Autor Thema: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026  (Gelesen 12934 mal)

Horst

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Re: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026
« Antwort #60 am: 02. August 2026, 08:54:08 »
Die Whitney Pocket ist ja der Hammer! Klasse. Wie gut, dass die Technologie in Bezug auf das Fotografieren so weit fortgeschritten ist. Stell dir mal vor, du hättest nur einen 36er Film zur Verfügung gehabt.
Da hätte ich wahrscheinlich meinen vollen Vorrat verbraucht, wäre am nächsten Tag nach Vegas gefahren um mich neu einzudecken und noch mal hinzufahren. ;)
In den 90ern als ich meine ersten USA-Reisen gemacht habe sind in 3-4 Wochen Touren bei mir damals jeweils ca.15 36er Filme durchgeschossen worden. Natürlich nix im Vergleich zu heute.
Aber die Bilderlieferung zu Hause aufzumachen war wie Weihnachten und Ostern zusammen. :D

Horst

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Re: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026
« Antwort #61 am: 02. August 2026, 09:33:48 »
12.Tag - 30.3.2026 Montag: Farbenfeuerwerk im Feuertal
 







Wie fast immer ist es noch dunkel, als mein Handywecker den neuen Tag einläutet (oder besser einklingelt). Etwa eine Stunde ist die Fahrt von Mesquite Nevada zum Valley of Fire, ebenfalls in Nevada. Der Bundesstaat Nevada bleibt mir nun bis zum nahen Ende der Reise erhalten. Im Vorfeld war ich mir nicht sicher wann ich nun genau morgens in das Valley of Fire fahren darf. Die offizielle Regelung der Öffnungszeiten ist Sunrise – Sunset. Also habe ich meine Ankunftszeit so getimt, dass ich zum Sunrise (heute um 6:30 Uhr) am östlichen Kassenhäuschen bin. Das ist wie erwartet noch nicht besetzt. So fülle ich einen Umschlag mit meinem Nummernschild aus, lege die 15$ Eintrittsgebühr in den Umschlag, werfe das Kuvert in die dafür vorgesehene Box und mache mich auf den Weg in den Park.
Der State Park wird vom gleichnamigen Valley of Fire Highway erschlossen, der das Tal auf 17 Kilometern Länge von West nach Ost durchquert (somit gibt es neben dem Ost- auch einen Westeingang). Mir scheint, den Highway kann man problemlos auch außerhalb der Öffnungszeiten befahren, also zumindest auch ausreichend vor Sonnenaufgang.

Parkkarte Valley of Fire



Die Knacknuss könnte die beliebte Mouse’s Tank Road (oft bekannter als White Domes Road) sein. In meinem Fall ist die Straße nun (um 6:45 Uhr) jedenfalls offen. Hier könnte es vorher vielleicht eine Barriere geben die man zum Sunrise entfernt aber vielleicht gibt es auch nichts. Es ist jedenfalls weit und breit niemand zu sehen.







Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf den Sandstein und die Farben beginnen zu leuchten.
Seinen Namen verdankt das Tal eben diesen rötlichen Sandsteinformationen, die sich in 150 Millionen Jahren aus Dünen entwickelten und von der Erosion zu bizarren Gebilden geformt wurden. Diese scheinen in Flammen (Fire) zu stehen, wenn sie die Strahlen der glühend heißen Sonne reflektieren. Überhaupt erscheint das Tal im nördlichen Bereich der Mojave-Wüste wie ein Glutofen. Die Höchsttemperatur steigt im Sommer regelmäßig bis auf 47 Grad Celsius, und selbst im Winter sind Werte jenseits der 20-Grad-Marke nicht ungewöhnlich. Inzwischen ist die Rekord-Hitze im Südwesten der USA erstmal Geschichte und es herrschen „normale“ Temperaturen für Ende März/Anfang April von Ende 20 Grad (zumindest außerhalb des nochmal wärmeren Valley of Fire's), was sich auch in der Sonne ganz gut aushalten lässt.




Es ist inzwischen fast 20 Jahre her, dass ich zum letzten Mal hier war. Seitdem hat sich manches geändert. Gerade an der White Domes Road ist es schwierig geworden entlang der Straße anzuhalten oder gar zu parken. Dafür gibt es einige wenige Parkplätze.
So wie oben im Foto zu parken - das war früher kein Problem. Heute darf das nur noch der Ranger.





Winding Road - eine der schönsten Straßen Nordamerikas - die Mouse's Tank Road (offizieller Name) - die man oft als White Domes Road bezeichnet, da sie an ihrem Ende zum White Domes Trailhead führt.





Am vorletzten Parkplatz (Nr.3) stelle ich den Wrangler ab und folge dem Seven Wonders Trail westlich der Straße.






Der Weg taucht in die bizarre Felslandschaft dieser Region ein, die neben ihrem Markenzeichen, den rötlichen Felsen, diverse andere Farbschattierungen aufweist.
Die Gegend beiderseits der White Domes oder Mouse’s Tank Road gilt als die schönste im Park, weshalb hier später besonders viel los sein dürfte.





Nach wenigen Minuten ist der Fire Cave Arch erreicht.





Zweite Perspektive auf den Fire Cave Arch.





Und noch ein dritter Shot auf den Fire Cave Arch der zeigt, wie stark unterschiedliche Blickwinkel ein Motiv beeinflussen können.




Praktisch nebenan versteckt sich der der Thunderstorm Arch.





Auch hier noch der fotografische Gegenschuß.
Ein Tag mit vielen geologischen Unglaublichkeiten nimmt langsam Fahrt auf.
Auch wenn die Felsbögen so charismatisch und spektakulär wirken, sind sie manchmal gar nicht so leicht zu entdecken, wobei ein GPS Programm auf dem Smartphone (bei mir Locus) gute Dienste leistet.











Bevor der Trail die Mouse’s Tank/White Domes Road überquert findet man den Nike Rock (aka Stripped Rock).




Warum der so heißt wird vielleicht aus dieser Perspektive deutlicher.





Ich folge dem Trail noch ein Stück über die Straße bis in den Pink Canyon ...





... und kehre dann vor dem eigentlichen Highlight des Trails, der Fire Wave, wieder um.
Die Fire Wave hebe ich mir heute für den Abend auf.






Zurück am Parkplatz klettere ich noch auf einen Hügel westlich der Straße um mir einen Überblick zu verschaffen und da ich hier am Parkplatz Nr.3 am nördlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt des Parks bin, fahre ich noch die wenigen hundert Meter zum letzten Parkplatz an der Mouse’s Tank Road, dem Trailhead des White Domes Trails.





Am Nachmittag ist hier nicht selten der Parkplatz voll. Am Trailstart gibt es noch eine Hinweistafel zum Rundweg sowie ein Warnhinweis zur Hitze, wobei ich heute bei gemeldet kühlen 32°C im Schatten ja entspannt den Weg fortsetzen kann.





Beim White Domes (weiße Kuppeln) Trail läuft man fast durchgehend auf Sand – man sollte sich also auf etwas anstrengenderes Gestapfe einstellen, dafür ist der Trail mit 2km nicht gerade lang.



Der Weg führt nach wenigen Metern steil abwärts durch eine breite Felsrinne mit rosa-organener bis weißer Farbe.










Danach folgt man rechts abbiegend dem Weg hinein in einen immer enger werdenden Slot Canyon – dem Highlight des Trails.
Nach dem angenehm kühlen Canyon ...





... gelangt man wieder mitten in die pralle Sonne und es geht zudem aufwärts wieder durch eine Rinne in den Felsen nach oben.





Sandsteinstrukturen und Skulpturen säumen den Weg.







Man sollte im Valley of Fire immer auch einen Blick für Details übrighaben.












White Domes Arch.

Nach einer Stunde mit (wie üblich) viel fotografieren bin ich wieder zurück am Wrangler und lege erst mal eine Mittagspause ein. Der Trail ist auf jeden Fall ähnlich wie der Seven Wonders Trail unbedingt eine Empfehlung wert.





Dann geht es auf der Mouse’s Tank Road wieder ein Stück zurück nach Süden, ...







... bis ich auf die kurze Fire Canyon Road einbiege und am Silica Dome für ein paar Fotos halte.






Nur einen Steinwurf weiter an der Fire Canyon Road führt ein kurzer Weg zum sehenswerten Fire Canyon Arch.






So wie der guckt, fühlt er sich wohl in seiner Ruhe gestört, zudem spare ich mir jetzt das schattenlose grelle Mittagslicht und fahre ich erstmal wieder auf der Ostseite aus dem Park bis ins nahe Moapa Valley zu meinem Motel, kaufe mir ein Nachmittags-Käffchen und checke am Motel ein. Nachdem ich im Motelzimmer „mein Lager aufgeschlagen habe“ lege ich mal 30 Minuten für ein Power-Nap die Beine hoch, man ist ja keine 22 mehr (in dem Alter war ich übrigens das erste Mal in den USA, wenn ich mich nicht verzählt habe war das meine 21.Reise ins Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten).





Am Nachmittag geht es wieder zurück in den Park und diesmal auf der Valley of Fire Road weiter in den Westen des Feuertals, wo sich ein Abstecher auf die Scenic Loop Road anbietet. Dort trifft man als erstes auf einen der bekanntesten Felsbögen im Park, den Arch Rock. Den kann man heutzutage (wenn man ein braver Tourist ist) nur noch von vorne ablichten, weil das (einfache) beklettern der kleinen Erhebung nicht mehr gestattet ist, was ich von früher noch anders kannte. Wahrscheinlich sind irgendwann mal ein paar Chinesen oder Inder beim Selfieknipsen abgestürzt oder der Rummel auf der kleinen Location war der Parkverwaltung zu groß. Bei 1 Million Besucher pro Jahr kann es an Stoßtagen hier schon mal etwas turbulent zugehen, weshalb man das Wochenende in den Wintermonaten, wenn möglich meiden sollte.






Die phantasievollen Felsen regten offensichtlich auch die Phantasie des Menschen an, so kennt man dieses Steingebilde als Piano Rock.





Um zum Pagoda Arch zu gelangen ist eine kleine Klettereinlage nötig die ich in 10 Jahren wahrscheinlich auch nicht mehr mache. Die Perspektive lohnt aber die kurze Kraxelei über ein paar Felsen und wirklich dramatisch ist es auch nicht.





Die Gegend hier unterhalb des Pagoda Arch wäre alleine schon den Stop an der Scenic Loop Road wert.
Hier gibt es viel zu entdecken. Außerhalb der Mouse’s Tank/White Domes Road findet man im Park übrigens nur den rot-orangen Actec-Sandstone.






Aus diesem Werkstoff ist auch die kleine Felsöffnung am (ehemaligen) Windstone Arch entstanden. Das Bein des Windstone Arch, das ich beim letzten Besuch noch erleben durfte hat aber wie bei Käptain Ahab nicht Moby Dick, sondern die Erosion gefressen.





Dieses Gestein entstand einst aus riesigen Sanddünen vor 150-200 Millionen Jahren. Diese Dünen wurden im Laufe der Zeit durch Druck und mineralische Bindung zu festem Sandstein verfestigt – dem sogenannten Aztec Sandstone. Die rötliche Farbe kommt von Eisenoxid (Rost), das sich im Gestein abgelagert hat.
Später wurde die Region durch tektonische Kräfte angehoben. Dabei entstanden Risse und Schwächezonen im Gestein – perfekte Angriffspunkte für Verwitterung. Die spektakulären Formen – Bögen, Wellen, „Löcher“ – entstanden hauptsächlich durch Erosion - Temperaturschwankungen die das Gestein ausdehnen und zusammenziehen, so dass es zu Rissen kommt. Wind und Wasser formen diese Risse dann weiter.






Danach geht es zum Finale nochmal auf die Mouse’s Tank/White Domes Road. Wieder bis zum Parkplatz Nr.3 und auf den Fire Wave Trail, den man zusammen mit dem Seven Wonders Trail auch als Loop gehen kann.






Ich gehe den Trail aber nur bis zur Fire Wave – inzwischen der Ikone des Valley of Fire schlechthin. Viele Besucher kommen nur wegen dieser Felsformation in den Park. So wurde ich gleich am Parkplatz und unterwegs ein paar Mal von anderen Besuchern nach dem Weg gefragt (obwohl das nicht so schwer zu finden ist) verbunden mit der Bemerkung, dass man hauptsächlich wegen der Fire Wave hierhergekommen ist.






Entdeckung und Name dieser wirklich sensationellen Felsformation in einer Gegend die nicht wirklich arm an geologischen Naturwundern ist, geht auf Isa und Steffen Synnatschke zurück.
Die beiden Fotografen und Buchautoren gaben dieser geschwungenen Felsformation nicht nur ihren Namen, sondern machten ihre Fire Wave durch Fotos (u.a. Coverfoto des Know How Reiseführers USA Südwesten vor einigen Jahren) so bekannt, dass die Parkverwaltung den Namen aufgriff und die bis dahin der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannte Attraktion in ihre Parkkarten und Parkbeschreibungen aufnahm.



Lichttechnisch ideal wäre die Zeit nach dem Sonnenuntergang aber das ist mit den Öffnungszeiten (Sunrise-Sunset) etwas schwierig (außer man campt im Park), so begnüge ich mich mit dem Anblick kurz vor dem Sunset.






Zum Sonnenuntergang bin ich zurück am Parkplatz und fahre die Straße zurück zur Valley of Fire Road. Da kommt mir auch das Fahrzeug des Parkrangers entgegen, dessen Aufgabe es nun sein dürfte, die letzten noch anwesenden Besucher am Parkplatz zu verscheuchen und denen die dann noch ohne Campingnachweis am Parkplatz stehen eventuell mit einem Ticket zu „belohnen“.
Verbleibt noch die kurze Fahrt aus dem Park Richtung Overton und meinem Motel und das übliche Abendprogramm mit Essen auf dem Zimmer, Bilder sichern, nächsten Tag checken, duschen und den Handy-Wecker für den nächsten Morgen stellen.
 

Übernachtung: North Shore Inn, Moapa Valley, Nevada

Ilona

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Re: Desert Sun - durch die Wüsten Kaliforniens und Nevadas im März 2026
« Antwort #62 am: 02. August 2026, 14:04:21 »
Nevada kann auch kunterbunte Steine :beifall:.

Das VoF ist seit 41 Jahren einer meiner Lieblingsparks. Während meiner ersten USA-Reise fragte mich ein älterer Herr in Las Vegas, ob ich das Valley of Fire kenne. Natürlich kannte ich das damals nur den Einheimischen bekannte Feuertal nicht. Er schwärmte so davon, dass ich auf dem Weg nach Colorado einen Abstecher machte. Obwohl ich nur die zwei Straßen entlang fuhr, war ich sofort von den bunten Steinen und Formationen geflasht  :herz:. Vermutlich sprang im VoF das USA-Virus auf mich über. Im Laufe der Jahre/Reisen erkundeten wir dort fast jede Nische.

 :danke: fürs Zeigen. Das Feuertal ist immer eine Augenweide und so leicht zu erreichen.

Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)