten Boulders Gebiete der USA.





Riesige Granitblöcke liegen hier in der Landschaft verstreut. Teilweise so hoch wie ein Haus ragen die runden Blöcke aus der Ebene in den Himmel.






Die Boulders bestehen aus Granit, der vor etwa 80–100 Millionen Jahren tief unter der Erde aus abgekühltem Magma entstand.






Mit der Entstehung der Sierra Nevada wurde das Gestein nach oben gedrückt. Erosion trug das darüber liegende Material ab und der Granit kam an die Oberfläche. Durch Druckentlastung und Temperaturwechsel begann der Granit zu reißen. Schalenartige Verwitterung formte die typischen runden, glatten Blöcke. Wind und Wetter legten sie frei und glätteten die Oberflächen weiter. Deshalb wirken die Felsen heute wie zufällig hingeworfene, perfekt geformte Kugeln in der Landschaft Kaliforniens. Natürlich findet man hier vorwiegend Kletterer, die mit ihren Matten im Schatten der Boulders auf ihren nächsten Aufstiegsversuch warten.









Ich erklimme einen Hügel und sehe mich um. Trotz der unübersehbaren Felsgiganten lohnt sich auch der Blick für Details – so gibt es wunderschöne Blumen am Fuß einiger Felsen.










Ein schönes Gebiet und ein verhältnismäßig kleiner Abstecher vom Highway – also für mich durchaus lohnend. Schon bemerkenswert, welch unterschiedliche Motive und Ansichten Kalifornien an nur einem Tag und einer Distanz von gerade mal 100 Meilen bietet - ein Kalifornischer Traum!

Das soll für heute genügen. Morgen muss ich mal wieder besonders früh raus und deshalb reiße ich für heute den Riemen runter, mache eine Stippvisite bei Taco Bell (muss 1-2 mal sein wenn ich in den USA bin) und beende dann diesen Tag.


Übernachtung: Motel 6, Bishop, Kalifornien

Silv

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Da hat sich das Bibbern gelohnt, tolle Bilder!

Und für einen Tag hast du echt viel gesehen. Und diese Steinsäulen sind cool  :)

So ein Outdoor-Museum lasse ich mir auch gefallen.
Liebe Grüße
Silvia

Christina

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Das frühe Aufstehen und Frieren hat sich gelohnt, wunderschöne Fotos sind das geworden.

Und auch alle anderen Ziele an diesem Tag waren sehr lohnenswert und auch wieder eher abseits der üblicherweise angefahrenen Punkte.


LG Christina

Horst

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5.Tag - 23.3.26 Montag: Western von Gestern und die coolste Ghosttown der USA
 





Heute heißt es wieder früh aufstehen, denn ich habe ca. eine Stunde Fahrt vor mir und will zum Sonnenaufgang vor dem Mobius Arch in den Alabama Hills stehen. Somit weckt mich der Handywecker bereits um 4.30 Uhr.





Wer die Alabama Hills noch nicht kennt – die Gegend westlich des Städtchens Lone Pine ist berühmt für bizarre, orangefarbene Granitfelsen (inklusive diverser Felsbögen) und diente deshalb für zahlreiche Filme (meist Western) als Drehort. Es ist also noch dunkel als ich in Lone Pine auf die Whitney Portal Road abbiege, die in wenigen Minuten in das Gebiet der Alabama Hills führt. Die Whitney Portal Road trennt die Alabama Hills in einen Nord- und einen Südteil, wobei der Norden der weitaus interessantere ist.
Der Parkplatz des Mobius Arch Trails ist schnell erreicht, Stativ und Kameras werden von der Rückbank eingesammelt und schon bin ich auf dem Weg hinein in die Felsen.




Der Horizont wechselt zu rosa während ich mich auf den kurzen Weg vom Parkplatz mache.




Am Mobius Arch hat sich bereits ein Fotograf platziert, so warten wir gemeinsam auf das Licht, das die Bergkette der Sierra Nevada beleuchten soll.
Faszinierend wie die Berge im Sekundentakt mehr Licht bekommen und förmlich von oben nach unten erleuchtet werden.





Die Sierra Nevada ist eine ca. 700km lange Gebirgskette, die sich hauptsächlich in Kalifornien parallel zur Pazifikküste von Nord nach Süden zieht.
Ganz rechts im Blick durch den Arch sieht man den höchsten Berg der Sierra Nevada, den Mount Whitney mit 4421m.





Nachdem ich mich am Mobius Arch genügend ausgetobt habe, geht es auf dem Rest des Trails und natürlich weiche ich auch mal vom Trail ab. Gleich neben dem Mobius Arch findet man den kleinen Lathe Arch.






Ein zweiter Fixpunkt am Trail ist der Heart Arch, für den das Licht am Morgen aber nicht ganz so ideal ist.






Heart Arch








Die Alabama Hills sind übrigens eine Recreation Area und werden vom BLM verwaltet. Permit oder Eintritt sind nicht nötig. Der Name hat nichts mit dem Bundesstaat Alabama zu tun, sondern kommt vom Kriegsschiff USS Alabama der Konförderierten (Südstaatler).






1863 benannten Goldsucher in der Gegend ihre Claims und später die ganze Hügelkette nach diesem Schiff, weil viele von ihnen mit den Südstaaten sympathisierten.




Die Gegend ist von einem Netz aus Staubstraßen durchzogen. Diese Dirt Roads sind im Allgemeinen mit normalen Mietwagen gut befahrbar und teilweise sogar für Wohnmobile geeignet. Wer diesen Straßen folgt, etwa der passend benannten Movie Flat Road, gelangt ins Herz der Felsenlandschaft.







Immer wieder liefern bunte Blumen einen Farbtupfer zu der Szenerie der Boulders.





Die Movie Flat Road führt mich durch herrliche Felslandschaften ...




... und zu weiteren Felsbögen. Hier hat die Natur wieder Unnachahmliches geleistet, u.a. am Eye of the Alabama, ...





... Space Case Arch, ...





... One Mile Arch ...





... oder Eagle Arch. Um nur einige wenige zu highlighten.
Wohl niemand weiß, wie viele Felsbögen/Arches es hier gibt. Je nach Betrachtung sind es sicher an die 100.





Ohne GPS ist es zum Teil sehr schwierig die Bögen zu finden, da sie sich im Gewirr der Felsen sehr gut verbergen. Manchmal steht man direkt daneben und entdeckt den Arch nicht.




Eine Felsformation die man kaum übersehen kann liegt direkt neben der Whitney Portal Road (die zurück nach Lone Pine führt) - der sogenannte Nightmare Rock.






Die Alabama Hills bei Lone Pine, Kalifornien, sind seit über 100 Jahren ein legendärer Drehort in der Filmgeschichte, bekannt als „Hollywoods liebstes Hinterland“ für über 500 Produktionen. Mit ihrer surrealen Granitlandschaft vor der Kulisse des Mt. Whitney dienten sie besonders für Western, Sci-Fi-Filme und Klassiker wie Django Unchained, Gladiator und Iron Man als Kulisse.






Passenderweise gibt es in Lone Pine ein Western Film Museum, das ich mir gegen Mittag ansehe. Den Museumsbesuch beginnt man am besten mit einem Film über die Hollywood-Geschichte der Alabama Hills – der mich zurück in meine Kindheit bringt -  als es im 3-Programme-TV beispielsweise noch „Western von Gestern“ gab wo alte Recken wie Roy Rodgers oder Tom Mix die Colts schwangen.
Erste Filmaufnahmen begannen hier schon Anfang der 1920er Jahre, darunter der Stummfilm The Roundup (1920). Seitdem entstanden über 400 Filme dazu viele Fernseh-Shows und Werbeclips in den Alabama Hills.




Das Museum zeigt viele Exponate aus der Zeit und widmet auch den Stars vergangener Tage (meist aus dem Westernfilm) jeweils eine kleine Ecke.
Das Museum hat neben den schönen Erinnerungen an vornehmlich alte Tage des Films für mich noch einen zweiten Vorteil – es ist schön kühl.
Draußen erreichen die Temperaturen schon wieder Werte jenseits der 30 Grad.





Um dem zu entkommen und trotzdem etwas zu erleben fahre ich in Richtung des Death Valley Nationalparks in die Höhe – zur Cerro Gordo Mine Ghosttown.
Zunächst geht die Fahrt nach Südosten auf Asphalt nach Keeler. Ab Keeler folge ich einer Wellblechpiste (Cerro Gordo Road) weiter nach Nordosten. Nach 10 Minuten führ die Piste durch einen Canyon mit hohen Wänden. Die Qualität der Piste ändert sich hier dramatisch.





Während man bis zum Canyon mit jedem PKW kommt, ist ab Durchfahrt dieser Schlucht Schluß mit lustig. Ohne richtigen Allrad mit guten Reifen hat man hier keine Chance. So schaukle ich um die Kurven der Schlucht in auf und ab über Felsen und durch Löcher.
Danach gewinnt die Straße deutlich an Höhe. Cerro Gordo liegt ja auch auf über 2500 Höhenmeter. Auch darauffolgenden Anstiege durch die Inyo Mountains einen Allrad mit Power.





Nachdem ich gerade eine Anhöhe erklommen habe kommt mir ein Mann zu Fuß entgegen und fragt mich ob ich ihn mit nach oben nehmen könnte. Er stellt sich mir als Rich vor und erzählt, dass er es mit seinem Van nicht durch den Canyon geschafft hat und jetzt laufen wollte, aber nach 2-3 Meilen umgekehrt ist. Für mich fast unglaublich, dass sich jemand diese Tortur (7km One Way Strecke und über 1500 Höhenmeter ab dem Canyon) leisten möchte. Natürlich nehme ich ihn mit und wir unterhalten uns auf dem Weg hinauf zur alten Goldgräberansiedlung. Die Strecke kann man guten Gewissens als Epic Ride und kleines Abenteuer beschreiben also irgendwie ist hier auch der Weg das Ziel. Auch der Blick in die tiefe Ebene ist spektakulär.







Die kleine Bergbausiedlung Cerro Gordo (gegründet 1866), liegt auf einem Sattel der Inyo Mountains in ca. 2600 Metern Höhe.




Die kleine Kirche ist erhalten geblieben und dient heutzutage Versammlungen oder Filmabenden.










Cerro Gordo ist mehrfach abgebrannt. So wurde die Minenstadt das erste Mal im Jahr 1877 Opfer einer Brandkatastrophe.





Zuletzt gab es 2022 einen Brand, der das inzwischen wieder aufgebaute „American Hotel“ vernichtete.





Trotz dieser Rückschläge ist im Ort viel erhalten geblieben und es gab stets „Caretaker“, die vor Ort geblieben sind um sich um alles zu kümmern.




Daher ist bemerkenswert viel aus der Bergbauzeit erhalten geblieben, als Cerro Gordo noch die größte Silbermine in den Vereinigten Staaten war. Während der produktivsten Phase war Cerro Gordo mit 2000 – 3000 Menschen bevölkert. Hier oben in den Bergen war es um 1865 herum ziemlich gesetzlos.  Im Berg gibt es insgesamt über 40 Kilometer lange Gänge, die teilweise verschüttet, teilweise zugänglich sind. Im Moment gibt es (noch) keine Führung, in der sich dieser Teil der Geschichte erleben lässt. Nur Artefakte. Überall begegnet man verrosteten Artefakten aus der Bergbauzeit. Die eigentliche Mine liegt etwas oberhalb vom Ort, sie ist (eher selten) im Rahmen einer Führung zugänglich.




Cerro Gordo hatte unglaubliches Glück, dass nicht restlos alles von Souvenirjägern oder Schrottverwertern abtransportiert oder kaputt gemacht wurde. Der Ort ist abgelegen, schwer erreichbar und es war praktisch immer jemand vor Ort.
Cerro Gordo hat sicher eine bewegte Geschichte hinter sich aber das Besondere an dieser alten Mine in luftiger Höhe ist die Geschichte der letzten Jahre. Die verlasse Ghosttown wurde nämlich 2018 vom ehemaligen promivierten Investmentbanker und Hotelmanager Brent Underwood für 1,4 Millionen Dollar gekauft.
Brent Underwood hat mit seinem Team beachtliches geleistet. Das Projekt, die abgelegene Ghosttown zu restaurieren und zugänglich zu machen läuft erfolgreich. Nicht zuletzt, weil ein moderner Ansatz zur Finanzierung gewählt wurde.
Vor 20 Jahren wäre es noch so gewesen, dass man irgendwie über Zeitungsartikel oder ähnliches versucht hätte, zahlende Besucher in die Berge zu locken. Um dort mit Kaffee & Kuchen oder dem Verkauf von Führungen und Souvenirs etwas Geld zu verdienen. Das funktioniert in Amerika aber nur erfolgreich, wenn ein Ort gut mit dem Auto erreichbar ist – und das trifft auf Cerro Gordo absolut nicht zu. Hierher gelangen nur Abenteurer mit 4×4.

Stattdessen erzählt Brent Underwood die Geschichte dieser revitalisierten Ghosttown geschickt bei Youtube:

Liste von Videos:     www.youtube.com/@GhostTownLiving


und ein Beispielvideo

Brent Underwood hat Cerro Gordo so zu einem landesweiten Bekanntheitsgrad gebracht. Seit 2020 lebt Underwood in Cerro Gordo, war während der Corona Pandemie aufgrund eines lang anhaltenden Schneesturms einmal 10 Wochen am Berg isoliert und hat über diese Zeit ein Buch geschrieben (Ghost Town Living). Das Buch debütierte auf der Bestsellerliste der New York Times.
Ich wusste das alles gar nicht, hatte nur ein Ziel gesucht das nicht so heiß ist, wie es am frühen Nachmittag im Tal gewesen wäre und hatte hier oben ein echt cooles Erlebnis (nicht nur wegen der deutlich angenehmeren Temperaturen).






Natürlich habe ich Rich wieder mit hinunter zu seinem Van genommen. Auf dem Rückweg halten wir auch noch an einem Joshua Tree Wald in luftiger Höhe.





Zum Abschluß des Tages fahre ich noch einmal in den Nordteil der Alabama Hills.
Highlights sind hier der Boot Arch ...





... und der tolle Cyclops Arch.






Cyclops Arch Close-Up.





Cyclops Arch Perspektivwechsel.

Irgendwann habe ich genug gesehen und die Sonne verschwindet hinter den Bergen.
Es wird Zeit das Motel in Lone Pine aufzusuchen und diesen Ausflug in die Zeit des Wilden Weste(r)ns zu beschließen.


Übernachtung:  Trails Motel, Lone Pine, Kalifornien

Silv

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Mein "erstes Mal" in USA war 1994. Da waren wir in Lone Pine im Bonanza Family Restaurant frühstücken. Wir sind in dieses Städtchen gefahren und das war für mich Amerika!  ^-^ Ich habe heute noch so ein Streichholzbriefchen vom Dow Villa Motel, wo wir damals übernachtet hatten.

Wieder hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Der Cyclops Arch gefällt mir am besten!
Liebe Grüße
Silvia