Autor Thema: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026  (Gelesen 9576 mal)

Christina

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Wunderbar, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dabei und das Ganze an so tollen und trotzdem einsamen Locations.


LG Christina

Paula

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In der Mojawe Wüste war ich zwar schon aber vermutlich in einer ganz anderen Ecke, denn deine Motive sind alle neu für mich. Ich liebe ja solche Badlands und das kenne ich auch dass ich denke „oh da hinten schaut es auch noch interessant aus“ und dann bin ich irgendwann soweit gelaufen dass ich Mühe habe den Rückweg zu finden.
Gehst du nach Karte oder hast du ein GPS Gerät dabei? So allein ist ja nicht ganz ohne…
Viele Grüße Paula

Horst

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Hallo Paula,
früher Karten, heutzutage GPS über eine Handyapp (Locus - am besten auf Android, neuerdings auch eine Lite-Version für iOS).

Ich trage mir im Vorfeld mal den einen oder anderen Punkt ein und habe dann vor Ort im Gelände etwas Orientierung wo ich hingehen könnte (ignoriere ich aber auch manchmal wenn mich etwas anderes lockt ;) ). Was ich bei Allradstrecken dann schon immer markiere ist der Parkplatz - dann klappt auch der Rückweg im Gelände besser.

Vorteil der GPS-App ist halt dass man nicht auf das Internet angewiesen ist und GPS außer in engeren Schluchten fast durchgängig verfügbar ist.
Komplette Tages-(Wander-)Routen plane ich aber nicht (habe vor einer Reise für die Planung auch nicht mehr so viel Zeit wie früher). Ich lasse mich dann gerne treiben, suche mir sogar oft Locations wo das gut möglich ist.
Generell entscheide ich sowieso vor Ort was ich dann an den jeweiligen Tag machen will und takte vorher nicht alles durch. Nur die Unterkünfte hatte ich vorher (stornierbar) reserviert, da es einige Orte mit wenig praktikabelen Angeboten zu dem Zeitpunkt gab (z.B. Death Valley - wegen den hohen Preisen und Mono Lake nur wenige Motels im März offen).

Horst

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7.Tag - 25.3.2026 Mittwoch: Ein Tag mit Höhen und Tiefen







Der Wecker beendet die Nacht um 5 Uhr. Wie üblich führt mich mein erster Weg zu einer Tankstelle wo ich mich mit einem French Vanilla Kaffee versorge. Heute geht es nach Norden zurück in den Death Valley Nationalpark, den ich ja vor ein paar Tagen schon mal kurz gestreift hatte. Heiß ist es dort immer noch aber zumindest konnte ich den Norden Kalifroniens so bei sehr angenehm warmen Temperaturen erleben, was dort im März eher ungewöhnlich ist und gleichzeitig wenigstens 2 Tagen Mörder-Hitzewelle entgehen. Insgesamt geht der Hitzetrend allmählich dann wieder etwas zurück aber gerade heute und morgen ist es noch einmal richtig heiß.

Um die Dünen bei Stovepipe Wells zum Sunrise zu erleben hätte ich noch eine Stunde früher aufstehen müssen aber das Erlebnis gönne ich mir morgen, dann ist die Anfahrt nicht so weit wie heute mit fast 2 h Fahrt.





Das Licht ist zumindest noch ca. 90 Minuten gut genug um ein paar nette Aufnahmen zu machen und die Schönheit der golden schimmernden Dünen wirken zu lassen. Wenn später die Schatten verschwinden, verschwinden auch die schönen Konturen der Dünen.





Der zweite Vorteil morgens ist der, dass noch nicht so viele andere Leute unterwegs sind, was später schon mal einer Ameisenarmee gleichen kann.




Die Dünen sind zwar nicht die einzigen im Park aber die, die mit Abstand am leichtesten zu erreichen sind. Trotzdem ist das Gestapfe die Düne rauf, wieder runter und die nächste Erhebung hoch anstrengend. Nicht wirklich geeignetes Programm für 40 Grad im Schatten, den es ja nirgendwo hier gibt.





Nachdem ich mich fürs Erste ausgetobt habe fahre ich einen Steinwurf weiter nach Westen zum Parkplatz am Mosaic Canyon. Die 2 Meilen lange einfache Schotterzufahrtsstraße liegt 1/4 Meile westlich von Stovepipe Wells Village und steigt 1000 Fuß zum Parkplatz an. Von hier führt ein leichter Viertelmeilenweg in die Schlucht, wo die umliegenden Felswände aus glattem, wasserpoliertem Marmor bestehen.





Der schönste Teil des Trails sind die ersten 800m durch den engen Canyon.














Wenn die Zeit es erlaubt, könnte man noch gut 1 Meile weiterwandern, bevor der Weg durch einen trockenen Wasserfall blockiert wird, was ich mir aber geschenkt habe. Der Mosaic Canyon ist auf jeden Fall ein leicht zu erlebendes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Danach geht es für mich weiter mit der Fahrt nach Nordosten.





Ich stoppe noch kurz am Devils Cornfield - wieder so eine Kombination aus fantasievoller Namensgebung und erstaunlicher Natur.





Dann geht es auf der Scottys Castle Road etwa 1 h geteert bis zum Ubhebe Crater. Bis kurz vor den Krater fährt man durch typische Death Valley Wüstenvegetation und Badlands. Erst auf der letzten Meile vor dem Krater gewinnt die Straße nochmal deutlich an Höhe und die Landschaft wechselt urplötzlich zu schwarzem Vulkansand und gezackten Felsen.






Der Ubhebe Crater (ausgesprochen YOU-bee-HEE-bee) ist wirklich ein Krater aus dem Bilderbuch, zu dem man mit dem Auto direkt an den Rand fahren kann.






Der Krater ist imposant - einen Kilometer breit und rund 200 m tief. Ubehebe ist ein indianisches Wort und bedeutet „Großer Korb im Fels“.
Vor etwa zweitausend Jahren kam hier Magma in Kontakt mit Grundwasser, das führte zu einer Dampf- und Gasexplosion was den Krater entstehen ließ.







Es gibt drei Hauptwanderwege: einen, der um den Krater herumgeht und etwa 3 Meilen lang ist, ein anderer, der in den Krater 260 Höhenmeter hinab geht, und einen etwa eine Meile, der zu dem kleinen Krater führt, der als Little Hebe bekannt ist.




So entscheide ich mich für die Wanderung zum Little Hebe-Krater. Der Weg verläuft direkt am Kraterrand des Ubhebe Crater ist etwa 1,5km lang und geht durchgehend bergauf. 





Der Little Hebe Crater ist ein kleinerer Maar-Vulkan, der durch Dampf- und Gasexplosionen gebildet wurde und die Form eines Donuts hat.






Faszinierend ist auch die Vegetation die sich im Frühling selbst in dieser kargen Hochebene findet.






Vom Little Hebe kann man entweder wieder zurückgehen oder die komplette Runde um den Ubhebe laufen.




Ich folge noch ein Stück dem Weg und kehre dann um.
Zum Glück ist es bei der 800m höher gelegenen Ubhebe Krater-Landschaft doch ein bisschen kühler als im Zentrum des Parks unterhalb Meereshöhe, aber an die 30°C hat es trotzdem.




Für mich geht es also erst mal zurück zu Parkzentrum nach Furnance Creek, wo ich mir einen Kaffee und ein Typisch USA abgepacktes Süßteil anlache und nach der Verkostung im Wagen ein kleines Nickerchen einlege.
Danach fahre ich auf die Parkstraße nach Westen womit der Wrangler auch gleich wieder etwas Höhenluft schnuppern darf. Schon an der Abzweigung von der CA 190, die den Park von Ost nach West in einem Bogen durchquert, hat sich die Straße auf knapp 700 Höhenmeter hochgeschraubt.




Es geht auf der Emigrant Canyon Road nach Süden, eine landschaftlich durchaus ansprechende Straße, die gleich durch einen sehenswerten Canyon mit bunten Felsen führt.






Nach etwa 10 Meilen und inzwischen 1500 Höhenmetern verlasse ich den sicheren Hafen des Asphalts Richtung Osten und biege auf die Aguereberry Point Piste ein.
Ein Mahnmal an der Strecke deutet darauf hin, dass ADAC & Co hier eine Ecke weg sind.




Bereits nach 2 km verlasse ich die Piste für einen Abstecher zur Eureka Mine, die nur wenige Meter neben der Piste liegt.
Die Eureka Mine mit der Cashier Mill und ihre unterstützende Bergbaustadt Harrisburg (Aguereberry Camp) wurden 1905 von Pete Aguereberry und Shorty Harris gegründet. "Pete" Jean Pierre Aguereberry, geboren 1874 in einer baskischen Familie in Frankreich, hatte einen Kindheitstraum, Gold in Kalifornien zu entdecken. Auf der Suche nach diesem Traum segelte er 1902 nach Amerika und schaffte es 1905 ins Death Valley. Shorty Harris war der berühmte Prospektor, der 1904 die Bullfrog-Mine entdeckte, die die Stadt Rhyolite auf der Ostseite des Death Valley in der Nähe von Beatty hervorbrachte. 1905 entdeckte er Gold in der Panamint Range auf der Westseite des Death Valley zusammen mit Pete Aguereberry und gründete die Eureka Mine.
Aus der Eureka Mine wurden im Laufe von 40 Jahren Gold im Wert von ca.175.000 $ gefördert.
Die Fragmente der Cashier Mill sind sicher die deutlichsten Spuren der Vergangenheit die man am Gelände der Eureka Mine sehen kann.





Ein Schacht der in das Innere der Mine führt ist verschlossen und so kann ich nur durch die Gitter fotografieren. Auf einem Infoschild der Mine steht, das die Mine saisonal wegen dem Schutz von Fledermäusen gesperrt ist.





Pete und Shorty gründeten gleich nebenan die Bergbaustadt Harrisburg/Agueberry Camp, wo sie 300 Männer unterbrachten, die zwischen 1905 und der Schließung der Stadt Mitte der 1910er Jahre hier lebten.





Während Pete Aguereberry bis zu seinem Tod in der Mine verblieb, zog der rastlose Shorty Harris wieder weiter auf der Jagd nach dem nächsten Goldfund.













Die kleine Ghosttown Harrisburg ist durchaus fotogen. Spooky sind die durchlöcherten Gipskartonwände, wohl eine Folge von Feuchtigkeit/Schimmel und diversen Nagetieren.
 




Von Harrisburg sind es noch etwa 5 Meilen auf einer wechselhaften Piste die man mit einem PKW (mit etwas Bodenfreiheit und einem Ersatzrad mit Werkzeug) schaffen kann. Es gibt ein paar "robuste" Stellen und den letzten Anstieg der Piste hinauf auf etwas über 1900 Höhenmeter.
Die letzten 500m vor dem Ziel, kann man auslassen (es gibt dort eine Parkmöglichkeit) und das kurze aber steile Stück hinauf laufen (mit dem Wrangler bin ich natürlich gefahren).









Ganz oben am Aguereberry Point erlebt man nicht nur 10 Grad weniger Temperatur, die Aussicht hinab auf das Tal des Todes mit seinen Salzpfannen ist auch wirklich überragend.




Der Aguereberry Point hat seinen Namen von Jean Pierre „Pete“ Aguereberry, einem der Gründer der Eureka Mine. 
Pete brachte die Gäste zu einem Ort, den er "The Great View" nannte. Daraus wurde nach seinem Tod der Aguereberry Point.
Ideal wäre der Besuch hier oben wohl zum Sonnenuntergang aber so ist das mit den Zielen im Death Valley (oder auch anderswo) - fast alles ist ideal entweder zu Sunrise oder Sunset aber der Tag besteht halt nicht nur aus diesen beiden kurzen Phasen und man hat die Qual der Wahl wohin man sein Fahrzeug und seine Schritte zu den schönsten Zeiten des Tages richtet.






Um zur Golden Hour und zum letzten Ziel des Tages zurück ins Tal des Todes zu kommen, führt mich die Piste zurück zum Asphalt und wie üblich über den Highway 190 und die Badwater Road zum Parkzentrum. Also auch zurück in die Hitze auf Sea Level, in der noch ein paar Wildblumen ihre Blüten in die Sonne strecken, bevor sie dann in wenigen Tagen gänzlich verblüht sind.



Am Golden Canyon stelle ich den Wrangler zum Parken ab.
Neben den Fotos mache ich ja parallel auch immer mal Filmaufnahmen. Ich packe also meine Sony RX100-7 auf das mitgenommene Leichtstativ und bewege mich gerade mal einen Meter weg vom Stativ, da kommt der wohl einzige wirklich mächtige Windstoß dieser Tour und weht mir mein Stativ um.
Ganz schlecht ist ein Kamerasturz immer wenn die Kamera an ist. Ich stelle fest, dass sich der Auslöser nicht mehr betätigen lässt und der kleine Sucher kein Bild mehr zeigt. Na klasse. So ist die RX nicht mehr zu verwenden.
Der Tiefpunkt des Tages nicht nur weil ich hier wieder unterhalb der Meereshöhe bin.

Zum Filmen habe ich ja noch den DJI Pocket 3 dabei und zum Fotografieren kommt mir ein Backup zugute, das ich seit Jahren mitführe und praktisch nie gebraucht habe – eine alte RX100-3. Die hat zwar kaum Zoom, und ist natürlich in mancherlei Hinsicht etwas technisch in die Jahre gekommen aber bezüglich Bildqualität kaum eine Einbuße. So bin ich sehr froh, dass ich die alte Kamera dabeihabe und weiter fotografieren kann.





Ok, einmal tief durchatmen und dann bei 41°C in den Golden Canyon. Trotzdem, dass mich mein Kamera-Malheur natürlich gedanklich noch etwas beschäftigt, ist die Szenerie im Canyon jetzt, eine Stunde vor Sonnenuntergang, grandios.





Das Spiel aus Licht und Schatten, die zunehmend leuchtenden gelben Wänden sind beeindruckend.





Auch die rötliche Wand der Red Cathedral leuchtet in den letzten Strahlen der Abendsonne.

Genug für heute, es geht auf die letzten Meilen zum Übernachtungsort Beatty, gerade jenseits der Parkgrenze und auch jenseits der Staatengrenze von Kalifornien, also im Nachbarstaat Nevada gelegen. Der mit Abstand günstigste Parkversorger, der noch erträgliche Fahrzeiten in den Park hat.




Vorgebucht hatte ich diesmal das Atomic Inn, das letzte was Booking zu meinen Daten in dem Nest noch verfügbar hatte.
So fahre ich vor das Motel-Office des Atomic Inn, dessen äußerlicher erster Eindruck schon etwas schräg rüberkommt. Wobei schon die kurze Fahrt durch den Ort vermittelt, dass Beatty fest in der Hand Außerirdischer zu sein scheint (dazu später noch mal was). Ich bin also gespannt was mich hier erwartet – wie bombastisch mein Schlaferlebnis im Atomic Inn wird.
Das Office wirkt eher wie eine Kindertagesstätte, da zwei Kids mit ihren Fahrrädern ihre Kurven im Büro drehen. An der "Rezeption" hausen 2 "Damen" die mich an die alte Zeichentrickserie der Feuersteins erinnert. Deren Schmuddellook passt immerhin zu den übrigen Eindrücken und bildet somit ein stimmiges Gesamtkunstwerk. Passend zum Motelnamen wirken die beiden ganz schön verstrahlt und es entbrennt eine Diskussion zwischen ihnen, welches Zimmer denn frei sein könnte. Nach 20 Minuten Hin und Her, wobei ich immer wieder kurz davor war einen Schlüssel zu bekommen, den man dann aus Unsicherheit wieder zurückgezogen hat, ringt man sich dann doch zu einem Zimmer/bzw. dem Schlüssel durch, der dann endlich an mich übergeben wird. So laufe ich zu meinem vermeintlichen Zimmer, sperre auf und sehe auf den ersten Blick, dass hier bereits jemand haust (oder die Atombombe schon eingeschlagen hat). Also schnell wieder die Tür geschlossen bevor jemand die Schrotflinte zückt und zurück zu den Flodders aus dem Office. Zunächst ist man dort erst mal ratlos (also wie zuvor). Dann wird die Tochter einer der beiden Grazien losgeschickt um zu eruieren, welches Zimmer frei sein könnte. Wäre man böswillig könnte man denken - organisatorisch noch leicht Luft nach oben. 
Nach einigen Minuten ist die Tochter von ihrem Ausflug zurück, ich bekomme wieder einen Schlüssel und diesmal geht das Ganze auch gut und das Zimmer ist tatsächlich noch frei und auch soweit ok, wenn man keine großen Ansprüche hat.
Nach einem wieder langen Tag gibt es also endlich ein Feierabend-Bier, einen Happen zu Essen und der nächste Tag kann geplant werden.


Übernachtung: Atomic Inn, Beatty, Nevada

Silvia

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Back im Death Valley  :herz: ... obwohl ich damals mehrere Tage dort mit Zelt war bin ich nicht bis zum Uhebe-Krater gekommen.

Jetzt bringst du die Erinnerungen an zwei tolle Wanderungen wieder hoch, den Mosaic-Canyon hoch und den Golden-Canyon-Gower-Gulch-Loop - das war ein Traum




Das i-Tüpfelchen war noch die Hyäne und der Videodreh.
Jetzt hab ich überall nach der Hyäne  :frech:   gesucht und nur den Coyoten gefunden  :zwinker:

Silv

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 :lach: Herrlich die Beschreibung beim Einchecken - wie im Film! Ich hab totales Kopfkino.  :totlach:
Liebe Grüße
Silvia