5.Tag - 23.3.26 Montag: Western von Gestern und die coolste Ghosttown der USA Heute heißt es wieder früh aufstehen, denn ich habe ca. eine Stunde Fahrt vor mir und will zum Sonnenaufgang vor dem Mobius Arch in den Alabama Hills stehen. Somit weckt mich der Handywecker bereits um 4.30 Uhr.

Wer die Alabama Hills noch nicht kennt – die Gegend westlich des Städtchens Lone Pine ist berühmt für bizarre, orangefarbene Granitfelsen (inklusive diverser Felsbögen) und diente deshalb für zahlreiche Filme (meist Western) als Drehort. Es ist also noch dunkel als ich in Lone Pine auf die Whitney Portal Road abbiege, die in wenigen Minuten in das Gebiet der Alabama Hills führt. Die Whitney Portal Road trennt die Alabama Hills in einen Nord- und einen Südteil, wobei der Norden der weitaus interessantere ist.
Der Parkplatz des Mobius Arch Trails ist schnell erreicht, Stativ und Kameras werden von der Rückbank eingesammelt und schon bin ich auf dem Weg hinein in die Felsen.

Der Horizont wechselt zu rosa während ich mich auf den kurzen Weg vom Parkplatz mache.

Am Mobius Arch hat sich bereits ein Fotograf platziert, so warten wir gemeinsam auf das Licht, das die Bergkette der Sierra Nevada beleuchten soll.
Faszinierend wie die Berge im Sekundentakt mehr Licht bekommen und förmlich von oben nach unten erleuchtet werden.

Die Sierra Nevada ist eine ca. 700km lange Gebirgskette, die sich hauptsächlich in Kalifornien parallel zur Pazifikküste von Nord nach Süden zieht.
Ganz rechts im Blick durch den Arch sieht man den höchsten Berg der Sierra Nevada, den Mount Whitney mit 4421m.

Nachdem ich mich am Mobius Arch genügend ausgetobt habe, geht es auf dem Rest des Trails und natürlich weiche ich auch mal vom Trail ab. Gleich neben dem Mobius Arch findet man den kleinen Lathe Arch.

Ein zweiter Fixpunkt am Trail ist der Heart Arch, für den das Licht am Morgen aber nicht ganz so ideal ist.

Heart Arch

Die Alabama Hills sind übrigens eine Recreation Area und werden vom BLM verwaltet. Permit oder Eintritt sind nicht nötig. Der Name hat nichts mit dem Bundesstaat Alabama zu tun, sondern kommt vom Kriegsschiff USS Alabama der Konförderierten (Südstaatler).

1863 benannten Goldsucher in der Gegend ihre Claims und später die ganze Hügelkette nach diesem Schiff, weil viele von ihnen mit den Südstaaten sympathisierten.

Die Gegend ist von einem Netz aus Staubstraßen durchzogen. Diese Dirt Roads sind im Allgemeinen mit normalen Mietwagen gut befahrbar und teilweise sogar für Wohnmobile geeignet. Wer diesen Straßen folgt, etwa der passend benannten Movie Flat Road, gelangt ins Herz der Felsenlandschaft.

Immer wieder liefern bunte Blumen einen Farbtupfer zu der Szenerie der Boulders.

Die Movie Flat Road führt mich durch herrliche Felslandschaften ...

... und zu weiteren Felsbögen. Hier hat die Natur wieder Unnachahmliches geleistet, u.a. am Eye of the Alabama, ...

... Space Case Arch, ...

... One Mile Arch ...

... oder Eagle Arch. Um nur einige wenige zu highlighten.
Wohl niemand weiß, wie viele Felsbögen/Arches es hier gibt. Je nach Betrachtung sind es sicher an die 100.

Ohne GPS ist es zum Teil sehr schwierig die Bögen zu finden, da sie sich im Gewirr der Felsen sehr gut verbergen. Manchmal steht man direkt daneben und entdeckt den Arch nicht.

Eine Felsformation die man kaum übersehen kann liegt direkt neben der Whitney Portal Road (die zurück nach Lone Pine führt) - der sogenannte Nightmare Rock.

Die Alabama Hills bei Lone Pine, Kalifornien, sind seit über 100 Jahren ein legendärer Drehort in der Filmgeschichte, bekannt als „Hollywoods liebstes Hinterland“ für über 500 Produktionen. Mit ihrer surrealen Granitlandschaft vor der Kulisse des Mt. Whitney dienten sie besonders für Western, Sci-Fi-Filme und Klassiker wie Django Unchained, Gladiator und Iron Man als Kulisse.

Passenderweise gibt es in Lone Pine ein Western Film Museum, das ich mir gegen Mittag ansehe. Den Museumsbesuch beginnt man am besten mit einem Film über die Hollywood-Geschichte der Alabama Hills – der mich zurück in meine Kindheit bringt - als es im 3-Programme-TV beispielsweise noch „Western von Gestern“ gab wo alte Recken wie Roy Rodgers oder Tom Mix die Colts schwangen.
Erste Filmaufnahmen begannen hier schon Anfang der 1920er Jahre, darunter der Stummfilm The Roundup (1920). Seitdem entstanden über 400 Filme dazu viele Fernseh-Shows und Werbeclips in den Alabama Hills.

Das Museum zeigt viele Exponate aus der Zeit und widmet auch den Stars vergangener Tage (meist aus dem Westernfilm) jeweils eine kleine Ecke.
Das Museum hat neben den schönen Erinnerungen an vornehmlich alte Tage des Films für mich noch einen zweiten Vorteil – es ist schön kühl.
Draußen erreichen die Temperaturen schon wieder Werte jenseits der 30 Grad.

Um dem zu entkommen und trotzdem etwas zu erleben fahre ich in Richtung des Death Valley Nationalparks in die Höhe – zur Cerro Gordo Mine Ghosttown.
Zunächst geht die Fahrt nach Südosten auf Asphalt nach Keeler. Ab Keeler folge ich einer Wellblechpiste (Cerro Gordo Road) weiter nach Nordosten. Nach 10 Minuten führ die Piste durch einen Canyon mit hohen Wänden. Die Qualität der Piste ändert sich hier dramatisch.

Während man bis zum Canyon mit jedem PKW kommt, ist ab Durchfahrt dieser Schlucht Schluß mit lustig. Ohne richtigen Allrad mit guten Reifen hat man hier keine Chance. So schaukle ich um die Kurven der Schlucht in auf und ab über Felsen und durch Löcher.
Danach gewinnt die Straße deutlich an Höhe. Cerro Gordo liegt ja auch auf über 2500 Höhenmeter. Auch darauffolgenden Anstiege durch die Inyo Mountains einen Allrad mit Power.

Nachdem ich gerade eine Anhöhe erklommen habe kommt mir ein Mann zu Fuß entgegen und fragt mich ob ich ihn mit nach oben nehmen könnte. Er stellt sich mir als Rich vor und erzählt, dass er es mit seinem Van nicht durch den Canyon geschafft hat und jetzt laufen wollte, aber nach 2-3 Meilen umgekehrt ist. Für mich fast unglaublich, dass sich jemand diese Tortur (7km One Way Strecke und über 1500 Höhenmeter ab dem Canyon) leisten möchte. Natürlich nehme ich ihn mit und wir unterhalten uns auf dem Weg hinauf zur alten Goldgräberansiedlung. Die Strecke kann man guten Gewissens als Epic Ride und kleines Abenteuer beschreiben also irgendwie ist hier auch der Weg das Ziel. Auch der Blick in die tiefe Ebene ist spektakulär.

Die kleine Bergbausiedlung Cerro Gordo (gegründet 1866), liegt auf einem Sattel der Inyo Mountains in ca. 2600 Metern Höhe.

Die kleine Kirche ist erhalten geblieben und dient heutzutage Versammlungen oder Filmabenden.


Cerro Gordo ist mehrfach abgebrannt. So wurde die Minenstadt das erste Mal im Jahr 1877 Opfer einer Brandkatastrophe.

Zuletzt gab es 2022 einen Brand, der das inzwischen wieder aufgebaute „American Hotel“ vernichtete.

Trotz dieser Rückschläge ist im Ort viel erhalten geblieben und es gab stets „Caretaker“, die vor Ort geblieben sind um sich um alles zu kümmern.

Daher ist bemerkenswert viel aus der Bergbauzeit erhalten geblieben, als Cerro Gordo noch die größte Silbermine in den Vereinigten Staaten war. Während der produktivsten Phase war Cerro Gordo mit 2000 – 3000 Menschen bevölkert. Hier oben in den Bergen war es um 1865 herum ziemlich gesetzlos. Im Berg gibt es insgesamt über 40 Kilometer lange Gänge, die teilweise verschüttet, teilweise zugänglich sind. Im Moment gibt es (noch) keine Führung, in der sich dieser Teil der Geschichte erleben lässt. Nur Artefakte. Überall begegnet man verrosteten Artefakten aus der Bergbauzeit. Die eigentliche Mine liegt etwas oberhalb vom Ort, sie ist (eher selten) im Rahmen einer Führung zugänglich.

Cerro Gordo hatte unglaubliches Glück, dass nicht restlos alles von Souvenirjägern oder Schrottverwertern abtransportiert oder kaputt gemacht wurde. Der Ort ist abgelegen, schwer erreichbar und es war praktisch immer jemand vor Ort.
Cerro Gordo hat sicher eine bewegte Geschichte hinter sich aber das Besondere an dieser alten Mine in luftiger Höhe ist die Geschichte der letzten Jahre. Die verlasse Ghosttown wurde nämlich 2018 vom ehemaligen promivierten Investmentbanker und Hotelmanager Brent Underwood für 1,4 Millionen Dollar gekauft.
Brent Underwood hat mit seinem Team beachtliches geleistet. Das Projekt, die abgelegene Ghosttown zu restaurieren und zugänglich zu machen läuft erfolgreich. Nicht zuletzt, weil ein moderner Ansatz zur Finanzierung gewählt wurde.
Vor 20 Jahren wäre es noch so gewesen, dass man irgendwie über Zeitungsartikel oder ähnliches versucht hätte, zahlende Besucher in die Berge zu locken. Um dort mit Kaffee & Kuchen oder dem Verkauf von Führungen und Souvenirs etwas Geld zu verdienen. Das funktioniert in Amerika aber nur erfolgreich, wenn ein Ort gut mit dem Auto erreichbar ist – und das trifft auf Cerro Gordo absolut nicht zu. Hierher gelangen nur Abenteurer mit 4×4.
Stattdessen erzählt Brent Underwood die Geschichte dieser revitalisierten Ghosttown geschickt bei Youtube:
Liste von Videos:
www.youtube.com/@GhostTownLivingund ein Beispielvideo
Brent Underwood hat Cerro Gordo so zu einem landesweiten Bekanntheitsgrad gebracht. Seit 2020 lebt Underwood in Cerro Gordo, war während der Corona Pandemie aufgrund eines lang anhaltenden Schneesturms einmal 10 Wochen am Berg isoliert und hat über diese Zeit ein Buch geschrieben (Ghost Town Living). Das Buch debütierte auf der Bestsellerliste der New York Times.
Ich wusste das alles gar nicht, hatte nur ein Ziel gesucht das nicht so heiß ist, wie es am frühen Nachmittag im Tal gewesen wäre und hatte hier oben ein echt cooles Erlebnis (nicht nur wegen der deutlich angenehmeren Temperaturen).

Natürlich habe ich Rich wieder mit hinunter zu seinem Van genommen. Auf dem Rückweg halten wir auch noch an einem Joshua Tree Wald in luftiger Höhe.

Zum Abschluß des Tages fahre ich noch einmal in den Nordteil der Alabama Hills.
Highlights sind hier der Boot Arch ...

... und der tolle Cyclops Arch.

Cyclops Arch Close-Up.

Cyclops Arch Perspektivwechsel.
Irgendwann habe ich genug gesehen und die Sonne verschwindet hinter den Bergen.
Es wird Zeit das Motel in Lone Pine aufzusuchen und diesen Ausflug in die Zeit des Wilden Weste(r)ns zu beschließen.
Übernachtung: Trails Motel, Lone Pine, Kalifornien