Hallo Horst und Ilona, schön, dass ihr dabei seid, ich starte gleich mit dem Anreisetag.
1. Tag – Dienstag, 21.04. - 1. TeilDen Anreisetag kann ich entspannt angehen. Mein Zug fährt um 7.20 Uhr vom Bahnhof nur 3 Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt und ich habe eine Stunde Aufenthalt an meinem Umsteigebahnhof Frankfurt Flughafen, da werde ich den ICE, der mich bis fast nach Rotterdam bringen wird, auch bei Verspätung der Regionalbahn

gut erreichen.
Diesen Puffer kann ich tatsächlich gut gebrauchen, der Zug fährt schon mit 10 Minuten Verspätung bei mir ab und im Laufe der Fahrt verlängert sich die Verspätung auf 25 Minuten, immer wieder bremsen uns vorausfahrende und kreuzende Züge aus.
In Frankfurt bleibt dann trotzdem noch genug Zeit damit ich mich bei einem Bäcker mit Proviant für die Fahrt versorgen, die Toilette nutzen und den recht weiten Weg zwischen Regional- und Fernbahnhof zurücklegen kann.
Der ICE mit Endziel Amsterdam verlässt Frankfurt dann pünktlich um viertel vor zehn. Die Fahrt ist sehr angenehm, der Zug ist ziemlich leer und ich habe ohne Reservierung einen 2er Sitz die gesamte Fahrt für mich allein.
Bei den Stopps in Siegburg/Bonn und Köln ist der ICE weiterhin pünktlich, kurz vor dem letzten Halt in Deutschland, Mönchengladbach, kommen wir aber wieder ins Stocken, natürlich wieder ein vorausfahrender Zug, der im Weg ist. Aus der Bummelei werden schließlich 20 Minuten Verspätung. Aber auch das ist kein Problem für mich, am zweiten holländischen Halt nach s’-Hertogenbosch, Utrecht muss ich umsteigen in den IC nach Rotterdam. Den ursprünglich vorgesehenen Zug erreiche ich nicht mehr, aber die Züge zwischen Utrecht und Rotterdam verkehren im 10 – 20 Minuten Takt.
Der Blick aus dem Fenster bei diesem Fahrtabschnitt vermittelt bei herrlichem Sonnenschein all die schönen Hollandklischees mit grünen Acker- und Wiesenflächen, jede einzelne umgeben von einem Entwässerungskanal, auf dem Wasservögel schwimmen, viele Kühe, viele Radwege und Radfahrer, eine Windmühle, und eine Autofähre, die einen etwas größeren Kanal überwindet.
Zwischenstopp ist in Gouda, das wäre ein möglicher Tagesausflug von Rotterdam, mal sehen, ob ich Zeit dafür finden werde.
14.45 Uhr erreiche ich schließlich Rotterdam Centraal. Hier erwartet mich noch eine kleine Herausforderung, in den Niederlanden sind alle Bahnhöfe nur für Ticketinhaber oder mittels Nutzung der contactless Kredit- oder Debitkarte, die dann auch als Fahrkarte dient, nutzbar. Das heißt, um einen Bahnhof zu betreten muss eine Schranke mit einem der genannten Mittel geöffnet werden und beim Verlassen wieder. Ich habe ja mein deutsches Bahnticket, das einen QR Code hat und diesen können nur einige wenige Schranken lesen. Scheinbar nutze ich die falsche oder es liegt daran, dass ich mein ausgedrucktes Papierticket nutze und nicht das Ticket auf meinem Handy, sie will sich jedenfalls nicht öffnen, aber dann kommt auch schon ein sehr hilfsbereiter Holländer vorbei und öffnet die Schranke für mich mit seiner Karte.
Wenige Meter weiter ist die nächste Schranke, die den Zugang zur Metro kontrolliert. Hier nutze ich problemlos meine Kreditkarte und fahre mit der Linie E / D bis zur Haltestelle Wilhelminaplein. Am Ausgang dort muss dann wieder mit der Kreditkarte ausgecheckt werden.
Nur fünf Minuten sind es zu Fuß von der Metrohaltestelle zum Hotel „Room Mate Bruno“, wo ich passend zur Eincheckzeit um 15 Uhr ankomme. Ich habe nur eine Person vor mir und das Einchecken verläuft schnell und problemlos (erwähne ich nur, weil es in einigen der Bewertungen anders beschrieben wurde).
Zunächst hatte ich ein anderes Hotel gebucht, dort hatte ich ein Zimmer mit Küchenzeile, also eigentlich genau das, was ich mag, aber halt ein recht „normales“, Hotel in einer „normalen“ Wohngegend und mit einer Stornierungsfrist von zwei Wochen, was mir eigentlich zu lang ist, da es ja nicht nur um eine Nacht geht, sondern um den nicht unerheblichen Gesamtpreis von 7 Nächten.
Bei der Suche war mir schon gleich ein anderes Hotel ins Auge gefallen, in einem ehemaligen Lagerhaus, kunterbunt modern eingerichtet, umgeben von einer Reihe von modernen Hochhäusern und am Wilhelminapier, der Stelle, von der in früheren Zeiten hunderttausende Europäer in Richtung Westen ausgewandert sind – das würde perfekt zu einer Reise in diese Stadt der Moderne und zu ihrer Migrationsgeschichte (und -gegenwart) passen. Leider war es aber deutlich teurer als mein ursprünglich gebuchtes Hotel (auf allen möglichen Vermittlerseiten und auf der Hotelhomepage). Im Laufe der Wochen habe ich immer wieder vor allem bei booking.com nachgeschaut, dort das Hotel immer wieder aufgerufen, mir die Bilder angeschaut und die neuesten Bewertungen durchgelesen und plötzlich, ungefähr vier Wochen vor Reisebeginn, sollte dieses Hotel genauso viel kosten wie mein gebuchtes, zusätzlich wäre noch Frühstück inkludiert, die Stornierungsfrist sollte nur eine Woche betragen und danach würden nur die Kosten einer Übernachtung anfallen – keine Ahnung ob das Zufall war oder ob das das System irgendwie „gemerkt“ hat – aber da habe ich natürlich sofort zugeschlagen und das andere Hotel storniert.
Nun bin ich also hier
und gespannt auf mein Zimmer, denn als einziger Wehmutstropfen bei der Geschichte ist es (wie alle Einzelzimmer und auch die „normalen“ Doppelzimmer“) innenliegend, d.h. das Fenster zeigt auf den mit Glas überdachten Innenhof, also keine Aussicht und keine frische Luft. Im Zimmer bin ich aber sofort begeistert, gelbe Einrichtung, hohe Betondecke mit freiliegenden Balken, blaues Bad, großer Schrank, Kühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine und düster ist das Zimmer auch nicht, es fällt viel Licht durch das Glasdach, (morgens scheint sogar die Sonne herein) und ich habe einen Blick auf zwei der umliegenden Hochhäuser.
Ich mache eine kurze Pause im Zimmer und schaue mir dann das Hotel genauer an, erst innen, dann von außen - wirklich toll, mal etwas ganz anderes.




Die meisten Informationen, die ich über die vielen sehenswerten Gebäude in Rotterdam habe, stammen aus dem Buch „Architectural Guide Rotterdam“ von Anneke Bokern, einer deutschen Journalistin, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Architektur beschäftigt, der Guide wurde von ihr auf Englisch geschrieben, eine deutsche Fassung gibt es nicht. Auch mein Hotel wird in diesem Buch vorgestellt, offiziell heißt das Gebäude „Pakhuismeesteren“ und stammt aus dem Jahr 1941, die Umwandlung in ein Hotel und in die „Foodhallen“, die sich auch in diesem Gebäude befinden und durch einen Gang mit dem Hotel verbunden sind, erfolgte 2018 durch das belgischen Architekturbüro awg. Auf dem Gebäude befinden sich die Inschriften Celebes, Borneo, Java und Sumatra, diese wurden nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt und verweisen auf holländische Kolonien. (Auf meinen Fotos sieht man diese Inschriften leider nicht richtig, da habe ich die falsche Gebäudeseite fotografiert, stattdessen kann man aber die Gebäudebezeichnung in großen Buchstaben entlang des zweiten Stocks erkennen).

