4. Tag – Freitag, 24.04. - 2. TeilAuch wenn der Tornado der Hauptgrund für meinen Besuch des Fenix war, schaue ich mir nun natürlich auch noch die Ausstellungen an. Und die überraschen mich dann positiv. Das ist nicht vergleichbar mit dem gestrigen Museum und lohnt sich unbedingt. Ich beginne im zweiten Stock, wo sich im großen, hellen Loft des ehemaligen Lagerhauses die Ausstellung „All Directions“ verschiedener Künstler zum Thema Migration befindet.
Ein Künstler verbindet die afrikanische Tradition des Haareflechtens mit Rotterdam und stellt die wichtigsten Rotterdamer Bauwerke in geknüpfter Form dar,
ein indischer Künstler hat ein Eisentor konstruiert, das sich halbstündlich von einer Wandseite zur anderen bewegt, was nicht nur zu einem lauten Knall führt, sondern die Wand jedes Mal ein bisschen mehr beschädigt – ein Symbol sowohl dafür, dass irgendwann jede Wand / Grenze bröckelt als auch für den Schmerz, den sich schließende Tore / Grenzen für Menschen bedeutet, die sie überqueren wollen.
Eine Erinnerung daran, dass viele Einwanderer in Holland Putzjobs haben, ist der Vorhang aus Wischmopps einer italienischen Künstlerin.
Bekannt ist das Pop Art Gemälde von Robert Indiana mit dem Wort Love.
Und natürlich noch viele andere sehr eindrückliche Kunstwerke sind zu sehen. Auch auf diesem Stockwerk ist das Museumscafé mit Sitzgelegenheiten, da mache ich eine kleine Verschnauf- und Trinkpause, dann geht es ins Erdgeschoss, wo sich zwei weitere Ausstellungen befinden.
Zunächst schaue ich mir das „Kofferlabyrinth“ an: über 2000 Koffer hat das Museum überall auf der Welt gesammelt und die Geschichten der Eigentümer dazu. Einige dieser Geschichten kann man mittels Audioguide anhören (sogar auch auf Deutsch) – das ist richtig gut gemacht, sehr abwechslungsreich und mit gerade so viel Interaktion wie auch ich das noch mag

: man sucht sich selbst die Koffer aus, deren Geschichte man anhören möchte.
Abschließend besuche ich die dritte und letzte Museumsausstellung, die Fotoausstellung „Family of Migrants“, eine Sammlung von Fotos zum Thema Migration mit Bildern aus der Zeit von 1905 bis 2025. Sie ist inspiriert von der Fotoausstellung „Family of Man“, die ich zufälligerweise schon gesehen habe, 2010 in Clervaux in Belgien (Eröffnung dieser Ausstellung war 1955 im Museum of Modern Art in New York).
„Family of Migrants“ zeigt bekannte und bislang unbekannte Fotos, meist ist es schwere Kost, bei der ich hin und wieder ein paar Tränchen verdrücke, aber es gibt auch positive Bilder z.B. von Albert Einstein bei seinem Einbürgerungsschwur 1940 in den USA.
Gegen zwölf Uhr verlasse ich das Museum – das mich unerwarteterweise ganz unabhängig vom „Tornado“ sehr begeistert hat.
Fürs Mittagessen finde ich am Deliplein gleich neben dem Fenix das Burgerrestaurant „Hamburg“, auf der sonnigen Terrasse stärke ich mich mit einem Burger mit Pommes und einem Ice Tea (EUR 22,00).
In Katendrecht gibt es ein weiteres Museum, das ich auf meiner Liste habe, Tickets (EUR 17,50) für das Niederländische Fotomuseum können jederzeit vor Ort gekauft werden, also habe ich keinen Termindruck.
Auch dieses Museum befindet sich in einem ehemaligen Lagerhaus, der Umzug dahin erfolgte erst kürzlich. Das „Santos“ Gebäude in dem brasilianischer Kaffee gelagert wurde, stammt aus dem Jahr 1901 und war mit 24,5 m das höchste Lagerhaus der Stadt, nun wurde es mit einer „goldenen“ Dachkonstruktion noch um ein Stockwerk erhöht. Vom Deliplein sind es nur zehn Minuten zu Fuß zum Fotomuseum.
Es werden die wichtigsten Stationen der Entwicklung der Fotografie vom ersten analogen Foto anfangs des 19. Jh. bis zur aktuellen digitalen Fotografie dargestellt und es gibt mehrere thematische Fotoausstellungen. Das Museum ist auch nationales Archiv für unzählige Fotos, die als bedeutsam für das Land angesehen werden (laut Homepage des Museums werden im Jahr 2028 wohl 7,5 Millionen Fotos aufbewahrt sein), auch dazu gibt es Informationen und man kann einen Blick in die Archive und auf die Arbeitsplätze der Archivare werfen.
Eine der Ausstellungen zeigt Fotos von Rotterdam im Laufe der Geschichte, das gefällt mir richtig gut, aber es sind mir eigentlich schon zu viele Fotos, vielleicht bin ich auch nach dem vormittäglichen Museumsbesuch nicht mehr richtig aufnahmefähig.
Ich lasse daher eine ganze Reihe Fotos aus und widme mich noch der zweiten Ausstellung „Awakening in Blue“. Blau ist meine Lieblingsfarbe, das passt also schon mal. Es geht um Fotografie im weiteren bzw. historischen Sinn, nämlich mittels Cyanotypie, auch „Blaudruck“ oder „Sonnendruck“ genannt. Das Verfahren wurde 1842 entdeckt, dabei wird Papier (oder ein sonstiger Trägerstoff) mit einem lichtempfindlichen Eisensalz beschichtet, darauf werden z.B. Blätter oder sonstige Gegenstände gelegt und das Ganze dann dem Licht ausgesetzt. Das beschichtete Papier verfärbt sich blau, dort wo die Gegenstände gelegen haben, bleibt es weiß. (Zugegebenermaßen kannte ich die Cyanotypie nicht, sie wird aber wohl von (Hobby) Künstlern seit einigen Jahren wieder viel genutzt, das benötigte Material gibt es als Set im Bastelbedarf und das Internet hält viele Anleitungen bereit).


Es ist viertel nach zwei und nun habe ich für heute endgültig genug Zeit in Museen verbracht, mehr kann mein Kopf nicht mehr aufnehmen.