Allgemeines > Meldungen & Tipps
Zynisch?
Silke:
--- Zitat von: Horst am 30. November 2013, 18:14:40 ---Hi Silke,
--- Zitat von: Silke am 30. November 2013, 17:18:56 ---Damit bringen wir Geld in diese Länder. Würden wir nicht dort hin fahren, ginge es den Menschen noch schlechter.
--- Ende Zitat ---
Die Frage ist wem bringt man das Geld wirklich ?
Ein bisschen mag schon bei den armen Einheimischen ankommen, der Löwenanteil aber bei den sowieso schon reichen Besitzern der Gastronomie oder Mietwagenfirmen. Da gibt es ein paar schlecht bezahlte Jobs die dann auch durch Tourismus partizipieren aber die eigentliche Kohle bekommen die nicht.
--- Ende Zitat ---
Aber sind nicht die schlecht bezahlten Jobs besser als gar keine Jobs ? In Ländern, in denen es kein Sozialsystem gibt. Viele Gegenden leben ja zu einem großen Teil vom Tourismus. Man sieht es ja gerade in Ägypten recht deutlich, da ist der Tourismus eingebrochen und den Menschen geht es - auch deshalb - schlechter als vorher.
Horst:
Ja, hatte ich ja geschrieben je nachdem in welchem Land man sich bewegt (das ist in Ägypten wo es "Strandkultur" gibt etwas anders als z.B. in Südafrika, China Rußland oder Guatemala) bringt das ein wenig für manche die mit kleinen Jobs ein Mini-Puzzleteilchen vom Kuchen abbekommen.
Die Sahneschnitten bekommen aber andere und in manchen Ländern ist das leider ganz wenig.
Andrea:
Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken an einen wohlhabenden Schnösel, der nach seinem Urlaub dort erzählt: "Na, soo schlecht geht es den Leuten in den Slums ja auch nicht..."
Schon mal Hunger gehabt? Schon mal verdrecktes Wasser getrunken? Schon mal Zahnschmerzen gehabt und den Zahn dann von dem Kumpel ziehen lassen (ohne Betäubung natürlich)? Schon mal juckenden eitrigen Ausschlag gehabt? Jede Nacht Angst um sein Leben gehabt?
Ja, das ist zynisch.
Birgit:
Also, der Unterschied zwischen solch einem "Hotel" und einem Touristen, der irgendwo fotografiert, ist meiner Meinung nach, dass mit dem "Hotel" mit dem Voyeurismus der geschätzten Kunden Geld gemacht wird, das ja wahrscheinlich nicht als Spende an die Bewohner des nachgebauten Slums geht. Und es geht nicht um irgendwas in der Vergangenheit im Sinne eines Mahnmales, sondern um den sehr soften Nachbau gegenwärtiger Verhältnisse.
Andererseits gibt es eine Menge Dinge, die Touristen vorgeführt werden, bei denen man sich auch fragen könnte, ob das nicht sehr "light" Gruselschauer über den Rücken jagt. Und wenn ich das nun wieder selbst nachlese, frage ich mich schon wieder, ob mein letzter Satz stimmt, denn was ich daraus mache, wenn ich etwas besichtige, hängt ja von mir ab. Ich erwähne da mal provokant beispielsweise die Besichtigung eines KZ?
Wenn ich mich hinstelle und Armut oder wie in Indien einfach auch krasse Szenen fotografiere, habe ich schon in gewisser Hinsicht Gewissensbisse, weil ich es "malerisch" finde und natürlich Voyeurismus befriedige. Museen besichtige ich hingegen um mich zu informieren, auch schlimme Sachen (Holocaustmuseum in Washington, Sklavereimuseum in Charleston beispielsweise). Und da frage ich mich dann schon manchmal, wo es grenzwertig wird. In Thüringen kann man beispielsweise für Partys mit anschließender Übernachtung und Mitmachshow des Ernstfalles einen Stasibunker buchen und besichtigen.
Speziell in Taos aber habe ich das gar nicht so empfunden, dass die Besichtigung des Ortes oder das Fotografieren irgendwie anrüchig wären. Auch wenn dort Menschen wohnen, ist es letztlich eine Art Museumsdorf, man zahlt Eintritt und darf keine Menschen fotografieren. Ich lasse mich also auf einen Deal ein, die Spielregeln werden mir vorgegeben: Zahle XX USD Eintritt, gehe über keine Absperrungen, fotografiere keine Menschen und sei ansonsten herzlich willkommen. Als ich dort war, hat sich in dem Dorf übrigens auch kein Bewohner blicken lassen. Und ich gehe davon aus, dass der Eintritt den Bewohnern zugute kommt und dass diese Form der Besichtigung von ihnen selbst gewählt ist.
Sollte es bei dem Slumhotel tatsächlich um die Pädagogik gehen, finde ich das nach wie vor absolut daneben, denn wenn man das Leben der einfachen Menschen erfahren will, könnte man ja auch ein Projekt schaffen, bei dem man beispielsweise in einem einfachen Dorf oder ärmlichen Stadtteil bei Gastfamilien aus einfachen Verhältnissen 1 bis 2 Nächte lebt, die zu ihrem Leben etwas erzählen können, die vielleicht (aus eigener Erfahrung) etwas berichten können zum "echten" Slumleben, das sich so ja kein Tourist ernsthaft antun würde, schon allein aus Sicherheitsgründen. Das zumindest wüde ich als deutlich weniger scheinheilig empfinden.
Horst:
--- Zitat von: Birgit am 01. Dezember 2013, 12:38:04 ---Sollte es bei dem Slumhotel tatsächlich um die Pädagogik gehen
--- Ende Zitat ---
Das halte ich für mehr als unwahrscheinlich. ;)
Den Besuch eines KZ's finde ich schon berechtigt wenn man das einmal sehen will, vielleicht auch mit seinen Kindern in einem geeigneten Alter.
Hier in Nürnberg gibt es das sehr gut gemachte Dokumentationszentrum, daß ich dieses Jahr mit meiner Tochter besucht habe.
Das ist Lichtjahre davon entfernt Voyeurismus zu sein, das ist erschreckend aber auch sehr informativ und es lässt gerade junge Menschen verstehen, wie es dazu kommen konnte und warum und was da überhaupt passiert ist.
Navigation
[0] Themen-Index
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln