5. Tag – Samstag, 25.04. - 2. TeilIm Inneren arbeite ich mich dann Stockwerk für Stockwerk nach unten.
Als erstes schaue ich mir die Ausstellung „Pixel Pioneers“ an, die heute ihren ersten Tag hat. Bereits in den 1960iger Jahren gab es Künstler, die mittels Computern Kunstwerke geschaffen haben, was sich seitdem natürlich bis heute fortgesetzt hat. Mal sind die Bilder digital hergestellt, mal sind Computerbildschirme das Kunstwerk, mal werden analoge Bilder bekannter Künstler digital wiedergegeben und die Besucher können mittels ihrer Bewegung das jeweilige Bild beeinflussen. Das alles ist nicht so ganz mein Geschmack, schade, aber ich bin ja nicht wegen einer einzelnen Ausstellung hier, sondern wegen des Gebäudes an sich.
Und das ist gut gemacht, auch das Treppenhaus ist Teil der Ausstellungsfläche, es wird sehr viel buntes zwischen sehr viel durchsichtigen Flächen gezeigt, so dass man auf den ersten Blick oft gar nicht sieht, wo was hingehört.
An mehreren Stellen kann man in das eigentliche Depot schauen, also die Lagerräume der Kunstwerke, dazu kann man jeweils einen Lichtschalter betätigen, dann wird der hinter einer Glaswand liegende Raum für kurze Zeit hell und damit sichtbar.
Außerdem besteht die Möglichkeit zu geführten Überraschungs- oder Spontanbesuchen in verschiedenen Lagerräumen, dazu wird auf einem kleinen Schild am jeweiligen Eingang eine Uhrzeit angezeigt zu der man sich einfinden muss. Leider komme ich immer entweder zu spät oder ich werde zu der angegebenen Zeit nicht mehr im Museum sein.
Schließlich gibt es eine weitere Ausstellung „Diary of Things“, da geht es anhand von konkreten Ausstellungsstücken darum, wie ein Museum zu seinen Werken kommt. Mal werden sie von anderen Museen gekauft, wie z.B. das Gemälde „Schwarzes Dreieck“ von Kandinsky, 1964 gekauft vom Guggenheim Museum New York, das zu viele Werke von Kandinsky hatte,
mal sind es Spenden oder Geschenke, manchmal geht ein Werk auch illegale Wege, was oft erst später festgestellt wird und dann zu Erwägungen darüber führt, ob und an wen das Kunstwerk zurückgegeben werden soll. Ein sehr interessantes Thema, das eine Vielzahl von völlig unterschiedlichen Werken in einer Ausstellung zusammenführt.
Leider habe ich nur eine gute Stunde Zeit für das Depotmuseum, weil ich später noch einen Termin habe, meinen Wunsch, die Dachterrasse und das Innere dieses einfallsreichen Gebäudes zu sehen, kann ich in der Stunde aber natürlich erfüllen, auch ein kurzer Blick in die beiden Ausstellungen war möglich. Möchte man diese aber genauer anschauen und vielleicht auch an einer kurzen „Spontanführung“ teilnehmen, braucht man zumindest zwei Stunden.
Gegen viertel nach zwölf Uhr verlasse ich also das Depotmuseum und mache auf einer der Bänke davor eine kurze Mittagspause, dafür habe ich mir gestern im Supermarkt ein Sandwich besorgt und heute mitgenommen, ich konnte nicht einschätzen, ob Zeit für einen Restaurantbesuch bleiben würde. Dann spaziere ich in Richtung Schiffsanlegestelle bei der Erasmusbrücke.
Auf dem Weg dorthin komme ich am Westersingel an einem weiteren Kunstwerk vorbei, der Skulptur „Elevazione“ des italienischen Künstlers Giuseppe Penone aus dem Jahr 2001, ein Baumstamm aus Bronze ist inmitten von fünf echten Bäumen befestigt, ich muss mehrmals hinschauen, bis ich mir sicher bin, dass der „Baum“ in der Mitte künstlich ist.
Die Idee dahinter ist, dass sich im Laufe der Jahre Spuren des künstlichen Baums bzw. dessen Wurzeln in der Rinde der echten Bäume finden werden. Ob und wie gut das gelingt, müsste man jetzt schon beurteilen können, immerhin steht die Baumgruppe schon seit 25 Jahren hier, gewachsen sind die Bäume auf jeden Fall, das kann ich beim Vergleich zwischen meinem Foto und dem auf der „Sculpture International Rotterdam“ Homepage sehen.
Für 13.30 Uhr habe ich schon von zu Hause aus online ein Ticket für die „Extended Harbour Tour“ Schiffsrundfahrt, durchgeführt von „Spido“ gekauft (EUR 32,50). Diese findet während meines Rotterdam Aufenthalts nur am heutigen Samstag einmal vormittags und einmal nachmittags statt, die üblichen, kürzeren Hafenrundfahrten werden dagegen mehrmals täglich angeboten.
Um 13.15 Uhr bin ich an der Abfahrtsstelle, das Schiff kann schon betreten werden, ich reihe mich in die recht lange Schlange ein und habe kurz Zweifel, ob das eine gute Idee war mit der Schiffsrundfahrt, auf so eine touristische Menschenmenge habe ich nicht wirklich Lust und bis ich auf dem Schiff sein werde, werden die besten Plätze ganz vorne oben sicher schon belegt sein.
Die Zweifel sind zum Glück schnell zerstreut, denn erstaunlicherweise gehen die meisten Leute entweder ins Innere des Schiffs (bei strahlendem Sonnenschein und einer Fahrt, die man ausschließlich wegen der Ausblicke macht!) oder an die Tische auf dem mittleren Deck. Außerdem ist das Schiff alles andere als voll belegt, was ich aufgrund der langen Schlange nicht vermutet hätte. Ich kann mir also problemlos meinen Wunschplatz sichern und die Fahrt genießen.
Wir fahren unter der Erasmusbrücke durch, wenden dann aber bald wieder. Man hat einen schönen Blick auf das Denkmal „The Bow“ aus dem Jahr 1956 von Frederico Carasso, die Skulptur ist einem Schiffsbug nachempfunden und soll an die während des Zweiten Weltkriegs Gefallenen der Handelsmarine erinnern.
Das dunkle Hochhaus mit dem überstehenden Dach beherbergt das Hotel Doubletree by Hilton und die beiden dunkelgrauen Hochhäuser ganz links sind „De Hoge Heren“ („Die hohen Herren“), Apartmenthäuser aus dem Jahr 1997. Beide haben jeweils 29 Stockwerke, alle 285 Apartments haben Blicke sowohl auf den Fluss als auch auf die Stadt. Die Fassaden bestehen aus Beton und heben sich aufgrund der dunklen Farbe gut von den eher helleren Hochhäusern der Innenstadt ab.
Wir fahren am historischen Fährhafen vorbei, an dem ich schon zu Fuß war
und erreichen dann das Lloydkwartier mit einigen interessanten Hochhäusern. Besonders auffällig ist das „Shipping and Transport College“ mit dem periskopartig geformten oberen Bereich, typisch für das Architekturbüro Neutelings Riedijk.
Es geht noch an ein paar unspektakulären Wohnblocks vorbei,
dann beginnt der Hafenbereich. Hier gibt es nun eine Vielzahl von Trockendocks, Kränen und riesigen Schiffen bzw. stationären Plattformen zu sehen.
Leider gibt es dazu, anders als beim Vorbeifahren an den Hochhäuern vorhin, keine Erklärungen dazu, was genau man da sieht, aber ich finde diese farbigen Riesen mit all den Rohren und Gerüsten und Aufbauten einfach faszinierend, genau deshalb habe ich die ausführliche Hafenrundfahrt gebucht.
Eine gute halbe Stunde bewegen wir uns ganz langsam rund um die Giganten,
dann machen wir einen Abstecher zu einem weiteren Hafenbereich, hier dominieren die Kräne sowohl an Land als auch auf Schiffen.
Dann wird gedreht und wir fahren wieder in Richtung Innenstadt.