Autor Thema: Das andere Holland - Rotterdam April 2026  (Gelesen 1197 mal)

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #15 am: 28. Juli 2026, 17:42:28 »
Das funktioniert viel besser, das ist jetzt directupload.eu, bisher habe ich postimages.org genutzt, der ist zum Hochladen und Anzeigen sehr komfortabel, aber funktioniert offensichtlich beim Verlinken nur fehlerhaft.

Horst, du nutzt pic-upload, da kann man (oder jedenfalls ich) kostenlos nur 20 Bilder hochladen, aber vielen Dank für die Unterstützung.


Nicht zu vergessen ist das Kaiserwetter  :strahl:, wenn auch mit kühleren Temperaturen. So ohne Regenjacke und -schirm ist eine Reise doch viel schöner.


Oh ja, das herrliche Wetter konnte ich nach dem verregneten Algarve Urlaub ganz besonders genießen.

Irgendwie erinnern mich Deine Fotos ein bisschen an Chicago (Wolkenkratzer, Fluß, Kunst-Plastiken) fehlt eigentlich nur die berühmte Hochbahn.


Chicago war ich noch nicht, aber was ich davon schon in Berichten / Fotos gesehen habe, könnte tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit bestehen, allerdings ist Rotterdam natürlich viel kleiner.


LG Christina

Ilona

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4640
  • Slot Canyon Addict
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #16 am: 28. Juli 2026, 18:49:54 »
Prima, jetzt sind die Bilder zu sehen  :thumb:.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Silvia

  • Eumerika Team
  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 2631
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #17 am: 28. Juli 2026, 19:15:37 »
Also Rotterdam zeigst du uns ja von seiner schönsten Seite ... mir ging es wie Ilona verband Rotterdam nur mit dem Hafen.

Diese Stadt hat wirklich viele Facetten (dein Hotel find ich auch super  :beifall: )

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #18 am: 29. Juli 2026, 17:29:59 »
Also Rotterdam zeigst du uns ja von seiner schönsten Seite ... mir ging es wie Ilona verband Rotterdam nur mit dem Hafen.

Diese Stadt hat wirklich viele Facetten (dein Hotel find ich auch super  :beifall: )

Hallo Silvia, freut mich, wenn ich was Neues zeigen kann.


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #19 am: 29. Juli 2026, 17:41:53 »
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 1. Teil

Nach so viel moderner Architektur gestern, soll es heute idyllischer werden. Ich mache einen Ausflug nach Dordrecht mit seiner typisch holländischen Altstadt.

Die Stadt mit 122.000 Einwohnern liegt 20 km südöstlich von Rotterdam und kann entweder in 15 min mit der Bahn oder in einer Stunde mit dem Wasserbus erreicht werden. Ich entscheide mich für letzteren, mit der Bahn kann ich überall fahren.

Die Ablegestelle des Waterbus in Rotterdam liegt an der Willemskade, direkt beim Auf-/Abgang zur Erasmusbrücke. Es geht also als erstes wieder vom Hotel über die Brücke, dabei sehe ich, dass am Wilhelminapier ein riesiges Kreuzfahrtschiff angelegt hat (Aida Perla), jetzt habe ich keine Zeit mir das genauer anzuschauen, sonst fährt mir der Wasserbus vor der Nase weg, aber vermutlich wird das Schiff auch noch heute Nachmittag, wenn ich zurück von Dordrecht komme, hier sein.

Ich nehme den Wasserbus um 9.30 Uhr und setze mich auf einen der wenigen Plätze im Freien, die meisten Sitze sind im Inneren, das ist kein touristisches Sightseeing Boot, sondern wird hauptsächlich von den Einheimischen als öffentliches Verkehrsmittel genutzt. Die Zahlung erfolgt dementsprechend wie überall in Rotterdam mittels einchecken mit der Kreditkarte (oder sonstiger Karte des öffentlichen Verkehrsunternehmens RET). Auf dem Boot wird dann nochmal kontrolliert, ob man eingecheckt hat, wenn nicht, kann man auch noch an Bord zahlen (aber nicht in bar).

Sehr frisch ist es heute Vormittag trotz wieder strahlendem Sonnenschein, da bin ich froh, einigermaßen windgeschützt zu sitzen, einige Holländer, die meist mit ihrem Fahrrad an einer der folgenden Haltestellen ein- oder aussteigen, sind in T-shirt und Shorts, da friere ich schon beim Anschauen.

Zu Beginn der Fahrt mache ich einige Fotos, es schwankt aber stark, dazu der Wind, daher lasse ich bald einfach nur die Landschaft von meinem Platz aus vorbeiziehen, ohne für Fotos aufzustehen.



Dordrecht ist eine der ältesten Städte der Niederlande und hat eine große Bedeutung für die Geschichte des Landes: 1275 schlossen sich zwölf holländische Städte unter Wilhelm von Oranien zusammen und erklärten ihre Unabhängigkeit von Spanien, wozu sie bis dahin gehörten – die Geburtsstunde der Niederlande.

Um 10.30 Uhr legt der Wasserbus an der Merwekade am Rande der Altstadt an. Eine Reihe von Schafen begrüßt mich in der Stadt,


dann bin ich auch schon mittendrin im klassischen Holland mit Kanälen, Ziehbrücken, wappengeschmückten Stadttoren und Giebelhäusern.




Ich orientiere mich grob am ausgeschilderten Rundgang „Rondtje Dordt“, der mich zu den schönsten Ecken der Stadt bringt. Gemütlich bummle ich durch die Gassen und genieße Sonne, Ruhe (es sind fast keine anderen Leute unterwegs) und Idylle.












LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #20 am: 29. Juli 2026, 17:55:58 »
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 2. Teil

Gegen Viertel nach 11 Uhr komme ich zur Grote Kerk mit ihrem unvollendeten Turm (EUR 4,00). Mit dem Bau der Kirche wurde wohl im 13. Jh. begonnen, das schöne Chorgestühl mit seinen kunstvollen Schnitzereien, die Szenen aus der Geschichte der Niederland zeigen, stammt aus dem 16. Jh.




Nach dem Rundgang durch die Kirche klettere ich auf den Turm. Er ist knapp 70 m hoch, bei dieser Höhe hatte man aufgehört weiter zu bauen, da sich der Turm bereits begann zu neigen. Fast 300 Stufen sind zu bewältigen, natürlich wieder auf einer schmalen und sehr engen Treppe. Die Aussicht ist herrlich, in der Ferne ist sogar die Skyline von Rotterdam zu erkennen, ich sehe oder ahne die Erasmusbrücke und das „De Rotterdam“.


Die Dordrechter Hebebrücke, eine Eisenbahnbrücke ist zu sehen


und natürlich die Gassen und Kanäle der Altstadt. Sehr erfreut bin ich, dass sowohl der Ausblick heute als auch der von der Laurentiuskirche gestern völlig frei ist von Gittern oder ähnlichem, da habe ich anderswo schon die ein oder andere Enttäuschung erlebt.





Nach der Kirchenbesichtigung setze ich meinen Stadtrundgang fort, er führt mich nun in den belebteren Teil der Altstadt mit Geschäften und Restaurants.




Zum Mittagessen wähle ich das Restaurant „Pancake District“, hier gibt es wie der Name schon sagt, Pfannkuchen in allen Varianten, ich wähle einen im Mediterranen Stil, dazu einen Smoothie (EUR 20,50).


Nach dem Essen geht es weiter durch die Stadt,




unterwegs kaufe ich noch zwei kleine Flaschen Wasser und besuche dann das Museum „Hof van NLD“ in einem ehemaligen Augustinerkloster, das der Geschichte der Stadt und der Niederlande gewidmet ist (EUR 20,00 als Kombiticket mit einem weiteren Museum in Dordrecht). Meine Erwartungen an das Museum werden leider nicht so ganz erfüllt, ich hatte auf die Darstellung der Geschichte der Niederlande in einem schönen / interessanten historischen Gebäude gehofft, aber es ist eher ein interaktives Museum für Jugendliche mit Schwerpunkt Bedeutung von Freiheit und Demokratie in den Niederlanden heute.


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #21 am: 29. Juli 2026, 18:02:59 »
3. Tag – Donnerstag, 23.04. - 3. Teil

Nach einer dreiviertel Stunde bin ich deshalb auch schon fertig und mache ich mich auf den Weg



zum „Huis Gijn“, das zweite Museum im Kombiticket vom „Hof van NLD“. An diesem traditionell holländischen Haus bin ich heute Vormittag schon vorbeigekommen, jetzt geht es ins Innere. Das Haus stammt aus dem Jahr 1729, gezeigt wird der Zustand von 1922. Der Jurist, Banker und Sammler Simon van Gijn bewohnte das Haus mit seiner Frau von 1864 bis zu seinem Tod 1922. Van Gijn vermachte das Haus samt Einrichtung der Stadt mit der Auflage, es zu einem Museum umzuwandeln. Seit 1925 kann man nun erfahren, wie eine reiche holländische Familie in einem Stadthaus zum Ende des 19. Jh. lebte. (Ein Foto von der Fassade des Hauses habe ich leider nicht gemacht, kann man sich aber auf Google Street View anschauen, Nieuwe Haven 29-30.) Hier gefällt es mir richtig gut, ich mag es immer mal wieder in das Leben zu früheren Zeiten einzutauchen.




Gegen 15 Uhr habe ich mir alles angeschaut. Das Café, das sich im Haus befindet kommt nun wie gerufen. Mit einem klassisch holländischen Apfelkuchen mit Sahne und einem Cappuccino setze ich mich in den schönen Museumsgarten und ruhe mich aus.


Ein paar weitere Straßenzüge erkunde ich noch auf dem Rückweg zur Wasserbusanlegestelle Merwekade.




Ich nehme das Schiff um 16.30 Uhr und bin eine Stunde später wieder mitten in den Wolkenkratzern von Rotterdam- was für ein Kontrast!

Am Wilhelminapier liegt immer noch die Aida Perla, unglaublich wie riesig das Schiff ist, vom schönen Las Palmas Gebäude mit seinem gerundeten Aufbau ist nichts mehr zu sehen.


Ich mache eine Pause im Hotel und gehe gegen 20 Uhr nochmal raus, irgendwann möchte ich ja noch Fotos von der beleuchteten Brücke machen, habe aber Zweifel, ob ich die heute wegen des Riesenschiffs überhaupt von der Spitze des Wilhelminapier sehen kann. Und es ist so wie ich befürchtet habe, das ist nicht möglich, das Schiff ist viel zu groß, dazu ist auch noch weiträumig alles am Pier mit Gittern abgesperrt, man sieht nur den linken Teil der Brücke, aber nicht den „Schwanenhals“. Das sehen sicher einige anders, aber ich habe kein Verständnis dafür, warum solche riesigen Kreuzfahrtschiffe mitten in der Stadt anlegen und nicht wie alle anderen Schiffe dieser Größe außerhalb der Stadt im Hafen festmachen. Na ja, es wird hoffentlich noch Abende ohne Kreuzfahrtschiff geben.

Wetter: sonnig, kalter Wind, ca. 6 - 15°C


LG Christina

Ilona

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4640
  • Slot Canyon Addict
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #22 am: 30. Juli 2026, 14:08:47 »
Die Fahrt nach Dordrecht mit dem Wasserbus erinnert mich an Kopenhagen. Dordrecht ist ein reizendes Städtchen mit Wasserwegen, die auch an Brügge oder Straßburg erinnern. Der Ausflug hat sich gelohnt :thumb:.

Die AIDAperla ist eigentlich kein Riesenschiff. Es fasst nur 3300 Passagiere. Bei unserer ersten Kreuzfahrt mit der nagelneuen MSC Euribia waren 6000 an Bord. Aber dennoch sind diese Pötte wie Kleinstädte. Ich hoffe, dir verstellte am nächsten Abend kein weiterer Dampfer die Sicht auf die beleuchtete Brücke.   
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #23 am: 30. Juli 2026, 17:51:09 »


Die AIDAperla ist eigentlich kein Riesenschiff. Es fasst nur 3300 Passagiere. Bei unserer ersten Kreuzfahrt mit der nagelneuen MSC Euribia waren 6000 an Bord. Aber dennoch sind diese Pötte wie Kleinstädte. Ich hoffe, dir verstellte am nächsten Abend kein weiterer Dampfer die Sicht auf die beleuchtete Brücke.

Ich kenne mich mit Kreuzfahrtschiffen nicht so aus, aber ich fand die Höhe und Länge des Schiffs hier im direkten Vergleich mit den Hochhäusern dahinter enorm. 3300 Passagiere, das ist mehr als unser Dorf Einwohner hat.  :)


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #24 am: 31. Juli 2026, 18:10:58 »
4. Tag – Freitag, 24.04. - 1. Teil

Nach dem Frühstück verbringe ich noch ein bisschen Zeit im Hotelzimmer, gestern Abend habe ich noch ein Ticket für das Migrationsmuseum Fenix (EUR 15,00) für den ersten Zeitslot des Tages um 10 Uhr gebucht und das Fenix liegt nur ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt.

Gegen halb zehn mache ich mich dann auf den Weg, ich werfe einen Blick zur Erasmusbrücke, die Aida Perla ist weggefahren, die Brücke wieder in voller Länge sichtbar.


Dann gehe ich am Hotel New York vorbei (dazu habe ich im Bericht zum 1. Tag etwas geschrieben) und der Skulptur „Lost Luggage Depot“ vom kanadischen Künstler Jeff Wall aus dem Jahr 2001. Die Skulptur greift die Geschichte des Wilhelmina Pier als Ablegestelle der Schiffe der Holland America Lijn auf, mit denen über Jahrzehnte Millionen von Menschen Europa mit dem Ziel USA oder Kanada verlassen haben.




Über die Rijnhavenbrug erreiche ich Katendrecht und das Fenix. Wie ebenfalls im Bericht zum 1. Tag schon geschrieben, befindet sich dieses in einem ehemaligen Lagerhaus und ist weithin erkennbar am seiner silbernen Skulptur auf dem Dach.


Der „Tornado“ ist auch der Hauptgrund meines Besuchs, vom Museum selbst verspreche ich mir nicht so viel, sondern vermute, dass es inhaltlich und konzeptionell ähnlich sein wird wie der „Hof van NLD“ in Dordrecht gestern. Ich hoffe, dass ich mit meinem Ticket gleich zur Öffnungszeit des Museums eine Chance habe, den „Tornado“ ohne allzu viele anderen Besucher erleben zu können. Diese Hoffnung wird allerdings gleich geringer, als ich die Schulklasse sehe, die ebenfalls auf die Museumsöffnung wartet.

Pünktlich um 10 Uhr öffnen sich die Türen und schon beim ersten Blick nach oben bin ich begeistert, der „Tornado“ ist nicht nur eine Skulptur auf dem Dach, sondern „beginnt“ bereits im Gebäude.


Als erstes muss aber natürlich mein Ticket gescannt werden, dann bekomme ich einen Aufkleber, der zeigt, dass ich mich berechtigterweise im Museum aufhalte. Ich stelle fest, dass anders als auf der Website des Museums ausgeführt, ein Ticketkauf auch vor Ort problemlos möglich ist (und auch kaum mehr Zeit in Anspruch nimmt, als das Scannen des vorab gebuchten Tickets).

Nun geht es aber „in den Tornado“, die silberfarbene „Schlange“ ist nämlich die Treppe bzw. mehrere freihängende Treppen, die aufs Dach führen. Im oberen Bereich ist der Aufgang mit einem Glasdach versehen, dann erreicht man die Dachterrasse.



Die geschwungene Form und die spiegelnde Oberfläche der Tornadoskulptur ermöglichen viele wechselnde Blickwinkel auf die Skulptur selbst und die umgebenden Hochhäuser sowie den Himmel. Und erstaunlicherweise haben weder die Schüler noch die Mehrheit der sonstigen Besucher den Tornado als erstes Besuchsziel gewählt, außer mir sind nur wenige andere Personen hier oben und eine ganze Zeit lang habe ich die Dachterrasse sogar für mich allein. Und das genieße ich ausgiebig! Designt hat den Tornado Ma Yansong vom chinesischen Architekturbüro MAD.








LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #25 am: 31. Juli 2026, 18:20:43 »
4. Tag – Freitag, 24.04. - 2. Teil

Auch wenn der Tornado der Hauptgrund für meinen Besuch des Fenix war, schaue ich mir nun natürlich auch noch die Ausstellungen an. Und die überraschen mich dann positiv. Das ist nicht vergleichbar mit dem gestrigen Museum und lohnt sich unbedingt. Ich beginne im zweiten Stock, wo sich im großen, hellen Loft des ehemaligen Lagerhauses die Ausstellung „All Directions“ verschiedener Künstler zum Thema Migration befindet.

Ein Künstler verbindet die afrikanische Tradition des Haareflechtens mit Rotterdam und stellt die wichtigsten Rotterdamer Bauwerke in geknüpfter Form dar,


ein indischer Künstler hat ein Eisentor konstruiert, das sich halbstündlich von einer Wandseite zur anderen bewegt, was nicht nur zu einem lauten Knall führt, sondern die Wand jedes Mal ein bisschen mehr beschädigt – ein Symbol sowohl dafür, dass irgendwann jede Wand / Grenze bröckelt als auch für den Schmerz, den sich schließende Tore / Grenzen für Menschen bedeutet, die sie überqueren wollen.


Eine Erinnerung daran, dass viele Einwanderer in Holland Putzjobs haben, ist der Vorhang aus Wischmopps einer italienischen Künstlerin.


Bekannt ist das Pop Art Gemälde von Robert Indiana mit dem Wort Love.


Und natürlich noch viele andere sehr eindrückliche Kunstwerke sind zu sehen. Auch auf diesem Stockwerk ist das Museumscafé mit Sitzgelegenheiten, da mache ich eine kleine Verschnauf- und Trinkpause, dann geht es ins Erdgeschoss, wo sich zwei weitere Ausstellungen befinden.

Zunächst schaue ich mir das „Kofferlabyrinth“ an: über 2000 Koffer hat das Museum überall auf der Welt gesammelt und die Geschichten der Eigentümer dazu. Einige dieser Geschichten kann man mittels Audioguide anhören (sogar auch auf Deutsch) – das ist richtig gut gemacht, sehr abwechslungsreich und mit gerade so viel Interaktion wie auch ich das noch mag ;): man sucht sich selbst die Koffer aus, deren Geschichte man anhören möchte.


Abschließend besuche ich die dritte und letzte Museumsausstellung, die Fotoausstellung „Family of Migrants“, eine Sammlung von Fotos zum Thema Migration mit Bildern aus der Zeit von 1905 bis 2025. Sie ist inspiriert von der Fotoausstellung „Family of Man“, die ich zufälligerweise schon gesehen habe, 2010 in Clervaux in Belgien (Eröffnung dieser Ausstellung war 1955 im Museum of Modern Art in New York).

„Family of Migrants“ zeigt bekannte und bislang unbekannte Fotos, meist ist es schwere Kost, bei der ich hin und wieder ein paar Tränchen verdrücke, aber es gibt auch positive Bilder z.B. von Albert Einstein bei seinem Einbürgerungsschwur 1940 in den USA.





Gegen zwölf Uhr verlasse ich das Museum – das mich unerwarteterweise ganz unabhängig vom „Tornado“ sehr begeistert hat.

Fürs Mittagessen finde ich am Deliplein gleich neben dem Fenix das Burgerrestaurant „Hamburg“, auf der sonnigen Terrasse stärke ich mich mit einem Burger mit Pommes und einem Ice Tea (EUR 22,00).


In Katendrecht gibt es ein weiteres Museum, das ich auf meiner Liste habe, Tickets (EUR 17,50) für das Niederländische Fotomuseum können jederzeit vor Ort gekauft werden, also habe ich keinen Termindruck.

Auch dieses Museum befindet sich in einem ehemaligen Lagerhaus, der Umzug dahin erfolgte erst kürzlich. Das „Santos“ Gebäude in dem brasilianischer Kaffee gelagert wurde, stammt aus dem Jahr 1901 und war mit 24,5 m das höchste Lagerhaus der Stadt, nun wurde es mit einer „goldenen“ Dachkonstruktion noch um ein Stockwerk erhöht. Vom Deliplein sind es nur zehn Minuten zu Fuß zum Fotomuseum.


Es werden die wichtigsten Stationen der Entwicklung der Fotografie vom ersten analogen Foto anfangs des 19. Jh. bis zur aktuellen digitalen Fotografie dargestellt und es gibt mehrere thematische Fotoausstellungen. Das Museum ist auch nationales Archiv für unzählige Fotos, die als bedeutsam für das Land angesehen werden (laut Homepage des Museums werden im Jahr 2028 wohl 7,5 Millionen Fotos aufbewahrt sein), auch dazu gibt es Informationen und man kann einen Blick in die Archive und auf die Arbeitsplätze der Archivare werfen.


Eine der Ausstellungen zeigt Fotos von Rotterdam im Laufe der Geschichte, das gefällt mir richtig gut, aber es sind mir eigentlich schon zu viele Fotos, vielleicht bin ich auch nach dem vormittäglichen Museumsbesuch nicht mehr richtig aufnahmefähig.

Ich lasse daher eine ganze Reihe Fotos aus und widme mich noch der zweiten Ausstellung „Awakening in Blue“. Blau ist meine Lieblingsfarbe, das passt also schon mal. Es geht um Fotografie im weiteren bzw. historischen Sinn, nämlich mittels Cyanotypie, auch „Blaudruck“ oder „Sonnendruck“ genannt. Das Verfahren wurde 1842 entdeckt, dabei wird Papier (oder ein sonstiger Trägerstoff) mit einem lichtempfindlichen Eisensalz beschichtet, darauf werden z.B. Blätter oder sonstige Gegenstände gelegt und das Ganze dann dem Licht ausgesetzt. Das beschichtete Papier verfärbt sich blau, dort wo die Gegenstände gelegen haben, bleibt es weiß. (Zugegebenermaßen kannte ich die Cyanotypie nicht, sie wird aber wohl von (Hobby) Künstlern seit einigen Jahren wieder viel genutzt, das benötigte Material gibt es als Set im Bastelbedarf und das Internet hält viele Anleitungen bereit).



Es ist viertel nach zwei und nun habe ich für heute endgültig genug Zeit in Museen verbracht, mehr kann mein Kopf nicht mehr aufnehmen.


LG Christina

Christina

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3901
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #26 am: 31. Juli 2026, 18:31:43 »
4. Tag – Freitag, 24.04. - 3. Teil

Und was hilft, um den Kopf wieder frei zu bekommen? Bei mir immer Sonne, Wind und Wellen und auch das kann Rotterdam bieten. In Sichtweite zum Fotomuseum ist die Metrostation „Rijnhaven“, mit der Linie D/E fahre ich zwei Stationen bis „Beurs“ und von hier mit der Linie B zur Endstation Hoek van Holland Strand – eine knappe Stunde nach Verlassen des Fotomuseums stehe ich am Nordseestrand.


Klar ist das kein Strand inmitten unberührter Natur, es gibt viele Cafés und Restaurants, Strandhäuschen in denen man seine Sachen verstauen kann und Ferienhäuser (Beach Villas von Landal). Und in Richtung Süden blickt man auf die Maasmündung und den Rotterdamer Hafen. Lange Strandspaziergänge sind trotzdem möglich und wer gerne nach großen Schiffen Ausschau hält, ist auch an der richtigen Stelle. Ich gehe erst ein Stück nach Norden, dann nach Süden bis zur Maasmündung. Leider weht ein sehr starker und kalter Wind und im Wasser scheinen irgendwelche Algen oder chemische Substanzen zu sein, der Schaum sieht ziemlich unnatürlich aus. Ich warte einige Zeit darauf, dass ein Schiff die Maas hinauf oder hinunter fährt, verliere dann aber doch die Geduld und gehe schließlich in eines der Cafés, dort windgeschützt in der Sonne kann ich sogar im T-shirt draußen sitzen und meinen Cappuccino trinken. Wenn man mehr Zeit hat, kann man hier noch einiges entdecken, im Ort Hoek van Holland stehen zwei Leuchttürme und ein architektonisch interessanter Wohnkomplex, es gibt zahlreiche Weltkriegsüberbleibsel samt Museum und auch ein Naturschutzgebiet in den Dünen mit Spazier- und Fahrradwegen.








Ich mache mich gegen 16.30 wieder auf den Weg zur Metrostation. Auf der Rückfahrt in die Stadt entscheide ich mich, an der Station Rijnhaven an der ich eingestiegen bin auch wieder auszusteigen und mich dort noch etwas umzuschauen. Das Stadtviertel Afrikaanderwijk, das an die Metrostation angrenzt ist bekannt für seine Murals, ein paar davon möchte ich mir noch anschauen. Dafür muss ich nicht weit gehen: die Metro fährt hier als Hochbahn und die Betonstützen sind bunt bemalt. An den Fassaden naher Mehrfamilienhäuser entdecke ich zwei weitere Wandbemalungen.






Nun ruft endgültig das Hotelzimmer und ich spaziere gemütlich, vorbei an Fotomuseum und Fenix dorthin, ein paar Fotos unterwegs im schönen Nachmittagslicht müssen auch noch sein.





Gegen 20 Uhr bin ich erholt genug, um nochmal rauszugehen, ich brauche noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt. Und etwas später möchte ich dann endlich zu meinen Fotos von der beleuchteten Brücke kommen. Um 20.50 Uhr bin ich an der Spitze des Wilhelminapier, aber leider ist es gerade einmal leicht dämmrig und es will einfach nicht dunkel werden.



Ich spaziere ein bisschen herum und gegen 21.10 Uhr gehen dann endlich ein paar Lichter an.


Ich harre noch bis 21.20 Uhr aus, dann reicht es mir, es weht ein eiskalter Wind und weil der Himmel so klar ist, wird es wohl nicht vor 22 Uhr dunkel sein, so lange will ich nicht mehr warten. Für die Nachtfotografie bin ich eindeutig zur falschen Jahreszeit hier, da kann ich mir vorstellen, in ein paar Jahren irgendwann zwischen November und Februar nochmal nach Rotterdam zu kommen.



Um 21.30 Uhr bin ich wieder in meinem warmen Hotelzimmer.

Wetter: morgens Wolken / Hochnebel, dann sonnig, kalter Wind, ca. 3 - 15°C


LG Christina

Susan

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 3762
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #27 am: 31. Juli 2026, 20:28:01 »
Wir sind tatsächlich wieder im Lande  ;D

Ungewohnt warm hier  ;) da macht Reiseberichte (nach)lesen mehr Spaß als Bügeln. Rotterdam als Ziel konnte ich mir so gar nicht vorstellen, doch beim flüchtigen Drüberschauen gefällt mir doch so einiges dort. Werde jetzt etwas gründlicher schauen.
Liebe Grüße
Susan


Silv

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 1983
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #28 am: 01. August 2026, 11:32:53 »
Mir ist das natürlich wieder zu viel Stadt, aber der Tornado gefällt mir. Da hattest du ja Glück, dass du den für dich alleine hattest. So sind wirklich schöne Bilder zustande gekommen  ^-^
Liebe Grüße
Silvia

Horst

  • Eumerika Team
  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 4137
Re: Das andere Holland - Rotterdam April 2026
« Antwort #29 am: 01. August 2026, 12:04:08 »
Tolle Stadt - tolle Fotos!
Hätte ich ehrlich gesagt vorher nicht über Rotterdam gedacht, dass die Stadt soo viel hergibt.
Eigentlich bin ich auch eher ein Kunstmuffel aber das was Du zeigst ist so kreativ und optisch ansprechend, dass das absolut ein Plus von Rotterdam zu sein scheint, selbst für mich.
Das Fenix mit dem Tornado ist spektakulär. Die "Geschichte der Koffer" finde ich cool und die zeigt, wie innovativ es in dem Museum und scheinbar auch in der Stadt zugeht.
Die Murals und die Wolkenkratzer am Wasser erinnern mich schon wieder an Chicago.  :))